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Inflation guter Examensnoten: Wenn eine 2,0 zu Tränen führt
DPA

Noten an deutschen Hochschulen werden seit Jahren besser - und nichtssagender. Bildungsforscher fordern in einer Studie mehr Vergleichbarkeit. Oder eine Vergabe von Masterplätzen im Losverfahren.

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t_mcmillan 18.04.2017, 11:58
0. Vielleicht...

... einfach anerkennen, dass das Studium erst mit dem Master abgeschlossen ist? Und entsprechend viele Masterplätze einrichten?

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jozu2 18.04.2017, 12:06
1. Dankeschön Bologna!

Es gibt ja mittlerweile über 10.000 Bachelor- und Masterstudiengänge. Wie soll sich denn da ein junger Mensch nach seinem (leider auch immer mehr inflationär verteiltem) Abitur nach seinen Neigungen entscheiden? Jede Firma, die mehr als zwei Spezialisten sucht, bekommt direkt einen Spezial-Studiengang maßgeschneidert. Früher haben sich die Akademiker mit dem Thema ihrer Diplomarbeit spezialisiert. Sie waren aber immer noch wissenschaftlich in einem Fach ausgebildet. Das hatte das Ziel, dass z.B. ein Dipl-Chemiker in der Lage war, sich chemische Problemstellungen s e l b s t ä n d i g wissenschaftlich zu erarbeiten und dabei auch links und rechts gucken zu können. Die Master und erst recht die Bachelor sind zu Spezialisten - ohne die Fähigkeit generalistisch zu denken - ausgebildet. Den Bologna-Schrott sollte man schnellstmöglich rückgängig machen, um dieses Studier-Chaos nicht noch mehr jungen Menschen anzutun.

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schoenwetterschreiberling 18.04.2017, 12:19
2.

Wenn die Notenskala auf die drei beschriebenen Begriffe eingedampft werden wollte, gäbe es nur noch "exzellente" Bewertungen. Das "Bestanden" würde als "gerade nicht durchgefallen" gesehen werden und somit als Examensnote den Eintritt ins Erwerbsleben unmöglich machen. Deutlich besser wäre die bundesweite Vergleichbarkeit anhand statistischer Daten, wie sie im Artikel beschrieben wird.

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ttvtt 18.04.2017, 12:46
3. Bachelor nichts wert

Bachelor ist nicht mehr wert als ein Vordiplom/Grundstudium. Was sich da manchmal für Bachelor-"Akademiker" in einem Masterstudiengang verirren, ist schon fragwürdig und man fragt sich nicht nur wie diese ihre Abitur sondern auch ihren Bachelor bekommen haben.

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Kasob 18.04.2017, 12:52
4. Auswendiglerner

Wir erziehen eine Generation von Auswendiglernern. Anders kann ich es mir nicht erklären. Keiner kann in allen glänzen. Oder haben wir nur noch Genies in unseren Schulen?

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dukeofwellington 18.04.2017, 12:52
5. Lange bekanntes Problem

Als Hochschuldozent ist mir das Problem seit 20 Jahren bekannt, wie auch allen meinen Kollegen. In meiner MINT-Fakultät beträgt der bundesweite Durchschnitt im Master mittlerweile 1.6 ! Master-Arbeiten werden zu ca. 90 % mit sehr gut bewertet. Das ist ein sich selbst beschleunigender Mechanismus : Wenn man die Notenskala voll ausnutzen will, schadet man den eigenen Studenten gegenüber den Studenten bei anderen Professoren derselben Fakultät. Ich habe aufgegeben aussagekräftige Noten geben zu wollen und muss genauso inflationär vergeben wie andere Kollegen. Es gäbe eine einfache Lösung : wir vergeben Noten in Relation zum Durchschnitt aller Studenten : eine 1.0 gibt es für die besten 10 % aller Studenten in einer Prüfung, eine 2.0 für die besten 20 % usw Das Problem wird aktuell aber einfach ignoriert bzw toleriert. Wir sind alle exzellent und haben nur exzellente Studenten

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kuschl 18.04.2017, 13:01
6. Noteninflation? Nicht überall!

Das Problem fängt in den Schulen an, seit Bildung auf dem föderalen politisch ideologischen Experimentierfeld gelandet ist. Bei den MINT Fächern kann man sich gegen diese Noteninflation noch wehren. Erschreckend ist jedoch die Entwicklung bei den "irgendwas mit ..... Fächern, die häufig mit sozio... anfangen oder mit .... logie enden und deren Studienabbrecher heute häufig in der Politik als kleine Koalitionspartei und gerade in der Bildungspolitik riesigen Schaden anrichten, weil sie Leistungsprinzipien immer mehr verwässern. So rutscht das Land politisch gewollt immer mehr ins Mittelmaß.

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harald441 18.04.2017, 13:07
7. Bei einer Anzahl von Prüflingen,

die größer als 40 sein soll, was bei studentischen Prüfungen stets erfüllt ist, müssen die Prüfungsnoten der Gauß'schen Glockenkurve folgen, also wenige Einser und Zweier, wenige Fünfer und Sechser, und etwa Zweidrittel der Prüfungsnoten müssen im Bereich der Benotung Drei und Vier liegen. Ist das nicht der Fall, dann liegt eine bewußte Verfälschung vor.

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noalk 18.04.2017, 13:12
8. Wieviele Alarmsignale braucht der Bildungsregulierer noch?

Kürzlich erst der Offene Brief der Matheprofessoren, jetzt diese Studie. Und davor gab es ja auch schon von Arbeitgeberseite kritische Stimmen über die "Tauglichkeit" von Jungakademikern. Und über die von Schulabgängern. Tatsache ist: Das Wissen der Menschheit nimmt im Minutentakt zu. Früher brauchte man für seine Verdoppelung zehn Jahre, heute verzehnfacht er sich innerhalb von zwei Jahren - mal überspitzt formuliert. Niemand kann das alles noch lernen, nicht mal mehr in nur einer Fachrichtung. Die heutigen Studenten müssen sich in immer weniger Studienzeit mit immer mehr Spezialwissen rumschlagen, anstatt sich auf die wirklich wichtigen Wissensgrundlagen beschränken zu können, die sie in die Lage versetzen, selbständig oder im Team Problemlösungen zu erarbeiten. Ich rede von "Wissen", nicht von "Lernstrategien". Letztere eignet man sich automatisch mit dem Aneignen von Grundlagenwissen an.

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