Forum: Leben und Lernen
Ganz harte Schule: Ich Helikoptervater
DPA

Wer in wenigen Wochen Abitur hat, sollte sich Gedanken über die Zeit danach machen, findet Armin Himmelrath. Er schleppt seinen Sohn zur Berufsorientierungsmesse - und kommt sich plötzlich ziemlich mies vor.

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Yves Martin 08.03.2017, 10:18
1.

Ich habe meine Kinder in der Vor-Abi-Zeit auch nicht mit solchen Fragen "gestresst". Ich habe ihnen nur freundlich mitgeteilt, dass volljährige Menschen nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule wirtschaftlich für sich selbst verantwortlich sind - und dass die Alternative zu einer Ausbildung oder einem Studium dann meinetwegen auch gerne "Kasse bei Aldi" oder "Job beim Forstamt" heissen könne, aber sicher nicht "zuhause abhängen auf Kosten der Eltern." Die Tageszeitung mit den Wohnungsanzeigen lag in dieser Zeit regelmässig mit eingekringelten 1-Zimmer-Wohungen oder WG-Zimmern in der Küche.

Allein die Aussicht, dann mindestens an 5 Tagen in der Woche früh aufstehen, selbst Wäsche waschen und einkaufen zu müssen, hat die Bereitschaft meiner Abkömmlinge, sich eigenverantwortlich und zielstrebig mit dem Thema "Berufsausbildung" zu befassen, massiv befördert.

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streckengeher 08.03.2017, 10:21
2. Um solche Söhne würde ich mir keine Gedanken machen

Die werden Ihren Weg gehen. Und dem Vater kann ich wohl nur gratulieren.

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osnase92 08.03.2017, 10:25
3. Naja

Der Autor hat glaub ich noch im normalen Maß gehandelt. Ne Berufsmesse ist ok. Aber richtige Helikoptereltern sind furchtbar. Die Kinder dieser Leute können nichtmal ne einfache Kaffeemaschine bedienen.

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spontanistin 08.03.2017, 10:26
4. Unübersehbare Transformation der Arbeitswelt

Wenn permanent verbreitet wird, dass in Zukunft jeder alle drei Jahre seinen Job wechseln muss und seine Qualifikation entsprechend anpassen, ist Orientierungslosigkeit resp. kurzfristiges Handeln ("Fahren auf Sicht") doch vorprogrammiert. Nur der Firmenerbe und designierte Nachfolger des Patriarchen (siehe auch Monarchie) kann irgendwas studieren und bekommt die Techniken der Macht nach bewährter Art vermittelt. Und so bilden sich ähnlich dem früheren Zunftwesen ganz neue Genealogien von Ärzten, Rechtsanwälten, Hochschullehrern, Berufspolitikern heraus. Der Rest hat halt Pech.

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rolandharry 08.03.2017, 10:28
5. Verantwortungs- und Arbeitsscheu

sind die Motive für "das jahrelange Herumlavieren ... ungefähr vom 16. Lebensjahr bis wahrscheinlich kurz vor 40."
Dann haben die Herumlavierenden hoffentlich genug Zeit, sich mit eigener Erwerbsarbeit zu ernähren.
Solche Leute müssten auch von HartzIV-Leistungen und ähnlichem ausgeschlossen werden.
Arbeit in den Ferien oder "Praktische Arbeit" im DDR-Schulsystem waren die beste Motivation zu Berufsausbldung und ggf. Studium. Wer das ausgekostet hat, wollte oft so sein Leben nicht verbringen.

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katjanella 08.03.2017, 10:33
6. Gönnen können

Was war ich froh, dass sich meine Eltern nicht in mein Schul- und Berufsleben vor vielen Jahrzehnten einmischten, ich "lavieren" konnte, wie ich wollte, und trotzdem nicht in der Gosse landete. Genauso halte ich es mit meinem derzeit in Abistress befindlichen Nachwuchs. Ich vertraue einfach; und gönne. Gönne vor allem die Möglichkeit herumzulavieren sprich sich klar zu werden, was man will und was man nicht will - in einer immer komplexeren und ungerechteren Welt.

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ein_verbraucher 08.03.2017, 10:36
7. Klasse

das ein Vater oder auch Mütter sich um Ihre Kinder in dieser Art und Weise kümmern. Toll, wirklich! In Zeiten von "im Kindergarten lernt man keine Schleife für Schnürsenkel mehr" ist solch ein Verhalten der Eltern Vorbildlich! Nach der Schule, so wissen wir alle, fängt der eigentliche "harte" Teil des Lebens statt. Ich persönlich denke, das z.B. nach dem Abitur eine 1 jährige Findungsphase und oder Auslandsaufenthalt den "heranwachsenden" Erwachsenen gut tut. Denn danach ist es sehr schwer im Berufsleben und vielleicht dann auch nach kurzer Zeit mit Familie sich so etwas gönnen oder leisten zu können. Vielleicht sollten sich die Eltern, die über "Helikoptereltern" (was für ein Wort) schlecht reden, darüber mal Gedanken machen.

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metastabil 08.03.2017, 10:56
8.

Mit dem Verhalten sind sie kein Curling Dad, Herr Himmelrath. Es ist absolut in Ordnung, sich als Elternteil kurz vor dem Schulabschluss des Nachwuchses dafür zu interessieren, was er nach seinem Abschluss zu machen gedenkt.
In meinen Augen ist es auch in Ordnung, den Nachwuchs ein wenig bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, zum Beispiel mit ihm zu einer Berufsorientierungsmesse zu fahren. Helikopterelternteil wird man erst, wenn man sich in die Entscheidung einmischt, oder sie dem Nachwuchs gleich ganz entreißt.

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cassandros 08.03.2017, 11:05
9. Zeit für eine Familientherapie?

Zitat von Yves Martin
.Ich habe ihnen nur freundlich mitgeteilt, dass volljährige Menschen --------- für sich selbst verantwortlich sind - ------- nicht "zuhause abhängen auf Kosten der Eltern." Die Tageszeitung mit den ...eingekringelten 1-Zimmer-Wohungen ............... Allein die Aussicht, dann mindestens an 5 Tagen in der Woche früh aufstehen, selbst Wäsche waschen und einkaufen zu müssen, ............
Der unvoreingenommene Beobachter fragt sich nach dieser Darstellung allerdings, was in der Erziehung (hat eine stattgefunden?) schiefgegangen sein muss, daß in der "Vorabiturphase" bei einem volljährigen Menschen solcherlei "Maßnahmen" als notwendig erachtet wurden.

Es erscheint von außen betrachtet als reichlich bizarr, daß man offensichtlich ca. 18 Jahre lang eine "träge Masse" durchgefüttert und darüberhinaus wenig beachtet haben muss, um zu einer Situation zu gelangen, die es erfordert, selbige dann mit unerwarteten Schreckensmeldungen zu "mobilisieren".

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