Forum: Leben und Lernen
Numerus clausus vor Verfassungsgericht: 7,5 Jahre Warten auf den Studienplatz - ist d
Getty Images

Das Bundesverfassungsgericht entscheidet im Oktober, ob das zulässig ist. Das viel kritisierte System, wie Studienplätze vergeben werden, könnte sich ändern - für Unis und Studenten.

Seite 1 von 13
bafibo 10.08.2017, 17:49
1. So wird das nix

Bei Juristen oder Germanisten könnte man tatsächlich mit erhöhten Lehrdeputaten Abhilfe schaffen - aber die sind gar nicht betroffen. Bei Medizinern werden außerdem Laborplätze benötigt (die könnte man notfalls in mehreren Schichten belegen), und die Zahl Studenten, die an einer Leiche herumpräparieren, läßt sich auch nicht endlos vergrößern. Selbst wenn man mehr Leichen zur Verfügung hätte, braucht's für jede Leiche mindestens auch einen Seziertisch und ein Kühlfach - und die wachsen nicht auf Bäumen; da können die Juristen machen, was sie wollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whitewisent 10.08.2017, 17:50
2.

Die einfachste Lösung liegt auf der Hand. Kein NC mehr. Jedes Jahr wählen die Universitäten und Hochschulen unter den aktuellen Bewerbern ihrer zukünftigen Studenten aus. Dann bekommen zwar 28jährige Rettungssanitäter auch keinen Studienplatz, aber man hat vermeintliche Ungerechtigkeit per NC durch völlige Chancengleichheit für Jedermann ersetzt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sibylle1969 10.08.2017, 18:02
3.

Bei 15 Wartesemestern kann man kaum vor dem 26. Lebensjahr ins Medizinstudium einsteigen. Das Studium dauert dann 6 Jahre, dann kommen noch mal 5-6 Jahre Facharztweiterbildung hinzu. Wer also so spät ins Medizinstudium einsteigt, ist mindestens Ende 30, wenn die Facharztweiterbildung abgeschlossen ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
maxgil 10.08.2017, 18:03
4. Meine

Tochter hatte "Glück, und musste nur 5 Jahre warten, war auch Rettungsanitäterin, hat geholfen,Babies auf die Weltzu bringen, usw. Jetzt ist sie an der Uni im dritten Semester und erfährt, dass sie möglicher ein Zwangspausesemester einlegen muss, da die Kapaziäten für die Ausbildung nicht reichen. Putzigerweise werden die vorgezogen, die sich rechtzeitig eingeklagt haben, die jetzigen Einklager werden möglicherweise exmatrikuliert. Wohnraum gab es natürlich auch nicht, so dass sie über ein Jahr lang von einem Miethai ausgenommen wurde wie eine Weihnachtsgans (23 €/m2 für Wohnklo). Echt super in D!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
steffen.ganzmann 10.08.2017, 18:06
5. Ich persönlich verstehe es nicht!

Warum bloss sind diese jungen Leute denn so fürchterlich erpicht darauf, Medizin studieren zu müssen, dass sie sich sogar einklagen müssen? Ich verstehe so etwas einfach nicht ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kuschl 10.08.2017, 18:36
6. Wie brauchen mehr Studienplätze?!

Wir brauchen nicht nur mehr Studienplätze, sondern vor allen Dingen mehr Ärzte, die in der Lage sind, die deutsche Sprache zu sprechen und sie zu verstehen. Im Moment sind über vierzigtausend Ärzte an deutschen Kliniken tätig, von denen ein Teil kaum oder nur schlecht deutsch spricht. Welche Gefahr dabei für die Patienten ausgeht, muss ich wohl nicht erwähnen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ramon 10.08.2017, 18:37
7. Der NC ist die bequemste Art Studienplätze zu vergeben...

...aber sicherlich nicht die beste und gerechteste. Ich hoffe für die angehenden Medizinstudenten, dass in Folge des Urteils die ohnehin nicht gute Qualität des Studiums weiter gesenkt wird, um noch mehr Studenten im massenbetrieb durchzuschleusen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
erst nachdenken 10.08.2017, 18:38
8.

Die Abinote ist so ziemlich das letzte, was etwas über die Studientauglichkeit aussagt. Noch dazu ist diese Note nicht vergleichbar. Statt eines NC sollten die Unis Aufnahmetests durchführen müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
swenschuhmacher 10.08.2017, 18:40
9.

Ohne Erhöhung der Zahl der Studienplätze wird man das Problem mit den Wartezeiten nicht lösen können. Man kann nur steuern, wen es trifft und da kann es nie völlig gerecht zugehen.

Allerdings darf man bei der Diskussion nicht vergessen, dass es gerade die begrenzten Ausbildungskapazitäten sind, die das Medizinstudium so begehrt machen. Es wird genau für den Bedarf ausgebildet. Ein examinierter Arzt hat praktisch eine Arbeitsplatzgarantie, auch wenn er bei der Spezialisierung oder dem Wohnort manchmal Abstriche machen muss. Erhöht man nun die Zahl der Studienplätze, freuen sich zwar die Kliniken über das neue Bewerberangebot, aber auf die Löhne und Freiheiten bei der Wahl des Fachgebiets wird sich diese Situation sehr negativ auswirken.
Ein Teil des Problems ist sicher auch, dass man diese Verknappung an Studienplätzen nur in ein paar wenigen Fächern hat. Nach vielen anderen Studiengängen suchen die Absolventen händeringend nach einer Stelle, weil es viel zu viele ähnlich gebildete Bewerber bei viel zu wenigen Stellen gibt. Das betrifft bei weitem nicht nur die Geisteswissenschaften.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Nachfrage genau auf die Bereiche konzentriert, in denen Arbeitsplatz und gutes Gehalt mit der Studienwahl noch garantiert sind. Das sind vor allem Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 13