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Österreich: Schüler spielen "Die Welle" nach - Staatsanwaltschaft ermittelt
DPA/Constantin Filmverleih

In Österreich haben sich Schüler als Juden und SS-Männer ausgegeben, nachdem sie das Buch "Die Welle" behandelt hatten. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen propagandistischer Verherrlichung von NS-Symbolen.

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Marvel Master 08.08.2018, 14:28
1.

Das ist schon echt faszinierend. Erst nachdem man den Schülern dieses Wissen beigebracht hat, haben sie sich in ihre Rolle begeben.
Als ich diesen Satz gelesen habe
"Offenbar soll sich zudem ein Schüler als "Führer" etabliert, einen eigenen Gruß ausgedacht und diesen auch von seinen Mitschülern eingefordert haben.
"
war mir wieder klar, dass die Menschheit einfach so ist. Es gibt Anführer und es gibt Gefolgsleute. Das wird auch immer so bleiben. Und an Macht und Ruhm erfreuen sich einfach einige und der Rest macht mit.

Ich habe mich in den letzten 20 Jahren gefragt, was wohl wäre, wenn man einfach alle Erinnerungen bei den MEnschen aus der Vergangenheit löscht. Sprich, niemand hat mehr Kenntnis von Kriegen, Vernichtung, usw.
Dann müssten die Menschen erst einmal friedlich zusammenleben. Keiner würde das Christentum, den Islam oder die Juden ablehnen. Es gäbe ja keinen Grund.
Vielleicht sind die Schulen und die Menschen, die einen immer wieder an die Vergangenheit erinnern mitverantwortlich dafür, dass dieser ganze Hass auf andere Gruppen niemals aufhört. Es gibt immer Menschen, so wie diese Schüler, die die Vergangenheit dann kopieren, weil sie diese toll finden.

Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass die Schüler aus diesem Artikel im Geheimen jetzt weiter mit ihrer Rolle sympathisieren und diese auch gar nicht mehr ablegen wollen, weil sie sich darin wohl fühlen.

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m.m.s. 08.08.2018, 14:28
2. Schulaufführung

Bei unserer Schule war das eine Schulaufführung, und das Publikum wurde beim Eintreffen bereits von Aufsehern zurechtgewiesen. Gerade diese beklemmende Atmosphäre ist der Kern dieses Stückes. Kann mir aber vorstellen, dass das im Pausenhof aus dem Ruder laufen könnte. Pädagogisch wichtig ist, dass der Rektor und die Lehrer die Erfahrungen der Schüler in einer großen Schulversammlung besprechen. Sonst ist diese Art des Schauspieles ohne den Effekt der Erkenntnis wenn man danach darüber spricht. Kann mir aber vorstellen, dass verwaltungsmäßig bevormundete Staatsschullehrer das sehr schwierig finden.

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lomax3030 08.08.2018, 14:31
3.

Was nützen die besten Bücher, wenn der Leser den Sinn nicht versteht...

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qoderrat 08.08.2018, 14:52
4.

Zitat von lomax3030
Was nützen die besten Bücher, wenn der Leser den Sinn nicht versteht...
Aus dem Artikel geht jedoch hervor, dass ja am Anfang der Pausenspiele nicht einmal von den Lehrern eingegriffen wurde, erst als die Situation eskalierte wurde man aktiv. Da fragt man sich schon, warum der Lehrer nicht erkannt hat, dass hier noch weiterer Diskussionsbedarf vorhanden ist, auch da sich der Inhalt gerade um die Problematik dreht, wie sehr so ein Experiment verselbständigen kann?

Die pauschale Schuldzuweisung zu blöd zu verstehen halte ich bei der Betrachtung nicht für ausreichend.

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dasfred 08.08.2018, 15:06
5. Wann sind solche Experimente mal nicht aus dem Ruder gelaufen

Da wird jahrelang überlegt, wie man in der Schule Mobbing verhindert und dann muss eine Lehrerin mit den Kindern Nazi und Jude spielen. Wo soll der Lerneffekt liegen. Das sich die "Juden" in der Klasse verdammt schlecht fühlen und die "Nazis" voll den Spaß haben, eine Macht zu missbrauchen, die die Schule nicht sofort unterbindet? Kindern Ethik und Empathie zu vermitteln funktioniert so auf keinen Fall. Gieb jemand Macht, ohne die Verantwortung tragen zu müssen und du bekommst deinen Krieg.

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vaikl 08.08.2018, 15:11
6. Wäre schön, wenn die dortige Schulaufsicht...

...mal ein ernstes Gespräch mit dem Lehrerkollegium über dessen Umgang mit derartigen Unterrichtsstoffen bzw. über fehlende eigene Sensibilität führen würde.

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victoria101 08.08.2018, 15:20
7. Es geht bei so einem Experiment...

... nicht darum, Jude und Nazi zu spielen und andere zu terrorisieren. Sondern zu verstehen, dass das nicht „die“ damals gemacht haben, sondern dass wir alle genau so handeln, wenn wir nur in die gleiche Situation kommen und die gleichen Rahmenbedingungen erleben.
Die Verlierer werden ohne Leistung zu Gewinnern und kosten diese Position voll aus. Die Mehrheit hat Angst, Opfer zu werden und schweigt.
Von beunruhigender Aktualität.

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bosemil 08.08.2018, 15:22
8. Eine Frage sei erlaubt !

Wer hat jetzt von dem Experiment mehr gelernt. Die Lehrkräfte von den Schülern?
Die Schüler wissen jetzt zumindest wie Propaganda funktionieren kann.. Zurück bleiben hilflose "Lehreh" denen die Kontrolle abhanden gekommen ist.Peinlich ist nur daß man es wissen konnte und sich im Vorfeld darauf vorbereiten konnte.Der Abbruch des Experiments aus aus den USA war ja bekannt.

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touri 08.08.2018, 15:24
9.

Zitat von Marvel Master
Das ist schon echt faszinierend. Erst nachdem man den Schülern dieses Wissen beigebracht hat, haben sie sich in ihre Rolle begeben. Als ich diesen Satz gelesen habe "Offenbar soll sich zudem ein Schüler als "Führer" etabliert, einen eigenen Gruß ausgedacht und diesen auch von seinen Mitschülern eingefordert haben. " war mir wieder klar, dass die Menschheit einfach so ist. Es gibt Anführer und es gibt Gefolgsleute. Das wird auch immer so bleiben. Und an Macht und Ruhm erfreuen sich einfach einige und der Rest macht mit. Ich habe mich in den letzten 20 Jahren gefragt, was wohl wäre, wenn man einfach alle Erinnerungen bei den MEnschen aus der Vergangenheit löscht. Sprich, niemand hat mehr Kenntnis von Kriegen, Vernichtung, usw. Dann müssten die Menschen erst einmal friedlich zusammenleben. Keiner würde das Christentum, den Islam oder die Juden ablehnen. Es gäbe ja keinen Grund. Vielleicht sind die Schulen und die Menschen, die einen immer wieder an die Vergangenheit erinnern mitverantwortlich dafür, dass dieser ganze Hass auf andere Gruppen niemals aufhört. Es gibt immer Menschen, so wie diese Schüler, die die Vergangenheit dann kopieren, weil sie diese toll finden. Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass die Schüler aus diesem Artikel im Geheimen jetzt weiter mit ihrer Rolle sympathisieren und diese auch gar nicht mehr ablegen wollen, weil sie sich darin wohl fühlen.
Ich glaube das Gruppendenken ist fest in unser denken genetisch einprogrammiert. Der Mensch ist im Prinzip ein Rudeltier, das bedeutet zunächst es gibt eine Hierarchie. Das bedeutet aber auch, man grenzt sich zu anderen "Rudeln" oder sagen wir historisch "Stämmen" ab. Alles was anders ist als man selbst ist nicht Teil des Stammes und dafür werden dann Merkmale des Anderssein gesucht. Das kann die Religion sein, die Hautfarbe, der Dialekt, etc.

Sie können ja an sich selbst mal das Expermient machen. Wenn sie z.B. einen Menschen begegnen der sich deutlich von Ihnen und Ihrem Umfeld unterscheidet, achten Sie zuerst auf die Merkmale die Ihnen vertraut sind oder auf die die sich von Ihnen unterscheiden?

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