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Lange Schulwege: Schon Schüler sind vom Pendeln gestresst
imago/Michael Schick

Je länger der Weg, desto mehr Stress: Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Schüler leiden unter täglichem Pendeln, zeigt eine Studie.

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Plasmabruzzler 11.01.2018, 16:40
1. Und gesamt?

Zieht man die im Text genannten Prozentwert zusammen, kommt man auf knapp 60%. Bedeutet das nun, dass 40% der Schüler(innen) viel mehr als 45 Minuten unterwegs sind?

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NauMax 11.01.2018, 16:42
2.

Was auch nicht unterschätzt werden darf sind die zum Teil horrenden Wartezeiten, wenn man z.B. aus dem Umland mit dem Bus anreist. Während meiner Schulzeit (1999-2012) hatten mehrere Klassenkameraden das "Glück", in einer kleinen Gemeinde ca. 30km vom Unterrichtsort entfernt zu wohnen. Zusätzlich zur ohnehin schon sehr langen Busfahrt kamen da noch einmal Wartezeiten von bis zu 2 Stunden hinzu, sodass diese Schüler an einigen Tagen trotz Unterrichtsschluss um 14 Uhr erst sehr spät am Nachmittag zuhause ankamen. Die Zeit für Hausaufgaben o.ä. zu nutzen ging übrigens auch nicht, weil gem. Schulordnung alle Schüler das Schulgebäude nach Unterrichtsschluss ihrer Klassen zu verlassen hatten - Zuwiderhandlung würde als Hausfriedensbruch gewertet. Diese Schüler saßen also im Endeffekt bei Wind und Wetter 2 Stunden an der Haltestelle. Ein Erwachsener würde an dieser Stelle völlig zurecht mit dem eigenen Auto fahren - für Schüler bleibt nur der Bus.

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sv74 11.01.2018, 16:50
3. Schulweg von über 1 h üblich in Sachsen

Seit Jahren haben unsere Kinder mehr als eine h Schulweg pro Richtung - ab Klasse 5.
5.30 Uhr aufstehen, 6.10 Uhr losgehen auf der Landstraße ohne Gehweg ca. 1 km zur Bushaltestelle an der nächsten Kreuzung, 6.28 kommt der Bus und fährt 30 Min, dann nochmal 1 km vom Bus zur Schule zu Fuß, kommen ca. 7.15 Uhr an, um 7.30 geht Unterricht los.
Nachmittags je nach Stundenzahl nach 7 oder 8 h zurück gleicher Weg. Wenn wegen Krankheit mal eine Arbeit nach dem Unterricht nachgeschrieben werden muss passen die Buszeiten gar nicht mehr und es sind teils Wartezeiten von 30-45 Min notwendig, bevor der nächste Bus fährt... Ab Klasse 5 ist das soziale Leben vorbei für Kinder auf dem Land - wenn die gegen 14 oder 15 Uhr zu Hause ankommen muss erstmal gegessen werden (Schul-Mittagessen gibt es logistisch bedingt 10.50 Uhr!), dann Hausaufgaben und die eine oder andere Hilfe im Haushalt, um 20.30 ins Bett wenn früh wieder 5.30 Uhr der Wecker klingelt. Soviel zu Stress bei pendelnden Schulkindern...

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dasfred 11.01.2018, 16:56
4. Allein schon früher aufstehen

ist für die Kinder ein Nachteil gegenüber schulnahen Wohnens. Dazu kommt, dass die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen zu Hause sich erheblich verlängert und das hat auch Einfluss auf den jungen Organismus. Wenn man denn noch die oftmals überfüllten Schulbusse sieht, ist nachvollziehbar, warum Kinder schon gestresst ankommen und nachmittags weniger Zeit zum regenerieren haben.

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bremde 11.01.2018, 20:27
5. Gesamt

Der Vollständigkeit halber sollte man auch die Hauptgruppe derjenigen mit aufführen, die über 20 bis unter 45 Minuten für ihren Schulweg brauchen (40,7 %). Ansonsten könnten Spekulationen entstehen wie unter Nr. 1 der Beiträge.

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quark2@mailinator.com 12.01.2018, 23:03
6.

Tja, ich sags nur ungern, aber in der ollen DDR gabs Schulbusse, die jeden dahin brachten, wo er hin mußte - ohne Streß, weil die standen vor Schulbeginn und Schulschluß jeweils bereit. Ansonsten ging man dort zur Schule, wo man wohnte. Diese ganze "Flexibilität" ist doch in Wirklichkeit eine Form von unhumanem Verhalten. Der Markt regelt eben alles so, daß die maximale Effizienz entsteht, aber nicht so, daß es am angenehmsten für möglichst viele Menschen wird (nein, war es in der DDR auch nicht, keine Frage). Diese ganze Pendelei und Jobwechselei hat ja überhaupt erst in den 80ern richtig angefangen. Persönlich bin ich zwar immer umgezogen, um nah bei der Arbeit zu sein, aber ich bedauere auch alle, die das so eben nicht machen können.

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Celegorm 12.01.2018, 00:22
7.

Zitat von sv74
Seit Jahren haben unsere Kinder mehr als eine h Schulweg pro Richtung - ab Klasse 5.
Das ist sicher, aber das Problem zu beschreiben bringt einem leider keiner Lösung näher. Wie würden Sie sich diese denn genau vorstellen? Und wieso hinterfragen Sie denn simplen Umstand nicht, dass die Wahl Ihres Wohnorts direkt ursächlich für die Problematik ist?

Die Schuldichte kann man ja in manchen Gebieten kritisieren, andererseits muss man aber auch festhalten, dass es kaum möglich ist, noch den hintersten Weiler mit einer Schule oder exklusivem Abholdienst zu versorgen. Zumal die Problematik ja meist offensichtlich ist bei der Entscheidung, in eine entsprechende Gegend zu ziehen und/oder dort Kinder zu bekommen. Wenn man schon eine Familie gründen will, dann könnte man eigentlich auch diesbezüglich berücksichtigen, ob die Wohnsituation kindergerecht ist und falls nötig etwas daran ändern. In anderen Punkten (Sicherheit, Wohnraum) ist das ja selbstverständlich, wieso also nicht bzgl. Schulnähe?

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ulrics 12.01.2018, 05:45
8.

Das stressige sind die Unzulänglichkeiten der deutschen Bahn. Gestern auch wieder den Anschluss verpasst wegen Verspätung.
Schade das für den Fernverkehr nicht die gleichen Regeln, wir für den Nahverkehr gelten. Sprich ab drei Minuten kostet es. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr würde drastisch steigen. Heute liegt sie bei 10 Prozent oder weniger.
Da sind Schüler genervt von vollen Bussen, weil alle Schulen gleichzeitig anfangen und keine Gleitzeit haben.

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columbo1 12.01.2018, 07:27
9.

Zitat von Plasmabruzzler
Zieht man die im Text genannten Prozentwert zusammen, kommt man auf knapp 60%. Bedeutet das nun, dass 40% der Schüler(innen) viel mehr als 45 Minuten unterwegs sind?
Nein, die fehlenden 40% haben Schulwege von 20 bis 45 Minuten.

(Ich weiß nicht, warum so viele Journalisten es nicht schaffen, Statistiken einigermaßen unmissverständlich und übersichtlich zusammenzufassen. Aber das scheint eine echte Herausforderung zu sein.)

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