Forum: Leben und Lernen
Equal Pay Day: Lasst uns übers Geld sprechen
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Wie viel verdienst du? Für viele Deutsche ist das eine unangenehme Frage. Doch warum sind wir in Sachen Gehalt so verklemmt? Ein Erklärungsversuch.

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rieberger_2 18.03.2018, 07:54
1.

Mein Einkommen geht nur und ausschließlich das Finanzamt etwas an. Und das ist mir im Grunde genommen schon zu viel. Alles Andere ist Privatsache. Und so wenig mich das Einkommen anderer zu interessieren hat, so wenig geht andere mein Einkommen ewas an.
Das mag man wo anders anderst betrachten. Es gilt:andere Länder, andere Sitten.

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yogi65 18.03.2018, 08:14
2. Komplex

Es ist zum Teil so wie es die Autorin beschrieben hat. Habe ich ein hohes Gehalt muss ich im Fall der Transparenz Neid und Missgunst fürchten, beim niedrigen Gehalt drohen Mitleid und Geringschätzung. Und es ist ja leider auch nicht so, dass eine direkte Korrelation zwischen gefühlter "Leistung" und Gehaltshöhe besteht. Dass die Kassiererin bei Aldi oder die Altenpflegerin eher wenig verdienen ist ja keine Minderleistung sondern eher ein Marktpreisphänomen. Die jeweils angebotene Leistung ist nicht knapp sondern würde im Fall besserer Bezahlung sofort zu einem starken Angebotsüberhang führen, da die Qualifikationshürde nicht so hoch ist. Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland auch innerhalb der Berufe das ausgeprägte Phänomen der Seniorität. Das führt dazu, dass Berufsanfänger selbst bei herausragender Leistung immer deutlich weniger verdienen als die Senioren, selbst wenn die sich schon innerbetrieblich zur Ruhe gesetzt haben. Daher ist die Vertraulichkeit von Gehältern auch ein wenig Garant für sozialen Frieden in den Betrieben.

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Nordstadtbewohner 18.03.2018, 08:15
3. (Sozial)Neid auf Leistungsträger

"Es muss ja nicht sofort der Transparenzschock à la Schweden sein, wo man leicht Auskünfte über das Gehalt der Kollegen und Nachbarn einholen kann."

Ich bin gegen eine solche "Transparenz", denn sie öffnet der Neidgesellschaft neue Türen, um sich über Leistungsträger zu echauffieren. Neid und Missgunst lauern leider überall. Ich möchte mich nicht vor anderen rechtfertigen müssen, warum ich mehr verdiene als Kollege (m/w).

Dazu kommt, dass die im Artikel geforderte Unaufgeregtheit bei der Lohntransparenz als andere als unaufgeregt ist. Sie führt zum Aufbau eines Erpressungspotentials über die Hintertür. Es kann nicht sein, dass sich Vorgesetzte für alles rechtfertigen müssen.

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fördeanwohner 18.03.2018, 08:21
4. -

Lustig. Gestern habe ich an einer Fortbildung teilgenommen, in der es u.a. um kulturelle Unterschiede zwischen Briten und Deutschen ging. Eine Vortragende war Britin, die uns noch einmal darauf hinwies, dass man in GB nicht übers Gehalt sprechen dürfe. In Deutschland sei das ja tatsächlich eher üblich. Sie lebt seit nun über 25 Jahren in Deutschland, kann es daher wohl auch einschätzen.
Und hier lesen wir nun, wir seien so verklemmt diesbezüglich. Es scheint in GB also viel krasser zu sein.

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wally76 18.03.2018, 08:24
5. Brutto weiß ich nicht genau, aber netto

sind es derzeit etwas über 4700 als Professor an einer staatlichen Hochschule. Da sind einige Leistungs- und Familienzulagen drin, sonst wären es knapp unter 4000 netto.

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Publius Aelius Hadrianus 18.03.2018, 08:25
6. Und es ist doch nicht gerecht

Keiner will gerne hören, dass er das genetische Lottospiel (Intelligenz, Schönheit) verloren hat. Leben ist eben ungerecht. Wir haben es aber geschafft, dass Menschen nicht mehr dem Tode geweiht sind, wenn sie nicht mehr arbeiten können oder krank sind.
Wobei ich finde, dass die deutsche "Denke" ehrlicher ist. Dieser Traum vom Tellerwäscher zum Milliardär ist einfach eine Lüge und falsch. Hast du einen IQ von 85 kannst du so viel Arbeiten und dich anstrengen wie du willst, du wirst wohl nicht als Anwalt oder Arzt arbeiten werden. Das heißt nicht, dass die Person keinen relativen Erfolg haben kann.
Manches hängt in der Tat von äußeren Umständen ab (hauptsächlich bezüglich Intelligenz und das diese gefordert wird). Nichtsdestoweniger hat auch der Einzelne mit seiner Schaffenskraft, Wille etc. zu seinem Erfolg beigetragen. Da schießt man bei uns etwas über das Ziel hinaus. Aber es ist natürlich bequemer zu sagen, anderen hätten Schuld. Ob das ein rein deutsches Phänomen ist ? Das die Person, die in eine S-Klasse einsteigt, vielleicht auch 80-90h Wochen hat, ein, zwei Scheidungen hinter sich hat oder sein Sohn oder er selbst an irgendwelchen Krankheiten leidet, so weit geht dann die Empathie nicht.
Verflixtes Leben. Geliebt und gehasst.

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burlei 18.03.2018, 08:25
7. Der öffentliche Dienst ...

... macht es vor. Jeder, der will kann die Tabellen im Internet einsehen. Es macht nur niemand. Wenn sich jemand die Mühe machen würde, wäre das Genöle über die "überbezahlten Beamten" schlagartig vorbei. Aber scheinbar ist es viel schöner, seine Vorurteile zu pflegen als mal der nackten Wahrheit ins Auge zu sehen.

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t0schef 18.03.2018, 08:30
8.

38, männlich, verheiratet, 3 Kinder:
Vorher Offizier der Bundeswehr, jetzt Polizeikommissar. 3880,-€ netto + Kindergeld. (Sachsen)

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murksdoc 18.03.2018, 08:38
9. Gehalt?

Was bedeutet "Gehalt"? Die festen (Brutto) Gehaltsbestandteile? Die festen und die variablen (zum Beispiel Überstunden, Bereitschaftsdienste, Gewinnbeteiligungen) Brutto Gehaltsbestandteile? Darf man die 46%, die einem Ledigen monatlich abgezogen werden, abziehen, also den Netto-Verdienst angeben? Wird in den Veröffentlichungen dann auch darauf hingewiesen, dass der Stundenlohn eines Arztes am 24.12.um Mitternacht 23 Euro Brutto beträgt, genauso wie an Ostern oder anderen Feiertagen? Oder steht da einfach eine Zahl, von der niemand weiss, wie sie zustande kommt? Muss sich jemand, dessen Stundenlohn eine Lachnummer ist, schämen, viel zu verdienen, nur, weil er viel arbeitet und das auch noch zu unmöglichen Tages- und Nachtzeiten? Wie ist das bei Selbstständigen? Wie berücksichtigt man die Unkosten oder die Gehälter der Angestellten? Solcherlei "Transparenz" verleitet doch nur zu Rechenspielen zu Ungunsten derer, denen man noch mehr Geld aus der Tasche ziehen will.

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