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Lehrer erzählen: Warum Noten nicht gerecht sein können
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Was tun Lehrer, wenn sie nicht genau wissen, welche Note ein Schüler verdient? Hier berichten vier Lehrer, wie schwer es ihnen fällt, gerechte Zensuren zu geben.

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rabiat 01.02.2019, 12:06
1. Notenbewertung

Lehrer sind auch nur Mensch mit allen Eigenschaften die der Querschnitt unserer Gesellschaft zeigt. Auch den negativen. Man nehme ihnen die Macht und läßt sein Kind nicht in der Schule, es geht leider um die Zukunft des Kindes. Das habe ich während meiner Schulzeit und Ausbildungszeit gelernt, und danach gehandelt. Es kommt immer auf die individuelle Charakterstärke an.

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Leser heute 01.02.2019, 12:15
2. Oft systematisch falsch

Noten sind, wie sie teilweise gehandhabt werden, oft systematisch falsch. Noten werden auf einem Ordinalskalenniveau gebildet. Jemand mit einer 6 ist nicht doppelt so schlecht, wie jemand mit einer drei. Es wird von sehr gut zu ungenügend in sechs Kategorien differenziert, die unglücklicherweise durch Ziffern repräsentiert werden. Das verführt Lehrer, Schüler und Dritte dazu, aus den Ziffern ein arithmetisches Mittel zu bilden, was auf einer Ordinalskala unzulässig ist. Maximal ein Median wäre möglich.
Wenigstens diejenigen Lehrer, die auch Mathematik unterrichten, müssten das Wissen und vermitteln können.
Trotzdem ist das Mitteln gelebte Realität, weil eine andere Handhabung aufwändig ist. Der Aufwand lässt sich aber nicht sparen.

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ingbeti 01.02.2019, 12:19
3. Konrad Adenauer

1. Bundeskanzler, hat das als Schüler so gemacht: Wenn er eine Arbeit zurück bekam hat er mit roter Tinte wie der Lehrer noch weitere angebliche Fehler angestrichen und sich dann beim Lehrer beschwert. So bekam er seine Note heraufgesetzt. Schlussfolgerung: Das Problem ist uralt und wird nie perfekt gelöst werden.
Noch ein Beispiel aus meiner alten Klasse: Der schlechteste Schüler mit Abi Schnitt 4,0, hatte als erster sein Studium abgeschlossen und einen dicken Mercedes als Dienstwagen gefahren. Noten werden absolut überbewertet!

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Mr Bounz 01.02.2019, 12:23
4.

Interessant finde ich den Ansatz der Berufschullehrerin aus Bayern. Das sind maßnahmen die zu gerechterer Beurteilung führen können.
Schlimm und irgendwie typisch das vorgehen des Gymnasiallehrers aus Hamburg. Das Mädchen bekommt die bessere Note obwohl dies von den vom Lehrer genannten Fakten nicht passt. Es wird Ihr fleiß belohnt und das auch noch mehrfach. Das der andere Schüler jedoch am Unterricht tatsächlich teilnimmt und diesen weiter bringt wird nicht honoriert! Dem Lehrer ist es bewußt das er falsch beurteilt, bedient sich aber selbst schon lahmer Ausreden. ... schweift ab, ... mag ich gar nicht anfassen, um die fehlbeurteilung zu begründen.

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Spr. 01.02.2019, 12:24
5.

Es ist durchaus einsehbar, dass sechs Schubladen nicht ausreichend sind, um einen Schüler gerecht zu bewerten. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, dass einerseits LehrerInnen auch nur Menschen sind, die von Vorurteilen nicht frei sein können. Andererseits wollen aber so manche Unternehmen selbst von Bewerbern im mittleren Alter immer noch sämtliche Schulzeugnisse sehen, auch wenn nicht einsehbar ist, welche Relevanz diese nach Jahrzehnten noch haben sollen.

Eine schriftliche Beurteilung würde allerdings nichts zum Besseren wenden. Hier würde sich sehr schnell ein den Arbeitszeugnissen ähnlicher Code etablieren. Da werden dann Selbstverständlichkeiten groß herausgestellt, weil es sonst nichts gibt, was positiv hervorgehoben werden könnte (war stets pünktlich und ehrlich). Oder es wird dem Schüler bescheinigt, dass er "sich stets bemüht hat" (aber leider ohne Erfolg).

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ford_mustang 01.02.2019, 12:31
6. Objektivität

Was macht eine allgemeine Bewertung objektiver, als Noten? Die Anti-, wie Sympathien sind die selben. Eigentlich müssten Arbeiten anonymisiert von Lehrkräften benotet werden, die nichts mit der jeweiligen Klasse zu tun haben. Pädagogische Benotung führt eher dazu, dass sich Schüler nicht gerecht behandelt fühlen, denn es werden untereinander immer die Ergebnisse zu einzelnen Aufgaben verglichen. Ausserdem muss das auch nicht objektiver sein. Noten für eine Textanalyse oder einen Aufsatz zu vergeben ist bestimmt knifflig. Bei anderen Fächern werden fast immer eindeutige Fragen gestellt, bei denen auch eindeutige Antworten erwartet werden. Mit allgemeinen Bewertungstexten können Eltern und, noch fataler, die Schüler nichts anfangen. Wer sich hinstellt und behauptet, dass er/sie die Subjektivität nicht ausblenden kann, der sollte sich mal Gedanken über professionelles Verhalten im Beruf Gedanken machen.

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interessierter Laie 01.02.2019, 12:34
7. die individuellen Umstände berücksichtigen?

Warum das? Noten sollen eine Vergleichbarkeit der Leistung herstellen und auch dem Schüler ein klares Feedback geben. Das ist wie beim Sport. Was käme wohl dabei heraus, wenn da die individuellen Umstände berücksichtigt werden müssten. Der Skispringer mit gerade verheiltem Kreuzbandriss kriegt 30m gutgeschrieben? Oder der aufbrausende Stürmer bekommt keine rote Karte für ein Foul, weil es seiner Natur entspricht und er ob eines Rückstands besonders gereizt war. Es ist auch so schon schwer genug, eine Note zu vergeben, weil natürlich viele Faktoren zusammen kommen und der Lehrer diese gewichten muss. Eine Interpretation in Deutsch kann sehr kreativ sein. Eine andere hat dafür eine herausragende sprachliche Qualität. Die dritte hat einen hervorragenden Aufbau und die vierte glänzt durch sehr viel Hintergrundwissen. Welche Leistung ist höher zu gewichten? Es hilft den Schülern nicht, wenn sie aufgrund individueller Umstände einen Bonus erhalten. Spätestens auf der Universität oder in der Berufsausbildung werden sie vor Prüfungen stehen, in denen dieser Aspekt überhaupt keine Rolle spielt. Eine Textbeurteilung oder ein Feedbackgespräch wären natürlich sinnvoll. Sie würden dem Schüler aufzeigen, wo es noch Verbesserungspotentiale gibt. Aber sie können eine Note nicht ersetzen.

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lt.col.kilgore 01.02.2019, 12:38
8. Alles politisch so gewollt.....

... es ist meiner Erfahrung nach mindestens genau so schwer Schüler zu beurteilen, wie Lehrerinnen und Lehrer.
Mit guten Noten kann man sich eine Menge Ärger mit Eltern und der Schulleitung ersparen, wird aber wohl nie glücklich mit seinem Beruf.
Das Schlimmste an der Leistungsbewertung ist aber ohne Frage die Notengebung im Gymnasium (Niedersachsen); Wenn die schriftlichen Leistungen auf 1/3 der Gesamtnote eingedampft wird, kann man seine Schüler leicht bis Klasse 10 an der Schule behalten. Dann merken die Kollegen, dass diese Schüler nie durchs Abitur kommen und sieben aus. Solche Schüler werden dann oft bis in die Hauptschulzweige der Oberschulen durchgereicht, obwohl sie bei rechtzeitiger Förderung bessere Abschlüsse machen würden.
Gleichzeitig werden gute und sehr gute Schüler im Gymnasium völlig demotiviert, weil sie trotz sehr guter schriftlicher Leistungen (worauf es in 4 von 5 Abiturprüfungen ankommt), auf den Zeugnissen nur 3en bekommen. Schöne Bildungspolitik.

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widower+2 01.02.2019, 12:41
9. Schwieriges Thema

Aber wenn man sich beklagt, dass man die Schüler in nur 6 Schubladen einordnen muss, warum übernimmt man dann nicht das Punktsystem aus der Oberstufe mit 0 (6) bis 15 (1+) Punkten. Dadurch wäre zumindest schon mal etwas mehr Differenzierung möglich.

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