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Guter Schulunterricht: "Möglichst viel Wissen anzusammeln ist nicht mehr zeitgemäß"
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Die Meinungen darüber, was guten Unterricht ausmacht, gehen auseinander. Im Interview erklärt Politikdidaktiker Volker Reinhardt, wann Schulstunden wirksam sind - und wann nicht.

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lobivia 11.05.2018, 11:24
1. Homo politicus

Kompetenzen, die übrigens seit Bologna Realität sind, haben einen hohen Stellenwert, sind jedoch ohne Antizipation konkreter be-greifbarer Sachverhalte nicht zu erlangen. Diese entstehen aus fachdidaktischen Gegebenheiten und stellen im Lernprozess Alternativen zu vorhandenen Konstruktionen dar. Es grüßen die evolutionäre Epistemologie und das forschend-entdeckende Lernen. Das Interview zeigt nur einmal wieder einen zeitgeistigen Bias.

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specialsymbol 11.05.2018, 11:41
2. Kompetenzen sind Schmarrn

Man erwirbt Kompetenz nur durch Wissen. Man kann nur dann in etwas kompetent sein, wenn man weiß wovon man redet - und das bedingt, Dinge zu wissen, um sie in Kontext setzen zu können.

Bestes Beispiel sind unsere Politiker: sie proklamieren sich als kompetent in allem, wissen aber nichts. Das sieht man bereits daran wie sie häufig die Ressorts wechseln und dann behaupten überall gleich kompetent zu sein, weil sie die Fähigkeit zur "Kompetenz" einfach so besitzen.

Jedem muß klar sein, dass das Schmu ist. Man sieht auch zu was es führt: Deutschland steht immer schlechter da, die Infrastruktur bröckelt, es gibt keine Ziele, keine Lösungen für Probleme, keine Konzepte und niemand weiß wie man die wenigen Ideen, die aufkommen, umsetzt. Das einzige Konzept, das aktuell funktioniert, ist "weiter so" - aber dafür braucht man eigentlich keine Politiker.

Kompetenzen sind das neue "von Gottes Gnaden". Man kann es nicht erwerben, man kann nur behaupten es zu besitzen. Wer "Kompetenz" in der Schule lernt, lernt nichts anderes, als Leuten, die behaupten "kompetent" zu sein, genau das zu glauben. Am Ende ist es Gehirnwäsche und nichts anderes, als was vor hundert Jahren von der Kanzel gepredigt wurde.

Wahrhaft kompetente Menschen, die aufrund ihres Wissens kompetent im ursprünglichen Sinne sind, werden hingegen ignoriert und als Faktenfetischisten oder Zahlenmenschen aufgrund ihres Hintergrundwissens abgekanzelt (siehe jede Talkshow in welcher wahrhaft kompetente Menschen auftreten - nach ein paar abstrakten Zahlen und Fakten wird denen das Rederecht entzogen und "kompetente" Politiker dürfen ihren Dampf verbreiten).

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klaus64 11.05.2018, 11:44
3. Da gibt es einen Spruch

"Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts". Auf in die Zukunft !

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freigeistiger 11.05.2018, 11:51
4. Merkwürdige Aussagen von Ex-Perte

Guter Unterricht hängt hauptsächlich von der Persönlichkeit des Lehrers ab, d.h. u.a. gute Darstellung des Sachverhaltes und Einübung. Unabhängig von der Unterrichtsform. Es geht darum ob es Freude macht von Jemandem etwas zu lernen. Reinhard führt an, er hätte Experten befragt. Dass ist lediglich eine Meinungsumfrage unter Involvierten. Natürlich muss man auch Fakten lernen. Als Grundlagenwissen, um später auf diesen Fundus im konkreten Fall aufbauen zu können. Um Sachverhalte zu verstehen. Natürlich muss man dann auch Kompetenzen lernen, Neues mit dem Bekannten zu verstehen und sich eine kritische Meinung bilden. Es darf nicht darauf hinaus laufen, dass ich habe zwar keine Ahnung von Irgendwas, aber ich bin selbstbestimmt. Im Elternhaus und in der Schule sollte auf die richtige Benennung Wert gelegt werden. Sprechen ist ein Teil des Denkens. Gutes Sprechen macht gutes Denken. Flaches Sprechen macht flaches Denken. Ich möchte keine Gesellschaft haben, in der es nur „’Menschen mit besonderen Fähigkeiten“’ gibt.

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keine-#-ahnung 11.05.2018, 12:13
5. "Möglichst viel Wissen anzusammeln ist nicht mehr zeitgemäß"

Jetzt ist bei mir der Groschen gefallen - die Vielzahl der AZUBI-Bewerber bei mir sind gar nicht blöd wie Bolle, sie repräsentieren lediglich ihren zeitgemässen Bildungsstand. Da muss ich mich ja noch retrospektiv vielfach entschuldigen :-) !
"Der zweite besagt, dass es bereits bestehende Konzepte und ein Vorwissen gibt, auf das man aufbauen kann."
Genau! Königin ist Königin ist Königin ... einfach Fehlwissen verfestigen, ist die neue Losung. Die konsequente Fortentwicklung des Schreibens nach Gehör ...
"Unsere bisherigen Befunde deuten darauf hin, dass die Idee von möglichst vielem Wissen, das Schüler sammeln müssen, nicht mehr zeitgemäß ist. Das entspricht eher der alten Vorstellung vom Gymnasialunterricht. Heute ist es wichtiger, Kompetenzen zu erlernen."
Ja um Gottes Willen ... der alte Gymnasialunterricht hat Bildungsbürger aka Abiturienten aus den Schulen entlassen, das wollen wir heute aber nicht mehr haben. Kompetenzen sind viel wichtiger ... also in bspw. in Butterstulle schmieren oder sich alleine die Haare schön machen können. Ein Hurra auf die allgemeine Hochschulberechtigung ... Hochschulreife ist ja sooo old school!
"Und das, obwohl die Bildungsforschung in den vergangenen Jahren boomt und es eigentlich jede Menge Untersuchungen zu dem Thema gibt."
Das beschreibt die Ursache der aktuellen Bildungsmisere eigentlich trefflich. Zuviele kompetente, aber unwissende Geisteswissenschaftler, die ihr Unwissen immer weiter in die Bildungspolitik zu drücken versuchen. Die Schülergeneration kann einem wirklich leid tun - gut geschützt vor einem effektiven Frontalunterricht. Dafür am Ende nix ausser Trullala in der Birne ... :-)
Die letzte Maischberger-Sendung war diesbezüglich eine Offenbarung - wurde aber zumindest auf SPON nicht rezensiert. Ein Schelm, der Böses dabei denkt :-)

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TRicKeY 11.05.2018, 12:27
6.

Kompetenzen sind schön und gut, ein durchaus richtiger Ansatz. Allerdings kann man Kompetenzen nur an Inhalten erlernen und nur an solchen abfragen/ nutzen.
Als die neuen Kernlehrpläne für NRW gemacht wurden, hieß es auch "wir wollen weg von Inhalten und hin zu Kompetenzen", letztendlich gilt das für die Sekundarstufe 2 aber nicht. Denn wie sollen Kompetenzen im Zentralabitur abgefragt werden? Alles was man beurteilen, diskutieren, analysieren soll, muss man kennen und mit Anderem abgleichen und all das muss vorher als Faktenwissen gelernt werden. Entsprechend enthält der KLP auch nur als Kompetenzen verkleidete Inhalte und lässt genau Null Freiraum um Unterrichtsinhalte an Interessen der Schüler_Innen anzupassen.

In Geschichte kann sich das sicherlich jeder vorstellen: Wie soll man den Wert und die Aussagen einer Rede im Reichstag 1938 richtig einordnen, wenn man nichts über die Zeit weiß? In Sozialwissenschaften ist es dann genau so. Das sollte gerade ein Politikwissenschaftler wissen, schließlich werfen die noch mehr als alle anderen Angehörigen der sozialwissenschaftichen Disziplinen (Soziologie, Politik, Wirtschaft) mit abstraktem, kontextlosem Wissen um sich.

Und das Schlusswort zu Hattie: Er halt zwar weltweit Studien rezipiert, aber ausschließlich anglo-amerikanische bzw. englischsprachige. Welchen Wert man dieser Meta-Studie nun zuweist und wieviele Erkenntnisse sich daraus nun für das sehr eigenwillige (und einzigartige) deutsche Schulsystem gewinnen lassen, sei also dahingestellt.

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BahnCard50 11.05.2018, 12:36
7. Überdidaktisierung => Stress ?

Ein Ergebnis der didaktischen Entwicklung der letzten Jahre ist, dass Zusammenhänge in kleineren Schritten vermittelt werden.
Früher: (i) Rechnen mit Zahlen bis 10 (ii) Rechnen bis 100 (iii) bis 1000.
Heute: (i) Rechnen mit Zahlen bis 10 (iia) Rechnen mit Zahlen bis 20 (iib) Rechnen ganzen Zehnern bis 200 (iic) Rechnen mit den Sprung über den nächsten Zehner (iic) Rechnen mit zwei zweistelligen Zahlen bis 100 (iiia) Rechnen mit sprung über den Hunderter x10 (iiib) Rechnen mit einer zwei- und einer dreistelligen Zahl (iiic) Rechnen mit zwei dreistelligen Zahlen.
Dabei sind zwar signifikant bessere Lernerfolge möglich, aber "signifikant" ist in den entspr. Studien rein statistisch zu verstehen muss nicht bedeuten muss, das sich viel ändert. Dafür aber sind viel mehr Lernschritte mit entsprechenden Erklärungen, Übungen, Hausaufgaben usw. zu absolvieren. Bisher habe ich noch nirgendwo gelesen, ob der allgemein beklagte, hohe Stresslevel der Schüler vielleicht damit zu tun hat.
Da das Gymnasium ja von 9 auf 8 Jahre komprimiert wurde, kann ohne (aber meist sogar erfolgte) Reduktion des Lehrplans die Arbeitsbelastung maximal um 13% gestiegen sein; das entspricht einem Nebenfach mehr (also z.B. statt Kunst und Musik im halbjährlichen Wechsel beides gleichzeitig). Und - mal ehrlich - DAS hätte mich zu meiner Schulzeit in den Achtzigern nicht wirklich belastet.

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Fuxx81 11.05.2018, 12:39
8. Das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen

Zitat von specialsymbol
Man erwirbt Kompetenz nur durch Wissen. Man kann nur dann in etwas kompetent sein, wenn man weiß wovon man redet - und das bedingt, Dinge zu wissen, um sie in Kontext setzen zu können.
Etwas an Grundwissen muss natürlich immer vorhanden sein, aber was darüber hinausgeht ist wirklich nichts, mit dem man sein Gedächtnis belasten sollte. Wenn ich wissen will, wann Kaiser Konstantin gekrönt wurde, oder die Anzahl der Monde des Saturn oder wer unter Adenauer Außenminister war, dann gibt es Google, Wikipedia usw.

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keksguru 11.05.2018, 12:41
9. dann fordere ich die 8-jährige Halbzeitschule...

die dann die nächste Generation an Mindestlöhnern und Hartzern produziert. Warum überhaupt noch in die Schule gehen, wenn "Ansammlung von Wissen" nicht mehr nötig ist? Dann müssen ja auch all die Millionen Menschen irren, die 2,3, oder 4 Fremdsprachen gelernt haben, Mathematik ist auch öde, Uhren mit Zeigern sowieso... und Bücher? "Alexa, bitte fasse mir Goethes Faust in 10 Sätzen zusammen und drucke sie in meiner Handschrift aus".

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