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Lehrer per Quereinstieg: Der holprige Weg ins Klassenzimmer
DPA

In Deutschland fehlen Tausende Lehrer. Beste Voraussetzungen also für Quereinsteiger. Die Konditionen klingen oft verlockend, doch die Ausbildung ist hart. Drei Neu-Lehrer berichten.

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jayjayjayjay 27.11.2017, 07:17
1. In 6 monaten

Das erreichen was andere in 3 jahren erreichen, allein der pädagogikteil bedeutet mehr als 70 stunden die woche uni darauf nochmal das doppelte an Zeit zuhause wenn man das nach einem Semester machen will und da sind Fachbezogene Didaktikanteile nicht mitgerechnet, das ist nicht realistisch aber angenommen es gibt keine zwei klassen an pädagogen, dann muss es so sein. 1 1/2 jahre anstatt 1 bedeutet auch nur ein halbes jahr weniger volle bezahlungen, irgendwie bin ich froh meine uni nicht auf den studienplatz verklagt zu haben

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intelligenzbestie22 27.11.2017, 08:11
2. Nur für junge Leute geeignet

Als altgediente Lehrerin beobachte ich schon seit einigen Jahren die Seiteneinsteiger an meiner Schule. Es wird viel gejammert, wie stressig doch alles sei. Das kommt auch in diesem Artikel deutlich zum Ausdruck. Wir "Altgedienten"hatten teilweise viel härtere Bedingungen in der Ausbildung. Da aber der Lehrerberuf zum absoluten Stressberuf mutiert ist, sollte man sich wirklich gut überlegen, ob man sich das dann auf Dauer zutraut, vor allem, wenn man vorher ruhig am Schreibtisch oder im Labor gearbeitet hat.
Außerdem sollte das Interesse an den Schülern im Vordergrund stehen und nicht nur die Aussicht auf eine bessere persönliche Versorgung.

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frauvonm 27.11.2017, 08:13
3.

Ich finde es doch immer wieder erstaunlich, dass im Bereich der Bildung auf Quereinsteiger gesetzt wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es genug studierte Lehramtsanwärter gibt, die aufgrund starrer Regelungen und Fristen zum Teil ein Jahr oder länger auf einen Platz warten. Warum setzt man also nicht erstmal dort an, bevor man Nicht-Pädagogen holt, die Lehrer werden wollen, um prekären Arbeitsbedingungen zu entfliehen? Oder soll ich mir meine Zähne demnächst auch vom Urologen machen lassen, weil der ja auch mal irgendwie Medizin studiert hat...?

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reader0815 27.11.2017, 08:14
4. Lehramtsstudium ad absurdum geführt

Vorweg: Die Quereinsteigermania ist das Ergebnis einer desaströsen Personalpolitik im Bildungsbereich, die das Thema Altersstruktur fast völlig ausgeblendet hatte. Und das offenbar in fast allen Bundesländern.
Nun müssen quasi die schlagartig immer größeren Löcher gestopft werden.
Quereisteiger sollen nun des Problems Lösung sein? In einem gesunden Maß können Quereinsteiger eine Bereicherung sein. Keine Frage. Aber darf man sie ohne vorherige!! pädagogische Ausbildung ungeprüft mit vollem Deputat auf Klassen loslassen? Haben die betroffenen Schüler kein Recht auf qualitativ hochwertigen Unterricht? Die Seiteneinsteiger sind in dieser Phase oft völlig überfordert. Es braucht eben nicht nur Fachwissen sondern auch eine persönliche Eignung für den Beruf. Nicht selten scheitert der Quereinstieg auch. Na dann haben die Schüler, oder soll man sagen "Versuchskaninchen", eben Pech gehabt?!
Ein Lehramtsstudium dauert für Bereich der Sekundarstufe II 5 Jahre + 2 Jahre Referendariat. Es ist stark auf den Lehrerberuf spezialisiert und insbesondere im Referendariat zeigte sich überprüfbar, wer den pädagogischen Anforderungen gerecht werden kann. Wer soll sich denn dieser langen Laufbahn noch zuwenden, wenn auch solche, die in anderen Bereichen scheiterten und/oder beim Lehrerberuf nur an Ferien und Verbeamtung denken, mit Erfolg anheuern können? Insofern sollte man sich klar werden, welche Wege künftige Lehrer in den Unterricht führen sollen und welche Rückwirkungen die Seiteneinsteigerpraxis auf die Akzeptanz der Lehramtsstudiengänge haben werden. Es ist allerdings zu befürchten, dass neben dem reinen Stellenmanagement (Löcherstopfen) das Qualitätsmanagement wiedermal zurückbleibt. Verlierer wird dann wieder einmal das Niveau des Bildungswesens in unserem Land sein.

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keiler70 27.11.2017, 08:27
5. Es ist eine Schande

Schule und Bildung sind seit Jahrzehnten Spielball und Experimentierfeld insbesondere linker Ideologen. Schlimm genug. Wie aber gerade die Armenhäuser der Republik, Berlin, NRW und auch mein geliebtes Niedersachsen mit seiner letzten verbliebenen Resource, Humankapital, umgeht, ist eine Affenschande! Daran, daß da jahrgangsweise kleine Menschen auf der Strecke bleiben, darf ich gar nicht denken!

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Zaunsfeld 27.11.2017, 08:30
6.

Zitat von intelligenzbestie22
Als altgediente Lehrerin beobachte ich schon seit einigen Jahren die Seiteneinsteiger an meiner Schule. Es wird viel gejammert, wie stressig doch alles sei. Das kommt auch in diesem Artikel deutlich zum Ausdruck. Wir "Altgedienten"hatten teilweise viel härtere Bedingungen in der Ausbildung. Da aber der Lehrerberuf zum absoluten Stressberuf mutiert ist, sollte man sich wirklich gut überlegen, ob man sich das dann auf Dauer zutraut, vor allem, wenn man vorher ruhig am Schreibtisch oder im Labor gearbeitet hat. Außerdem sollte das Interesse an den Schülern im Vordergrund stehen und nicht nur die Aussicht auf eine bessere persönliche Versorgung.
Eines kann ich Ihnen sagen:
Früher wurden oft die besseren Schüler später Lehrer. Heute werden zu 80% diejenigen Lehrer, die eine sehr gut bezahlte Beamtenstelle im höheren Dienst haben wollen und die es in der freien Wirtschaft nicht geschafft haben. Meist sind das heutzutage eher die schlechteren Schüler.
Die Seiteneinsteiger können den Schülern nebenher wenigstens noch was aus dem realen Berufsleben erzählen ... eine Kompetenz, die Lehrern abgeht, die gleich nach der Schule ihr Pädagogikstudium aufgenommen haben und danach gleich wieder an die Schule zurück gegangen sind.

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Plasmabruzzler 27.11.2017, 08:32
7.

Man sollte als potentieller Quereinsteiger jedoch nicht zu optimistisch an die Sache herangehen. Quereinsteiger werden, gegenteilig zur Aussage des Artikels, in der Regel nicht verbeamtet und haben bei gleicher Leistung gegenüber dem verbeamteten Lehrpersonal weniger gute Bedingungen - vor allem monetär (bspw. mit absolviertem Studium und Weiterqualifikation nur eine magere E11-Stelle). Auch Festanstellungen sind eher die Ausnahme als die Regel. Man kann sich im Bundesland NRW selbst davon auf den Seiten LEO.NRW überzeugen. Auch SPON schrieb vor nicht allzu langer Zeit, dass Quereinsteiger und frisch gebackene Lehrer häufig von nach-dem-Sommerferien bis vor-die-nächsten-Sommerferien Verträge erhalten, um so für die 6 Wochen Geld zu sparen.

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Phil2302 27.11.2017, 08:39
8. Fächerfrage

Zitat von frauvonm
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es genug studierte Lehramtsanwärter gibt, die aufgrund starrer Regelungen und Fristen zum Teil ein Jahr oder länger auf einen Platz warten. Warum setzt man also nicht erstmal dort an, bevor man Nicht-Pädagogen holt, die Lehrer werden wollen, um prekären Arbeitsbedingungen zu entfliehen?
Aber für die falschen Fächer! Mit Deutsch und Geschichte brauchen Sie sich kaum bewerben, da können auf eine einzige gute Stelle schon einmal 100 Bewerbungen anfallen. Da ist es schon eine Kunst überhaupt eingeladen zu werden. Der Grund ist ja auch klar, wer sich für diese Fächer interessiert und sie studiert, der kann ja kaum etwas anderes als Lehrer werden wenn er halbwegs Geld verdienen möchte. Mathematiker oder Physik verdienen in der freien Wirtschaft hingegen besser und das Studium ist ungleich schwieriger, also wird eben händeringend gesucht.

Ich bin auch gespannt, wie NRW das lösen möchte, dass bald wieder G9 kommen wird. Das bedeutet schlappe 12,5 % mehr Unterricht, also im Prinzip 12,5 % mehr Lehrer, die benötigt werden. Liebe MINT-Studenten, euch werden alle Türen offen stehen!

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Plasmabruzzler 27.11.2017, 08:48
9.

Zitat von Phil2302
Ich bin auch gespannt, wie NRW das lösen möchte, dass bald wieder G9 kommen wird. Das bedeutet schlappe 12,5 % mehr Unterricht, also im Prinzip 12,5 % mehr Lehrer, die benötigt werden. Liebe MINT-Studenten, euch werden alle Türen offen stehen!
Ihren letzten Satz hört und liest man seit Jahren. Ich rief dann bei einigen Schulen in NRW und Rheinland-Pfalz an, die mir gerade einmal befristete E11er-Stellen geboten haben. Was noch dazu kommt: wurde man x-fach befristet auf solch eine Stelle eingestellt, muss man sich woanders bewerben und fängt in der Erfahrungsstufe wieder bei 1 an, obwohl man ggf. schon Erfahrungsstufe 2 oder 3 wäre. Der Lehrermangel existiert - keine Frage. Es wird aber nicht adäquat drauf reagiert. Es gibt genügend Lehramtsabsolventen an Universitäten, die einfach keine anständige Stelle (verbeamtet) bekommen. Da greift man derzeit lieber auf Quereinsteiger zurück, die man nach Belieben verheizen kann.

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