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Kommentar zum Numerus-clausus-Urteil: Das Abitur ist nicht genug
DPA

Das Bundesverfassungsgericht hat den Numerus clausus nicht abgeschafft, aber abgewertet. Das sollte ein Beispiel sein für viele Studienfächer, bei deren Zulassungskriterien die Abiturnote überbewertet wird.

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Take it or leave it 19.12.2017, 19:29
1. Es ändert sich nichts

Das BVG-Urteil schafft nicht einen Medizinstudienplatz mehr. Es erfolgt lediglich eine Verschiebung.
Es wird nicht mehr der zugelassen, der die beste Abiturnote hat, sondern derjenige, der die meiste "soziale Kompetenz" (vulgo Aschrkriecherfähigkeiten) hat.

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eichenbohle 19.12.2017, 19:33
2. Jede/r...

... die ein Medizinstudium beginnen wollen MÜSSEN, außer sehr gute schulische Leistungen, wenigstens 1 Jahr praktische Vorbildung mit entsprechender Ausbildung nachweisen können. Pflegedienst oder Notdienstassistent im Krankenhaus. Pflegedienst für Schwerkranke im Sozialdienst oder im Bereich der Rettungsdienste (Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe).

Zwei fliegen mit einer Klatsche: Aufstockung von medizinischem und Pflegepersonal und eine praxisnahe Vorbildung.

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vitalik 19.12.2017, 19:59
3.

Zitat von eichenbohle
... die ein Medizinstudium beginnen wollen MÜSSEN, außer sehr gute schulische Leistungen, wenigstens 1 Jahr praktische Vorbildung mit entsprechender Ausbildung nachweisen können. Pflegedienst oder Notdienstassistent im Krankenhaus. Pflegedienst für Schwerkranke im Sozialdienst oder im Bereich der Rettungsdienste (Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe). Zwei fliegen mit einer Klatsche: Aufstockung von medizinischem und Pflegepersonal und eine praxisnahe Vorbildung.
Und nachdem jeder Student sein Jahr in der Pflege geleistet hat, hat der Staat immer noch keinen zusätzlichen Studienplatz geschaffen, sodass wieder ausgesiebt werden muss und die jungen Leute auf der Strecke bleiben. Wie genau hilft es denn dabei ein Studium in der Medizin zu ergattern?

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frank moegling 19.12.2017, 19:59
4. Sind denn unsere Vorstellungen von Bildung überhaupt gut genug?

Das Studium der Medizin steht ja nun am Ende unserer Bildungskette oder am äußeren Rand eines sich gleich einem Flussdelta wie zum Beispiel in der Camargue weit verzweigenden Bildungssystem.

Es ist gut und macht nachdenklich, dass sich unsere höchste demokratische Rechtsinstanz das Bundesverfassungsgericht überhaupt mit dem Thema beschäftigen muss.

Immerhin haben wir doch auch ein Grundgesetz mit Grundrechten in denen die Aufgaben, die Aufsicht und die Fürsorge des Staates über die Bildung hinreichend dargelegt sind.

Da sich die jeweiligen Regierungen nicht in der Lage sehen eine nachhaltige Bildung zu diskutieren und die für unsere Gesellschaft dringend benötigten individuellen, kreativen und schöpferischen Fähigkeiten jedes einzelnen anzuerkennen und auch zu fördern, scheint es sinnvoll die Bildungspolitik von der Parteienpolitik zu lösen.

Vielleicht ist dies ja eine Möglichkeit und die Rettung in unserem ehemaligen Land der Dichter und Denker, mit Unterstützung des Bundesverfassungsgericht diesbezüglich das Grundgesetz zu ändern bzw. zu ergänzen.

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kayato_kasaki 19.12.2017, 20:24
5.

Zitat von eichenbohle
... ...Zwei fliegen mit einer Klatsche: Aufstockung von medizinischem und Pflegepersonal und eine praxisnahe Vorbildung.
Noch besser, Einführung der Bürgerversicherung, dann erledigt sich das Problem von selbst.
Aufstockung von medizinischem Personal, als ob es nicht schon viel zuviele Kostgänger der Kassen, besser Patienten gibt.

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tombadil1 19.12.2017, 20:38
6. @vitalik

Es geht bei dem Urteil nicht darum, mehr Studienplätze zu schaffen. Es geht darum, dass die „Richtigen“ die Studienplätze bekommen.
Ein Schüler mit einer 1,0 im Abi kann eben ein schlechterer Arzt sein, als jemand mit einer 2,0 wenn er besser mit den Patienten umgehen kann. Das soll nun stärker in die Studienplatzvergabe einbezogen werden.

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H. Krämer 19.12.2017, 20:45
7. Umgang mit Menschen - Teil der Abiturnote ?

@ ... leave it :: Jemandem der soziale Kompetenz mit Aschrkriecherfähigkeiten gleichsetzt (und nicht einmal das korrekt schreiben kann) kann ich nur sagen: Si tacuisses ... -- Zum Thema selbst: Jemand dessen berufliche Qualität unmittelbaren EInfluß auf Gesundheit oder gar Leben von Menschen hat, sollte mehr verstehen als nur die "technischen" Aspekte für das Funktionieren der Bio-chemischen Abläufe in einem menschlichen Körper. Denn selbst dieser physiologische Prozess wird von der inneren Einstellung des Patienten mit beeinflusst; auch hängt es vom Verhältnis Arzt Patient ab, wie treffend eine Diagnose gelingen kann und wie gut dem Patient der Inhalt der Diagnose vermittelt werden kann, dass dieser mit seinen Möglichkeiten mitzieht. -- Das erfordert soziale Kompetenz auf Seiten des Mediziners. Diese drückt sich jedoch nicht im Notendurchschnitt des Abiturs aus. Eine Universität die Wert auf die Ausbildung zu einem guten Arzt legt, sollte auf diese sozialen Qualitäten achten. Ein Mensch mit medizinischen Topkenntnissen kann zwei linke Hände haben und ist dank dieses Wissens nicht automatisch ein guter Arzt.

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matteo51 19.12.2017, 20:59
8.

also, das mit der Empathiefähigkeit fände ich eine ziemlich gute Sache, zeigt sich doch (eigene Erfahrung und Austausch im Umfeld), dass es damit oft - aus vielerlei Gründen - nicht SO gut bestellt ist.
Arzt ist ein sozialer Beruf, die Fixierung auf die gute Abinote zeigt sich oft im menschlichen Umgang mit Patienten. Allerdings muss im System auch Raum sein, um Empathie haben zu dürfen (-> Zeit, etc.)

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so-long 19.12.2017, 21:31
9. Komplizierter

wird`s auf jeden Fall. Alles wird wachsweicher, Futter für die ...Juristen! Dies wird sich wie Mehltau auf alle anderen NC-Fächer ausbreiten.
Heute wird schon nur ein Teil der Medizinplätze direkt via Abinote verteilt, der Rest mit Hilfe anderer Kriterien. Eines ist klar: die Abinote ist (sieht man von einer evtl. Noteninflation ab) ein knochenhartes Kriterium, an dem man nicht so leicht vorbeikommt. Die totale Gerechtigkeit gibt es nicht. Warum auch?

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