Forum: Leben und Lernen
Eltern über Missstände in Kitas: "Mein verträumter Sohn geht im Trubel unter"
Getty Images/ iStockphoto

Hohe Gebühren, kurze Öffnungszeiten, gestresste Erzieherinnen und Erzieher - oder auch mal gar keine: In vielen Kitas liegt etwas im Argen. Hier berichten Eltern, was bei ihnen schiefläuft.

Seite 1 von 11
spixel.mmartl 01.10.2018, 07:11
1. Sie haben die Öffnungszeiten doch vorher gekannt

Naja, irgendwo muss ich dem Pfarrer da schon Recht geben.
Mich würde mal interessieren, ob der Vater die Situation schon vor der Anmeldung angesprochen hat und versucht hat eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passt.
Aus Erfahrung gehe ich aber davon aus, dass das vorher nicht angesprochen wurde, schon alleine um die Zuteilung des Platzes nicht zu gefährden, und dann das Erzieherpersonal vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Und dann braucht man sich nicht wundern, wenn das Personal darauf verschnupft reagiert.

Beitrag melden
hansgustor 01.10.2018, 07:18
2. Offenes Konzept

Ich bin zufrieden mit unserer Kita - beim privaten Träger. Wir haben auch einen Platz in einer öffentlichen Kita angeboten bekommen, der ein bisschen billiger war. Dort verwendet man das "offene Konzept", d.h. die Kinder können sich selbst aussuchen was sie machen, z.B. in den Garten, ins Atelier, in die Werkstatt. Vorteile: weniger Personal notwendig, weniger Zusammenhalt bei den 60 Kindern, ... Ein Kind circa 4 Jahre alt, saß alleine und Kaugummi kauen in einer nicht einsehbaren Ecke und hat uns die ganze Zeit angestarrt. Es kam mit vor wie in einem US-Knast. Habe mir noch kurz überlegt welcher Gang sich unser Kind schließen sollte, aber dann doch abgesagt.

Beitrag melden
kuschmucki 01.10.2018, 07:32
3. An den bayerischen Vater:

Sind Sie schon mal auf die Idee gekommen, dass eine Erzieherin das gleiche Problem haben könnte wie Sie ? Pünktlich von der Arbeit wegkommen, ins Auto hechten, durch den Berufsverkehr fahren um die eigenen Kinder abzuholen ?
Schimpft nicht auf das kleinste Rad im System. Fangt oben an, in der Politik.
Solange der Mensch, der euer Geld „betreut“ mehr verdient als der, der eure Kinder betreut, stimmt etwas nicht....

Beitrag melden
harlekin307 01.10.2018, 07:36
4. Arbeitende Eltern!

Es ist politisch und gesellschaftlich gewollt,dass Eltern arbeiten. Es ist sogar so,dass die meisten Menschen das müssen,um leben und wohnen zu können!Die Mehrheit der Kindergärten schließt um 16:00 oder 16:30,was schon eher selten ist. Bei der Offenen Ganztagsschule ein ähnliches Bild.
Wie ein Vater anschaulich beschreibt: Wie weltfremd ist das denn!!
Wenn aber schon das grundlegende Konzept bei Öffnungszeiten nicht der gesellschaftlichen Realität angepasst ist,sind Unzufriedenheit und vermeidbaren Stress vorprogrammiert.

Beitrag melden
MisterD 01.10.2018, 07:44
5. 10 Minuten hier, 10 Minuten da...

Ich kann den letzten Vater verstehen. 10 Minuten sehen auf den ersten Blick nicht viel aus.
Wenn aber jeden Tag 10 Minuten auf ein Elternteil gewartet werden muss und der eine oder andere evtl. auch morgens schon 10 Minuten früher auf der Matte steht... dann werden aus "mal 10 Minuten", schnell 100 Minuten pro Woche, also fast 2 Stunden zusätzlich, die nicht bezahlt werden...

Schenken Sie ihrem Arbeitgeber wöchentlich 2 Stunden? Ja, ich schon, ich verdiene aber auch entsprechend gut und mache das freiwillig...

Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist die Lamentiererei von der schlecht bezahlten Erzieherin. Diese Damen und Herren verdienen als Einstiegsgehalt um die 2.600 EUR Brutto, wenn sie nach TVöD-SuE angestellt sind.
Das steigt dann im Laufe der Jahre in der Gruppe 8a auf 3.600 EUR an.

Fragen Sie bei Gelegenheit mal ihre Friseurin oder ihren Klempner, was der so pro Monat verdient... es wird nicht mehr sein...
Es gibt auch nicht wenige Akademiker, die kaum mehr verdienen...

Erzieherinnen liegen mit ihrem Gehalt, was Ausbildungsberufe angeht, schon relativ gut. Klar, mehr geht immer. Aber dann muss man auch sagen, woher es kommen soll.
Ich finde jedenfalls 600 EUR als Höchstsatz für einen KiTa-Platz für völlig überzogen. Bei einem Familieneinkommen von 3.000 EUR (da liegt ungefähr die Höchstgrenze) gibt man dann 20% des Einkommens für Betreuung EINES Kindes aus. Das zweite kostet dann noch 300 EUR.
Ich könnte das verstehen, wenn man verhindern will, dass gerade gutverdienende Menschen Kinder bekommen... aber Gegenteil ist ja angeblich der Fall...

Beitrag melden
binci1977 01.10.2018, 07:51
6. nur "..... 10 min Mehrarbeit?"

Ich muss jetzt mal auf die Aussage einer Mutter reagieren, die sich beklagt,dass die Kitaleitung auf Pünktlichkeit besteht.

Viele Menschen vergessen scheinbar,dass auch ErzieherInnen Familien haben. ErzieherInnen haben auch Kinder,die irgendwo betreut werden müssen,damit die Eltern arbeiten können. Auch wir haben nur bestimmte Betreuungszeiten für unsere Kinder und müssen diese pünktlich abholen. Auch die Einruchtungen unserer Kinder schliessen. Also ist es eben nicht die Angst,vor ein bisschen Mehrarbeit,sondern die gleichrn Probleme,die andere Eltern auch haben.
Das" bisschen Mehrarbeit" muss übrigens irgendwann wieder ausgeglichen werden,was bedeutet,dass eben diese Erzieherinnen im Alltag fehlen,weil sie Überstunden abbauen müssen.

Für Eltern gibt es immer die Möglichkeit, sich im Elternbeirat zu engagieren und so evtl. auch auf die Öffnungszeiten einzuwirken,wenn der Bedarf der Eltern da ist.

Ich übrigens habe einen 25km Arbeitsweg und muss meine Kinder auch pünktlich holen.

Bitte mal über den Tellerrand schauen.


Generell ist zu sagen: An der Situation wird sich solange nichts ändern,bis Politiker einsehen,dass man den Beruf attraktiver für Junge Leute machen muss.
Niemand tut sich heut noch eine 4-5 jährige unbezahlte,selbstzufinanzierende Ausbildung an, mit Ausblick auf einen der schlecht bezahltesten Berufe in Deutschland.

Toll,wenn der Personalschlüss auf dem Papier verbessert werden soll....nur woher kommt der Nachwuchs?

Beitrag melden
jujo 01.10.2018, 07:54
7. ...

Wenn ich mir die Berichte von betroffenen Eltern anschaue müßte es mit etwas gutem Willen möglich sein die Situation in den Kitas zu verbessern. Leider scheint es aber häufig so zu sein, das der "gute Wille" schamlos, bis zur Schmerzgrenze vom Arbeitgeber aber auch von den Eltern ausgenutzt wird.
Wenn z.B. Eltern bereit sind das Personal zu unterstützen, darf der Arbeitgeber sich nicht zurücklehnen und meinen, na bitte geht doch. Andererseits haben unterstützende Eltern dann auch eine Stimme und Meinung zu Problemen die ohne Betriebsbrille artikuliert werden, damit muss das Personal dann leben. Es ist nicht einfach.

Beitrag melden
fördeanwohner 01.10.2018, 08:12
8. -

Zitat von harlekin307
Es ist politisch und gesellschaftlich gewollt,dass Eltern arbeiten. Es ist sogar so,dass die meisten Menschen das müssen,um leben und wohnen zu können!Die Mehrheit der Kindergärten schließt um 16:00 oder 16:30,was schon eher selten ist. Bei der Offenen Ganztagsschule ein ähnliches Bild. Wie ein Vater anschaulich beschreibt: Wie weltfremd ist das denn!! Wenn aber schon das grundlegende Konzept bei Öffnungszeiten nicht der gesellschaftlichen Realität angepasst ist,sind Unzufriedenheit und vermeidbaren Stress vorprogrammiert.
Ja, da kann man sich bei den Mitmenschen bedanken, die leider keine Parteien unterstützen, die sich besser um eine familienfreundlich Arbeitswelt kümmern würden. Stattdessen wird heutzutage von gewissen Menschen sogar AfD gewählt, die das Problem bestimmt beheben würden. Ganz bestimmt sogar - nicht.
Nichts für ungut, aber an vielen Dingen ist der Wähler, besser die Gesellschaft selbst schuld.

Beitrag melden
reichsvernunft 01.10.2018, 08:13
9. Danke und Danke...

... wenn ich das so lese muss ich aus vollem Herzen drei Kreuze schlagen. In unserer KiTa sind genug Erzieher anwesend, sie sind engagiert, gehen ruhig und wenn nötig individuell auf die Kinder ein, wir haben viel Programm und lange öffnungszeiten, und wenn man vorher drüber spricht ist man da auch mal flexibel. Ist aber ein freier Träger. Wenn ich lesen muss, wie dieses Thema politisch behandelt wird... naja. Was erwartet man von unseren korrupten Selbstdarstellern auch anderes... kaputte Kinder werden kaputte Erwachsene, die aus Existenzangst und Minderwert arbeiten ohne zu mucken und konsumieren ohne zu denken. Also alles wie gewollt. Schön, dass es hier angesprochen wird und auch klar gesagt, wer schuld ist.
Eines ist mir nämlich auch aufgefallen. Die Ämter und Behörden sind eine Katastrophe. Ein leerer Parkplatz gegenüber der KiTa wird blockiert (unter Androhung illegaler Abschleppmaßnahmen) und die Eltern sollen jetzt auf der ohnehin engen Straße parken oder beim örtlichen Spaßbad in der Nähe (klar doch, jeden Tag zwei Mal den Kleinen erzählen, dass jetzt KiTa angesagt ist und nicht Riesenrutsche...). Dann kommt ein Mal im Jahr eine Trulla vom Gesundheitsamt vorbei die die Kinder "untersucht" und hat beim letzten Mal einer Menge gesunder, normaler Kinder bescheinigt sie seien auf die ein oder andere Weise gestört oder zurückgeblieben (bei rechnungsweise max. fünf Minuten pro Kind) weil sie - egal welchen Alters - die Aufgaben für eine Einschulungsfähigkeit nicht bewältigt haben (ja. Auch zweijährige.). Was mein Kind betrifft will ich mit diesem Staat so wenig wie möglich zu tun haben. Das ist ziemlich problematisch. Denn ich kann mir das leisten. Wer das nicht kann, muss sich mit den schwer entsorgbaren, realitätstranszendentalen Alleskönnern zu nicht vorhandenen Bürozeiten rumschlagen. Und für alle die das nicht wissen - Verwaltungsrichter gehen oft nach kurzer Einführungstätigkeit für ein paar Jahre selbst in die Verwaltung um "den Alltag kennenzulernen" - klagen ist also in den unteren Instanzen oft sinnlos, da man mit den gleichen Typen verhandelt. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus...

Beitrag melden
Seite 1 von 11
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!