Forum: Leben und Lernen
Mensa in Göttingen: Studentenwerk hängt anzügliche Bilder ab
DPA/Christina Hinzmann/Göttinger Tageblatt

Nackte Brüste und Albert Einstein mit Schweineohren? In Göttingen hat das Studentenwerk eine Ausstellung beendet, die Kritiker sexistisch und antisemitisch nannten.

Seite 1 von 9
grandpa_wolf 07.11.2017, 19:09
1. Uuh, ooh, Nippel ...

... das muß wohl sexistisch sein. #weia

Der Mensch ist ein sexuelles Wesen und das ist auch gut so - alles andere hätten wir schlicht nicht überlebt. Die fast schon hysterischen Reaktionen auf Nippel, Achsel- und Beinbehaarung oder wie hier, auf gemalte Bilder einer Künstlerin haben aus meiner Sicht mehr mit einem fragwürdigen Weltbild als mit allem anderen zu tun. Noch dazu werden auf diese Art tatsächlich bedenkliche, sexistische Verhaltensweisen doch arg relativiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gula19 07.11.2017, 19:11
2. Zensur

Die künstlerische Freiheit in Deutschland wird von selbsternannten Zensoren und politisch Korrekten gefährdet. Traurig dass wir soweit gekommen sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
SirSpamALot 07.11.2017, 19:23
3.

Unter dem Deckmantel der Opression ziehen die Ikonoklasten zu Felde.

Schade, dass der Horizont vieler Menschen sich nicht dahin erstreckt, ein Kunstobjekt über seine bildliche physische Darstellung hinaus wahrzunehmen, seine Implikationen, Denkanstöße und das Beziehen auch extremer Positionen wahrzunehmen.

Das hineinversetzen in Gedankenmuster, welche dem eigenen entgegen stehen ist eine doch leider vernachlässigte Notwendigkeit einer jeden sozialen Gesellschaft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
niska 07.11.2017, 19:44
4.

Von Frauen (im übrigen sehr ästhetisch) gemalte Frauenbrüste sind also "sexistisch"? AStA ist also immer noch eine weitestgehend sinnlose Veranstaltung. Manches ändert sich scheinbar nie.
Gesehen hätten das Bild eh nur wenige (Streisand-Effekt).
Gab es nicht mal sowas wie künstlerische Freiheit in freiheitlichen demokratischen Gesellschaften?
Dass gerade der Zentralrat jetzt definiert, was angeblich "entartete Kunst" ist, entbehrt nicht einer sehr sehr traurigen Ironie der Geschichte. So ein Vorgehen schwächt, gerade in Zeiten der aufkommenden neuen Rechten, den wichtigen Auftrag und die eigene Reputation völlig unnötig. Traurig und unverständlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spon-facebook-10000239462 07.11.2017, 19:46
5. Sind wir schon wieder soweit?

Traurig, dass in Deutschland solche Bilder nicht mehr gezeigt werden dürfen. Es gab mal eine Zeit, in der vorgeschrieben war, was als Kunst gelten durfte und was als "Entartet" der Öffentlichkeit vorenthalten werden musste. Ich finde diese Entwicklung höchst bedenklich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
viwaldi 07.11.2017, 19:47
6. Kunstfreiheit und Redefreiheit

Gilt nur, wenn es gegen Katholiken bzw den Papst oder Jesus geht - und gegen Männer natürlich. Dann kommen die Hüter der wahren Meinung, und sie sagen was nach ihrer Meinung gar nicht geht. Tja, so geht es los. Ein Gedicht an der Wand darf nicht mehr hängen, eine Ausstellung bzw. Bilder werden abgehängt. Entartet? Die Sittenwächter in Saudia Arabien und im Iran machen es vor, die willfährigen Helfer hier nach. Jeder auf seine Art. Freiheit der Kunst? - vergessen wir es einfach.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
begeka 07.11.2017, 19:53
7. Double Standards

"Die Beteuerung, die Bilder seien weder sexistisch noch antisemitisch gemeint, bedeute nicht, dass dies auch zutreffe."

Dann gilt aber auch: Dass "die Ausstellung von vielen als sexistisch wahrgenommen worden [sei], so die Studierenden",*bedeutet nicht, dass dies auch zutrifft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
egoneiermann 07.11.2017, 20:11
8.

Zitat von niska
Von Frauen (im übrigen sehr ästhetisch) gemalte Frauenbrüste sind also "sexistisch"?
Hat das irgendjemand behauptet? Kennen Sie die anderen Bilder? Natürlich darf Kunst alles, aber es darf natürlich genauso diskutiert werden, ob das Studiwerk ( als Anstalt des öffentlichen Rechts nur für die Belange der Studierenden zuständig) diese Bilder ausstellt. Das ist die andere Seite unserer demokratischen Gesellschaft. Letztlich wurden die Bilder von den Künstlern wieder abgehängt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
at.engel 07.11.2017, 20:17
9.

Ein Problem scheint ja zu sein, dass im Begriff Sexismus, das Wort "Sex" steckt, und jetzt permanent irgendwelche selbsternannten Sittenwächter sich dazu berufen fühlen, sofort Alarm zu schlagen, sobald irgendwo irgendetwas in diesem Zusammenhang erscheint.
Nur ist nicht alles, was irgendwie mit Sex, nackten Körpern (von Frauen natürlich) zu tun hat, alles, was irgendwie anzüglich, erotisch oder auch schlüpfrig ist, per se sexistisch. Auch, weil Leser, Betrachter und Zuschauer auch "intelligente Wesen" sind. Nicht jeder Mann identifiziert automatisch mit Al Bundy und nicht jede Frau automatisch mit Peggy - sonst müsste man so etwas ja auch gleich mit auf eine schwarze Liste stellen. Aber auch nicht alles, was "sexisitisch" ist, ist eben auch sexistisch.
Sexistisch kann auch Werbung sein. Egal über was...auch Versicherungen oder sonst etwas. Sexistisch sind aber auch die meisten Frauen- und Gesundheitsmagazine; sexistisch ist auch sicher ein Teil der Frauenliteratur. Nicht, weil sie (Magazine und Literatur) unbedingt diskriminierend sind, sondern eben gerade ihren Leserinnen immer die gleichen Schemen, Klischees bzw. auch gesellschaftlichen Rollenspiele (einschließlich das der "Autorin" und der "Leserin") vorhalten ... sie auch konditionieren. Allein schon "Frauenliteratur" - da gibt es ein paar Schriftstellerinnen, die würden sich im Grab umdrehen, wenn man ihr Werk so qualifizieren würde - empfänden genau das als Sexismus.
Vielleicht sollten sich die Deutschen einfach ein anderes Wort als gerade "Sexismus" einfallen lassen - ich habe das Gefühl, die meisten sind damit überfordert.
Das andere Problem ist natürlich, dass auch jeder gerade das hineinprojeziert, was ihm gerade dazu einfällt. Wenn ich heute ein Bild von Einstein sehe, assoziere ich nicht damit, dass das jetzt ein Jude war. Das mag mein "Fehler" sein. Aber egal, ob das jetzt Kafka, Heine oder Einstein ist, ich komme erst einmal gar nicht auf den Gedanken. Genauso wenig wie ich Obama oder Miles Davis erst einmal als "Schwarzen" wahrnehme. Bei der Wahl Obamas natürlich, aber danach war er einfach ein "Präsident", und sicher eher einer der besseren... (und eben auch nicht, weil er jetzt schwarz war). Ich kann mit dem Menschen einfach etwas anfangen - und mit dem jetztigen eher weniger...
Das kommt natürlich auch auf den jeweiligen Bezug an: Michelle Obama habe ich immer mehr als "Frau" (von...) wahrgenommen, Condoleeza Rice weder als "Schwarze" noch als "Frau"... Nur ein Glück, dass ich nie Witze über sie gemacht habe...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 9