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Rudolf Steiner - ein Rassist?

Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien muss über eine heikle Frage entscheiden: War Rudolf Steiner, Inspirator der Waldorfschulen, ein Rassist? Und Ihre Meinung?

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LurchiD 04.09.2007, 12:51
1.

Zitat von sysop
Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien muss über eine heikle Frage entscheiden: War Rudolf Steiner, Inspirator der Waldorfschulen, ein Rassist? Und Ihre Meinung?
Ob Rudolf Steiner ein Rassist war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden können.
Und hierzu muß man ihn gelesen haben.

Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien soll sich lieber mit Ego-Shootern, Handy-Pornos und Fascho-Rock beschäftigen als mit philosophischen Schriften.
Junge Menschen, die philosophische Schriften lesen, stehen meiner Auffassung nach dem Rassismus nämlich eher fern.

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BeckerC1972 04.09.2007, 13:01
2.

Zitat von LurchiD
Ob Rudolf Steiner ein Rassist war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden können. Und hierzu muß man ihn gelesen....
Manch einer würde "Mein Kampf" wahrscheinlich auch als Philosophie betrachten und es gibt eine Menge Philosophien, die sehr wohl crude und menschenverachtende, als auch jugendgefährdende, Inhalte haben. Einige von denen sind sicherlich auch wesentlich jugendgefährdender als wackelnde Möpse auf irgendwelche Handy-Displays. (ja, ich sprach von Hunden....).

In so fern MUSS sich Stelle damit beschäftigen, dazu ist sie schließlich da.

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*Saskia 04.09.2007, 13:56
3.

Zitat von LurchiD
Ob Rudolf Steiner ein Rassist war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden können. Und hierzu muß man ihn gelesen haben. Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien soll sich lieber mit Ego-Shootern, Handy-Pornos und Fascho-Rock beschäftigen als mit philosophischen Schriften. Junge Menschen, die philosophische Schriften lesen, stehen meiner Auffassung nach dem Rassismus nämlich eher fern.
So genau kenne ich Steiners Schriften nicht, um das beurteilen zu können. Und auch weiß ich nicht was Anlaß gab, den Texten nun auf den Zahn fühlen zu wollen.

Akutere Gefahr werte ich ähnlich wie Sie.

Allerdings bin ich nicht der Meinung, daß Jugendliche, die sich mit philosophischer Literatur beschäftigen, relativ sicher sind vor radikalen, rassistischen sonstwie schädlichen Einstellungen. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil, und zwar wenn sich extreme Ideologien zu Dogmen verfestigen und immer mehr das Verlangen hervorrufen für die Ideale nun auch persönlich einzutreten. Das kann Nazigedankengut genauso sein wie linksradikales oder auch religiöses wie aktuell bei diversen radikalen Moslems, aber auch einigen Christen zu sehen.

Aus welchem Anlaß wurde in Bezug auf Steiners Schriften so ein Komitee beaufttragt?

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*Saskia 04.09.2007, 14:15
4. eklatanter Skandal

Ich habe inzwischen gegoogelt, unter anderem diesen aufschlußreichen Link gefunden:
http://www.trend.infopartisan.net/trd0500/t160500.html

Und das ist wirklich ein eklatanter Skandal!

Zunächst müßte man der Frage nachgehen, sind solche Formulierungen und Philosophien auch in Steiners Texten zu finden. Dann wo diese Geisteshaltung genau vertreten wird, sind es einzelne, die man aus dem Verkehr ziehen kann, oder ist das überall die aktuell vermittelte Lehre?

Wenn sowohl Steiner als auch der Grundtenor der aktuell gelehrten Anthroposophie diese rassistische Haltung einnimmt, kann man nur radikal alle anthroposophischen schließen.

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*Saskia 04.09.2007, 14:33
5.

... und die Anthroposophen wiegeln ab, die Untersuchung sei ins Rollen gekommen, weil ein einzelner Bürger die Anthros aus Unzufriedenheit brandmarken wolle. Inhaltliche Gedanken läßt der Autor nicht zu. Damit erweist der Autor den Anthroposophen einen Bärendienst.

http://www.waldorf.net/html/aktuell/...sverfahren.htm

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anin 04.09.2007, 14:52
6.

Zitat von sysop
Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien muss über eine heikle Frage entscheiden: War Rudolf Steiner, Inspirator der Waldorfschulen, ein Rassist? Und Ihre Meinung?
Die Anthroposophen haben mich noch nie interessiert. Aber hier wieder einmal die Meinungsfreiheit der „political correctness“ zu opfern halte ich für fatal.? Unsere Lesebücher würden verdammt dünn werden, wenn alle Autoren, die sich mal antisemitisch bzw. rassistisch geäußert haben auf den Index kämen. Man darf doch nicht vergessen: Bis zum Ende das 19. Jahrhunderts war Rassismus in fast allen „Kolonialstaaten“ nicht nur in Wort und Bild selbstverständlich, sondern er wurde auch regierungsamtlich praktiziert. Mit etwas Aufklärung und Bildung kann das alles richtig „eingeordnet“ werden, dazu bedarf es nicht unserer Hilfsdenker in der „Prüfstelle für jugendgefährdende Medien“.

Die sollten mal lieber ihre Hausaufgaben in eigener Sache machen. Immer noch werden „Gangsterfilme“ der 30 ziger Jahre (James Cagney etc.) mit FSK ab 18 indiziert, während die wirklich verrohenden, derzeitigen Filme mit FSK ab 12 daherkommen. Meine Kinder haben schon mehrfach darüber gelacht.

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*Saskia 04.09.2007, 15:35
7.

Zitat von anin
Die Anthroposophen haben mich noch nie interessiert. Aber hier wieder einmal die Meinungsfreiheit der „political correctness“ zu opfern halte ich für fatal.? Unsere Lesebücher würden verdammt dünn werden, wenn alle Autoren, die sich mal antisemitisch bzw. rassistisch geäußert haben auf den Index kämen. Man darf doch nicht vergessen: Bis zum Ende das 19. Jahrhunderts war Rassismus in fast allen „Kolonialstaaten“ nicht nur in Wort und Bild selbstverständlich, sondern er wurde auch regierungsamtlich praktiziert. Mit etwas Aufklärung und Bildung kann das alles richtig „eingeordnet“ werden, dazu bedarf es nicht unserer Hilfsdenker in der „Prüfstelle für jugendgefährdende Medien“. Die sollten mal lieber ihre Hausaufgaben in eigener Sache machen. Immer noch werden „Gangsterfilme“ der 30 ziger Jahre (James Cagney etc.) mit FSK ab 18 indiziert, während die wirklich verrohenden, derzeitigen Filme mit FSK ab 12 daherkommen. Meine Kinder haben schon mehrfach darüber gelacht.
Offensichtlich gehts hier nicht nur um historische überaltete Textstellen, die ein Kind ihrer Zeit sind, sondern auch um aktuell vermittelte Lehrmeinungen und Schulbuchtexte. Das darf man nicht einfach übergehen.

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Rainer Helmbrecht 04.09.2007, 15:42
8.

Zitat von anin
......Die sollten mal lieber ihre Hausaufgaben in eigener Sache machen. Immer noch werden „Gangsterfilme“ der 30 ziger Jahre (James Cagney etc.) mit FSK ab 18 indiziert, während die wirklich verrohenden, derzeitigen Filme mit FSK ab 12 daherkommen. Meine Kinder haben schon mehrfach darüber gelacht.
Wenn mir heute mal das Wort Neger rausrutscht, dann gibt es einen Aufschrei, ich muss allerdings dazu sagen, dass ich nichts Menschenfeindliches damit verbinde. Ich würde z.B. nie schwarzes Schwein sagen, um danach zu behaupten, dass das kein rassistischer Ausdruck sei.

Ich schwöre, die ersten Schwarzen sah ich 1945 in unserer Strasse in Berlin und wir waren als Kinder davon angezogen, abgesehen davon, dass sie oft einen Kaugummi abgaben. Ich bin von diesem Rassenhass der da in den neuen Ländern sehr verbreitet erscheint, nicht nur abgestoßen, sondern ich verstehe ihn auch nicht.

Aber es wird immer und überall darauf hingewiesen, dass man Neger nicht sagen darf, für mich ist das Alibi-Gelaber.

Wenn man jetzt versucht zu klären, ob ein Mann der vor 150 Jahren geboren wurde, ein Rassist war oder nicht, würde mich mehr interessieren, wer heute verhindert, dass man Rassismus in der Jetztzeit bekämpft. Wenn 50 Mann hinter 8 Indern her rennen, ist die erste Aussage, dass das auf keinen Fall Rassismus ist, sondern es sich um einen missglückten Versuch von Touristikwerbungen handelt.

MfG. Rainer

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Klo 04.09.2007, 16:06
9.

Zitat von sysop
Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien muss über eine heikle Frage entscheiden: War Rudolf Steiner, Inspirator der Waldorfschulen, ein Rassist? Und Ihre Meinung?
Der Rassismus Steiners ist doch längst wohlbekannt und es gibt eine ganze Reihe von Dissertationen darüber. Im übrigen unterscheidet er sich hier nicht sonderlich von beliebigen anderen Ideologen und Religionsgründern, denn Abgrenzung ist das Prinzip solcher Gedankengebäude.

Als rassistisch muss aus heutiger Sicht Steiners Versuch gewertet werden, biologische "Rassen" mit dem Grad der mentalen "Entwicklungsreife" ihrer Angehörigen zu korrelieren und somit eine Hierarchisierung von Menschengruppen spirituell zu begründen, deren unterste Sprossen den – aufgrund ihrer physischen "Degeneration" zum Aussterben verurteilten – Indianern (z. B. Steiner: Die Mission, S. 79 und S. 118.) vorbehalten waren. Er spricht von den durch "Triebe" (Steiner: Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums, Vortrag vom 3. März 1923) und "Witterungen" (Steiner: Über Gesundheit und Krankheit - Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre, Vortrag vom 16. Dezember 1922) dominierten "Negern", die ebenfalls auf der untersten Stufe verbleiben und zum Aussterben verdammt seien. Die "arische" oder europäische hielt Steiner für die "zukünftige, da am Geiste schaffende Rasse". (Steiner: Die Mission, S. 67) Sie repräsentiert innerhalb seines Weltanschauungskosmos die "fünfte nachatlantische Kulturepoche", deren Anfang er auf den Beginn der frühen Neuzeit datierte. (Dissertation von J. Heisterkamp: Weltgeschichte als Menschenkunde. Untersuchungen zur Geschichtsauffassung Rudolf Steiners). Die rassistischen Implikationen dieses Stufenmodells hoffte Steiner durch eine eigentümliche esoterische Dialektik einzuholen, die er seinen rassenkundlichen Erörterungen vorschaltete: Die Reinkarnationsfolgen der menschlichen Individuen führten demnach durch die verschiedenen biologischen "Rassen" hindurch, so dass, "obgleich man uns entgegenhalten kann, dass der Europäer gegen die schwarze und die gelbe Rasse einen Vorsprung hat, doch keine eigentliche Benachteiligung" bestehe. (Steiner: Die Mission, S. 78).

In Steiners Lehre ist eindeutig und unmißverständlich, dass die jüdische Existenz zu verschwinden habe, weil sie nach Christus nicht mehr legitim wäre. Oder anders ausgedrückt: Die Existenz der Juden als Juden und des Judentums als Religion ist seit ca. 2000 Jahren zum Untergang reif, weil sie einen Anachronismus darstelle. Ob Steiner selbst Rassist war, ist unklar, aber klar ist, dass er rassistische Motive tradiert hat.

Das Klo.

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