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Studiengebühren - Ein Gewinn für die Unis?

Die Diskussion um Studiengebühren geht in eine weitere Runde. Universitäten sollen künftig die Möglichkeit haben, Gebühren zu erheben. Verschiedene Modelle sind in der Diskussion, doch der studentische Proest formiert sich. Wären Gebühren unter bestimmten Umständen akzeptabel? Sind sie als "Sondersteuer" nur dazu, fiskalische Löcher zu stopfen? Oder sind Studiengebühren generell unsozial?

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Don LoC 12.04.2005, 16:28
1. Studiengebühren müssen an den Unis bleiben!

Das immer wieder vorgetragene Hauptargument gegen Studiengebühren ist die dadurch angeblich massive auftretende soziale Auswahl.

In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die soziale Auswahl bereits viel früher statt findet, nämlich im Vorschulalter und den folgenden ersten Schuljahren. Verglichen mit anderen Industrienationen (die Studiengebühren haben!) hat DL nämlich eine relativ geringe Anzahl von Studenten aus "sozial schwachen" Schichten, trotz gebührenfreiem Studium.

Die Studienbedingungen, das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen, sind derzeit relativ miserabel, zumindest in den Massenstudiengängen wie Jura, BWL usw. 130 Student in einem Seminarraum mit max. 40 Plätzen, das war leider mehr die Regel als die Ausnahmen. Hier können Studiengebühren helfen, allerdings müssen diese an eine Reihe von strikten Bedingungen geknüpft sein:

1. Studiengebühren müssen komplett an der jeweiligen Hochschule verbleiben, kein Stopfen von öffentlichen Haushaltslöchern!

2. Wettbewerb unter den Hochschulen: Die HS müssen die Höhe ihrer Studiengebühren selbstständig bestimmen können.

3. Es MUSS ausreichend Finanzierungs- und Förderungsmodelle geben, so dass jeder, der studieren will, dies auch kann.

Gruß,
LoC

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DJ Doena 12.04.2005, 16:44
2.

@Don Loc

Ihr 1.) wird dann von den Länderfinazministern (LFM) dann so unterlaufen werden, als dass sie nicht die Studiengebühren antasten, aber im gleichen Maße einfach die Bezuschussung zurückfahren. Und damit stopfen sie inoffiziell doch wieder ihre Haushaltslöcher, nur wird es den LFMs schwer nachzuweisen sein.

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Don LoC 12.04.2005, 19:40
3. Ok...

Ein guter Punkt. Selbstverständlich darf auf keiner Ebene weiter an der Bildung herumgekürzt werden. Aber es liegt schon nahe, dass der ein oder andere es versuchen wird. Also müssen wir aufpassen wie die Luchse ;)

Gruß,
LoC

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DanielaMund 12.04.2005, 20:06
4.

Würde den irgendwer für die derzeitigen Studienbedingungen zahlen? Schon heute ist in bestimmten Fächern der Besuch von privaten Repetitorien Usus, da die deutschen Universitäten nicht gut genug ausbilden. Da
a) ich nicht dran glaube, dass die erzielten Gelder den Universitäten zugute kommen
b) selbst wenn, amerikanische First-Class-Universitäten einen ca 10 mal höheren Etat haben,
wird es sich eher lohnen, in den USA, der Schweiz, GB,... zu studieren, als hier zu zahlen.

Und wenn man kein Geld hat, wer soll einem dann Kredit geben, selbst wenn man wirklich clever ist? Ich hätte mir kein Studium leisten können, und Stipendien sind Mangelware (im Gegensatz zu den USA).Damit auch sozial schwächere studieren können, bleiben also nur nachgelagerte Studiengebühren, und die Steuerprogression sollte doch eigentlich die Kosten für ein Studium decken.

Und jetzt geh ich erst mal in ein anderes Forum, um mit der Software zu spielen, damit ich das ganze besser ordnen kann....

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Reimer 12.04.2005, 22:20
5.

Studiengebühren sind meiner Meinung nach (als Student) ein Gewinn für die Studenten. Wenn ich einen Studiengebühr zahle, so darf ich auch eine Leistung verlangen. Leider entspricht meine Vorstellung vom Preis/Leistungsverhältnis nicht der Realität :)

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DK81 12.04.2005, 22:48
6.

Zitat von Don LoC
Das immer wieder vorgetragene Hauptargument gegen Studiengebühren ist die dadurch angeblich massive auftretende soziale Auswahl.
ist wohl auch ein schlagendes Argument :)

Zitat von Don LoC
In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die soziale Auswahl bereits viel früher statt findet, nämlich im Vorschulalter und den folgenden ersten Schuljahren. Verglichen mit anderen Industrienationen (die Studiengebühren haben!) hat DL nämlich eine relativ geringe Anzahl von Studenten aus "sozial schwachen" Schichten, trotz gebührenfreiem Studium..
Dies trifft aber auch auf den Vergleich mit "Industrienationen" zu, die keine Studiengebühren erheben.

Zitat von Don LoC
Die Studienbedingungen, das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen, sind derzeit relativ miserabel, zumindest in den Massenstudiengängen wie Jura, BWL usw. 130 Student in einem Seminarraum mit max. 40 Plätzen, das war leider mehr die Regel als die Ausnahmen..
Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass die Länder die Ausgaben im Hochschulbereich oft nicht einmal der Inflation anpassten. Waren es 1975 noch 1,08% des BIP, so sind wir inzwischen bei unter 0,85% angekommen...
Die Hochschulen sind also systematisch gegen die Wand gefahren worden. In Bayern gibt es

Zitat von Don LoC
Hier können Studiengebühren helfen, allerdings müssen diese an eine Reihe von strikten Bedingungen geknüpft sein:
Nun, mit 500€ pr Student und Semester kommt man nur auf ca. 5% der Ausgaben einer Universität. Demnach wären wir dann bei 42 Plätzen für 130 Studenten...

Zitat von Don LoC
1. Studiengebühren müssen komplett an der jeweiligen Hochschule verbleiben, kein Stopfen von öffentlichen Haushaltslöchern!
Ist nicht Nachprüfbar: Wer kann entscheiden, ob die Ausgaben der Länder für die Hochschulen jetzt nicht schon zu niedrig sind. (Die geschilderten Zustände lassen dies vermuten...) Dann habenen die Länder nämlich bereits im Voraus ihre Haushaltslöcher gestopft, indem sie darauf verzichtet haben, das nötige für die Hochschulen auszugeben. Auch wird es regelmäßig dazu kommen, dass die Ausgaben für die Hochschulen steigen (alleine die Inflation sorgt dafür). Welcher Anteil wird dann vergrößert, der Studiengebühren-Anteil oder der Landes-Anteil.

Zitat von Don LoC
2. Wettbewerb unter den Hochschulen: Die HS müssen die Höhe ihrer Studiengebühren selbstständig bestimmen können.
Wer Wettbewerb fordert muss auch für die Folgen stehen. Die Folgen von Wettbewerb sind nicht nur einige SuperUnis (dann auch für SuperReiche) sondern auch der Bankrott von Universitäten. Aufgrund der geringen Anzahl von Universitäten im Verhältnis zu den Studenten und Ausgeprägten Kommunikationsstrukturen auf Seiten der Universitäten wäre dies bald auch ein beeindruckendes Beispiel einer Oligarchie - bekanntlich hat so etwas für den "Konsumenten" gravierende Nachteile.

Zitat von Don LoC
3. Es MUSS ausreichend Finanzierungs- und Förderungsmodelle geben, so dass jeder, der studieren will, dies auch kann.
Das einfachste Modell, welches dies garantiert leistet, ist jenes ohne Studiengebühren.

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3dgamer 16.04.2005, 13:18
7. Scheinargument?

Das oftmals angeführte Argument der "schlechten Ausstattung" und der "überfüllten Räume" finde ich scheinheilig.
In vielen Studiengängen ist die Ausstattung völlig egal (egal wie gammelig der Raum ist, es kommen eh immer dieselben. Durch neue Ausstattung ändert sich kaum etwas).

Vielmehr sollte die Unis nur soviele NeuStudenten aufnehmen, wie Kapazitäten vorhanden sind!
Desweiteren gibt es einfach Veranstaltungen, die man nunmal nicht mit mehr als 40 Leuten abhalten KANN!

Eine Kontrolle seitens der Uni wäre ebenso wünschenswert. Was hier an der Uni an Geld verplempert wird ist kaum auszusprechen. Stichwort Jahresbudget: Wird es nicht aufgebraucht, wird es gekürzt! Also mal eben schnell 3t Papier, 10 Kopierer und jede Menge Kabel zum Jahresende kaufen...

Aber seien wir Realist. Die Studiengebühren werden fein i Landeshaushalt verschwinden und es wird keiner nach krähen..

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DK81 17.04.2005, 02:50
8.

Zitat von 3dgamer
Das oftmals angeführte Argument der "schlechten Ausstattung" und der "überfüllten Räume" finde ich scheinheilig.
Dies ist kein Argument, sondern sind jedermann verständliche Anzeichen der Finanzknappheit der Hochschulen.
Natürlich ist jedoch die Finanzknappheit als Argument für Studiengebühren scheinheilig: Dieser Zustand ist ja nicht vom Himmel gefallen. Statt dessen ist er Ergebnis stetigen Kürzens der Etas der Hochschulen. 1975 waren wir noch bei 1,08% des BIP, inzwischen sind wir bei unter 0,85% angekommen...

Zitat von 3dgamer
In vielen Studiengängen ist die Ausstattung völlig egal (egal wie gammelig der Raum ist, es kommen eh immer dieselben. Durch neue Ausstattung ändert sich kaum etwas).
Darüber hinaus kann ich mir keinen Studiengang vorstellen, der mit mehr Mitteln nicht angenehmer zu studieren wäre. Diese Mittel wären ja nicht auf das Anschaffen von Gegenständen und sanieren von Räumen beschränkt. Es wäre auch denkbar Vorlesungen öfters lesen zu lassen und weitere Vorlesungen anzubieten. Ja sogar mehr Tutorien und Repitutorien könnten dann angeboten werden.

Zitat von 3dgamer
Vielmehr sollte die Unis nur soviele NeuStudenten aufnehmen, wie Kapazitäten vorhanden sind! Desweiteren gibt es einfach Veranstaltungen, die man nunmal nicht mit mehr als 40 Leuten abhalten KANN!
Nun das Problem ist natürlich auch, dass die Unis nicht wissen, wieviele Abbrecher darunter sind. Außerdem sind viele Mittel, die die Universitäten erhalten von der Anzahl ihrer Studenten abhängig. Da wäre es geradezu doppelt schlecht, einen freien Platz in einem auf 40 Personen beschränkten Kurs zu riskieren, als ein paar Studenten zuviel zu haben, die dann immer noch zeitnah aussortiert werden können...

Zitat von 3dgamer
Aber seien wir Realist. Die Studiengebühren werden fein i Landeshaushalt verschwinden und es wird keiner nach krähen..
Nicht unbedingt direkt. Aber derzeit ist die finanzielle Lage der Hochschulen so unbequem, dass die Länder längst deren Etas hätten erhöhen müssen. Anstelle dies mit Mitteln aus dem Länderhaushalt zu tun, werden nun eben, zumindest in den Unionsgeführten Ländern, Studiengebühren eingeführt.

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Reimer 17.04.2005, 19:47
9.

Die finanzielle Lage der Hochschulen ist aber nicht nur auf Grund der Kurzungen so schwierig. Ich habe für ein ein einen Teil der Kieler Universität ein Abrechnungssystem programmiert und hatte so einen Blick in die Finanzen erhalten. Einem BWLer würde schlecht werden bei dem Anblick...

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