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ETH Zürich: Elite-Uni untersucht Mobbingvorwürfe gegen Professorin
REUTERS

Sie soll ihre Doktoranden gedemütigt und ihnen ein absurdes Arbeitspensum abverlangt haben: Gegen eine Professorin an der ETH Zürich leitet die Uni nun eine Untersuchung ein.

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alfredjosef 25.10.2017, 18:02
1. nicht empfehlenswert

Das Leben von Doktoranden ist sowieso schon hart genug, auch wegen der Abhängigkeit von Doktormutter und -vater. Und wenn dann noch sowas dazukommt, wie beschrieben, dann ist ein Nachdenken darüber angebracht, ob eine PhD überhaupt lohnenswert ist. Für viele nämlich nicht! Es wird auch in der Industrie gute Forschung betrieben, und meist unter sehr viel grosszügigeren Bedingungen, sowohl was Arbeitszeit als auch Bezahlung angeht. aj

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tommyblux 25.10.2017, 18:16
2.

Erick Carreira, damals noch in den USA, jetzt ebenfalls an der ETH Zürich, lässt grüssen: http://www.lettersofnote.com/2011/03/i-expect-you-to-correct-your-work-ethic.html

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Publius Aelius Hadrianus 25.10.2017, 18:24
3. Universitäten

Mittlerweile kann man Professoren kaum mehr ernstnehmen. Die Berufungsverfahren sind dubios, ziehen sich über Jahre und anschließend können sich die verbeamteten Professoren im Mantel der "Freiheit von Forschung und Lehre" suhlen, ohne auch nur ansatzweise kontrolliert zu werden.
Man lässt die Doktoranden für sich ackern, platziert am Ende den Namen auf den Papern, da "man ja sehr gut betreut hat" und lässt man dann noch ein paar Jahre vergehen, tauchen ganze Veröffentlichung, die der oder die Professor/in nie gelesen hat, auf deren endlosen Publikationslisten auf.

Nebenbei schanzt man sich gegenseitig Preise zu, die außer im Dunstkreis der Universität niemand kennt und auch niemanden interessieren.
Eine Hand "peer reviewed" die andere Hand. Fachliche Kritik öffentlich zu äußern gleicht akademischem Selbstmord, zumindest im deutschsprachigen Raum.

Den einzigen Schutz den Doktoranden vor Willkür seitens der Professorenschaft haben, ist das Glück zu haben einen Professor zu erwischen, der eine ethisch-moralische Integrität besitzt.
Da es keine oder kaum repräsentativen Statistiken zu Doktoranden gibt, da die Universitäten teilweise selbst nicht wissen, wie viele Doktoranden sie haben, kann man nichtmal objektive Aussagen darüber treffen, wie verkorkst das System eigentlich ist.

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ArmeOhren 25.10.2017, 18:36
4. gar nicht so unueblich

Ein solches Verhalten ist leider nur ein Extremfall einer weit verbreiteten Praxis: Dass Doktoranden von ihren Professoren mitunter wie Leibeigene behandelt werden. Und man muss sagen, die Machtstrukturen an den Unis verfuehren auch dazu - waehrend ein ordentlicher, verbeamteter Universitaetsprofessor nahezu unangreifbar ist und den Doktoranden nur dazu wirklich braucht, Daten zu generieren, ist dieser von seinem Doktorelternteil vollkommen abhaengig. Und wenn er sich entschliesst, zu gehen und es woanders zu versuchen, steht er allein und mit abgebrochener Doktorarbeit gegen eine bestens vernetzte Koryphaee. Was auch noch hinzukommt, ist, dass an den meisten Unis der einzig wirklich wichtige Benchmark fuer Professoren der Publikationsoutput ist und auf Softskills und Managerqualitaeten kaum Wert gelegt und Professoren darin auch wenig bis gar nicht geschult werden. D.h. viele wissen auch gar nicht, wie man mit Untergebenen umgeht oder sind unfaehig, es umzusetzen.
Der vorgestellte Fall gibt immerhin Hoffnung, dass es moeglich ist, gegen solches Verhalten aufzubegehren und auch wissenschaftliche Groessen zur Rechenschaft zu ziehen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich glaube, die Mehrheit der Professoren sind sehr korrekte und nette Leute, die sich sehr fuer ihre Doktoranden ins Zeug legen (zumindest kenne ich persoenlich viele), aber die Zahl der schwarzen Schafe ist leider trotzdem viel zu hoch, und ich empfehle jedem, der eine Doktorarbeit beginnen moechte, nicht nur auf die Publikationen zu schauen, sondern auch zu gucken, wie man menschlich mit seinem Betreuer klarkommt und wenn moeglich aktuelle und vor allem ehemalige Doktoranden und andere Mitarbeiter nach ihren Erfahrungen zu befragen.

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non-smoker 25.10.2017, 18:40
5. Das ist einen Artikel wert???

Das ist doch kein Einzelfall. Als Doktorand ist man machtlos, auch Betriebsräte schauen weg. Niemand interessiert sich für die überall zu findenden Mißstände, auch nicht bei aktiven Beschwerden - und der Doktorand ist in einer Abhängigkeitsposition.

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non-smoker 25.10.2017, 18:42
6. Recherchiert doch mal das Ausmaß

Und den allgemeinen Umgang mit Doktoranden...

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jojack 25.10.2017, 18:47
7. Ach...

Das hat die Welt ja noch nicht gehört: Professor knechtet Doktoranden. Danach hätte SPON nun wahrlich nicht bei der ETH Zürich suchen müssen. In einer Arbeitswelt, in der halbe Bezahlung bei voller Arbeitszeit Normalität sind, in der von Drittmitteln finanzierte Doktoranden wie selbstverständlich für die Lehre eingesetzt werden, in der Doktoranden im Unklaren darüber gelassen werden, wann sie ihre Dissertation einreichen dürfen usw. kann jede deutsche Universität als schlechtes Beispiel für vergleichbare Zustände dienen.

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TS_Alien 25.10.2017, 19:00
8.

Solche Professoren fallen früh negativ auf. Z.B. dann, wenn sie unberechtigterweise als Autor auf ein Paper wollen. Das sollte bereits reichen, um sich nach einem anständigen Doktorvater umzusehen. Gute Professoren wissen, dass sie von vielen ihrer Doktoranden noch etwas lernen können. Und dann geben sie auch gute Ratschläge oder helfen bei fachlichen Problemen. Die schlechten Professoren wissen alles besser. Von solchen Professoren muss man Abstand gewinnen. Oder erst gar nicht in ihre Nähe kommen. Denn auch fachlich liegt bei solchen Professoren einiges im Argen.

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spontiki 25.10.2017, 19:00
9. Zwei kaltschnäuzige Exoten

Marcella Carollo und Simon Lilly, um die es sich bei den beiden Professoren handelt, sollten froh sein, dass sie überhaupt Doktoranden im ausgesprochenen Exotikfach Astrophysik haben - und diese nicht noch mit Schikanen bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit behindern. Dass die beiden nach ihrem aufgezwungenen Sabbatical dann auch noch an die ETH zurückkommen wollen, zeugt von ausgesprochener Kaltschnäuzigkeit und vollkommen fehlender sozialer Kompetenz. Das nun angestrebte Verfahren der ETH-Leitung wird dies mit Sicherheit bestätigen.

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