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Homeschooling in Deutschland: Familie klagt in Straßburg gegen Schulpflicht
DPA

Ist es ein Menschenrecht von Eltern, die Kinder selbst zu unterrichten? Diese Frage muss der Europäische Gerichtshof bald klären - weil eine Familie aus Hessen Klage eingereicht hat.

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frodosix 07.04.2017, 12:04
1. Integration

Zitat von
Statt an einem Alles-oder-nichts-Prinzip festzuhalten, müsse man fragen, ob Kinder nicht auch anders als durch den Schulbesuch in die Gesellschaft integriert werden könnten, etwa nachmittags im Sport- oder Musikverein.
Klar ist das auch eine Möglichkeit Kinder in die Gesellschaft zu integrieren. Nur wieso sollten streng religiöse Gruppen ihren Kindern erlauben solchen Vereinen beizutreten, wenn diese ihre Kinder nicht mal auf die Schule schicken wollen.

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j.thaler 07.04.2017, 12:27
2.

Äh, Hallo? "Ist es ein Menschenrecht von Eltern...". Wie sieht es mit den Menschenrechten der KINDER aus? Das sollte hier das Ausschlaggebende sein. Die Schulpflicht hat schon irgendwie einen Sinn (gehabt). Als sie eingeführt wurde, war es noch viel üblicher, dass die Kinder z.B. im elterlichen Betrieb einfach mitarbeiten und nie die Möglichkeit bekamen etwas anderes zu sehen und ihren Lebensweg freier zu gestalten als es nur den quasi geerbten gehen zu können. Und ob es den Schülern gut tut zu religiösen Fanatikern erzogen werden ist äußerst fraglich. Dass auf öffentlichen Schulen allerdings eine gewisse "staatliche Indoktrination" stattfindet und die Schüler eben nicht mit Meinungen Andersdenkender per se konfrontiert werden, sondern oft nur mit ausgewählten und sie daraufhin getrimmt werden diesen entsprechend wie gewünscht zu begegnen ist eine andere Sache. Nicht, dass ich die gewünschte Reaktion i.a. als falsch ansehe, aber zu einem frei denkenden Menschen wird man so auch nicht erzogen. Zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung wir eher nicht erzogen, die Schüler stehen unter dem Regiment der Lehrer, dürfen nur wenig entscheiden sind aber auch für wenig verantwortlich. Vielleicht läuft sowas in alternativen Schulformen, etwa Montessori- oder Waldorf-Schulen, vielleicht auch bei manchen Home-Schoolern (nicht alle sind gleich irgendwelche Fanatiker) besser, in den Genuss bin ich nur leider nie gekommen und kann das daher nicht beurteilen. Insofern sollten Alternativen durchaus eine Stärkung erfahren.

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juju1978 07.04.2017, 12:30
3.

Schulpflicht ist Schulpflicht, wer dagegen verstößt, muss halt damit rechnen, dass die Kinder mit der Polizei geholt werden. Des weiteren denke ich, dass die Polizei nicht gleich beim ersten Versuch die Tür mit dem Rammbock geöffnet hat. Kinder benötigen den Kontakt zu anderen gleichaltrigen Kindern, die nicht unbedingt aus dem selben sozialen Umfeld kommen, wie sollen sie sonst lernen, dass es verschiedene Lebensentwürfe gibt und Toleranz lernen.

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g_bec 07.04.2017, 12:43
4. Wie?

Zitat von j.thaler
Äh, Hallo? "Ist es ein Menschenrecht von Eltern...". Wie sieht es mit den Menschenrechten der KINDER aus? Das sollte hier das Ausschlaggebende sein. Die Schulpflicht hat schon irgendwie einen Sinn (gehabt). Als sie eingeführt wurde, war es noch viel üblicher, dass die Kinder z.B. im elterlichen Betrieb einfach mitarbeiten und nie die Möglichkeit bekamen etwas anderes zu sehen und ihren Lebensweg freier zu gestalten als es nur den quasi geerbten gehen zu können. Und ob es den Schülern gut tut zu religiösen .....
Könnten Sie und Ihre Brüder und Schwestern im Geiste dieses "staatliche Indoktrinieren" mal irgendwie erläutern?
Seit wann ist die Vermittlung von Mathematik, Grundregeln der Sprache/n, der Naturgesetze, des Aufbaus des Landes, der Entwicklung der Menschheit etc. pp. "staatliche Indoktrination"? Weil keine hanebüchenen "alternativen" Theorien vermittelt werden? Oder weil es Sexualkunde gibt? Oder weil versucht wird, auf Anstand und Toleranz zu achten?

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jschm 07.04.2017, 12:51
5. Pflichten und Rechte

Die Schulpflicht ist eher die Pflicht der Eltern ihre Kinder in die Schule zu bringen. Dem steht nämlich das RECHT der Kinder auf Bildung gegenüber, das sonst nicht immer ausgeübt werden kann da die Eltern allgemeine Entscheidungsgewalt über ihre Kinder haben. Das ist genauso wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

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wiesenflitzer 07.04.2017, 13:10
6. Ich bediene heute mal ausnahmsweise ein Klischee!!

Denn wenn ich mir die Eltern anschaue, ist eigentlich schon alles gesagt.

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David K. 07.04.2017, 13:26
7. Freiheit und Kindeswohl vor Staatsdoktrin

Wenn staatliche Schulen massiv an Qualität verlieren, da der Staat möglichst vielen Kindern eine einheitliche Bildung angedeihen lassen will und sich dabei der Standard (tendenziell) an den Schwächsten orientiert. Wenn Schulklassen zum größten Teil aus nicht deutschsprachigen Schülern bestehen, die nicht dazu angehalten werden, die deutsche Sprache zu sprechen sowie die verbliebenden deutschen Kinder ausgrenzen/mobben. Dann muss ich im Fazit sagen, dass die allg. Schulpflicht aus dem Ende 19.Jh. / Beginn 20. Jh. einen Anachronismus darstellt. Sie diente dazu, dem Nachwuchs der Landbevölkerung Bildung zu geben. Dies ist überholt. "Homeschooling" vulgo Heimunterricht kann heute sehr viel mehr dem Kindswohl entsprechen als eine staatliche Schule und setzt höhere Bildungsstandards.

Natürlich wird sich im deutschen Staat nichts tun. Denn wehe dem, der eine deutsche Staatsdoktrin in Frage stellt. Unserem Bildungssystem geht es blendend und alles andere sind Rechtspopulisten und religiöse Spinner...ergo im Westen nichts Neues.

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Becks0815 07.04.2017, 13:27
8. Kurzsichtige Eltern

Ich glaube kaum, daß die Kinder daheim den gleichen Stoff büffeln wie an der Schule und so einen offiziellen Schulabschluß erhalten werden. Somit ist den kindern jeder weitere Weg an eine FH oder Uni verbaut und sie können - um ein Klischee zu erfüllen - das tun, was ihr Papa macht: als Gärtner arbeiten. Die Wunderlichs wurden deswegen 2015 schon zu einer Geldstrafe verurteilt: 90 Tagessätze a 5 Euro. Normalerweise beträgt der Tagessatz 1/30 des Nettoeinkommens, was bedeuten würde, daß der Herr 150 Euro netto verdient.

Jetzt kann man mich zwar als Kapitalisten bezeichnen, aber wer seine Kinder in eine Richtung boxt, mit der sie später im Leben keine Chance auf eine reguläre Einkunftsquelle haben, weil die dazu notwendige Ausbildung fehlt, dem darf die Polizei gerne näher treten und die Schulpflicht durchsetzen.

In dem Zusammenhang kann ich nur meinen Eltern danken. Da war das Geld zwar vorne und hinten extrem knapp, aber für Bildung wurde alles geopfert und gespart.

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j.thaler 07.04.2017, 13:30
9.

Zitat von g_bec
Könnten Sie und Ihre Brüder und Schwestern im Geiste dieses "staatliche Indoktrinieren" mal irgendwie erläutern? Seit wann ist die Vermittlung von Mathematik, Grundregeln der Sprache/n, der Naturgesetze, des Aufbaus des Landes, der Entwicklung der Menschheit etc. pp. "staatliche Indoktrination"? Weil keine hanebüchenen "alternativen" Theorien vermittelt werden? Oder weil es Sexualkunde gibt? Oder weil versucht wird, auf Anstand und Toleranz zu achten?
Mit Mathematik und Naturwissenschaften, also auch Sexualkunde etc. hat das nichts zu tun.

Eher mit Politik-/Sozialkunde in der man uns v.a. versucht hat zu vermitteln in was für einem super System wir leben und das all die anderen nur schlecht sind oder waren. Die westliche Lebens- und Sichtweise, sei das Non-Plus-Ultra. Nach rechts und links (jetzt nicht unbedingt politisch, sondern metaphorisch gemeint) ist auch nicht nötig, wir liegen auch noch so richtig, dass das alles völlig unumstößlich, alternativlos ist. Papa Staat sorgt schon für uns beschützt uns, das hat schon alles seine Richtigkeit wie es ist. Man lernt bloß nichts zu hinterfragen oder ändern zu wollen. Eine eigene Meinung gibt eine schlechte Note

Kein Wunder, dass Pegida und AfD und Konsorten aber auch die klassischen Konservativen so viele Leute mit ihrem Populismus ködern können. Die geben eine Meinung vor, der zur Unmündigkeit erzogene denkt eben nicht drüber nach und geht ihnen auf den Leim. Die Wachsamkeit in der Bevölkerung fehlt, schließlich kann ja heutzutage gar nichts mehr passieren, von dem was uns die Geschichte eigentlich lehren hätte sollen. Und damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen, denn ich interpretieren den Unterton in Ihrem Post so, dass Sie mich evtl. in der Nähe solcher Gruppierungen oder religiös Motivierter (wobei ich mich geraden von solchen schon in meinem ersten Post distanziert habe) verorten wollen, das ist gerade nicht der Fall! Vielleicht haben sie dieses "Schubladieren" in der Schule gelernt?

Ist aber natürlich nur mein Eindruck, den mein Schulbesuch und die vom Umfeld so bei mir hinterlassen haben. Zugegeben, statistisch nicht relevant. Vielleicht hatten wir nur gerade das Pech an bescheuerte Lehrer gekommen zu sein. Soweit kann ich Ihnen durchaus entgegenkommen und hoffe für Sie etwas Licht ins Dunkel gebracht haben zu können.

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