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Niederländisches Experiment : Wo Schüler jederzeit Ferien machen können
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Die Niederländer testen, was auch viele deutsche Familien erfreuen würde: An einigen Schulen können Eltern selbst entscheiden, wann ihre Kinder in die Ferien gehen sollen. Wie funktioniert das?

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Francuzzo 29.12.2018, 14:45
1. Wo kämen wir denn da hin....

..haben wir schon immer so gemacht“ ist natürlich die typisch deutsche Reaktion auf diesen interessanten Versuch. Dieselbe Mentalität, die uns im IT-Bereich langsam zu einem Entwicklungsland werden lässt. Leider würde diese Flexibilität aber in Deutschland tatsächlich scheitern - nicht nur an der Mentalität, sondern auch am Föderalismus, in dem sich heruntergewirtschaftete Bundesländer wie Bremen, Berlin oder von den Flächenstaaten NRW noch nicht mal mehr das (bretterharte) Klopapier, geschweige denn neumodischen Krams wie Tablets in den Schulen leisten können. Tatsächlich würde eine intelligentere Förderung des individuellen Leistungsprofils, gekoppelt mit realitätsbezogeneren Lernmedien, die Lernfreude der einzelnen Schüler und damit deren schulische Leistungen deutlich erhöhen. Stattdessen wissen die meisten Schüler selbst in der dritten Klasse nicht, wie man Pisa buchstabiert (oder halten es für eine Pizza). Früher war nicht alles besser, aber woanders wird vieles besser als hier.

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louis12 29.12.2018, 15:01
2. Unfähig für Reformen

Ander Länder machen es uns Deutschen wahrlich vor und wir sehen alt aus: Mutig neue Konzepte zu probieren und alte Denkweisen zu überprüfen, nicht nur in diesem Beispiel. Ich erwarte aber auch wirklich nicht, dass ein Vertreter des Philologenverbandes die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit verstehen kann.
Die Gesellschaft ändert sich rapide, Lernen muss man selbständig und lebenslang: durch diesen Piloten wird auch diese wichtige Fähigkeit gefördert. Ich würde meine Familie sofort zum Piloten anmelden, aber wir werden dies in Deutschland nicht schaffen.
Wir brauchen frische Gedanken in der Bildung, mit den alteingesessenen Kräften werden uns die führenden Länder abhängen.

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widower+2 29.12.2018, 15:14
3. Kontrollen an Flughäfen

Die gibt nicht nur wie der Artikel suggeriert "zumindest in Deutschland", die sind in den Niederlanden sogar wesentlich häufiger und schärfer. Zudem wird in der Regel auch ein ärztliches Attest verlangt, wenn Schüler an den letzten Schultagen vor den Ferien fehlen. Von diesem Modellversuch abgesehen, ist das Schulsystem der Niederlande in Bezug auf die Ferien sogar weit restriktiver als in den meisten deutschen Bundesländern.

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Leser_01 29.12.2018, 15:36
4.

Die Idee, dass alle gleichzeitig in die Ferien gehen ist, dass der Unterricht nicht zwischenzeitlich weiterläuft. Sobald der Unterricht individuell videogestützt ablaufen kann, ist das Konzept umsetzbar. Spätestens kann man die Schulen komplett schließen und auf "Home Office" umstellen. Das spart sogar einiges an Kosten. Was dann jedoch fehlt, ist die Interaktion zwischen Kindern. Irgendwann sehen sich dann alle nur noch über Skype.

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t_mcmillan 29.12.2018, 15:48
5. Gut für die Eltern, nicht unbedingt gut für die Kinder

Die gemeinsame Ferienzeit ist ein wertvolles Gut für die Kinder. Ich würde das nicht leichtfertig aufgeben.

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Actionscript 29.12.2018, 16:15
6. Sie braucht dafür ein Fünftel mehr Personal.

Als ich den Satz gelesen habe, habe ich nicht mehr viel weiter gelesen. Es herrscht jetzt schon Lehrermangel, und auch finanziell ist dies ein teures Experiment, damit Familie soundso ihren Urlaub in Dubai machen kann. Stattdessen sollten vielleicht die 6 Wochen Sommerferien in 2 dreiwöchige Ferien umgewandelt werden, die von Schuldistrikt zu Schuldistrikt zu verschiedenen Zeiten des Jahres abgehalten werden. Doch Klassen zu splittern und zusätzliche Lehrer einstellen nur um Urlaub zu machen, ist ein unhaltbarer Luxus.

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Zitrone! 29.12.2018, 18:09
7.

Zitat von Francuzzo
... Tatsächlich würde eine intelligentere Förderung des individuellen Leistungsprofils, gekoppelt mit realitätsbezogeneren Lernmedien, ...
Ach, die virtuelle Realität der Lernprogramme ist für Sie also realitätsnäher als das "real life"? Das sind offenbar die Zeichen der Zeit.

Ich persönlich halte ja den realen Kontakt mit realen Personen (z.B. Lehrern, Mitschülern) und realen Objekten und Räumen (vom Pflanzenstengel bis zum Straßenverkehr) für lernfördernder, aber ich bin ja auch "total eighties". Wie schrieb Kishon sinngemäß (in "Mein Freund Jossele", vor einigen Jahrzehnten): "Was ich täte, wenn ich einen Schachcomputer hätte? Ich würde einen zweiten kaufen, die beiden gegeneinander spielen lassen und selbst ins Cafe gehen!"

Wenn man Ihren Gedanken weiterverfolgt, landen wir dereinst tatsächlich alle in der Matrix, und offenbar ganz freiwillig. Wer will schon rote Pillen? O tempora, o mores, sag ich da nur.

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Shelumia 29.12.2018, 18:36
8.

In vielem hingt das 100 Jahre alte Bayerische Schulsystem hinterher in diesem Punkt war es diesem Pilotprojekt schon vor 100 Jahren weit überlegen wir brauchen integrative Schulen ohne familiäre Dominanz das wird aber duch so einen Blödsinn noch weiter gestärkt

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frenchie3 29.12.2018, 19:54
9. 20 Prozent mehr Personal

und "Fernlehrgänge" wie es Firmen mit der Weiterbildung von Mitarbeitern machen. Die nach meinen Erfahrungen in zwei Großunternehmen wenig bringen. Und wie es im Bericht steht, das Wissen wird asynchron verteilt, aber zum Schuljahresende sind alle auf dem gleichen Stand? Ganz eindeutig DIE Lösung aller Probleme für alle Schüler und Schularten. Ach so, der aktuelle Lehrermangel wird natürlich abgeschafft

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