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Ungleiche Geschwister in der Schule: Wenn der Schwester alles gelingt - und dem Brude
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Charlotte ist eine typische Einserschülerin, intelligent, ehrgeizig, zielstrebig. Ihr Bruder ist das komplette Gegenteil, nimmt Drogen, gibt sich keine Mühe. Ein Hamburger Lehrer unterrichtet beide und fragt sich: Wie kann das sein?

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dasfred 31.05.2018, 06:03
1. Ein häufiges Phänomen

Für die Eltern bedeutet das, es gibt kein perfektes Erziehungskonzept, sondern nur perfekte Kinder. Man muss nur ihre individuellen Stärken und Probleme erkennen. Wenn sich jedes Kind so angenommen fühlt, wie es ist, ohne ständig Bruder oder Schwester als Vorbild präsentiert zu bekommen, kann es sich so entwickeln, das es auf seine Art lebenstüchtig wird. Ein begabter Handwerker in der Akademiker Familie ist ein Gewinn und kein Versager. Das lässt sich auf vieles übertragen. Wer ein Kind nach individuellen Kriterien fördert, vermittelt ihm Sicherheit und Erfolge. Individuelles Glück ist nicht von der Abi Note abhängig und auch ein Einser Abiturient schafft nicht alles, wenn er im falschen Studium landet.

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cedebe 31.05.2018, 06:16
2. interessante Gedanken, aber

ich finde es ein wenig unreflektiert, Einserschüler pauschal mit Lerndrill der Eltern gleichzusetzen. das stimmt nicht. es gibt da mehr Facetten.

zum eigentlichen Inhalt, ich kenne das auch. bei meinem Bruder und mir war es aber so, dass wir beide das Potenzial zum Einserschüler hatten. Ihn hat der Stoff selten interessiert, ich habe mich für nahezu alles begeistern können. so wurde er 3er-Abi und ich 1er-Abi. Gedrillt wurden wir nicht, Bildung war und ist einfach ein hoher Wert in der Familie. Mein Bruder sagt sich, meinen Intellekt muss ich keinem beweisen, und ich sage, Herausforderung angenommen. manchmal sind es einfach nur die Charakterzüge, die entscheiden.

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freigeistiger 31.05.2018, 06:59
3. Hobbypsychologie ist gefährlich

LehrerInnen, ErziehrInnen, SozialarbeiterInnen etc. sind keine PsychologInnen. Sie haben einige rudimentäre Kenntnisse. Überschätzen sich aber oft mit ihrem Teilwissen. Angewandtes Unwissen wird dann gefährlich weil etwas falsch verstanden und falsch angegangen wird. Deshalb finden Betroffene auch nicht die richtige Hilfe. Die geschilderten Fälle sind natürlich nur oberflächlich geschildert. Sie lassen aber schon auf eventuelle Gründe für die Schwierigkeiten schließen. Beispielsweise der vorletzte Absatz ist für Depressionen typisch. Die mögliche Ursache lässt sich aus dem Vorhergehenden ableiten. Wegen der geringen Information halte ich es hier mit Sokrates „Ich weiß dass ich (es) nicht weiß.“

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neptun680 31.05.2018, 07:13
4. Entweder oder

In einer extrem einseitig auf Leistung, Materialismus und Konformismus hin fixierten Gesellschaft, bleibt die Ausbildung solcher Polaritäten nicht aus. Die Natur wird gezwungen die bevorzugten Eigenschaften der Gruppe auszugleichen, da sie nur einen bestimmten Ausschnitt des gesamten lebendigen Bildes wiedergeben. Derartige Fixierungen, die nicht selten zur Besessenheit werden, beschwören das entsprechende Gegenteil gerade zu. Kurzes Beispiel - stark vereinfacht: Jemand, der die Irrationale Welt ablehnt, leidet etwa unter Albträumen; Jemand, der die rationale Welt ablehnt, leidet an Panik Attacken. Den beiden Geschwistern kann man nur raten, zu einer gewissen Normalität zurück zu finden (was mit einem guten Dreier beschrieben wurde). Unsere Gesellschaft, mit ihrer einseitigen Ausrichtung, wird sie darin wenig unterstützen können. Daher sollten alternative Möglichkeiten gesucht werden.

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teaki 31.05.2018, 07:47
5. Individuum oder „der Bruder von...“

Ich habe einen Bruder, der auch seine Erfüllung darin sah ein 1er Schüler zu sein. Mein Problem war, dass ich als jüngeres Geschwisterteil auf der gleichen Schule immer nur „der Bruder von...“ war. Ich wollte aber als Individuum gesehen werden und der einzige Ausweg war ganz anders zu werden. In der Folge flog ich von der Schule und machte einen langen Umweg über den dritten Bildungsweg. Heute bin ich der Erfolgreichere von uns beiden. Die Schuld dafür sehe ich noch heute bei schlechten Lehrern.

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Sibylle1969 31.05.2018, 07:48
6.

Einserschülerinnen wie oben beschrieben müssen nicht unbedingt ständig am Schreibtisch hocken. Viele sind so begabt, dass das Spitzenabitur mit nur wenig Aufwand gelingt, der im Wesentlichen aus Hausaufgaben besteht. Ansonsten spricht mir der Artikel aus der Seele. Ich war selbst solch eine Einserschülerin, die gesamte Schulzeit immer Klassenbeste, Jahrgangsbeste im Abitur mit einem Schnitt von 1,1. Ich habe eine zweieiige Zwillingsschwester, die das exakte Gegenteil von mir ist, was zu vielen Problemen geführt hat, die unsere Beziehung bis heute extrem belasten. Die Lehrer waren daran beteiligt.

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Martuk 31.05.2018, 07:49
7. vielleicht liegt es auch daran

dass Eltern Kinder bekommen und keinen Golem aus Lehm formen.

Das was Erziehungs"wissenschaftler" dringend benötigen ist ein Galtonbrett. Dann können sie beobachten wie bei gleicher "Erziehung" der "Kugeln" dennoch nicht alle an der gleichen Stelle ankommen.

Eltern können nicht mehr tun als zu versuchen das Kind möglicht gut zu fördern und vor Schaden zu bewahren. - Das heißt aber noch lange nicht, dass dies auch klappt!

Der Einfluss den die Erziehung hat ist, wie beim Galtonbrett, die Position der Glockenkurve, nicht mehr, nicht weniger. Natürlich ist bei 2 Kindern keine Glockenkurve erkennbar, es geht also nur um Wahrscheinlichkeiten.

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danduin 31.05.2018, 08:00
8. Stellenwert Schule in der Familie

Ich hätte die Theorie, dass die kleinere Schwester einfach sieht welchen Stellungswert die Schule hat an Ihrem Bruder.
Wahrscheinlich gibt es zuhause endlose und problematische Gespräche der Eltern mit Ihrem Erst-geborenen.
Zweit-geborene haben es sowieso einfacher.
Andererseits ist es auch eine Charakterfrage und eine Frage in wie weit die Eltern das Kind unterstützen.

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freigeistiger 31.05.2018, 08:07
9. Kein Hobbypsychologiesieren

LehrerInnen, ErziehrInnen, SozialarbeiterInnen etc. sind keine PsychologInnen. Sie haben einige rudimentäre Kenntnisse. Überschätzen sich aber oft mit ihrem Teilwissen. Angewandtes Unwissen wird dann gefährlich weil etwas falsch verstanden und falsch angegangen wird. Deshalb finden Betroffene auch nicht die richtige Hilfe. Die geschilderten Fälle sind natürlich nur oberflächlich geschildert. Sie lassen aber schon auf eventuelle Gründe für die Schwierigkeiten schließen. Beispielsweise der vorletzte Absatz ist für Depressionen typisch. Die mögliche Ursache lässt sich aus dem Vorhergehenden ableiten. Wegen der geringen Information halte ich es hier mit Sokrates „Ich weiß dass ich (es) nicht weiß.“

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