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Juristisches Staatsexamen: Bessere Noten im Norden und Westen
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Hat der Prüfungsort Einfluss auf die Note beim Jura-Examen? Geraunt wird darüber schon lange - jetzt zeigt eine Studie: In einigen Bundesländern gibt es tatsächlich häufiger gute Noten als in anderen.

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Beccaria 06.09.2017, 10:53
1. Aber Herr Kähler

wie können sie so eine Aussage machen, Sie wissen doch selbst wie sich die Noten im 2. Examen ergeben. Da ist sehr viel Zufall mit im Spiel, vor allem in der Klausurbenotung. Ob 8 oder 10 Punkte ist dann schon etwas aleatorisch. Aber die Ausbildung in der Referendarzeit ist in Bayern einfach besser. deshalb würde ich immer einen 8Juristen aus Bayern Ihrem Bremer 10 er vorziehen. Aber Ihre Aussage müssen Sie als Bremer Prof wohl so machen.

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philemajo 06.09.2017, 10:59
2. Aha, das ist ja sehr aussagekräftig!

Solange keine statistische Relation zu anderen Leistungsdaten hergestellt wird, sagen die Zahlen gar nichts. Wie ist z.B. die Abi-Durchschnittsnote der Examinierten im ersten Staatsexamen? Wie viele Wartesemester gelten für ein Bundesland? Welche Universitäten liegen im Einzugsbereich des Prüfungsamtes? Es lassen sich nun mal schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die 12.1% der "Gut"-Absolventen in Hamburg sind nicht besonders hoch, wenn man bedenkt, wie die Notenanforderungen für Externe sind, um überhaupt in Hamburg zum Referendariat zugelassen zu werden.

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rathals 06.09.2017, 11:28
3. Warum soll es beim Jura-Examen

fairer zugehen, als generell im Schulsystem. Unbestritten ist, dass z.B. Schüler mit Schwierigkeiten ihr Abitur statt in SH in HH ablegen, dies ebenso in Bayern nach Hessen. Von Bremen und Berlin ganz zu schweigen; wenn Schüler bzw. Studenten nach Bayern wechseln müssen, sind die Schwierigkeiten ebenfalls bekannt. Rot/Grün regierte BL haben in der Bildungspolitik große Defizite, typisch Vorgängerregierung in NRW.

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der-junge-scharwenka 06.09.2017, 12:29
4. Fairness

Zitat von rathals
fairer zugehen, als generell im Schulsystem. Unbestritten ist, dass z.B. Schüler mit Schwierigkeiten ihr Abitur statt in SH in HH ablegen, dies ebenso in Bayern nach Hessen. Von Bremen und Berlin ganz zu schweigen; wenn Schüler bzw. Studenten nach Bayern wechseln müssen, sind die Schwierigkeiten ebenfalls bekannt. Rot/Grün regierte BL haben in der Bildungspolitik große Defizite, typisch Vorgängerregierung in NRW.
Ach, was heißt in diesem Zusammenhang "Fairness"... Unfair ist es, einen Kandidaten wegen seines Geschlechts oder seines Aussehens zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Hier geht es eigentlich um etwas anderes. Es geht darum, dass Prüfungsleistungen durch Prüfer bewertet werden müssen. Das hat immer etwas mit individuellen Anforderungen und Vorstellungen zu tun. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass es bei juristischen Leistungen üblicherweise nicht auf ein richtiges oder falsches Ergebnis ankommt (was ist schon wirklich falsch in der Juristerei?), sondern auf Herleitung, Argumentation und dergleichen. Das sind Dinge, die von zwei Menschen (Prüfern) immer unterschiedlich bewertet werden: Der eine findet die Argumentation ansprechend vielseitig, der andere findet die gleiche Argumentation viel zu schwafelig. So ist das in diesem Geschäft. Deshalb votieren jeweils zwei Prüfer eine Klausur, und in der mündlichen Prüfung sind es sogar vier. Jeder von ihnen bewertet die Einzelleistung, und das, was am Ende zählt, ist der Mittelwert. Ich glaube, "fairer" kann man so etwas nicht gestalten. Die Alternative wäre, die Prüfung auf Multiple-Choice-Fragen zu reduzieren, die eindeutig mit "ja" oder "nein" beantwortet werden könnten. Das allerdings dürfte der Rechtswissenschaft, in der es maßgeblich auf Argumentation ankommt, kaum gerecht werden.

Und noch einmal zum Länderunterschied, den es wohl tatsächlich gibt: Vielleicht wird ja auch andersherum ein Schuh draus. Warum ist eine Antwort, für die es in Hamburg 10 Punkte gibt, in Bayern nur 7 wert? Liegt vielleicht da das eigentliche Problem?

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jdm11000 06.09.2017, 12:29
5. Total unsinnige Auswertung

Diese Auswertung ist vollkommener Blödsinn. Solange die Herren Profs der Juristen der Auffassung schwelgen, nur die Durchfallquote wäre ein Indiz für ihre "gute" Ausbildung, solange ist auch das Staatsexamen in dieser Form nur Quatsch. Ich kenne genug Juristen, die mit 10 und mehr Praxisjahren, auf die Frage hin, ob sie eine Verfassungsbeschwerde schreiben könnten, darauf antworten:"Wie soll sowas gehen, habe ich noch nie gemacht.," oder "In diese Fallstricke werde ich mich nicht begeben! (Ablehnungsantwort eines Vize-Präsidenten einer Juristenkammer in Hessen).
Daher halte ich dieses Schielen auf die Note für blanken Hohn - für einen guten Juristen sagt diese nämlich gar nichts aus. Ob jemand "gut" oder "schlecht" ist (wenn man das so überhaupt pauschalisiert sagen kann), stellt sich nämlich im Gerichtssaal heraus - also ob ein Richter tatsächlich unabhängig ist, ob der Anwalt tatsächlich umfassend beraten hat usw.

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der-junge-scharwenka 06.09.2017, 12:35
6. Knappe Ressourcen

Zitat von philemajo
Die 12.1% der "Gut"-Absolventen in Hamburg sind nicht besonders hoch, wenn man bedenkt, wie die Notenanforderungen für Externe sind, um überhaupt in Hamburg zum Referendariat zugelassen zu werden.
Ihr Ansatz ist richtig, er bedarf nur einer Präzisierung. Natürlich kann jeder Bewerber in Hamburg einen Referendarplatz bekommen. Es ist eben nur die Frage, wie lange er warten will. Ja, Hamburg stellt auf seinen knapp bemessenen Referendarstellen bevorzugt Bewerber mit besonders guten Vorleistungen ein. Warum auch nicht? Sie bekommen den Ausbildungsplatz ohne langes Warten, manchmal sogar von jetzt auf gleich. Das führt umgekehrt dazu, dass ein Bewerber mit einer mittelmäßigen oder gar schlechten Vorleistung entsprechend länger warten muss. Vor kurzem waren das annähernd 48 Monate. Das allerdings tut sich nahezu niemand an, der Anfang der Mitte 20 ist und weiß, dass die Referendarausbildung selbst einschließlich des Examens noch einmal drei weitere Jahre dauern wird. Wenn man dann sieht, dass dieser Referendar gleich nebenan in Mecklenburg-Vorpommern nur zwei oder vier Monate warten muss, ist die Weichenstellung klar. Dies zugrunde gelegt, können Sie davon ausgehen, dass die Vorleistungen Hamburger Referendare überdurchschnittlich hoch sind. Vielfach - nicht immer - setzt sich dieses Leistungsniveau dann auch im Zweiten Staatsexamen fort. Das ist kein Schönreden, sondern ganz einfach Realität.

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Spiegelleserin57 06.09.2017, 13:03
7. witzig!

Zitat von der-junge-scharwenka
Ihr Ansatz ist richtig, er bedarf nur einer Präzisierung. Natürlich kann jeder Bewerber in Hamburg einen Referendarplatz bekommen. Es ist eben nur die Frage, wie lange er warten will. Ja, Hamburg stellt auf seinen knapp bemessenen Referendarstellen bevorzugt Bewerber mit besonders guten Vorleistungen ein. Warum auch nicht? Sie bekommen den Ausbildungsplatz ohne langes Warten, manchmal sogar von jetzt auf gleich. Das führt umgekehrt dazu, dass ein Bewerber mit einer mittelmäßigen oder gar schlechten Vorleistung entsprechend länger warten muss. Vor kurzem waren das annähernd 48 Monate. Das allerdings tut sich nahezu niemand an, der Anfang der Mitte 20 ist und weiß, dass die Referendarausbildung selbst einschließlich des Examens noch einmal drei weitere Jahre dauern wird. Wenn man dann sieht, dass dieser Referendar gleich nebenan in Mecklenburg-Vorpommern nur zwei oder vier Monate warten muss, ist die Weichenstellung klar. Dies zugrunde gelegt, können Sie davon ausgehen, dass die Vorleistungen Hamburger Referendare überdurchschnittlich hoch sind. Vielfach - nicht immer - setzt sich dieses Leistungsniveau dann auch im Zweiten Staatsexamen fort. Das ist kein Schönreden, sondern ganz einfach Realität.
eine Note sagt niemals etwas über einen Bewerber aus! Es kommt auf ganz anderen Fähigkeiten an, z.B. das rhetorische Talent und auch die gute sachlich fundierte Argumentation. Der Name der entsprechenden Kanzlei setzt zusätzlich Zeichen. Zur Zeit gibt es massenhaft Juristen auf dem Mark, besonders in den Städten. Später zählt dann auch die Erfahrung und welche Kanzleien durchlaufen wurden. Recht ist bekannt sehr relativ und auch durchaus von den Richtern abhängig die entscheiden.
Als Mandant ist mir es völlig egal wo der Anwalt seine Ausbildung durchlaufen hat und mit welchen Noten er sein Staatsexamen gemacht...Hauptsache ist doch dass meine Recht gut vertritt.

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Jack Caffery 06.09.2017, 13:07
8.

Zitat von jdm11000
Diese Auswertung ist vollkommener Blödsinn. Solange die Herren Profs der Juristen der Auffassung schwelgen, nur die Durchfallquote wäre ein Indiz für ihre "gute" Ausbildung, solange ist auch das Staatsexamen in dieser Form nur Quatsch. Ich kenne genug Juristen, die mit 10 und mehr Praxisjahren, auf die Frage hin, ob sie eine Verfassungsbeschwerde schreiben könnten, darauf antworten:"Wie soll sowas gehen, habe ich noch nie gemacht.," oder "In diese Fallstricke werde ich mich nicht begeben! (Ablehnungsantwort eines Vize-Präsidenten einer Juristenkammer in Hessen). Daher halte ich dieses Schielen auf die Note für blanken Hohn - für einen guten Juristen sagt diese nämlich gar nichts aus. Ob jemand "gut" oder "schlecht" ist (wenn man das so überhaupt pauschalisiert sagen kann), stellt sich nämlich im Gerichtssaal heraus - also ob ein Richter tatsächlich unabhängig ist, ob der Anwalt tatsächlich umfassend beraten hat usw.
Wie viele Juristen kennen Sie denn, die tatsächlich schon einmal eine Verfassungsbeschwerde erhoben haben? Das kommt doch in der Praxis von 99% aller Juristen niemals vor.

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nikolasvegas 06.09.2017, 13:57
9. Den Acht-Punkte-Richter aus Bayern

würde ich sogar einem Vierzehn-Punkte-Richter aus Bremen vorziehen.
Die Notenunterschiede in Deutschland mit dem bekannten Ost-West- und Süd-Nord-gefälle sind enorm. Mich überrascht, dass die Studie nicht auf noch viel grössere Abweichungen kommt.

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