Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnisse: Kaum ein Schüler braucht später Physik
DPA

Jan-Martin Klinge weiß, dass seine Schüler später wenig aus dem drögen Physikunterricht erinnern werden. Außerdem würde der Lehrer viel lieber Themen behandeln, die Spaß machen. Doch die Vorgaben aus dem Ministerium sind strikt - und unrealistisch.

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docmillerlulu 30.10.2014, 08:44
51. Es gibt zwei grundlegende Weisheiten in der akademischen Welt:

Mediziner sind keine Naturwissenschaftler und Lehrer keine Akademiker. Insofern verwundert es nicht, daß bei einem völlig verschulten Studium letztendlich Pädagogen heraus kommen die vom Fach nur rudimentäre Kenntnisse haben.

Mir hat mein Physiklehrer allen ernstes vor versammelter klasse klar machen wollen daß Glas ein guter Wärmeleiter ist. Er hat das mit kruden Vorstellungen und Vergleichen getan und mich als lächerlichen Simpel hingestellt.

Im Freundeskreis hatten wir zwei Jungen mit identischen Leistungsniveaus in der 4. Klasse. Einmal eine alleinerziehende Mutter und dann der Sohn aus feinem Unternehmerhaus. 6 Monate vor der Verlassen der Grundschule habe ich vorausgesagt wer denn wohl die Empfehlung für das Gymnasium erhält. Raten Sie einmal - es war nicht der Sohn der alleinerziehenden Mutter.

Wir lachen über döspaddelige Schüler die nicht wissen wie viel ein Liter Wasser wiegt - uns sollte das Lachen im Halse stecken bleiben und eine ernsthafte Auseinandersetzung über Erziehung und Bildung quer durch die Republik beginnen.

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Lankoron 30.10.2014, 08:45
52. Sie übersehen aber

dass man für die Superhelden echte Grundlagen zur Berechnung braucht....Hebelwirkung, Fall- und Lichtgeschwindigkeit, Trägheitsüberwindung etc....Energie ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat, auch damit kann man sehen, was Flash verzehren muss^^... aber das Problem ist ja nicht der Superheldeninhalt der Stunden, sondern das immer mehr Müll in Kinder gepresst werden soll in immer weniger Stunden. In etlichen Ländern hat man Fachstunden gekürzt, um Lehrkräfte zu sparen bzw. um sich mit den verfügbaren Lehrkräften als "ausreichend" zu bezeichnen. Die Lehrpläne wurden dem kaum angepasst. Wie soll man z.B einen Lehrplan erfüllen, der im Schuljahr 82 Wochenstunden Physik vorsieht, wenn tatsächlich nur 57 gehalten werden können? Wann soll man denn die restlichen Stunden nachholen? Die Lehrpläne werden oftmals von tollen Tehoretikern entwickelt, die Schüler zuletzt sahen, als sie ihre eigenen Abi-zeugnisse erhielten. Es ist keinerlei Zeit für Wiederholungen angesetzt, die Ausrüstung vieler Schulen stammt aus den 70ern, und angesichts immer notwendigerer Sparmassnahmen der Kommunen sinken auch immer mehr die Sachmittel der Schulen für möglichen Ersatz.
Aber solange man sich mit Schulen nur politisch als Reformator, Sparer oer toller Notenminister brüsten will, wird sich NICHTS ändern.

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NETSUBJEKT 30.10.2014, 08:47
53. Bildungsauftrag: menschliche Nutztiere für die Wirtschaft

Die Frage: "Braucht ein Schüler Physik" zeigt, wie tief der Bildungsanspruch unserer Gesellschaft gesunken ist. Es geht nicht mehr darum, einen Menschen mit dem jeweils aktuellen Kulturgut Wissen vertraut zu machen und das zunächst zweckfrei.
Bildung soll am "Markt" ausgerichtet werden.
Die verschiedenen Lehrfächer mit sowohl geistes- als auch naturwissenschaftlichen Grundkenntnissen sind nicht bloss "Allgemeinwissen" auf das man später zum Teil auch verzichten kann. Viel wichtiger ist, dass damit methodische Denkprozesse verbunden sind, die den kindlichen/jugendlichen Verstand formen und später in ganz anderen Bereichen zur Anwendung kommen können die wenig bis nichts mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben. Beispiel Naturwissenschaften: Hier steht strukturelles Denken im Vordergrund.
So erfordert z.B der Umgang mit neuartiger Alltagstechnik zunehmend strukturiertes Denken.
Die Bedienung von Fahrkartenautomaten, Smartphones, der Unterhaltungselektronik usw. folgt prinzipiellen Strukturen die übertraggbar sind und nur derjenige leicht erkennen kann, der irgendwann lernen musste, strukturell zu denken.
Beispiel Geisteswissenschaften: Hier steht analytisches Denken und Interpretation im Vordergrund. Um die Möglichkeiten der neuen "Informationsgesellschaft nutzen zu können; um kommunizieren, sich ein Bild von seiner Lebenswelt machen und sich darin behaupten zu können reicht bloss Lesen und Schreiben können, allein nicht aus.
Kurz gesagt: es geht nicht allein um die Inhalte des Unterrichtes sondern viel wichtiger, um die Methoden, es sich erarbeiten zu müssen. Unsere Zivilisation entwickelte sich nicht, indem jeweils zeitgenössisches Wissen angewendet wurde, sondern deren Methoden auf neue Probleme übertragen worden sind.
Einen Stein zu nutzen, um eine Nuss aufzuschlagen ist das Eine. Dessen Effekt zu erkennen und auf den Stein selbst anzuwenden, um damit ein besseres oder gar neues Werkzeug zu schaffen ist der eigentliche Fortschritt und unterscheidet den Menschen, vom werkzeugnutzenden Tier

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bertburk 30.10.2014, 08:47
54.

Zitat von buntschwarz
Aber wir lernen ja fürs Leben. Welches Schulwissen haben sie gestern benötigt? Wenn es über lesen, schreiben und die Grundrechenarten hinaus geht wäre es schon viel.
Es kommt halt darauf an was man später aus seinem Leben macht....

Man kann sich aber nun mal bei der schulischen Bildung nur am unteren Ende der Messlatte orientieren, ich finde es jedenfalls nicht unwichtig zu wissen wie die Welt "funktioniert".
Ein wenig mehr Bildung gerade in Physik, Biologie, Chemie oder generell naturwissenschaftlicher Vorgehensweise würde meiner Meinung nach sogar vielen Leuten ganz gut tun.
Selbst wenn es keinen Praktischen nutzen hat außer dem dass man selber in der Lage ist auch mal irgendeine Studie die gerade in den Medien/der Politik total umgedreht wird mal selber zu verstehen.

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soulseeker 30.10.2014, 08:48
55. what?

Seit wann braucht man nichts über z.B. Elektrizität wissen.

Es gibt viel unsinnigeren "Lehrstoff" in der Schule - z.B. Religionsunterricht oder "Kunst".

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SchneiderG 30.10.2014, 08:49
56. Nicht nur in der Schule ...

Wenn ich an die Lehr-Inhalte meines Studiums denke, kann ich mit ruhigem Gewissen sagen, daß ich während meines bisherigen Berufslebens absolut nichts davon benötigt habe obwohl ich im gleichen Fachgebiet weitergearbeitet habe wie was ich studiert hatte.

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happybine 30.10.2014, 08:49
57. Toll wäre es gewesen!

Mit den Themen wäre ein Physiklehrer auch zu mir durchgedrungen. Ich finde das schon praxisbezogen, wenn man gemeinsam berechnet, ob die Dinge, die in Actionfilmen gezeigt werden, tatsächlich möglich sind. Dahinter steckt viel Theorie und eine große Bandbreite an Wissen.

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saywer,tom 30.10.2014, 08:49
58. Physik ist überall

An Physikkenntnissen mangelt es - auch dank solchen Lehrer - jedoch allenthalben.

Man merkt es dort, wo z. B. Verbräuche von Autos oder die Gefährlichkeit von KKW diskutiert werden.

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duxer 30.10.2014, 08:51
59. Allgemeinbildung

Ich finde es schon wichtig in der Schule auch etwas zu lernen, was man später nicht braucht. Sicher ist das nicht immer spannend, vieles bleibt aber doch hängen. Und wenn man Kinder hat, wird scheinbar unwichtiges Wissen, doch wieder wichtig.

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symolan 30.10.2014, 08:52
60.

Jeder braucht etwas Physik, wenn er den Hauch einer Chance haben will, zu verstehen, was in der Welt so geschieht.
Das ist nicht zwingend zum Arbeiten, aber fast schon Voraussetzung für ein würdevolles Leben.

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