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Lehrergeständnis: Gib Schülern niemals Popcorn!
DPA

Drei Schulklassen und zwei verschiedene Verhaltensregeln beim Kinobesuch - das gibt Ärger. Ein Lehrer über zertretenes Popcorn, verschmierte Schokolade - und die späte Einsicht, dass die Kollegin Recht hatte.

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reflexxion 29.11.2017, 13:36
1. da weiß ich nicht ob ich weinen oder lachen soll.

Dilettantischer geht es ja wohl kaum. Wieso gibt es in Schulen keine Aula/Turnhalle mehr, wo man so was mit einem Beamer hätte veranstalten können. Ganz ohne auch nur die Idee auf Popcorn und Snacks aufkommen zu lassen und sicher auch ohne den falschen Film zu starten. Bei nur einer Klasse hätte es eventuell auch ein etwas größerer Flachbild-TV in der eigenen Klasse getan.
Zu meiner Schulzeit gab es ja noch den landeseigenen Schulfilmverleih, der 16mm schwarzweiß Filme hatte die so langweilig waren, das man regelmäßig einschlief.
Welcher Schaden ist nun entstanden: Es musste ein Bus gemietet werden, den man sich hätte sparen können. Ob das Kino Geld gekostet hat bleibt unklar, ich denke aber es kostet Geld. Es sind weitere Stunden ausgefallen, weil der Film nicht bereit war. Natürlich kommt da auch noch der zwischenmenschliche Schaden hinzu, weil jetzt diverse Lehrer wütend auf einander sind.
Da bin ich echt froh das ich trotz Lehramtstudium noch einen anständigen Beruf erlernt habe und mit dem ganz gut durchs ganze Berufsleben gekommen bin, wenn auch mit etwas weniger Geld im Monat aber halt auch mit viel weniger Ärger.

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topas 29.11.2017, 14:19
2.

Gut, auf zwischenmenschlicher Basis hätte ich die diversen Punkte gar nicht zur Disposition gestellt. Als zweiter (und gar dritter) Lehrer klinke ich mich in die Veranstaltung ein. Somit "kaufe" ich das Gesamtpaket mit allen Features. Das hätte der Respekt der Lehrerin gegenüber schon verlangt, immerhin hatte sie die Idee, die Planung und Vorbereitung ... alles Arbeit, die mehr als ein "ich komme mit" umfasst.
Auf das Alltagsleben übertragen setze ich mich doch nicht im Restaurant ungefragt an den Nebentisch, bestelle für den Gast das Essen und lase ihn das dann bezahlen. wenn ich mich Freunden bei deren Urlaub anschließe biege ich den All-Inclusive-Urlaub doch auch nicht in einen Backpacking-Trip um, nur weil ich es will.
Oder hoffen wir einfach, dass der Artikel eine starke Übertreibung ist und die Lehrkräfte sich in Wirklichkeit erwachsener benehmen ...

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rocknrolltattoo 29.11.2017, 14:25
3. Mal von der anderen Seite beobachtet.

Ich bin Kinobetreiber und wir machen sehr oft Schulvorstellungen. Auch bei der Schulkinowoche sind wir immer dabei. Was viele nicht wissen ist, dass grob die Hälfte des Eintrittsgeldes an die Filmverleiher geht. Bei den Schulkinowochen ist der Eintrittspreis festgelegt (3,50 €). Da bleibt nicht viel über. Erst mit den Nebenumsätzen machen Schulvorstellungen finanziell Sinn. Kulturell machen sie auf alle Fälle sinn.
Wir veranlassen in Absprache mit den Lehrern die Schüler zum Aufräumen. Pädagogisch sicher nicht falsch ;-)

Wir gingen auch vor Jahren dazu über, dass Schulklassen sich schriftlich anmelden müssen und der Filmtitel explizit genannt werden muss. Nur zur Sicherheit.

Schlimm ist, dass viele Kinogänger sich in Kinos nicht zu benehmen wissen und meinen sie können alles dreckig machen. Warum das so ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Vor kurzem ging einer unserer Mitarbeiter nach dem Film in den Kinosaal um ihn zu reinigen und dort war eine Mutter mit ihrem Kind. Das Kind wollte noch die Krümel und den Müll welches es verursacht hat, aufsammeln wurde aber von der Mutter gestoppt mit dem Hinweis, dass mein Kollege dafür da sei.
Ja dann gute Nacht!

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biber555 29.11.2017, 14:32
4. tja

...da können sich 3 erwachsene Lehrer nicht auf eine Regelung einigen, dabei hätte man meinen sollen wenn man Argumenten aufgeschlossen ist dass das nicht schwer sein sollte. Welche Diskussions und Kompromiss Kultur können solche Lehrer an die Jugend weitergeben?

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opeongo 29.11.2017, 14:44
5. Rettet den Genitiv!

"Doch statt unserem französischen Film ..."
Autsch ... und ich bin kein Lehrer.

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cpt.z 29.11.2017, 15:19
6. Aufräumen?

Zitat von rocknrolltattoo
Vor kurzem ging einer unserer Mitarbeiter nach dem Film in den Kinosaal um ihn zu reinigen und dort war eine Mutter mit ihrem Kind. Das Kind wollte noch die Krümel und den Müll welches es verursacht hat, aufsammeln wurde aber von der Mutter gestoppt mit dem Hinweis, dass mein Kollege dafür da sei. Ja dann gute Nacht!
Also tut mir wirklich leid, aber ich sehe das genauso wie die Mutter. Wenn ich 25 EUR für einen Film zahle und dann noch 25 EUR für Popcorn und Bier oben drauf lege, dann denke ich auch, dass ich nicht auch noch für die Reinigung des Kinos zuständig bin. Im Restaurant räume ich den Tisch nach dem Essen auch nicht selbst ab - im Imbiss schon, denn da zahl ich auch entsprechend weniger.

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Cascara LF 29.11.2017, 15:25
7. Ein Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit

Na. Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Immerhin hat der Lehrer eingesehen, dass er sich besser mit seiner Kollegin hätte abstimmen müssen. Allerding kann man auch ein wenig mehr Weitsicht von einem Lehrer erwarten wenn es darum geht, die Auswirkungen abzuschätzen die da kommen mögen, wenn man drei verschiedene Klassen mit verschiedenen Verhaltensregeln ausstattet.
Schreiben Sie hundert mal: "Ich muss mich besser mit meinen Kollegen absprechen, um katasrophale Situationen zu vermeiden."

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Stäffelesrutscher 29.11.2017, 15:37
8.

Zitat von rocknrolltattoo
Ich bin Kinobetreiber und wir machen sehr oft Schulvorstellungen.
Laden Sie da echt Filme aus dem Internet runter?

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ed.u.cator 29.11.2017, 16:02
9.

Zitat von cpt.z
Also tut mir wirklich leid, aber ich sehe das genauso wie die Mutter. Wenn ich 25 EUR für einen Film zahle und dann noch 25 EUR für Popcorn und Bier oben drauf lege, dann denke ich auch, dass ich nicht auch noch für die Reinigung des Kinos zuständig bin. Im Restaurant räume ich den Tisch nach dem Essen auch nicht selbst ab - im Imbiss schon, denn da zahl ich auch entsprechend weniger.
Ich denke, ich kann Ihre Logik gut nachvollziehen. Ich find's gut, dass Sie ein Herz für Vandalismus haben. Bei meiner nächsten Reise im Flieger werde ich nach männlicher Toilettenbenutzung nicht mehr irgendwelche flüssigen Hinterlassenschaften von der Schüssel abwischen und auch das durchnässte Papierhandtuch nicht aus dem Waschbecken entfernen. Wenn Sie dann nach mir dasselbe Etablissement aufsuchen, werden Sie sicher nicht angewidert sein, sondern volles Verständnis dafür haben, dass ich auf einem Flug, für den ich 400 Euro bezahlt habe, nicht auch noch die Putze sein kann. Das ist die Aufgabe des Reinigungspersonals am Zielflughafen, die werden ja schliesslich dafür bezahlt.

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