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Medizinstudenten im Praktischen Jahr: "Das hätte auch schiefgehen können"
DPA

Denn sie dürfen oft nicht, was sie tun: Medizinstudenten im Lehrkrankenhaus müssen immer wieder Aufgaben erledigen, die ihre Fähigkeiten übersteigen. Vier angehende Ärzte berichten von grenzwertigen Einsätzen am Krankenbett.

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ennalyse 15.08.2013, 09:31
1. es war und ist immer so, dass lästige

oder sogenannt einfache arbeiten an die studis delegiert werden UND dass eine verantwortungsvolle ausbildung und anleitung fehlt. basta!
rekapitulieren wir:
1. haben wir fast nur 1er abiturienten, die zugelassen werden. (wie geht es, dass diese hohen zahlen überhaupt zustande kommen für den NC?)
2. der beginn im pflegedienst ist recte.
3. die ersten 3 jahre graue theorie von den folien der profs gebeamt, kaum erklärender und kritischer diskurs; immerhin: naturwissenschaft.
4. gute klinische vorlesungen und falldemonstrationen sind selten, da die lehre inzwischen offenbar eine lästige pflicht ist, daher
5. famulanten, pj's und jungärzte erhalten kaum validen unterricht.
(historisches beispiel: in einer alten kleinen universität gab es noch 1970 famulanten-blockunterricht, dt. für die medizinalassistenten (damalige pj) und die fach-visiten, die lehrvisiten waren.

merke: hast du keine ärztliche approbation, arbeite nur auf schriftliche anweisung. merke 2.: aufklärungsgespräche über massnahmen und eingriffe müssen approbierte führen.

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hubelwutz 15.08.2013, 09:34
2. Zivildienst

Selbes Schema beim Zivildienst: Patienten waschen, Totenwaschung etc pp, teils allein. Da fragt auch keiner nach ob der Zivi das darf oder nicht, gesehen wird die Arbeitskraft die für 2,50 € die Stunde arbeitet.

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mazonspon 15.08.2013, 09:36
3. Wir alle haben es so erlebt!

Meines Erachtens wird es immer so bleiben, eher noch schlimmer.
Die Zahlen der in Deutschland praktizierenden deutschen Ärzte sind bekannt... Studium für UMSONST GERNE. Dann nix wie weg.
Ich liebe meinen Beruf sehr. Würde aber als fleißiger Friseur, oder als Angestellter einer gesetzlichen Krankenkasse mehr verdienen als mit meiner Praxis!
Dr. P.

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chalchiuhtlicue 15.08.2013, 10:03
4. optional

Wenn ein PJ-Student sich dem Pflegepersonal unterwirft und sich zu Pflegetätigkeiten nötigen läßt, ist er für den Beruf bereits ungeeignet. Das Pflegepersonal hat ihm nichts anzuordnen und er wiederum dem Pflegepersonal nichts. Seine Aufgabe im PJ ist es, ärztliche Tätigkeiten zu erlernen. Wenn man ihn nicht aktiv ausbildet (das war vor 20 Jahren zu meinen PJ-Zeiten schon selten), dann soll er Ausbildung einfordern. Ggf. beim Studiendekan beschweren, wenn man ausgenutzt wird. Das half zu meiner Zeit.

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albertsmeier 15.08.2013, 10:07
5. mal wieder ein reißerischer Artikel zu Gesundheitsthemen

... der sachlicher Klärung bedarf, in diesem Fall von einem approbiertem Arzt. Recht hat nämlich nur Student Nr. 1, Aufklärungsgespräche darf tatsächlich nur der Arzt führen, darauf hat der Patient einen sinnvollen und berechtigten Anspruch. Und wenn man weiß wie unverschämt die Aufklärungssituation für spätere Klagen immer öfter ausgenutzt wird, sollte das auch niemand anderes tun. Zu den drei anderen: Nr. 2, es ist Unsinn dass nur ein Arzt ein Antibiotikum beim ersten Mal anhängen darf, das haben sich die Schwestern schön zurecht gelegt. Der größere Skandal ist, dass in Deutschland die Aufgabe der Venenpunktion regelhaft immer noch dem Arzt übertragen wird. Diesen Unsinn gibt es sonst (fast) nirgends, ausländische Mediziner lachen sich kaputt über uns. Nr. 3, die arterielle Blutgasanalyse muss natürlich nicht durch einen Arzt durchgeführt werden, er sollte sie lediglich einmal gezeigt haben. Die Unkenntnis der zitierten Studentin zeigt sich auch der Aussage zum Infektionsrisiko, dieses ist nämlich im Hochflussgebiet Arterie viel geringer als in der Vene, und liegt bei einer einzelnen Punktion ohne verbleibenden Katheter quasi bei null. Nr. 3, der Arzt muss den Patienten nicht gesehen haben, es reicht eine Bedarfsmedikation wie Schmerzmittel zu bestätigen oder telefonisch anzuordnen. Und dem Patienten das Mittel vorbeizubringen ist für einen Pflegepraktikanten auch eine absolut angemessene Aufgabe.

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kiwi1975 15.08.2013, 10:10
6. @3

Ich bitte Sie. Im Leben verdienen sie nicht weniger als ein Friseur. Mag sein daß Ärzte in ihren Praxen mehr verdienen sollten, aber schlecht stehen Sie wirklich nicht da. Von berufswegen hab ich sehr viel Kontakt mit Ärzten auch Niedergelassene. Aber im Allgemeinen nur Jammern auf hohem Niveau! "Mein Oberklasse Wagen musste zu Reparatur hat wieder 2000? gekostet, mein Pferd musste operiert werden hat 10.000? gekostet, habe mein Haus renoviert dabei habe die Markenmöbel Unsummen verschlungen, also dieses Jahr fahren wir nirgends mehr hin wir waren ja schon 3 mal Tauchen in der Karbik das wird uns zu teuer usw.usw.usw. Echt jetzt ich kann es nicht mehr hören!!!

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Pulexiri 15.08.2013, 10:12
7. Wunschdenken...

So, so... In allen anderen Ausbildungsberufen steht also 24h ein Lehrbeauftragter / Ausbilder neben dem Auszubildenden und nichts wird deligiert? Wer als PJ nur zuschaut wird nichts lernen und steht nach dem Examen als "fertiger" Arzt auf Station und gerät so richtig ins Schwimmen... Zum PJ gehört aber auch zu erkennen, welche Tätigkeiten man sich delegieren läßt und welche nicht. Der Kollege ist völlig zu Recht verurteilt worden - man Spritzt nichts ohne die Spritze selber aufgezogen zu haben oder sich vorher die leeren Ampullen zeigen zu lassen - niemals! Schutz für den Patienten und den Anwender...

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Facette 15.08.2013, 10:16
8. optional

Nicht nur heute, auch vor Jahrzehnten hätte vieles schief gehen können.

Gerade mit der Schule fertig, ein Pflegepraktikum auf einer Neugeborenenstation in einem Kreiskrankenhaus: Die Nachtwache, eine (1) Hebamme mit Tag-und Nachtrufbereitschaft und ich waren für Tage die einzigsten Kräfte für die Versorgung von durchschnittlich 7-8 Wöchnerinnen und Neugeborenen.
Zu den Highlights dieser Zeit zählt, als die Stationsschwester, eine Nonne, von Krankheit wieder genesen, trotz zweier Kreisenden für Stunden zum Beten und Mittagessen verschwand, anschließend von der Hebamme mit einem Fußtritt unsanft aus dem Kreißsaal befördert wurde.
Anwesende Ärzte? Ein Belegkrankenhaus, Arzt kam nur, wenn gerufen oder bei Privatpatienten.

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lizard_of_oz 15.08.2013, 10:23
9. Patienten waschen, Totenwaschung

Zitat von hubelwutz
Selbes Schema beim Zivildienst: Patienten waschen, Totenwaschung etc pp, teils allein. Da fragt auch keiner nach ob der Zivi das darf oder nicht, gesehen wird die Arbeitskraft die für 2,50 € die Stunde arbeitet.
Patienten waschen darf der Zivi, dass Zivis Tote waschen müssen, ist Schwachsinn. Leichwäscher ist ein hochdotierter Job, zu DM-Zeiten bekamen die um die 100 DM pro Stunde.
Jeder Zivi, der so etwas freiwillig und für die Ziviknete macht, ist schlicht und einfach sehr dumm.

Nach diesem Artikel wirkt die fahrlässige Babytötung des einen Studenten noch ein wenig fahrlässiger. Einfach mal Nein sagen, wenn man dafür nicht qualifiziert ist, erst recht wenn es um Menschenleben geht! Einfach fragen, ob derjenige der die Aufgabe deligiert auch zu 100% die Verantwortung übernimmt, wenn es schief geht, weil man nicht ausreichend qualifiziert ist. Das reicht meist und es ist clever, dieses Gespräch per Handy aufzunehmen.

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