Forum: Leben und Lernen
Streit über Digitalpakt für Schulen: Länder, stellt euch nicht so an
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Der Bund will mehr Geld ins Schulsystem geben dürfen - und dafür das Grundgesetz ändern. Mehrere Länder sträuben sich dagegen. Sie wollen sich nicht reinreden lassen. Schade.

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claus7447 04.12.2018, 16:28
1. Wenig Verständnis

Ich wohne in BW - man muss sich schon in heutigen Zeiten fragen - was bringt uns der Föderalismus. Nein - nicht alles was in Berlin entschieden wird ist gut (s. Diesel).

Bei der Bildungs- und Schulpolitik ist es jedoch ein alter Zopf der abgeschnitten gehört. Warum lenrt in BW ein Gymnasiast in der Rheinschiene Französisch als erste Fremdsprache - und im Rest des Ländle Englisch. Da wird Flexibilität der Arbeitnehmer gefordert - nur wenn es dann um den Umzug und Schulwechsel von einem in ein anders Bundesland geht wird es schwierig - insbesondere für die Schüler. Eklatant wurde mir das bewusst als ich Elternbeirat der Deutschen Schule in Seoul war. Die Lehrpläne an den deutschen Schulen sind von verschiedenen Länder-Kult-Ministerien übernommen. In unserem Fall waren die MINT Fächer (Mathe, Physik, Chemie) aus NRW. Unsere Nachbarin (d.h. die Tochter) musste, da nur bis zur Mittleren Reife die Dt. Schule geht nach Deutschland in ein Internat. Die Familie kam aus BW - also wurde ein Internat in BW gefunden. Als sie in den Ferien die Eltern besuchte - erzählte sie, dass sie praktisch jedes Wochenende nachlernen musste, das der NRW Lehrplan ggü BW um ein Jahr zurück hängt.

Also Kretschmann und Kollegen stellt Euch nicht so an -werdet flexibel - oder geht es um Macht?

Man könnte auch weiterdenken - warum muss die Technik die in Bayern für die Polizei beschafft werden ums verre...n anders sein als in NRW? oder sind da nur Pflaumen?

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Sibylle1969 04.12.2018, 16:29
2.

Bei Umfragen zu diesem Thema befürworten immer mindestens zwei Drittel der Befragten, dass Bildung Sache des Bundes sein sollte. Dazu wird es aber nie kommen, denn Bildungspolitik ist die Kompetenz, die von den Ländern am meisten verteidigt wird. Auch wenn es die Wähler eigentlich anders haben wollen.

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Marvel Master 04.12.2018, 16:35
3. Digitale Medien haben in Schulen nichts zu suchen

Hallo,

ich persönlich halte nichts von digitalen Medien in Schulen. Das ist das selbe, als wenn man jeden Tag 10 Std Fernsehen schaut. Niemand zweifelt an, dass das zur Verblödung führt.

Der geneigte Leser möge dazu sich mal 1 oder 2 Vorträge von Professor Spitzer (digitale Demenz) diesbezüglich bei Youtube anschauen.

Es wird die Nation im nächsten Jahrhundert die führenden Wissenschaftler und Köpfe haben, welche keine Elektronik eingesetzt hat. Erst wenn das menschliche Gehirn ausgebildet ist, sollte es Kontakt zu digitalen Medien haben.

Das ist EXAKT das selbe, als wenn man seine Kinder jeden Tag 5 Std Fernseh schauen lässt. Das ist einfach nicht gut.

Ach ja, ich selber bin IT Spezialist im Bereich Datenanalyse und behaupte die Gefahren dieser Techniken zu kennen.

VG

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whitewisent 04.12.2018, 16:36
4.

Das Problem an der Sache ist die Verkürzung in der Öffentlichkeit. Es geht nicht wirklich darum, ob der Bund mehr Geld für die Schule ausgibt! Sondern das die Länder gezwungen werden, die selbe Summe auch zu investieren. Damit zahlt der Bund eben nicht "bloß", sondern er greift massiv in die Bildungs- und Finanzhoheit der Länder ein, und das für Ziele, die ihm wichtig erscheinen. Und das kann gegen die Interessen vor Ort gehen, wo eher in Oberstufenzentren, Lehrkabinette und zB. Kunst investiert werden soll, als eine imaginäre Digitalisierung, die nun scheinbar im Kleinkindalter beginnen soll. Zu blöd, um ohne Windeln aufs WC zu gehen, aber per Mouse sich eine Pizza bestellen können....

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g_bec 04.12.2018, 16:45
5. Logisch

Zitat von Sibylle1969
Bei Umfragen zu diesem Thema befürworten immer mindestens zwei Drittel der Befragten, dass Bildung Sache des Bundes sein sollte. Dazu wird es aber nie kommen, denn Bildungspolitik ist die Kompetenz, die von den Ländern am meisten verteidigt wird. Auch wenn es die Wähler eigentlich anders haben wollen.
Logisch, handelt es sich doch hierbei sozusagen um die letzte übrig gebliebene Begründung für das Fortbestehen der unsäglichen Kleinstaaterei mit nahezu unbeschränkter Gestaltungsmacht der Bundesländer. Wäre das weg, würde jedem klar, dass die Bundesländer eigentlich nur Verwaltungseinheiten sind und wir uns die Landesregierungen sparen könnten. Allerdings würden dann auch die Bayern erkennen, dass Berlin und Bremen nicht mit "bairischen Steuergeldern" gepäppelt würden und die CSU verlöre ihre Daseinsberechtigung;-).

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optikus68 04.12.2018, 16:46
6. Noch mehr elektronikschrott

Wir schaffen es nicht, Lehrbücher aktuell zu halten. Die weiteren Mängel der Schulen sind bekannt. Jetzt soll Digitalisierung für noch mehr Elektronikschrott sorgen. Immer die Frage, wem nützt es. Ein Buch ist einmal gedruckt und ich kann nachlesen. Im digitalen Medien sind Daten schnell ausgetauscht. Lehrt die Kinder selber zu denken und nicht auf Tabetts zu wischen. Aber dann fehlen uns wichtige Konsumenten ohne Hirn.

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claus7447 04.12.2018, 16:57
7.

Zitat von Marvel Master
Hallo, ich persönlich halte nichts von digitalen Medien in Schulen. Das ist das selbe, als wenn man jeden Tag 10 Std Fernsehen schaut. Niemand zweifelt an, dass das zur Verblödung führt. Der geneigte Leser möge dazu sich mal 1 oder 2 Vorträge von Professor Spitzer (digitale Demenz) diesbezüglich bei Youtube anschauen. Es wird die Nation im nächsten Jahrhundert die führenden Wissenschaftler und Köpfe haben, welche keine Elektronik eingesetzt hat. Erst wenn das menschliche Gehirn ausgebildet ist, sollte es Kontakt zu digitalen Medien haben. Das ist EXAKT das selbe, als wenn man seine Kinder jeden Tag 5 Std Fernseh schauen lässt. Das ist einfach nicht gut. Ach ja, ich selber bin IT Spezialist im Bereich Datenanalyse und behaupte die Gefahren dieser Techniken zu kennen. VG
Nicht alles was glänzt ist Gold - nur sie gehen an der Realität komplett vorbei. Es wird auch an der Waldorfschule IPads geben und IT Unterricht - wenn wir glauben, das aussitzen zu können ist das Vogel-Strauss Mentalität. Schauen sie mal wie viele 6-jährige schon mit dem Smart-Phone herumlaufen. Entscheidend wird sein - wie ist der richtige Umgang mit den Medien. Wie recherchiere ich - wie kann ich Glaubwürdigkeit nachprüfen. Zudem Wenn Hänchen nicht begeistert wird von Mathe und IT - was macht Hans dann - den der Zuwachs an IT-affinen Berufen wird deutlich zuwachsen - gehen sie heute in einen Betrieb - sie werden staunen wie viel dort davon abhängig ist - aber sie sind ja Fachmann - also muss ich das nicht ihnen erzählen.

Das eine tun ohne das andere zu lassen ...

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claudio_im_osten 04.12.2018, 16:57
8. Völlig richtiger Kommentar.

Der Föderalismus richtet im Bildungswesen Schaden an - nur weil jede Landesregierung auf ihrer eigenen Spielwiese beharrt. Es mag ja sein, dass Bayern und Baden-Württemberg die Bundesmittel gar nicht brauchen und die Digitalisierung notfalls auch selber auf einem akzeptablem Niveau hinbekommen.
Wenn jetzt aber auch noch ein Land wie Sachsen-Anhalt, das in vielen Bereichen des Bildungswesens (siehe Abiturquote) Schlusslicht-Positionen einnimmt, den Digitalpakt ablehnt, kann man nur sagen: Bei diesen Politikern tut die triste Realität noch immer nicht genügend weh.
Was wäre denn die Alternative: Selber ohne Digitalpakt den 50%-Eigenanteil, den man bei aller Eigenständigkeit nicht aufbringen will, noch zu unterschreiten - und ein "weiter so" für Schulen und Lehrkräfte, die noch immer über Tafel und Kreide hinaus nichts in die Hand bekommen? Das machen solche Länder schon seit langem in unterschiedlichesten Bereichen und das Ergebnis kann man sich auf vielen Gebieten anschauen.
Da nützt auch nichts mehr, wenn ein Ministerium die Bezeichnung "Digitalisierung" auf die Homepage bekommt - das ist schlicht tiefster Provinzialismus von Politikern, die sich damit abfinden, dass das Land von selber immer kleiner wird.

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PaulMeister 04.12.2018, 16:57
9. Schluss mit der Kleinstaaterei im Schulwesen!

Zitat: "Doch wo ist das Problem, wenn die Länder mitfinanzieren, was der Bund bezuschusst? Zumal es ja um die Bildung geht, die Ländersache ist, was die Länderchefinnen und -chefs so gern und oft betonen."

Wenn es Geld kostet, ist Bildung den Ländern dann offenbar doch nicht so wichtig. Angeschaffte IT muss regelmäßig gewartet und erneuert werden. Das passt den Ländern dann nicht, dass sie dann 50% der Kosten tragen sollen. Sollen unsere Schüler schön weiterhin den Anschluß verpassen.

Das lässt nur einen Schluß zu: Förderalismus und insbesondere Bildungsföderalismus in Deutschland ist ein Zopf der endlich abge-/ bzw. beschnitten gehört. Dann würde mehr Geld zur Verfügung stehen und im Idealfall auch bei den Menschen vor Ort ankommen, dort wo es gebraucht wird. Wir brauchen keine 16 Bundesländer, keine 16 Landesregierungen, keine 16 Ministerpräsidenten und keine mehr als 100 Ministerien.
Am wenigsten brauchen wir 16 Kultusministerien. 1 bis 4 Landesregierungen z.B. Ost, West, Nord und Süd) würden auch reichen und erhebliche Gelder freisetzen. Noch besser wäre genau 1 Kultusministerium!

Ich bin mir sicher, dass kulturelle Unterschiede auch mit einem stark zusammengestutzten Förderalismus bewahrt werden können. Dazu müssen nicht Milliarden verpulvert werden.

Ich befürchte, dass wird aber noch einige Jahrzente dauern, bis wir so weit sind. Kommen wird es so oder ähnlich aber bestimmt irgendwann.

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