Forum: Leben und Lernen
Numerus-clausus-Urteil: Die wahre Misere des Medizinstudiums
picture alliance / Guido Kirchne

Das Zulassungsverfahren für Medizinstudenten muss neu geregelt werden, weil das Bundesverfassungsgericht die Chancengleichheit verletzt sieht. Doch am grundsätzlichen Problem ändert auch Karlsruhe nichts.

Seite 1 von 10
suplesse 19.12.2017, 17:14
1. Weshalb nur Medizin?

Den NC gibt es unsinnigerweise auch für andere Fächer. Ein NC und die fachliche Eignung haben wenig bis nichts miteinander zu tun. Um festzustellen, ob jemand begabt und interessiert für sein gewähltes Studium ist, sollten bundesweit einheitliche Aufnahmeverfahren für die jweiligen Fächer entwickelt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lachina 19.12.2017, 17:19
2. Verstehe ich nicht so ganz....

" Auf Grund des massiven politischen Drucks haben die Kultusminister zweimal Medizinstudienplätze abbauen müssen" Wer hat den Druck ausgeübt? "Die "Bemessung der Anzahl verfügbarer Ausbildungsplätze" obliege allein "der Entscheidung des demokratisch legitimierten Gesetzgebers" Die Politik hat im Auftrag des Wählers Medizinstudienplätze abgeschafft ? Und möchte auch keine neuen! Bedeutet dann aber auch: Das Volk hat gesprochen. Weshalb wird sich dann über den Ärztemangel beschwert? oder tun das nur Wähler der Oppositionsparteien?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Chris_7 19.12.2017, 17:21
3. War will man von Juristen auch erwarten

gut, sowas war ja zu erwarten. Von den Absolventen eines Fachs, das ohne großen Anspruch an die Absolventen auskommt. Jura ist streng genommen nicht mal eine harte Wissenschaft, sondern ein Laberfach. Das nicht auf eine Hochschule gehört. Denn wissenschaftlich ist da gar nichts. Jedenfalls im Vergleich zu Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, mathematisch basierten Wissenschaften,... In Jura wie in anderen Laberfächern kann jeder alles behaupten und muss es nur wortreich begründen. Ein Physiker hingegen kann nicht behaupten, dass es keine Gravitation gibt. Es sei denn er kann es naturwissenschaftlich basiert beweisen.

Und dass so ausgebildete Absolventen der Meinung sind, das irgend wie jeder alles können muss (Juristen meinen ja auch, dass sie alles können, daher gilt ja Jura auch als das OB unter den Studiengängen, weil auch mit OB kann man Reiten, Tennis spielen, Fahrradfahren,...) ist dann nicht weiter verwunderlich.

Warum soll jeder alles können dürfen. Wenn sich genügen Bewerber finden, die ausreichend qualifiziert sind, um das Medizinstudium erfolgreich abschließen zu können, dann ist es doch gut. Dann muss nicht noch jemand zusätzlich auf anderen Wegen dieses Fach studieren können. Und das ist unabhängig von der Zahl der Studienplätze zu sehen. Diese ist eine politische. Beim Gerichtsentscheid geht es nur darum, wer diese Plätze (egal wie viele es sind) bekommt. Und da haben Untersuchungen in der Vergangenheit durchaus gezeigt, dass die Abiturnote ein guter Indikator ist. Denn die Abbrecherquote der Studenten die über Wartezeiten und Auswahlgespräche rein kamen war signifikant höher als die, die über Abitur und ggf. Medizinertest reinkommen.

Das einzige was wir bräuchten wäre ein Zentralabitur, dass nicht der Absolvent des harten Abis in Bayern gegenüber dem 08/15 Abi aus HH benachteiligt wird. Da könnte es dann durchaus einen zentrale Medizinerauswahltest geben, der aber dann auch Wissen/ Kenntnisse im Bereich Deutsch, Mathe, Englisch, Naturwissenschaften,... abprüft. Quasi Zentralabitur durch die Hintertür nur für Medizinstudiumsbewerber. Auch spannend...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
marsman 19.12.2017, 17:23
4. Ärztemangel

Der Grund für den Ärztemangel ist kein Mangel an Medizinstudienplätzen, sondern ein systematisches Vergraulen der angehenden Ärzte aus dem System. Im Studium durch Überbewertung von Grundlagenfächern wie Biochemie und lustlose klinische Ausbildung unter dem Systemdruck ökonomisierter Krankenversorgung, und später durch kaiserzeitliche Hierarchien, unzeitgemäße Arbeitsbedingungen und Patienten, die dank Doc Google keinen Arzt mehr brauchen. Manches bessert sich, aber es dauert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pfaffenwinkel 19.12.2017, 17:26
5. Ein Einser-Abitur

sagt aus, dass der Abiturient zumindest sehr intelligent ist und gut lernen kann, mehr nicht. Über die charakterliche Reife eines potentiellen Arztest sagt es nichts aus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lachina 19.12.2017, 17:27
6.

"Das Medizinstudium ist für den Staat besonders teuer. Über 36.000 Euro pro Jahr kostet im Schnitt ein Studienplatz in der Human-, Zahn- wie Tiermedizin. Die anderen Studienplätze liegen bei durchschnittlich 26.000 Euro."
Wenn die Flüchtlingskrise 22 Milliaden kostet, hätte man vorher mit dem Geld ca. 60 Millionen Medizinstudienplätze schffen können, denn das Geld war ja offensichtlich da.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cicero_muc 19.12.2017, 17:31
7. Staatsversagen

Ich werte das auch schon mal als Staatsversagen
wg. nicht mehr zu übertreffender Arroganz und komplett abgedrehten Elitismus.
Gepaart mit einem ordentlichem Schuß Zynismus.
Den ohn den kriegt man sowas gar nicht hin.

.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fiegepilz 19.12.2017, 17:31
8.

sicher? das urteil benennt eine maximale wartezeit von 6 jahren. ergäbe sich daraus nicht indirekt ein anspruch auf studienplatz nach maximal 6 jahren?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sugardaddy 19.12.2017, 17:33
9. Ja und Nein

Es wird nicht alles gut, nur weil man die Gesamtzahl der Studienplätze erhöht. Von denen, die im ersten Semester das Medizinstudium aufnehmen, werden ja längst nicht alle kurativ in Deutschland tätig. Habe mal von 60 % gehört. Neben den normalen Studien- Abbrechern kommt noch eine relativ hohe Zahl, die in der Pharmabranche und bei Beratungs- Unternehmen landen. Darüber hinaus gehen viele deutsche Ärzte wegen besserer Bedingungen ins Ausland. Die zunehmende Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes hat zu einem höheren Bedarf an Ärzten geführt und schließlich die große Anzahl weiblicher Studenten, die wegen Familienplanung Ausfallzeiten haben und später oft in Teilzeit arbeiten möchten.
Mehr Studienplätze werden diese Probleme nur teilweise kompensieren. Es führt vielleicht dazu, dass wir unser Problem des Ärztemangels weniger auf ärmere Länder verlagern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 10