Forum: Leben und Lernen
Hilfe von der WG-Therapeutin: Erst Gezwitscher, dann Gewalt
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Jojo hat vier Wellensittiche. Seinen Mitbewohner treiben die Vögel allerdings in den Wahnsinn. Seinen Frust hat dieser erst am Käfig, dann an der Wohnzimmertür ausgelassen - und nun?

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behuf 07.04.2018, 20:51
1. Gewalttätigkeit

Einen Mann, der gewalttätig auf das Zwitschern von Wellensittichen reagiert, hätte ich hochkant hinausgeworfen und dann umgehend das Türschloss gewechselt. Der kann froh sein, dass er keine Anzeige bekommen hat.
So einer kann auch wegen anderer harmloser Dinge ausrasten und Dinge kaputtschlagen.
Und der Satz "ich kann Ihren Mitbewohner verstehen" entzieht sich völlig meinem Verständnis. Jeder Erwachsene weiß, dass Vögel zwitschern. Und entweder kommt man damit klar, oder, wenn nicht, zieht gar nicht erst ein. Oder man zieht nach ein paar Tagen aus. Dieser Mann aber hat eine Tendenz zur Gewalttätigkeit, die er offenbar nicht beherrscht.

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pfalzkapelle 07.04.2018, 21:37
2. Man kann mit Vögel noch ganz andere Probleme bekommen...

Wir hatten im Haus 5 Nymphensittiche. Ein Vogel wurde als Notfall übernommen, der Schwager konnte ihn nicht leiden. Damit er Gesellschaft hat, wurden die anderen angeschafft. Der "alte" Vogel blieb allein, dafür hatten wir zusätzlich eine Männer- und eine Frauen-WG mit je zwei Tieren.
Und wie ging es weiter: wir mussten sämtliche Tiere abgeben. Meine Frau bekam die Vogelhalterlunge. Ihr geht es damit sehr gut, aber wir können keine Tiere mehr halten.
Die beiden WGs wanderten ins Tierheim, der "alte" Vogel kam bei unserer Tochter unter. Leider ist er gestorben. Am Tag vor seinem Tod habe ich noch mit ihm telefoniert. Es ging ihm nicht gut und er hat beständig am Telefon geklagt. Selbst von mir ließ er sich nicht trösten. Kurz: die Vögel vermisse ich sehr. Ich habe sie als liebevolle Begleiter erlebt und bin dankbar, dass sie bei uns waren. Es gibt aber Menschen, die keine Vögel mögen. Dazu gehört offensichtlich mein Schwager. Manchmal muss man sich entscheiden, was einem lieber ist, Vogel oder Mensch. Angesichts der schweren Erkrankung meiner Frau durch die Vögel habe ich mich für den Menschen entschieden. Meine Schwägerin wohl auch, aber da gab es kein gesundheitliches Problem. Der konnte Vögel nicht leiden und hat das arme Tier über Wochen nur geärgert. Deshalb haben wir den Vogel bei uns aufgenommen. Wir haben dies nie bereut.

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user123456789 08.04.2018, 23:15
3. Kündigen

Wenn man davon ausgehen muss, dass sich dieser Mensch nicht unter Kontrolle hat, dann muss man eben kündigen. Man sollte diesen unreifen Kerl mal nach Asien entsenden oder in ein Ghetto in einer amerikanischen Großstadt. Dann würde er noch andere Dinge meistern müssen. Dürfte so ein Typ sein, der als Kind typisch deutsch verwöhnt wurde. Sowas würde ich rauswerfen.

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phoenix68 08.04.2018, 00:56
4. Wie bitte?

Es hoert sich ja an, als ob sie den Hauptmieter (Besitzer?) verantwortlich halten fuer die Gewaltaetigkeit! Ein jeder ist fuer seine eigenen Handlungen verantwortlich. Ich wuerde diesem Mann bestenfalls eine zweite Chance geben, wuerde er sich in Behandlung wegen Wutmanagement geben. Die Voegel waren bereits da, als er einzog. Kopfschuettel!

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dasfred 08.04.2018, 03:35
5. Also bisher war ich von den Ratschlägen angetan

In den bisherigen Fällen waren die Ratschläge immer aus professionellem Abstand sehr pragmatisch. Was ich hier eben gelesen habe, geht in eine andere Richtung. Ein neuer Mitbewohner, den der Wohnungsmieter schon lange kennt, verliert die Kontrolle über sich. Rat: Machen sie einmal in der Woche ein Gespräch und verlassen sie im Notfall mit den Tieren die Wohnung. Klingt für mich nach dem Ratschlag, wenn dein Partner dich schlägt, versuche erstmal, Verständnis für seine Situation aufzubringen, ansonsten kannst du ja immer noch mit den Kindern ins Frauenhaus. Wer einmal so derart ausrastet, wie dieser Mitbewohner, muss raus. Schließlich sind die Vögel weiterhin in der Wohnung, und er stellt zumindest für die Tiere eine Gefahr dar. Bei Gewalt, egal ob gegen Menschen, Tiere oder Türen hört bei mir jedes Verständnis auf.

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Sueme 08.04.2018, 07:01
6.

Bitte was? Ein Gespräch wenn sich die Wogen geglättet haben, mit jemanden der seinen Frust nicht verbal äußern kann sondern gleich zur Gewalttätigkeit und Sachbeschädigung übergeht? Da sollte ein Psychologe eigentlich auch wissen dass das Gespräch so rein gar nichts bringt, Gewalt gegenüber den Tieren sowie die Sachbeschädigung rechtfertigen die fristlose Kündigung und die Kosten für die kaputte Tür werden mit der Mitsicherheit verrechnet oder nötigenfalls eingeklagt incl. einer Anzeige.
Aber weiterhin zusammen wohnen ist da definitiv keine Option.

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spon_4312625 08.04.2018, 08:12
7.

Wer 4 Vögel hält ist schon nicht ganz dicht, aber wer da freiwillig einzieht ist noch undichter. Ist ja klar, dass man nie einen klaren Gedanken fassen oder in Ruhe ausschlafen kann. Ist das überhaupt eine richtige WG, wenn einer dem anderen kündigen kann? Klingt für mich mehr nach Untermieter. In einer echten WG sind doch alle gleichberechtigte Mieter.
@behuf: Der Mann hat sich doch offenbar noch unter Kontrolle gehabt, sonst hätte er gleich den Vögeln oder dem Besitzer den Hals umgedreht. Jeder Mensch ist mit den richtigen Triggern Gewalttätig. Wäre ja spannend zu sehen, wie Ihre Antworthandlungen rechtlich gesehen zurückfeuern würden.

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cj89 08.04.2018, 08:52
8. Guter Rat

Im Gegensatz zu den anderen Foristen finde ich den Ratschlag sehr gut. In der Gesellschaft wird Wut verteufelt und genau deshalb hat sich bei dem jungen Mann Wut angestaut. Er hat weder seinen Mitbewohner geschlagen noch die Vögel verletzt. Es scheint so, dass er emotionale Probleme hat, die er in den Griff bekommen musst. Dafür hat er eine zweite Chance verdient, er hat es verdient zu lernen den Mund aufzumachen bevor er ausrastet. Nicht jeder ist gesegnet mit einem Elternhaus, das genug Geduld aufbringt emotionale Stabilität aufzubauen, da müssen diejenigen, die immer ach so korrekt sind, sich mal etwas zurückhalten. Das lernt man dann erst in seinen 20ern und diese Situation wird ihm dabei mit Sicherheit helfen. Ihn jetzt rauszuschmeißen finde ich übertrieben, da nichts außer der Tür zu Schaden gekommen ist und den Schaden will er übernehmen. Der Schritt weiter, dass er auch gegenüber Menschen solch ein Verhalten zeigt ist ein sehr großer Schritt. Der Fragesteller könnte ihm dabei helfen, dass es nie zu sowas kommt. Kommt darauf an, ob er sich um den Mitbewohner überhaupt schert oder nicht. Er hätte ihn auch direkt darauf ansprechen können als er gemerkt hat, dass die Wellensittiche ihn stören. Stattdessen hat er genauso wie sein Mitbewohner geschwiegen bis es eskaliert ist. Hier sind meiner Meinung nach beide ja einer Bringschuld.

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briezling 08.04.2018, 09:35
9. Spiegel Verlag sollte sich für Antwort entschuldigen

Es ist schade, dass es in der heutigen Gesellschaft offenbar im Trend ist, dass Mitmenschen als Therapeuten für Menschen mit psychischen Störungen/Problemen fungieren müssen. Und das alles unter dem Deckmantel der Freundschaft und/oder Verwandschaft. Wer solch' gewalttätige Ausbrüche hat, der kann bestimmt nicht durch das Gespräch eines Laien therapiert werden! Gleichzeitg herrscht hier ein Denken über Gewaltopfer vor, welches ganz bestimmt nicht mehr ins heutige Zeitalter gehört! Die Antwortgeberin macht das Opfer einer Gewalttat mit ihrer Antwort mitverantwortlich für die Tat des WG-Mitbewohners und stigmatisiert es indirekt zum Täter. Für so eine Antwort sollte sich der Spiegel Verlag mE eigentlich entschuldigen müssen.

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