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Medizin-NC vor dem Bundesverfassungsgericht: Sie können doch nicht warten, bis alle g
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Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob der Numerus Clausus für Medizin rechtens ist. Dabei geht es um die Frage, welche Befähigung für das Studium nötig ist. Darf die Abinote das ausschlaggebende Kriterium sein?

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dasistdasende 04.10.2017, 17:11
1. NC als Kriterium hat auch nicht zu besseren Ärzten geführt

Zumindest nach meinen persönlichen Arzt Erfahrungen nicht, die leider zahlreicher sind, als ich es mir wünschen würde. Viele Ärzte haben nur ein durchschnittliches Fachwissen. Und von menschlichen Qualitäten fange ich besser gar nicht erst an. Die meisten Ärzte vermitteln einem sehr gut den Eindruck, dass es Ihnen nicht um den Patienten, sondern primär um die eigene Geldbörse geht. Das Ziel ist möglichst viele Patienten in möglichst kurzer Zeit. 5 Minuten sind da schon zuviel. Nächster bitte.
Sicher gibt es Ausnahmen, aber die sind rar.
Vielleicht wäre es doch mal an der Zeit, die Maßstäbe dafür, wer Arzt werden darf/kann, zu überdenken. Eine 1 in Erdkunde, Musik, Sport, Geschichte etc. kann es ja wohl nicht allein sein.

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ruhepuls 04.10.2017, 17:31
2. Ärzte überfordert?

Vorausgeschickt, ich bin kein Arzt, kenne aber die Branche recht gut. Unser Kassensystem sorgt dafür, dass Ärzte "effektiv" arbeiten, d.h. möglichst viele Patienten "behandeln". Anders kommen zumindest Hausärzte kaum auf ihre Kosten. Das führt dann genau zu der "5-Minuten-Medizin", die gerne beklagt wird.
Leider haben Sie recht mit dem Fachwissen. Das Medizinstudium ist vollgestopft mit Wissen, das aber nach der jeweiligen Klausur, für die es gebüffelt wurde, auch schnell wieder vergessen wird - wie übrigens in vielen Studiengängen. Verständnis um Zusammenhänge wird zu wenig gefördert - und Empathie schon gar nicht. Das Studium spiegelt damit im Grunde schon die spätere Realität. in der es wichtig ist, möglichst schnell eine "Diagnose" zu stellen und dann das passende Pharmakon zu verordnen oder den Patienten einem weiteren Facharzt vorzustellen.

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simax2118 04.10.2017, 17:39
3. Mein Zahnarzt

und gleichzeitig bester Freund, galt als Kind als hyperaktiv. Nach der Grundschule gab es die Empfehlung ihn auf eine Hauptschule zu schicken. Noch während dem ersten Jahr auf der Hauptschule waren sich die Lehrer einig daß er völlig unterfordert mit dem Lernstoff sei und daß er mindestens auf die Realschule muß. Nach der mittleren Reife ging es dann weiter auf ein Gymnasium, welches er aus "Zeitmangel" eher durchschnittlich abschloss. Er wurde trotzdem an der Uni Tübingen zum Medizinstudium zugelassen. Heute betreibt er eine Zahnarztpraxis für Erwachsene und zwei Kinderzahnarztpraxen. Zu seinen erwachsenen Patienten gehören etliche Bundesligaprofis, Motorsport Asse und zahlreiche andere bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten aus der gesamten Bundesrepublik. Sein Abischnitt von 3,2 hat ihm dabei weder geholfen, noch hat er ihn daran gehindert zu einem genialen Zahnarzt zu werden.

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Pela1961 04.10.2017, 17:53
4. Hm - und dann?

Schade, dass ich schon so alt bin. Ansonsten würde ich mir doch überlegen, gegen die Arbeitgeber zu klagen, die mir vor nunmehr knapp 40 Jahren sagten, dass sie bestimmte Ausbildungsberufe nur an Bewerber mit Abi vergäben. Und dann gabs noch die, die einen bestimmten Notendurchschnitt verlangten - sonst war das nix mit der Ausbildungsstelle. Alles verfassungswidrig? Blödsinn - das Recht auf freie Berufswahl bedeutet in meinen Augen nicht den Verzicht auf jegliche Qualifikationsanforderung. Und sei sie noch so albern. Wer jemals ein Assessment-Center mitgemacht hat, weiß, wovon ich schreibe.

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lemmuh 04.10.2017, 18:11
5. Alte Ideen

Kurz nach dem zweiten Weltkrige hat man schon allerlei abenteuerliche Ideen gehabt, wie man die Studenten, die zum Zahn- und Humanmedizinstudium zugelassen werden sollten, auswählen sollte. Da würde bereits vorgeschlagen, mehrtägige Prüfungsveranstaltungen zu organisieren, die alle physischen, psychischen, charakterlichen und sozialen Eigenschaften auf Herz und Nieren prüfen sollten. Ein zukünftiger Zahnart hätte zum beispiel nicht nur einwandfreie Noten haben müssen, nein, er hätte auch verschiedene Arten von Sandpapier durch Tasten nach Körnungsgröße sortieren können müssen. Dazu hätte er durch die Ableistung besonders niederer Arbeiten in der Krankenbetreuung nicht nur seine Widerstandsfähigkeit, sondern auch seinen absoluten Gehorsam nachweisen müssen. Ein Psychologe sollte dann feststellen, wie wahrscheinlich es wäre, dass der Bewerber sein Studium auch wirklich beendet.

Vor diesem Hintergrund kann man sich denken, wie das NC-Modell entstanden ist: Es gab keine anderen praktikablen Vorschläge. Dies ist heute nicht viel anders. Zwar ist es möglich, dass die Universitäten, wie es heute der Fall ist, einen kleinen Teil der Bewerber über eigene - mitunter vollkommen Absurde - Verfahren und Tests auswählen, aber für die Masse ist das nicht möglich.

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Actionscript 04.10.2017, 18:53
6. Früher bei der ZVS wurden beim

Biologie Studium die naturwissenschaftlichen Fächer mehrfach gezählt. Das wäre auch beim Medizin Studium richtig. Wer Medizin studieren will, braucht nicht unbedingt ein Ass in Deutsch oder Geschichte zu sein. Doch naturwissenschaftliches Interesse und Kenntnis sollten schon eine grössere Rolle spielen.

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Mancomb 04.10.2017, 19:07
7. Regionaler Bonus

Früher gab es den sogenannten "Bayern-Bonus", bei denen Bewerber aus Bayern von ihrer Abinote nochmal etwa etwa 0,1 bis 0,2 abziehen durften. So etwas oder sowas Ähnliches sollte wieder eingeführt werden. Mir kann keiner weismachen, dass das Bremer oder NRW-Abitur mit dem bayerischen oder sächsischen vergleichbar wäre.

Noch dazu die geprüfte Fächerkombination: Bewerbern mit relevanten und fachbezogenen Prüfungsfächern sollte hier eindeutig der Vortritt gegenüber denen gelassen werden, die vielleicht ihr Abi in Sport, Kunst und Philosophie gemacht haben.

Unterm Strich ist das allerdings nur rumdoktern an der Abinote. Seit einigen Jahren gibt es den TMS (Test für medizinische Studiengänge), den manche Unis fast schon schwerer wichten als die Abiturnote. Zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber immer noch keine Universallösung.

Manche Unis vergeben auch Boni für medizinnahe Tätigkeiten. Ehrenamtlicher Sani gewesen? 0,1 Bonus. Mitglied der freiwilligen Feuerwehr? 0,1 Bonus. Zivi/Bufdi im Krankenhaus gemacht? 0,2 Bonus. Abgeschlossene Krankenpflegeausbildung? 0,5 Bonus.
Das ist allerdings von Uni zu Uni unterschiedlich und die allermeisten setzen nach wie vor (aus Bequemlichkeit?) auf die Abinote alleine. So ein Bonussystem sollte flächendeckend eingeführt werden.

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fisschfreund 04.10.2017, 19:12
8. Überschrift

Seid mal alle froh, dass ihr keinen studienplatz bekommt und studiert irgendwas sinnvolles. In der heutigen Zeit möchte ich kein Arzt sein.

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kachre61 04.10.2017, 19:13
9. Abinote 3,5 und Studiennote 3,5 ??

Habe eine Abi-Note von 3,5 und war 1985 gücklicher Gewinner eines Medizinstudienplatzes. Sieben Jahre später nach 3x Pysikum und 1. Stadtsexamen Studium mit 3,5 abgeschlossen. Heute Facharzt für Urologie und Allgemeinmedizin, habe wissentlich keinen umgebracht , und alle Patienten wollen zu mir kommen. Fühle mich als Arzt anerkannt, liebe meinen Beruf, und glaube weitehin , die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Gut, ich bin nicht Professor oder Chefarzt geworden, bin auch kein "Doktor", glaube aber trotzdem, dass das menschliche Verstehen und sich um anderen zu kümmern, will sagen, die Empatie zum Beruf , das wichtigste ist. Leider bin ich am Helfer-Syndrom erkrankt, und bin daher nun in Schweden tätig, wo es etwas entspannter zugeht. Nur Mut ihr Zweifler, Starrsinn zahlt sich aus, gerade wenn es um den Arztberuf geht.

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