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Sprachunterricht: Warum deutsche Schüler und Studenten kein Chinesisch mehr lernen
DPA

Nur 5000 Schüler in Deutschland lernen Chinesisch. Nach einem vermeintlichen Boom stagniert die Zahl seit Jahren. Experten kritisieren: "Wir überlassen die Deutung alles Chinesischen den Chinesen."

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peteftw 27.10.2018, 14:01
1. Genauso

Genauso ist es. Das China Bild der meisten Deutschen ist von krasser Unwissenheit und von alten Stereotypen geprägt, das stelle ich immer wieder fest. Und da sind unsere Medien leider nicht ganz unschuldig mit. Chinesisch ist vor allem gramatikalisch extrem einfach. Keine Zeiten, keine konjugierten Verben, extrem logisch. Die Aussprache und die fehlende Verbindung der Wörter zu unseren und natürlich die Schriftzeichen sind die Herausforderung. Fokussiert man sich aber auf Pinyin ist es machbar...

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widower+2 27.10.2018, 14:13
2. Nur 500?

Wurden dabei denn nur die Sinologie-Studenten gezählt? Immerhin gibt es noch andere Studiengänge, die sogar mehr Sprachkompetenz vermitteln. Zum Beispiel der Studiengang für Übersetzer und Dolmetscher in Germersheim (FB06 der Universität Mainz).

Schon zu meiner Zeit in den Achtzigern waren allein da mehr als 100 Personen für Chinesisch eingeschrieben.

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fraumarek 27.10.2018, 14:14
3. Lieber Französisch oder eine andere Sprache

Ich finde es völlig verständlich, dass junge Menschen kein Chinesisch lernen wollen. China ist unter den großen Länder das Unterdrückerregime Nummer eins, lässt Kritiker an der Regierung ins Gefängnis werfen, verprügeln, verlieren Job und Sippenhaft gibt es auch.
Wenn man eine neue Sprache lernt, muss man das Land und die Verhältnisse dort gerne mögen. Das kann ich mir für China beim besten Willen nicht vorstellen.

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thomas.wenzel 27.10.2018, 14:31
4. Chinesen kennen- nicht Chinesisch können

Mein Chinesisch recht gerade dazu, von irgendeinem Punkt zum Hotel zu kommen. Aber weil ich die letzten 15 Jahre viele Projekte mit Chinesen in China gemacht und Kontroversen durchgestanden habe, nächtelang mit Geschäftspartnern über Christus versus Konfuzius diskutiert habe, in Englisch, glaube ich wirklich zu was Chinesen in welchem Moment denken.
Dazu war es wirklich nicht notwendig, die Sprache zu lernen. Und im Rückblick: weil man es damals für notwendig hielt musste ich (heute 60) intensiv Latein (inklusive großen Latinum) und Französisch lernen. Was für eine Verschwendung! Gottseidank musste ich damals nicht spanisch lernen, was man damals für eine Zukunft Sprache hielt.
Und um eine Sprache wirklich zu beherrschen muss man zum Beispiel die Ironie erkennen, wenn jemand eine knapp danebenliegende Sprachebene verwendet. Ist heute in Englisch unabdingbar – aber neun Jahre Gymnasialenglisch reichen dafür nicht.

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ollifast 27.10.2018, 14:32
5. Andere Denke

Für einen Mitteleuropäer dürfte Chinesisch vor allem eines sein: Ganz viel Lernen. Wer es mag und auf Bilder reflektiert, gerne. Die Leute werden gebraucht. Die Frage ist aber: Passt diese Sprache zu unserer Denkweise ?

Für die Chinesen dürfte es Fluch und Segen zu gleich sein, hat sich schon mal jemand überlegt, warum es z.B. kaum chinesische Software gibt ? Meine bescheidene Meinung ist, dass die hierarchische Denke der indogermanischen Sprachen bei uns von Kindesjahren an im Kopf verankert ist und wir dazu neigen, alles auseinanderzunehmen und überall zu eine Ursache zu suchen. Wenn was schiefläuft: "wer oder was hat Schuld". Das ist im Prinzip auch das Vorgehen in den gesamten MINT Fächern. Weniger auswendig lernen, viel verstehen, aber auch viel grübeln. Vielleicht sind Chinesen mit der ganzheitlichen Betrachtungsweise glücklicher, das kann ein Segen sein. Aber mit der Entwicklung einer Softwarearchitektur tun sie sich umgekehrt schwer.

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Beijinger 27.10.2018, 14:41
6. @ fraumarek

was haben sie denn für ein Bild über China? Ich lebe hier sehr gern und gut seit 1995 und kann das, was sie hier von sich geben, in keiner Weise bestätigen.

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dresdeners 27.10.2018, 14:43
7. @fraumarek

Da haben Sie durchaus recht, aber dafür kann ja die Sprache nichts. Ich finde Sprache einen wichtigen Bestandteil, eine Kultur kennen zu lernen, und auf Augenhöhe mit Menschen zu kommunizieren. Nicht alle Chines*innen unterstützen ihr Regime. Zudem können Sie mit Mandarin auch einige andere Länder neben der VR China kennenlernen: das viel offenere und demokratische Taiwan zum Beispiel, oder südostasiatische Länder, in denen Chinesisch als Zweitsprache verbreitet ist. Übrigens lernen sehr viele Asiaten deutsch, englisch sowieso, aber nur wenige Europäer (erst recht Deutsche) Sprachen wie Japanisch oder eben Mandarin. Das ist ein Ungleichgewicht, dass von einer gewissen Ignoranz zeugt, finde ich. Ostasien ist schon heute einfach extrem wichtig für uns alle. 80% unserer Waren kommen von dort.

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martinmde 27.10.2018, 14:43
8. englisch ist die 'lingua franca'

und wird es wohl auch bleiben, und wenn es 10 Milliarden Chinesen gibt. eine zweite Fremdsprache nach Englisch ist Luxus.

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widower+2 27.10.2018, 14:50
9. Verschwendung?

Zitat von thomas.wenzel
Was für eine Verschwendung! Gottseidank musste ich damals nicht spanisch lernen, was man damals für eine Zukunft Sprache hielt.
Korrektes Deutsch wäre für Sie ja schon ein Anfang gewesen. Dann klappt das auch mit den Fremdsprachen besser.:)

Spanisch ist übrigens in Bezug auf die Muttersprachler nach Mandarin die Nummer 2 in der Welt und in Bezug auf die Gesamtzahl der Sprecher die Nummer drei nach Englisch und Mandarin.

Eine Fremdsprache zu lernen ist nie Verschwendung, selbst wenn es Saterfriesisch sein sollte.

Wenn man in Ihren Kategorien denkt, wäre Französisch aber auf jeden Fall eher "Verschwendung" als Spanisch.

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