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Ganz harte Schule: Warum Lernentwicklungsgespräche Mumpitz sind
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Kinder, die Selbstverpflichtungen unterschreiben müssen - und Lehrerinnen, die kritisches Feedback einfach abbügeln: Der Elternsprechtag heißt jetzt Lernentwicklungsgespräch, ist aber genauso sinnlos wie zuvor.

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bkrak 07.02.2019, 12:28
1. Finde ich nicht.

Die Lehrerin unserer Kleinen hat das bisher ganz toll gemacht. Immer diese Nörgelei.

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strixaluco 07.02.2019, 12:35
2. Kommt sehr auf den Lehrer an

Wir hatten schon diverse Entwicklungsgespräche für unsere Kinder und fanden die grundsätzlich sinnvoll. Es ist immer gut zu wissen, wie Kinder sich bei anderen verhalten, das ist nämlich nicht immer genauso wie zu Hause. Wie viel das Ganze bringt, hängt aber sehr davon ab, wie ehrlich und aufmerksam Lehrennde und Erziehende sind und wie sehr Eltern bereit sind, das anzunehmen. Wenn man eine ehrlich Meinung möchte und ernst nimmt, hilft es. Und oft stellt man dabei fest, dass man für die Kinder genau die gleichen Aufgaben sieht wie Lehrende. Es ist dann wunderbar, wenn das Kind von mehreren Seiten das Gleiche hört, das hilft. Zu wenig Zeit fürs Gespräch ist der Sache natürlich eher abträglich.

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phillyst 07.02.2019, 12:35
3.

Scheint ein Hamburger Problem zu sein. Ich war jetzt beim dritten LEG und diese werden durchgehend von den Kindern positiv aufgenommen. Die Lehrkräfte verteilen das über mehrere Wochen und nehmen sich eine Schulstunde lang Zeit, die Selbsteinschätzung des Kindes zu erfragen, darüber zu sprechen, bei Abweichungen der Fremd- und Selbstwahrnehmung diese empathisch zu korrigieren bzw. zu hinterfragen wie es dazu kommt und gleichzeitig die Wünsche des Kindes zu erfragen, was es denn selbst anders machen möchte und daraus eine "Selbstverpflichtung" als kleinen Vertrag zu formulieren.

Den Kindern tut diese individuelle Zuwendung und das Interesse sichtlich gut, sie sind stolz auf ihren kleinen "Vertrag" und nehmen das durchaus ernst. Mir scheint, das Prozedere steht und fällt mit der Ausgestaltung durch die Lehrkraft.

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LariFariMogelzahn 07.02.2019, 12:46
4. Lehrer- und Elternproblem, kein Problem des LEG

Ich weiß nicht wo Frau Müller ihre Kinder in die Schule schickt, bei uns in Bayern lief das LEG jedenfalls produktiv. Zuerst haben das Kind eine Selbsteinschätzung in einem Fragebogen gegeben und der wurde dann zwischen Lehrerin und Kind mit der Einschätzung der Lehrerin abgeglichen. Derjenige, der an vergleichsweise "nutzlos" am Tisch saß war ich. Das LEG gibt es bei uns übrigens schon in der 1. Klasse.
Was mich auch wundert ist, dass es offenbar keine Aufgabenkontrolle der Lehrerin gab (oder es der Lehrerin wurscht ist) und Frau Müller erst bis zum LEG wartet um mit der Lehrerin über die fehlende Eigenmotivation von Olivia zu reden (obwohl sie ja von den leeren Arbeitsheften wusste). Sachen wie fehlende Hausaufgaben regeln wir auch unter dem Schuljahr ohne LEG. So wie ich den Artikel verstehe sehe ich das Problem eher bei Lehrer und Eltern, weniger beim LEG an sich.

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dasfred 07.02.2019, 12:49
5. Hab ich was verpasst?

Gibt es tatsächlich heute Kinder, die eine Erklärung unterschreiben und dann freiwillig mehr tun, als unbedingt nötig? Ich erinnere mich an Zeiten, da hing es vom Lehrer ab, ob die Kinder begeistert zur Schule gingen oder morgens schon mit Bauchschmerzen aufwachen. Da hätte man mit keiner Unterschrift etwas bewirken können. Außerdem kann jedes Kind mindestens fünf Dinge aufzählen, die gerade wichtiger sind, als Hausaufgaben. Der Unterricht muss so attraktiv gestaltet sein, dass sich die Kinder über Erfolgserlebnisse selbst motivieren. Diese Verpflichtungserklärungen wirken nicht mal bei Erwachsenen.

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schaf42 07.02.2019, 12:51
6. Immerhin: eine erfolgreiche Elternentwicklung

Immerhin hatten die knappen 15 Minuten den Erfolg, dass sich die Mutter darüber klar geworden scheint, dass ihr Kind mit klassischem Frontalunterricht nicht sinnvoll beschult werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass es Eltern gibt, die sowas schon nach wenigen Wochen Unterricht bemerken und in einen Dialog mit der Lehrerin eintreten und im Falle von unüberbrückbaren Differenzen die Konsequenz ziehen und für das Wohl ihres Kindes eine andere Schule suchen. Andere Eltern merken es erst nach einem Halbjahr beim LEG. Das ist ein Fortschritt, denn vor der Einführung des LEG wäre es vermutlich gar nicht aufgefallen. Die Erwartung, dass das LEG in Minuten oder Stunden sämtliche Probleme eines unterfinanzierten Schulsystems löst, in dem alle Kinder über einen Kamm geschoren werden und dessen vorherrschende Unterrichtsform der Frontalunterricht ist, teile ich nicht.

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Winter2019 07.02.2019, 12:53
7.

Es gibt wie überall engagierte und weniger engagierte Menschen in ihrem jeweiligen Beruf. Unsere Kinder haben aufgrund der unglaublichen Selbstgefälligkeit einzelner Lehrer (da hat kein einziges leg irgendetwas bewegt!!) die Schule gewechselt - jetzt sind sie glücklich.

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jal1988 07.02.2019, 12:54
8.

Genau, am besten beziehen wir alle Eltern in die Gestaltung des Unterrichts mit ein, die wissen doch viel besser wie das geht.
Und wieso sollten die Eltern dafür verantwortlich sein, dass das Kind Verantwortung lernt und seine Hausaufgaben macht? Nicht falsch verstehen, ich finde, dass Kinder in der Schule sehr klare Vorgaben bekommen sollten, anstatt sie einfach „eigenverantwortlich“ lernen zu lassen, aber dieser Artikel zeigt für mich so ungefähr alles, was beim heutigen Verständnis der Eltern von Schule und Lehrern im Argen liegt.

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WeissAuchAllesBesser 07.02.2019, 12:55
9. Kolumnistinenentwicklungsgespräch notwendig

Das Lernentwicklungsgespräch ersetzt nicht den Elternsprechtag; es ersetzt bzw. ergänzt das Zeugnis in Jahrgangsstufen ohne Notengebung. Auch dauert der gesamte Prozess deutlich länger als 15 Minuten, da das Gespräch sowohl in der Schule als auch zu Hause vorbereitet wird. Dass Frau Müller nicht zum Diskutieren gekommen ist, ist auch nachvollziehbar: Das Gespräch findet zwischen Lehrer und Schüler statt. Aufgabe der Eltern ist das Zuhören, nicht das Dazwischenquasseln.

Es gibt sicher Fälle in denen das Lernentwicklungsgespräch von den Lehreren schlecht umgesetzt wird. Frau Müller schreibt hier aber komplett uninformiert und eigentlich am Thema vorbei; sie hat also sicher auch nicht zum Gelingen beigetragen. Gerade wg. solcher Eltern führt man Gespräche direkt mit den Kindern anstatt ihnen nur ein Blatt Papier für die Erziehungsberechtigten mitzugeben.

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