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Kommentar: Neuer Verteilungsplan, altes Problem
DPA

Die Kultusminister haben sich auf neue Zugangsregeln für das Medizinstudium geeinigt. Künftig soll die Wartezeit kein entscheidendes Kriterium mehr sein. Klingt gut, löst aber nicht das grundlegende Problem.

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zora81 07.12.2018, 16:50
1.

Ich denke, es könnte nicht schaden, einen bestimmten Prozentsatz der Studienplätze an diejenigen zu vergeben, die sich bereit erklären, danach eine gewisse Zeit Versorgungslücken zu schließen und in Gegenden mit starkem Ärztemangel zu arbeiten. So etwas ähnliches gibt es ja bereits im Rahmen von Förderprogrammen, wird aber vermutlich juristisch schwierig durchzusetzen sein. Diejenigen die über die Bundeswehr studieren und sich danach trotz Verpflichtung wieder ausklinken, scheinen auch keine realen Strafen fürchten zu müssen.

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supermom 07.12.2018, 16:54
2. BWL und Jura als Zugangsvoraussetzung

Leider sind heute die wesentlichen Voraussetzungen als Arzt erfolgreich zu sein, ausgeprägtes wirtschaftliches Denken sowie das Erkennen von juristischen Fallstricken.
Naturwissenschaftlicher Sachverstand, Empathie und Engagement für die Patienten sind da eher hinderlich.

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quark2@mailinator.com 07.12.2018, 16:54
3.

Wozu hat man denn die Abinoten ? Eigentlich ja, um nachzuweisen, welche intellektuelle Leistungsfähigkeit ein Mensch mitbringt, inkl. Lernbereitschaft etc. Und das sollte dann eigentlich auch der Maßstab sein, wer den Vorrang beim Arztstudium bekommt. Aber leider sind die Abinoten nicht vergleichbar, weil nicht einheitlich ermittelt und leider werde Schulnoten generell nicht fair vergeben, weil eine Menge Studien belegt haben, daß Geschlecht, Hautfarbe und sogar Vorname einen Einfluß darauf haben, welche Note es für gleiche Leistung gibt. Und dann sollte man bitte zunächst dort mal ansetzen und die Abinoten ausschließlich nach Leistung vergeben.

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derechtepeter 07.12.2018, 17:00
4. 1.000 Plätze mehr, ist das ein Schreibfehler?

11.000 Studienplätze, 50.000 Bewerber und im Artikel werden 1.000 zusätzliche Plätze gefordert? Das sollte doch sicher 10.000 heißen. Damit wäre man bei etwa 50% freier Plätze für die Bewerber. Da ist also noch genug Luft um ungeeignete Bewerber abzulehnen.

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keine-#-ahnung 07.12.2018, 17:12
5. Deutschland bietet durchaus genügend Studienplätze ...

... für Erstsemester an.
Es hat bloss ein paar Probleme - das Medizinstudium verlangt nach einer sicheren naturwissenschaftlichen Basis, die man IMHO nur auf dem Gymnasium erwerben kann, wenn man Mathematik, Chemie, Physik und Biologie nicht "abwählt". Wird sonst extrem stressig in Biochemie/Pathobiochemie, Physiologie/Pathophysiologie etc.
Die hohe Exmatrikulationsquoten der medizinischen Fakultäten insbesondere in den ersten zwei Studienjahren sind dafür ein guter Spiegel.
Es wird aus diesem Grund auch nicht viel Sinn machen, Krankenschwestern und Rettungssanitätern ohne Abitur Zugang zum Studium zu geben - die sind i.d.R. schneller wieder aus der UNI raus, als sie Trochanter mj. sagen können, eben weil diese base fehlt und noch erschwerend hinzukommt, dass bei ihnen der zeitliche Abstand zur Schule meist schon zu gross ist - das Medizinstudium ist aber insbesondere in der Vorklinik extrem verschult.
Nächstes Problem ist die gruselige Bezahlung der Ärzte, wenn sie sich durchs Studium und die Weiterbildung gegrabbelt haben, da sind mittlerweile doch erhebliche Abwanderungsströme ins Ausland oder in die Industrie schmerzhaft bemerkbar. Die Versuche, das mit Kollegen aus vornehmlich Osteuropa zu kompensieren, sind eigentlich auch eher ein einziger Grusel - der Arztberuf ist immer auch ein sprechender Beruf, wenn man sich jetzt nicht gerade als Pathologe, Labormediziner oder Mikrobiologe spezialisiert.
Ein weiterer Grund für die zunehmende Abwanderung von Arztkollegen ins Ausland ist die eigentlich unglaubliche Geringschätzung des Arztberufes in Deutschland, getragen von der "Arztflat" auf Karte (was nicht viel kostet, kann auch nicht viel taugen) und auch den Medien.
Irgendwann nervt das so, dass man es keinem Kollegen übel nehmen kann, der Deutschland dann den Bettel vor die Füße wirft.

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Rakete 1234 07.12.2018, 17:48
6. der Kapitalismus in der Gesundheit

Medizin wurde zu einer Dienstleistung umgewandelt, die aus Krankheiten Kapital schaffen soll. Dabei wird vergessen, dass die Heilung schon genug Kapital für die Gesellschaft ist. Die Mediziner werden in dem Fall in einer Arbeitsverdichtung ausgequetscht und als willige Leistungserbringer behandelt. Jeder der Medizin studieren will, sollte sich mal die Arbeitsbedingungen die IHN/Sie in Zukunft erwartet anschauen. Jeder Bandarbeiter hat mehr Rechte. Und der Staat profitiert momentan noch davon, da immer mehr Arbeit durch immer weniger Ärzte bewältigt wird. Also warum sollte er mehr Studienplätze schaffen? Die kosten 120000 Euro und es geht ja auch so. Das gleiche gilt auch für die Pflegeberufe.
Unser lieber Gesundheits-Jens hats ja gesagt: "Würde jede Pflegekraft 2-3 Stunden mehr arbeiten, gäbe es ja auch keinen Pflegenotstand."

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grandpalais 07.12.2018, 17:51
7. Es wäre schon mal viel getan...

... wenn nicht jeder, der seinen Namen im dritten Anlauf richtig schreiben kann, ein Einskommairgendwas-Abi hinterhergeworfen bekäme. Und was die Versorgung auf dem Land betrifft: mit solchen Programmen werden Sie die wenigsten erreichen - die klinken sich direkt nach dem Studium aus und gehen in die Grosstadt.

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whitewisent 07.12.2018, 17:56
8.

Man kann sicher 10% mehr Menschen in einen Vortragsraum oder -saal unterbringen. Nur was ist mit der Betreuung, und dann kommt die Praxis, wo auch genügend Stellen nötig sind. Das Problem des Ärztemangels wird man aber auch dadurch nicht lösen, denn das entsteht in erster Linie dadurch, daß Leute mit abgeschlossenem Studium in anderen Bereichen arbeiten wollen, oder es ablehnen, als "Sklave" eines Gemeinwesens ohne entsprechende Bezahlung zu arbeiten. Und auch dort geht es nicht wirklich um Faulheit, sondern es beginnt bei der Budgetierung durch die Krankenversicherungen, welche nicht die Leistung erbringen, die am Patienten erfolgen. Und da sind die Kosten bei Landärzten mit hohem Hausbesuchsanteil nunmal höher, der häufig lediglich aus Besuchen in Alten- und Pflegeheimen besteht, nicht das man den "Luxus" bei normalen Erkrankungen und Bettlägerigkeit erhält, da heißt es gleich, Rettungswagen, und Kosten sind egal.

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marsman 07.12.2018, 17:57
9. Unsägliches Sieben für die Statistik

Dass die vorklinischen Fächer so eine hohe Aussiebquote haben und damit zum Verlust vieler Studierender bereits aus der Vorklinik beitragen, ist weniger der Notwendigkeit geschuldet, als Arzt biochemische Prozesse im Detail aufmalen zu können, als vielmehr dem Wettstreit der Hochschulen untereinander, die besten Notenschnitte in den Examina zu erreichen. Dieses Wissen sagt rein gar nichts über die späteren Fähigkeiten als Arzt aus. Aber eine universitäre Ausbildung stellt ja immer den Anspruch alle zu Forschern ausbilden zu müssen, dabei kommen die wenigsten über ein Dasein als billige Forschungssklaven ("Doktoranden") hinaus. Darüber sollte man einmal nachdenken. Der Muff ist immer noch unter den Talaren, auch nach 1000 Jahren.

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