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In der Fußgängerzone ertappt: Jobcenter zahlt Bettler weniger Hartz IV
Tobias Großekemper/RuhrNachrichten

Wenn das Hartz-IV-Geld nicht reichte, ging Michael Hansen aus Dortmund betteln. Bis ihn eine Mitarbeiterin des Jobcenters auf der Straße erkannte.

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Stäffelesrutscher 21.11.2017, 20:22
1.

Ich bin für einen Platztausch. Über drei Monate hinweg. Dann kann die famose Mitarbeiterin des »Sozial«amtes herausfinden, wie viel man bekommt, wenn man auf der Straße sitzt.

Ansonsten bin ich dafür, die Frau sofort zur Steuerfahndung zu versetzen, Abteilung Großunternehmen. Da werden solche engagieren Kräfte gebraucht.

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max_schwalbe 21.11.2017, 20:29
2. Bettler befinden sich in einer Notsituation

Der Fall zeigt, wie krank das Sozialsystem ist. Die teilweise gefühlskalten, technokratischen bis stasihaften Behörden-Mitarbeiter sind dabei lediglich die Spitze des Eisbergs. Ein Bettler bettelt, wenn man ihn etwas genauer fragt, nur selten, weil das eben sei angestrebter Lebensentwurf sei. Solche Leute befinden sich in einer sozialen akuten Notsituation. Entsprechend müssten bettelnde Menschen betreut und wenn es nicht von selbst gelingt, durch entsprechend ausgestattete Institutionen in einem neuen sozialen Umfeld resozialisiert werden. Wenn man dort wirklich helfend und nicht peitschend arbeitet, wird die allermeiste Zahl der Bettler solche Maßnahmen auch gern freiwllig annehemen. Stattdessen kommt einer von der Behörde beim Bettler vorbei und prüft, ob der soziale Problemfall eventuell zu meldendes Einkommen erwirtschafte, das man ihm von hartziV abziehen müsse. Das grenzt schon an Perversität.

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cyn 21.11.2017, 20:29
3. In der Hamburger MOPO steht es anders.

Da spricht der "Horst" (70, auch Hartz IV) von ca. 7 Euro in der Stunde. Und das war 2013. Da kann Michael Hansen ja direkt froh sein, dass das Sozialamt einen so verträglichen Satz angesetzt hat. Hätte er wohl mal lieber keinen Widerspruch eingelegt, oder?

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duebelknuebel 21.11.2017, 20:30
4.

Auf der einen Seite finde ich es erschreckend und traurig wie die Menschen im Job Center mit den Hartz4-Empfängern umgehen. Schließlich kann ich mir bei bestem willen nicht vorstellen, dass man freiwillig betteln geht.
Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch nicht, wie man zu zweit nicht mit 767 Euro über die Runden kommt. Lebe selbst derzeit von ca 300 Euro im Monat, also weniger als der Hartz4-Satz. Klar man kann sich absolut gar nichts leisten, aber bevor ich mich auf die Straße zum betteln setze, gibt's halt weiterhin Nudeln und Brot zu essen.

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susiwolf 21.11.2017, 20:34
5. Kein ,Einnahmenbuch' sondern ein ,Arbeitsbuch' ...

Auch betteln [oder schnorren] kann harte bis stressige Arbeit sein.

Ich -führe zum Beispiel ein ,Flaschen-Sammel-Buch' um dem Staat,
dem JobCenter, den HartzIV -Zahlungen die notwendige Beweiskraft zuzusichern.
Sollte meine Sammelleidenschaft demnächst in die GewinnZone vorrücken,
werde ich mich selbstverständlich umsehen, um eine geeignete Adresse dort zu haben, wo jetzt noch manche andere Reiche ihrem Hobby der Unterbringung frönen.
Nur - diese Ängste, entdeckt zu werden bestehen nicht, da es bei den Flaschen nicht nur um leere Gebrauchtwaren handelt, sondern auch um transparente Dinge zur Wiederverwertung.
Ein anderer Kreislauf eben - der zum Selbstkostenmodus passt,
und die üblichen Handelsbeziehungen und Verkaufsumsätze nebst Gewinnmargen eher ad absurdum führt.
Ich bin stolz, eine FlaschensammlerIn zu sein, und könnte jedem Job-Center-Mitarbeiter geradewegs und guten Gewissens in die Augen sehen.
Selbst zu besten Sammelzeiten bleibt mein Sammelsack transparent.
Alles nachprüfbar ... !

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larsmach 21.11.2017, 20:37
6. Nach unten treten - geht immer!

Es funktioniert vorzüglich: Nach unten treten geht immer!
Populisten fahren aktuell Wahlgewinne ein mit diesem Schema: Obdachlose gegen Kriegsflüchtlinge, Niedriglohnempfänger gegen Sozialhilfeempfänger usw. usw..
Derweil werden Milliardenvermögen vererbt mit homöopathischen Steuersätzen, und die Glücklichen brauchen sich nicht einmal um eine Lobby kümmern: Zehntausende kleine Einkommensempfänger, allesamt von Erbschaftssteuern überhaupt nicht betroffen, springen brav in die Bresche mit abenteuerlichen Ideen über den Geldkreislauf und individuelle Steuerpflicht ("Geld wurde schon versteuert" usw.).
Sicherlich ist kritisierbar, dass der eine private Geldsammlungen vollzieht, während der andere dies aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht tun will oder kann. Fakt ist auch: Es gibt Menschen, die gönnerhafte Freunde und Verwandte haben, und andere, die ganz allein mit ihren Problemen zurückbleiben.
In Zukunft werden hochbezahlte Einkommensgruppen dank KI-Systemen durch Niedriglohnempfänger ersetzbar - da steht uns noch viel Propaganda und Nach-unten-treten bevor...

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gefaehrlicheshalbwissen 21.11.2017, 20:38
7. als Mitarbeiter der Jobcenters..

wäre es mir peinlich und ich würde ihm eher eine Spende zukommen lassen, als ihn für Betteln zu bestrafen. Hätte sie ihn bei einer "Erwerbstätigkeit" z.B. Musik machen oder so erwischt.. ok. Aber Betteln ist doch eher eine Erniedrigung und keine Arbeit.

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spon_2545532 21.11.2017, 20:39
8. So lieben wir das,

jahrelang CUM/EX-Geschäfte dulden, und die armen Schweine da ganz unten trietzen und denen noch den letzten Cent aus der Tasche ziehen. Pfui Teufel!

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Nordstadtbewohner 21.11.2017, 20:51
9. Verständnis für das Jobcenter

Ich kann das Jobcenter für die Kürzung verstehen. Hartz IV ist eine Grundsicherung, wenn man gar keine Einnahmen hat. Die Tätigkeit des Hartz-IV-Empfängers in Form des Bettelns bringt zusätzliches Geld ein. Von daher verstehe ich, dass das auch irgendwie verrechnet wird.

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