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Planlose Abiturienten: "Studienplanung? Mache ich bald"
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Väter wollen wissen, wie es nach dem Abitur der Kinder weitergeht. Doch unser Kolumnist Armin Himmelrath wird von seinem Sohn auf eine harte Probe gestellt.

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mol1969 16.07.2018, 11:24
1. Ist dieses Abblocken heutzutage normal?

Mal ganz abgesehen vom eigentlichen Thema des Artikels: ist es heutzutage eigentlich normal, (Zitat) "Erst hat er die Tür abgeschlossen. Dann die Musik aufgedreht. Irgendwann hat er mich geblockt" ???

Für mich ist das irgendwie unvorstellbar. Ich habe während der ganzen 22 Jahre, die ich bei meinen Eltern wohnte, nicht ein einziges Mal die Tür abgeschlossen (es gab für die Zimmertüren nicht einmal einen Schlüssel) und hätte ich meine Eltern in irgendeiner Weise ignoriert ("geblockt" im technischen Sinne gab es ja noch gar nicht) hätte ich ziemlichen Ärger am Hals gehabt. Abgesehen davon hatte ich gar nie das Bedürfnis, klar gab es mal Zoff, aber niemals so schlimm, dass man mehr als ein paar Minuten gebraucht hätte, um wieder vernünftig miteinander zu kommunizieren. Bin ich die große Ausnahme?

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Sibylle1969 16.07.2018, 11:24
2.

Immerhin kommt der Sohn noch in die Pötte. Ganz viele Abiturienten haben keine Ahnung, was sie danach machen wollen.

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Fricklerzzz 16.07.2018, 11:27
3. Ihrem Sohn gehts zu gut

Zuhause chillen reicht ihm, er hat kein echtes Interesse, kein Ziel. Hoffentlich findet er das noch. Sonst chillt er am Studienort weiter, wo kein Vater das überwacht. Ohne Ziel, keine Motivation. Ein par Jahre chillen, dann gibt er das Studium auf - ohne Ziel, er braucht ein Ziel und das ist sicher nichts von dem was Sie vorschlagen würden.

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glasen 16.07.2018, 11:37
4. Psychologie oder Jura. Vielleicht auch Geschichte, Philosophie ...

Zu gut deutsch:

Der Sohn hat keine Idee was er studieren will. Papa will es halt so und deshalb wird sich einfach mal beworben. In der Liste fehlt eigentlich nur noch BWL.

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mol1969 16.07.2018, 11:47
5.

Ist es eigentlich nicht üblich, sich schon längere Zeit VOR dem Abitur darüber Gedanken zu machen, was man nach dem Abi machen will?
Ich hatte meine Ausbildungsstelle rechtzeitig vor dem Abi sicher, und ob ich überhaupt eine Ausbildung oder ein Studium angehen will, hatte ich mir logischerweise noch vor der Bewerbung überlegt. Ich hatte meine Wahl etwa 1 1/2 Jahre vor dem Abi getroffen und auf 2 verschiedene Ausbildungsberufe eingeschränkt.

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lalaban 16.07.2018, 11:47
6.

Ihr Sohn hat sich angestrengt und offensichtlich ein sehr gutes Abi geschrieben, gönnen Sie ihm die Ruhe. Mit der Wahl des Studienfachs steht eine wichtige Entscheidung an die man nicht mal eben schnell nach dem Abi treffen, sondern wohl überlegt sein sollte. Gute Entscheidungen brauchen Zeit und keinen Druck.

Viele wissen direkt nach dem Abi wo ihr Weg hingehen soll. Viele brauchen allerdings auch Zeit. Lassen sie ihm die Möglichkeit für ein Gap Year offen. In Skandinavien ist es üblich nach dem Abi 2-3 (!) gapyears zu nehmen um außerhalb der Blase Schule ins Leben zu schnuppern, herauszufinden was man kann und was man will.

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Gaztelupe 16.07.2018, 11:51
7.

Es ist immer wieder ein grimmiger Spaß, sich über die aufreizend dehnende Tatenlosigkeit frisch gebackener Abiturienten zu echauffieren. Für mich sowieso. Antriebslosigkeit, den Eltern auf der Tasche liegen, lediglich die süßen und herausforderungslosen Dinge des Lebens im Kopf. Es sieht von außen nach Vegetieren auf hohem Niveau aus. Anstatt etwas aus sich zu machen, werden allerhöchstens Luftschlösser gebaut, die nicht einmal Skizzen sind, so flüchtig sind sie.

Ich war auch so einer, über 30 Jahre ist das her. Ich schlief gerne so bis zwei, drei Uhr nachmittags, kam dann eher langsam auf die Beine, setzte mich in den von den Eltern finanzierten Ford Fiesta und besuchte irgendwen, der auch nichts vorhatte. Die meisten meiner Kumpels freilich waren entweder »beim Bund« oder »Zivis«; nach dem Abi wurde recht fix eingezogen, ich war aber merkwürdigerweise übersehen worden. Die Mädels studierten schon eifrig und entfernten sich mit der dadurch bedingten, rasant zunehmenden Reife um Lichtjahre von meinem schmachtenden Gemüt.

Vollkommen selbstverständlich war für die wenigen, die noch nicht studierten oder eine Ausbildung machten, das Jobben. Für mich natürlich nicht, ich bekam eben Taschengeld. Zwingende Gründe, mein Leben in die Hand zu nehmen, hatte ich keine. Nicht einmal die Besorgnis meiner Mutter und der zunehmende Zorn meines Vaters brachten meine lässige Lethargie ernsthaft aus dem Gleichgewicht. Falls es bis dahin auf Erden noch keinen nutzlosen Rumhänger gegeben hatte - ich war dann wohl der Erste.

Im Sommer nach dem Abi ging ich selten vor dem Morgengrauen schlafen, manchmal machte ich durch: Ich hatte nämlich aufgeschnappt, dass Schlafentzug als Maßnahme angewandt wurde, Suizidgefährdete vom Selbstmord abzuhalten. Fand ich einigermaßen faszinierend. Beim meinen Selbstversuchen stellte sich im Morgengrauen dann auch tatsächlich eine leichte Euphorie ein. Nicht schlecht.

Ich habe die Zeit als eine Art innere Lähmung in Erinnerung, mein Blut gesättigt mit Melancholie, die Perspektive so weit geöffnet, dass es einfach unmöglich war, einen Punkt in der Ferne zu fixieren und ihn anzusteuern. Es befand sich außerhalb meiner Vorstellungskraft, irgendwie auf Kurs zu kommen. Ich wusste überhaupt nicht, wozu. Das wussten andere, denen ich nicht glaubte, oder die Umstände selbst erzwangen etwas.

Das dolce far niente endete schließlich ein ganzes Jahr nach dem Abitur vorm Kasernentor. In der Folge verplemperte ich noch einmal 15 Monate in Uniform, wenn man die Entwicklung origineller Methoden, den Wehrsold zu versaufen, zu meiner Ehrenrettung aufrechnen darf. Danach jobbte ich noch einmal ein halbes Jahr, bis ich im Studium innerhalb von ein paar Wochen die produktive Identität fand, die mich noch heute nährt.

Reife lässt sich nicht prüfen, sie stellt sich früher oder später ein. Jedoch nie, wenn man nichts tut.

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postmaterialist2011 16.07.2018, 12:01
8. Vielleicht ein "gutes" Abitur..

aber absolut keinen Plan. Wenn er jetzt noch nicht einmal weiß, was er studieren soll, dann ist die "Hochschulreife" definitiv nicht erreicht. Hat er denn nirgendwo ein Praktikum gemacht oder Ferienarbeit um zu sehen was ihm liegt ? Ist es heutzutage nicht extrem einfach sich verschiedene Studienprofile oder Alternativen online mal näher anzusehen ? Wir mussten früher noch zu diversen Veranstaltungen in Betrieben, bei der IHK oder an der Uni und bei der Berufsberatung hat man sich Ratgeber geholt, bzw. mal mit Menschen gesprochen, die den Job machen den man einmal anstrebt. Ich finde es erschreckend wie ahnungslos viele Abiturienten ( aber auch Masterabsolventen) sind. Da hat man zwar mal Erasmus gemacht, aber hat irgenwie so gar keinen Plan von der (Arbeits-) Welt und dem Grossen und Ganzen.

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CountZer0 16.07.2018, 12:19
9. Ganz normal

Ich finde das nicht erschreckend und im Gegensatz zu den meisten anderen Kommentatoren hier auch nicht schlimm. Ihr Sohn hat sich gekümmert, aber eben nicht schneller als er musste. Das ist in Ordnung. Die zufriedensten (und teils sehr erfolgreichen) Menschen die ich kenne, sind alles Pferde die nicht höher springen als sie müssen. Die die durchdrehen und alles immer viel früher fertig haben, kommen mir überdreht vor. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man beide (eigentlich alle) Wege zum Ziel toleriert.

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