Forum: Leben und Lernen
Reform der Sonderschule überfällig?

Die Bundesländer grenzen behinderte Kinder aus, schieben sie in Sonderschulen ab, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Wie sollte eine Reform der Sonderschule aussehen?

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dickebank 05.03.2009, 16:05
1. welche Sonderschule

Zitat von sysop
Die Bundesländer grenzen behinderte Kinder aus, schieben sie in Sonderschulen ab, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Wie sollte eine Reform der Sonderschule aussehen?
Sollen etwa die Schüler mit emotionalen und sozialen Störungen gemeinsam mit dem rest der truppe unterrichtet werden? Und wenn ja, so ganz ohne Unterstützung?

Ich weiß aus eigener Erfahrung das zwei Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf in einer Regelklasse eine existenzielle Herausforderung sind.

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also sprach... 05.03.2009, 16:10
2. alle inklusive!

Zitat von sysop
Die Bundesländer grenzen behinderte Kinder aus, schieben sie in Sonderschulen ab, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Wie sollte eine Reform der Sonderschule aussehen?
Eine Reform der Sonderschule kann nur die Abschaffung der Sonderschulen als eigenständige Schularten mit eigener Administration, Verwaltung etc. bedeuten. Das heißt aber nicht Abschaffen der Förderpädagogen und sonderpädagogischer Unterstützung, sondern diese dahin zu transferieren, wo sie hingehören: Zum Kind in seine Schule. Und das bedeutet: Zwei-Lehrer-System, flexible Förderung und Beratung sowie individuelle Lernpläne und Bewertung.
Für den Seperationsmeister Deutschland bedeutet eine Reform zunächst ganz selbstverständliche Dinge: Elternwahlrecht zur Schulform, Gemeinsamer Unterricht über die gesamte Schulzeit und gemeinsame Aus- und Weiterbildung von Regel- und Sonderpädagogen. Und hier haben einige Bundesländer (neue Bundesländer, Ba-Wü, etc.) extremen, alle Bundesländer generellen Handlungsbedarf.

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rwadel 05.03.2009, 16:20
3. Ahnungslos

Zitat von sysop
Die Bundesländer grenzen behinderte Kinder aus, schieben sie in Sonderschulen ab, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Wie sollte eine Reform der Sonderschule aussehen?
Der Herr Direktor sollte sich erst einmal informieren, welche Formen von Schwer- und Schwerstbehinderten es gibt, bevor er so einen Unsinn behauptet wie: "Es ist erwiesenermaßen möglich, dass alle Kinder gemeinsam lernen."
Aber es ist immer das gleiche Spiel: Ein "Experte" fordert und andere (Kinder, Eltern, Lehrer) müssen es dann ausbaden.

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Freemedia 05.03.2009, 16:49
4. Aha

Ich weiss nicht was ich davon halten soll.
Menschen mit Behinderung ein weitgehend "normales" (was ist schon normal?) Leben zu ermöglichen ist ja eine gute Sache.

Aber wie bindet man die alle inklusiv in Allgemeinschulen ein? Da gibt es Leistungsanforderungen, die sicherlich von einigen Behinderten ohne Weiteres bewältigt werden können.
Aber was ist mit den anderen? Fallen die dann in den ersten Schuljahren ein paar mal durch weil sie nicht mithalten können?
Ist das dann sozial?

Möge bitte keiner ankommen und sagen "dann gibt es für die eben Ausnahmeregelungen". Genau dafür sind die Förderschulen ja da...

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Michael Giertz 05.03.2009, 17:22
5.

Zitat von sysop
Die Bundesländer grenzen behinderte Kinder aus, schieben sie in Sonderschulen ab, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Wie sollte eine Reform der Sonderschule aussehen?
Ich frage mich, ob hier vielleicht nicht irgendwo am Ziel vorbeigeschossen wird.

Zum einen muss konkret zwischen rein geistig und körperlich behinderten Schülern unterschieden werden, und dann auch nach der Schwere der Behinderung. Rei berufstechnisch gesehen ist man nämlich durchaus schon behindert, wenn man eine Sehhilfe tragen muss, und von daher bestimmte Berufe nicht mehr ausführen darf; in der Sonderschule landet man mit einer Brille aber deswegen nicht.

Hier geht es also mE eher um wirklich schwere Fälle von geistiger Behinderungen, wie sie etwa durch das Downsyndrom bekannt sind. So zu tun als ob diese Schüler über die gleichen Kapazitäten verfügen wie gesunde Kinder ist völlig verkehrt und würde auch entsprechend zu völlig falschen Maßnahmen führen! Gleichzeitig kann unmöglich der Sonderschulenabschluss auf ein vergleichbares Nivea mit einem Haupt- oder Realschulabschluss angehoben werden; die Leistungen sind gar nicht vorhanden!

Was dagegen geändert werden muss, ist, Lernschwäche als Behinderung zu akzeptieren. Das ist kein Krankheitsbild mE, zumindest keines, das nicht korrigiert werden kann. DIESE Kinder sollten nicht in die Sonderschule abgeschoben werden; lieber sollte die Einschulung um ein Jahr verschoben (also statt mit 6/7 eben lieber mit 7/8) und das zusätzliche Jahr für eine psychologische Betreuung verwendet werden.

Also Kinder mit "Pseudobehinderungen", ausgelöst durch therapierbare Krankheiten sollten schlichtweg nicht in Sonderschulen abgeschoben werden, die für jene gedacht sind, deren Behinderungen überhaupt nicht therapierbar sind, etwa weil sie genetisch bedingt sind.

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Skeptikus 05.03.2009, 17:37
6. Auflösung wäre überhaupt keine Lösung!

Zitat von sysop
Die Bundesländer grenzen behinderte Kinder aus, schieben sie in Sonderschulen ab, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Wie sollte eine Reform der Sonderschule aussehen?
Die Formulierung "... grenzen behinderte Kinder aus und schieben sie in Sonderschulen ab ..." ist schlicht eine unerträgliche Diskriminierung derer, die sich seit Jahrzehnten um adäquate Förderung von Kindern und Jugendlichen mit den unterschiedlichsten Defiziten bemühen. Eben diese Kinder und Jugendlichen wurden nie "abgeschoben", sondern auf dem Hintergrund vielfältiger und gründlich erstellter Gutachten als förderungwürdig erkannt und, vor allem in den letzten Jahren, nur mit dem Einverständnis von Eltern und/oder Erziehungsberechtigten an eine der ihnen gemäßen Sonderschulen versetzt. Es ist unbestritten, dass es auch auf diesem Gebiet der Pädagogik einen Reformbedarf gibt. Der absolut falsche, und eigentlich gar nicht denkbare, Weg wäre eine komplette Auflösung dieser Schulen. Es gibt z.B. in Baden-Württemberg (wie in anderen Bundesländern auch) nicht DIE Sonderschule, sondern neun verschiedene Sonderschularten mit z.Zt. ungefähr 39.ooo Schülern (Quelle: Stat. Landesamt Baden-Württemberg). Von diesen ist sicher ein übersichtlicher Teil an allgemeinbildenden Schulen zu beschulen, was ja bereits geschieht. Der größte Teil von ihnen wird jedoch auf Grund seiner komplexen Behinderung an den Sonderschulen weiterhin seinen geeigneten Förderplatz haben müssen.

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Michael Giertz 05.03.2009, 17:40
7.

Zitat von Michael Giertz
Gleichzeitig kann unmöglich der Sonderschulenabschluss auf ein vergleichbares Nivea mit einem Haupt- oder Realschulabschluss angehoben werden; die Leistungen sind gar nicht vorhanden!
Und wieder rede ich von "Hautcreme" statt von Niveau. Selbstverständlich fehlt hier ein "U".
Ansonsten Teil 2:

Zum Thema "Lernschwäche" hab' ich mich ja ausgelassen, trotzdem muss ich noch zwei, drei Sätze dazu loswerden:
"Lernen kann man lernen." Es gibt natürlich eine ganze Menge Gründe, warum jemand eine viel niedrigere Lernkurve aufweist, als der Durchschnittsschüler. Trotzdem bin ich der Meinung, dass diese Kurve durch Therapien angehoben werden kann; so denn rechtzeitig die Lernschwäche überhaupt erkannt wird. Hier muss geforscht werden! Es bringt überhaupt nichts, mit Vorschule und ähnlichem anzufangen, den Kindern schon in der Grundschule eine Fremdsprache zuzumuten und in der vierten Klasse schon festlegen zu wollen, ob einmal Abi oder Realschulabschluss das Ziel sein wird, wenn gar nicht festgestellt wurde, wie es mit der geistigen Kapazität aussieht!
Wir alle wissen, dass in den ersten paar Jahren nur noch "Klatschen und Singen" beigebracht wird, nicht aber das Interesse am Lernen. Kinder mit Lernschwäche findet man auf diese Weise aber nicht - und Lernschwächen äußern sich dann erst in einer verkorksten Schullaufbahn: Hauptschulabschluss und fertig. Längst nicht alle Hauptschüler sind nur zu faul, einige davon wurden nie richtig gefördert!

Aber um zurück zum Thema zu kommen: BEHINDERTE Schüler in ein normales Schülerkollektiv zu stecken führt immer zu Problemen. Nicht nur die fehlende Leistung wird irgendwann ein Problem, sondern auch die Mitschüler sind nicht ohne; Kinder sind grausam. Einen Authisten in eine Gruppe gesunder Viertklässler zu stecken, ist das Schlimmste, was irgendein Mensch tun kann für den Authisten!

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spacetrucking1 05.03.2009, 18:07
8. falsch gedacht

Also ganz ehrlich. Ich halte die Forderung nach einem solchen Abschluss für Augenwischerei.
Ich bin selbst Lehrer an einer Förderschule und zuständig für den Übergang unserer Schülerinnen und Schüler in die Arbeitswelt. Spätestens da ist doch Schluss mit dem ganzen Integrationsgedanken. Heutzutage ist doch selbst der Hauptschulabschluss keine Garantie mehr für einen Arbeitsplatz. Was soll da ein neuer Schulabschluss für Förderschulen bringen? Immer mehr unserer Schülerinnen und Schüler bekommen schon Probleme einen Platz in einer Werkstatt finanziert zu bekommen. Das betrifft besonders die Grenzfälle zwischen Lern- und geistiger Behinderung. Wo soll denn die Reise für diese Menschen hingehen? Man könnte natürlich so zynisch sein und direkt auf ein Leben mit Hartz 4 vorbereiten. Das wäre wahrscheinlich wenigstens ehrlich.

Deshalb aber gleich die Abschaffung der Förderschulen zu fordern halte ich für genauso widersinnig.
Es gibt Kinder, die nur an einer Förderschule beschult werden können, da sie aus unterschiedlichsten Gründen einer ständigen Versorgung bedürfen. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Nur in speziellen Einrichtungen lassen sich alle Kompetenzen bündeln um das so möglich zu machen. Klar handelt es sich da um eine überschaubare Gruppe. Allerdings würde man dann schon wieder anfangen bestimmte Kinder auszugrenzen. Im übrigen bin ich der Mienung, dass gerade an den Förderschulen teilweise herrvorragende Arbeit geleistet wird. Beispielsweise ist für uns die Ganztagsschule keine neue Erfindung, sondern wird schon über Jahrzehnte erfolgreich praktiziert.

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Mulharste 05.03.2009, 18:07
9. Achtung überspitzung

Zitat von Skeptikus
Die Formulierung "... grenzen behinderte Kinder aus und schieben sie in Sonderschulen ab ..." ist schlicht eine unerträgliche Diskriminierung derer, die sich seit Jahrzehnten um adäquate Förderung von Kindern und Jugendlichen mit den unterschiedlichsten Defiziten bemühen. Eben diese Kinder und Jugendlichen wurden nie "abgeschoben", sondern auf dem Hintergrund vielfältiger und gründlich erstellter Gutachten als förderungwürdig erkannt und, vor allem in den letzten Jahren, nur mit dem Einverständnis von Eltern und/oder Erziehungsberechtigten an eine der ihnen gemäßen Sonderschulen versetzt.
Richtig. In 20 Jahrne komen dann Forderungne, man brauhct eine geosnderte Schuldform für "Behinderte" Blödfug.

Geisitg Behinderte haben in einer "normal"Klasse nichts zu suchen. Nein, auch nicht die Downers. Selbst mit einem zwieten Lehrer nicht. Eine Kette ist immer nur so stark, wie sein schwächstes Gleid. Warum werden in DTL jegliche Randgruppen pauschal "überintegriert" und gefördert, während der "Rest" immer der Dumme ist.

Warum wird wegen einem Behinderten ein zweiter Leher aangefordert, aber die Klassenstärke bei "normal" nciht gesenkt. So wioe es Spezialklassen für Behinderte gibt, sollte es auch Spezialklassen für Migranten geben. Warum müssen immer alle "zurückstecken" weil ein geringer Prozentsatz "anders" ist. Integration bedeutet eben nciht, alle passen sich der Minderheit an.

so....man man man - hab ich mich wieder aufgeregt.

Nun mal den Disclaimer.
Wer im Rollstuhl sitzt, auf Grund von Unfall, wer nur eine Arm hat, ein Bein , ein "was weiß ich" - geistig aber auf der Höhe ist und mithalten kann, soll in eine Normalklasse.
Ein SPastiker aber zB nciht, weil allein der Anfall soviel "unruhe" und Theater bringt......klingt alles böse, ich möchter aber mal rational rangehen.

Wer kein Deutsch kann, hat in ner Normalklasse ebensoweinig verloren. usw usw.

Wir haben die Möglichkeiten udn die Infrastruktur zu trennen, warum machen wir das nicht? wir müssen nicht auf Teufel komm raus, alle gleich machen. Wer behindert ist, ist behindert und soll alle erdenkliche Hilfe in seinem Leben bekommen und keienrlei Nachtiele erleiden, wenn Sie vermeidbar sind - aber der Behinderte soll eben auch nciht behindern.

Bei der Formel eins wird auch kein VW Golf zugelassen. Aber nciht, weil man den VW ablehnt, ausgrenzt oder sonstwie diskriminiert, sondern weil er nciht rein passt, oder alle anderen aufhalten würde.

Bevr ich jetz beschimpft werde:

Meien Mutter hat 35 Jahre als Lehrerin für körperlich- und geistig Behinderte gearbeitet. Ich durfte/musste schon als Kind mit zu Ihr auf Arbeit. Ich habe mcih trotz fühestem Kontakt mit den "anderen" bis heute nicht dazu durchringen können, sie als normale Menschen anzusehen. sie sind es nicht. Sie sind immer etwas ganz Besonderes - jeder für sich. Im Guten wie im Schlechten - aber eine Mehrheit dazu zu zwingen permanent Rücksicht nehmen zu MÜSSEN, ist der falsche Weg.

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