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Forschung an den Unis: Hauptsache, billig
DPA

Der Staat gibt stetig mehr für Forschung und Lehre aus. Doch das Geld erreicht immer seltener die Hochschulen. Ein gewaltiges Problem.

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bingo` 05.04.2018, 11:37
1. Kann ich nur bestätigen

Bei uns geht ein wesentlicher Teil der Arbeit ins das Schreiben neuer Anträge für meist sehr kurze Projektzeiträume. Das kostet wertvolle Forschungszeit.

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alsterherr 05.04.2018, 11:49
2.

Dann ziehen die guten Professoren eben in's Ausland, in Deutschland verfallen dann Forschung und Lehre und billigbillig wird dazu führen, daß wir noch weiter nach hinten fallen ...

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unglaeubig 05.04.2018, 11:55
3. Fragen sie doch mal jemanden, der sich damit auskennt...

Wissenschaftler werden als "Sachmittel" finanziert?
Es wäre ja super, wenn man Sachmittel für Personal ausgeben könnte. Ist leider ganz und gar nicht so. Und so stellt uns die Uni (bzw. der Senat) lieber ein neues Gebäude für 10 Mio hin, ohne auch nur eine neue Professur für dieses Gebäude zu schaffen. Eine frische Professur kostet an Personalmitteln nämlich bis zur Rente die Hälfte dieses Gebäudes, kreiert aber weniger Sichtbarkeit...

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Daedalus 05.04.2018, 11:55
4.

Das ist alles politisch so gewollt. In Recht gegossen unter anderem im Wissenschaftszeitvertragsgesetz.
Man darf nur eine gewisse Zeit befristet angestellt sein, das ist ja eine durchaus lobenswerte Idee. Die Konsequenz ist aber einfach, dass Universitäten nach Ablauf der erlaubten Maximalzeit für befristete Anstellung keine unbefristete Anstellung vornehmen, sondern die langjährigen Mitarbeiter einfach rauswerfen.

Das ist nichts anderes als die systematische Schwächung des akademischen Mittelbaus und damit auch der universitären Forschung. Denn jeder, der etwas Ahnung von der Materie hat weiß, dass die wirkliche Forschung nicht von Professoren, sondern von Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern durchgeführt wird.

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rm9 05.04.2018, 11:56
5. pauschalisierende Diagnose

Was den Fachkräftemangel angeht sollte aber doch differenziert werden zwischen Geistes-/Sozialwissenschaften und Ingenieurs- und Naturwissenschaften. Bei letzterem kann dies wirklich zum Problem werden. Um die herausragenden Absolventen, die in der Forschung dringend benötigt werden, zu halten, müssen die Unis/Forschungseinrichtungen sich etwas einfallen lassen, wie sie denjenigen eine attraktive Akademikerkarriere ermöglichen können. In den GSW hingegen steht die akademische Karriere mangels alternativer Jobs nach wie vor gut da. Dort sind Entfristungen von Wissenschaftsverträgen ehr kritisch zu sehen, da nicht davon auszugehen ist, dass eine natürliche Fluktuation zugunsten der wissenschaftlichen Qualifikation junger Absolventen eintritt.

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fbroetgen 05.04.2018, 12:01
6. Kann ich auch nur bestätigen

Ich habe an der RWTH studiert und war während meines Studiums an zwei weltweit führenden Universitäten im Ausland für jeweils 6 Monate. In beiden anderen Einrichtungen war die Forschung deutlich offener und freier als in Aachen. Man merkt sehr, dass die Forschung in Deutschland sehr stark von der Industrie diktiert wird, weil diese im Endeffekt den Grossteil des Forschungsbudgets stellt. Das ist meiner Meinung nach eine höchst fragwürdige Situation, denn die Uni sollte frei forschen und keine akademisierte Version eines Ingenieurbüros sein. Ich kann natürlich nur für den technischen Bereich sprechen.
Jetzt bin ich in der Schweiz und kann aus meiner bisherigen kurzen Erfahrung sagen, dass ich das Gefühl habe, dass es auch hier besser läuft.

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mafreschi 05.04.2018, 12:12
7. Mehr Geld an die Unis!!!

Ja, die außeruniversitäten Einrichtungen der großen Forschungsgesellschaften sind überproportional gewachsen. Das muss gestoppt werden. Zudem "kauften" sie sich ganze Bereich aus Universitäten heraus, meist besonders forschungsstarke Gruppen, die dann z. B. ein Helmholtz-Zentrum wurden. Die Professor*innen erhielten dann ein reduziertes Lehrdeputat (wie immer, wenn ein außeruniversitäres Institut durch einen Prof geleitet wird) und die Uni muss schauen, wie sie diese Professuren dann nachbesetzt, diesen eine neue Erstausttattung mitgibt etc. Schluss mit dem Wachstum von Helmholz- und Leibniz-Instituten! Mehr Grundausstattung für Unis, für Renovierung von Hörsäalen, Toiletten, Mensen; mehr Personalstellen als Mittelbau für die Lehre! Auch die neue Exzellenzstrategie hilft hier nicht, denn das Budget hierfür ist zwar dauerhaft, aber jeder Exzellenzcluster muss alle sieben Jahre wieder um die Finanzierung bangen - die Uni hat die Profs aber auf Lebenszeit angestellt!

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Hans-WilhelmBerghoff 05.04.2018, 12:12
8. Zweierlei Töpfe

Unzweifelhaft fehlen an deutschen Hochschulen Planstellen und Mittel. Dabei ist aber zwischen der Aufgabe der Lehre und der der Forschung zu unterscheiden. Es leidet die Lehre, weil die Mittel dort gekürzt werden und Stellen abgegebaut oder zu Kettenzeitverträgen umgestellt werden. Lehre ist Länderangelegenheit.

Die Forschung ist eine Gesamtaufgabe des Staates. Hier wurde eine europäische Initiative gestartet, die besonders in Deutschland schwache, zu sehr auf die Dienstleistung der Hochschulen abgestellte industrielle Forschung auch in kleinere Strukturen von Unternehmen zu bringen. Dies hatte keineswegs zur Folge, dass die Forschungsmittel für die wichtige Grundlagenforschung verringert wurden. Diese koopeartive industrielle Forschung hat zusätzlich den Vorteil, dass es einen regen Personal- und Wissensaustausch zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft fördert.

Es muss hier auch unterschieden weren zwischen EU-Förderung und Bundesförderung. Zudem betreiben Bund und Länder Forschungseinrichtungen außerhalb des Hochschulbereiches (FHG, MPG, Helmholtz-Gesellschaft u.a.), die international einen hervorragenden Ruf haben.

Mein Eindruck ist eher, dass die starke Finanzierung der Forschung durch weniger streng regulierte Drittmittel an Hochschulen zu Lasten der Lehre geht, die deshalb immer mehr an drittklassige Assitenzen übertragen wird.

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Lajos_vH 05.04.2018, 12:15
9. Protzbauten, die eher wie Grabsteine wirken

Das sogenannte Philologicum an der LMU wirkt mit seinen Kosten von über 33 Millionen Euro eher wie ein Grabstein für die Philologien: mit Hinweis auf dieses Gebäude wird in absehbarer Zeit jeder andere Finanzierungsbedarf abgelehnt werden. Und wofür? Damit die Bücher alle an einem Ort stehen statt quer verteilt; das ist zwar lästig, aber nicht 33 Millionen Euro wert (ironischerweise hat dafür eine ganze Philologie all ihre Räume verloren...). Aber auch das bleibt jammern auf hohem Niveau, weil immerhin kann der Betrag überhaupt locker gemacht werden, weil ist ja alles Älite hier. Seit zwei Jahren gibt es keine Magnetstreifenkarten mehr zum kopieren. Endlich im 21. Jahrhundert angekommen.

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