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Nach Mobbing-Vorwürfen: ETH-Zürich will Professorin entlassen
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Jahrelang soll die Professorin für Astrophysik an der ETH-Zürich Studenten gedemütigt haben. Nun zieht die Elite-Hochschule Konsequenzen und leitet ein Entlassungsverfahren ein.

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redepest 31.10.2018, 14:01
1. Ganz normal, auch bei uns.

Reden Sie mal mit deutschen Doktoranden, Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Befristete Verträge sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Allein damit lassen sich die akademischen Kulis wunderbar drangsalieren. Gängige Praxis ist auch zum Beispiel, Teilzeitverträge abzuschliessen. in denen (schriftlich!!!) "21/42" Stunden vereinbart wird. Heisst: 21 bezahlt, 42 gearbeitet (plus Überstunden versteht sich). Arbeitsrecht ist in den Unis nur sowas wie eine unverbindliche Empfehlung. Wer klagt da schon? Man versaut sich ja nicht sehenden Auges die Karriere. Also: alles ganz normal.

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Newspeak 31.10.2018, 14:04
2. ...

Die ETH inszeniert sich jetzt als Saubermann. Dabei sind es die Strukturen der Unis selbst, die solch ein Arbeitsklima schaffen. Die Unis wollen von Professoren auch nur sehen, dass diese moeglichst viel Drittmittel einwerben. Auch ein paar wissenschaftliche Stars sind gern gesehen. Dafuer schaut man dann gerne weg. Wenn die Zustaende dann manchmal doch zu unertraeglich werden, tut man so, als sei man selbst gar nicht mit Schuld daran. Ein total verlogenes System. Normalerweise sollte die gesamte Fuehrungsetage der Uni selbst zuruecktreten oder mit angeklagt werden, denn sie hat es zugelassen oder sogar mit befoerdert. Aber es wird so getan, als seien es alles Einzelfaelle von charakterlich besonders schlechten Professoren, wo es das System selbst ist, das an den Pranger gehoert. Man inszeniert dann eine "unabhaengige" Untersuchung, weil man sich reinwaschen moechte, eine Untersuchung, die aber ganz sicher nie "nach oben" schaut, um allgemeine Missstaende aufzudecken, z.B. wie es sein kann, dass ein Ehepaar an dasselbe Institut berufen werden kann. Da findet heute naemlich sehr viel Vetternwirtschaft statt, und gerade Berufungen sind ein reines Intrigenspiel und verfilzt ohne Ende. Es ist der ganze Apparat, der auf den Pruefstand gehoert.

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felix_hauck 31.10.2018, 14:06
3.

"Bereits im August 2017 legte die ETH das Institut für Astronomie still integrierte die übrigen Teile des Instituts für Astronomie ins neue Institut für Teilchen- und Astrophysik." Vielleicht habe ich ja einen Schlaganfall und dieser Satz ist grammatikalisch komplett korrekt, aber irgendwas stört mich daran. Einfach zu verstehen ist er zumindest nicht. Ich will jedoch nicht ausschließen, dass ich einfach zu blöd dafür bin.

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sternum 31.10.2018, 14:16
4.

Schön zu lesen, dass es Doktoranden gibt, die sich trauen können, sich zu beschweren. Und, dass da tatsächlich auch etwas passiert.

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peter_tpp 31.10.2018, 14:30
5. Verstand hemmt Missbrauch nicht

Unkontrollierte Macht ist eben eine Droge, der die meisten nicht widerstehen können. Und das hat gar nichts mit Intellekt zu tun. Im Gegenteil - dieser hilft den Missbrauch zu verschleiern.

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wally76 31.10.2018, 14:41
6. Zu viel Macht an einer Stelle

Wenn Dein Chef gleichzeitig Dein Doktorvater ist, machst Du entweder, was er will, oder Du wirst nicht promoviert. Ist in Deutschland nicht anders. Ich hatte Glück, dass mein Doktorvater seine Position nicht ausgenutzt hat und uns machen ließ. Der Deal: jeder veröffentlicht zwei Paper pro Jahr und wirbt genug Geld für die eigene Stelle ein und er geht uns nicht auf den Sack. War ok.

Befristung ist für Doktoranden(!) aus meiner Sicht ok, nach erfolgreicher Promotion kann man dann ja weitersehen. Scheitern ja doch viele Promotionsvorhaben am eigenen Anspruch / am eigenen Limit (und leider auch mitunter am Chef). Was soll man mit denen auf Lebenszeit anfangen? Für Postdocs sollte es mehr unbefristete Stellen geben.

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quercusuevus 31.10.2018, 14:41
7. Eines macht stutzig

Bei diesem und bei zwei weiteren prominenten Fällen in der Max-Planck-Gesellschaft handelt es sich bei der mobbenden Person um eine Frau. Bemerkenswert, denn der Frauenanteil in akademischen Spitzenpositionen ist weiterhin klein.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/max-planck-gesellschaft-mit-anwaltskanzlei-gegen-mobbing-a-1217455.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/max-planck-gesellschaft-neue-mobbing-vorwuerfe-15747710.html

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Hemmel 31.10.2018, 14:45
8. Auch dieser Fisch stinkt vom Kopf.

Die Hochschulleitung der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ist offenbar mit der Beaufsichtigung des Lehrkörpers völlig überfordert.

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Theya 31.10.2018, 14:47
9. Tja, die Wissenschaft ist halt kein Kindergeburtstag

Die ETH ist eine sehr renommierte Hochschule, und das nicht von ungefähr: die Anforderungen, um in der akademischen Weltspitze mitzuspielen, sind extrem hoch. Wie @redepest bereits in Beitrag #1 bemerkt, ist eine entsprechende Erwartungshaltung von Seiten der Professoren daher nicht unüblich. Es ist klar, dass nicht alle Studenten / Doktoranden dafür gemacht sind, diesen Erwartungen und Anforderungen standzuhalten. Dennoch denke ich, dass auch eine Professorin nicht vergessen darf, dass die ihr Untergebenen keine Maschinen sind. Man darf sicherlich davon ausgehen, dass sie dieselben hohen Maßstäbe stets auch an sich selbst angelegt hat, sonst hätte sie es kaum so weit gebracht - aber dennoch hätte sie damit rechnen müssen, dass es in der Regel nicht möglich ist, das gleiche Commitment auch von sämtlichen ihrer Studenten einzufordern.

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