Forum: Leben und Lernen
Vergebliche Suche nach Kitaplatz: Lasst mich wieder arbeiten!
Privat

Sie begann die Suche, als ihre Tochter noch ein Fötus war. "Name wird nachgereicht", schrieb sie auf die Wartelisten der Kitas. Jetzt ist die Kleine ein Jahr alt - und Sandra Sperber sitzt im Sandkasten statt im Büro.

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wowereit 26.05.2018, 12:23
1. Zeit für eure Kinder!

Viele Eltern überlegen schon vor der Geburt, wie sie ihr Kind am schnellsten wieder abschieben können... traurig
Versucht mal, die Zeit mit euren Kindern zu verbringen. Es gibt euch soviel! Diese Zeit gibt euch niemand zurück. Leider herrscht in unserer Gesellschaft derzeit ein unglaublicher Druck auf junge Eltern, eine Haltung wie die der Autorin des Artikels anzunehmen.

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janie123 26.05.2018, 12:25
2. Kita-Platz? Das ist noch einfach...

Während der Kita Zeit hat man wenigstens noch die Möglichkeit Elternzeit zu nehmen und man hat zumindest auf dem Papier einen Rechtsanspruch.
Mein großer wird im Sommer eingeschult. Hortplatz? Mittagsbetreuung? Keine Chance. Schule endet kurz nach 11 da ist nicht Mal Teilzeit zu machen. Kein Rechtsanspruch nichts. Jetzt kann ich mir überlegen ob ich meinen Job kündige. Wundert sich da noch einer warum Kinder das größte Armutsrisiko sind und Altersarmut für Frauen ein Problem ist?

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nordschaf 26.05.2018, 12:33
3. we too

Wir haben es ähnlich gemacht mit unseren Töchtern. Dass wir einen der 20 Krippenplätze in unserer 20.000-Einwohner-Kleinstadt bekamen, glich einem Sechser im Lotto und war nur dem Umstand zu verdanken, dass zu diesem Zeitpunkt gerade eine neue Kita im Bau war, für deren erstes Kindergartenjahr wir uns frühzeitig anmelden konnten. Aber wie oft hat man schon das Glück, dass eine neue Kita gebaut wird??

Aber selbst wenn man diese Hürde genommen hat, gilt man doch für den jeweiligen Arbeitgeber bei zwei berufstätigen Eltern als "Minderleister". Egal, wie sehr man sich engagiert, das Voruteil ist stärker. Wir haben uns die Kinderbetreuungstage für Krankheit haarscharf 50:50 geteilt. Trotzdem hiess es immer "Kann nicht Ihre Frau..?" oder "Kann nicht ihr Mann..?". Dass eine gemeinsame Kinderbetreuung für uns Karriereverzicht bedeutete, war uns von vornherein klar. Als Informatikerpärchen waren wir beide immer eine knappe Ressource und unsere Teilzeitansinnen wurden wahlweise frühzeitig abgelehnt oder verschleppt, bis wir es nach gefühlt endlosem Improvisieren geschafft hatten, unsere Kinder ganztags in der Betreuung zu haben. Am schlimmsten hat mich als leidenschaftliche Technikerin, Frau und Mutter getroffen, dass man in der Personalabteilung der Sicherheitsbehörde, in der ich mittlerweile tätig bin, der Meinung war, wenn ich Vollzeit arbeite, dann muss man sowieso keine Rücksicht auf familiäre Belange nehmen. Wenn mir meine Kinder wichtig wären, würde ich schliesslich nicht Vollzeit arbeiten. Eine Position, die erstaunlicherweise auch die frühere Gleichstellungsbeauftragte und die noch immer männerdominierte Personalvertretung so vertraten. Dabei ist man als Familie mit berufstätigen Eltern umso mehr auf Flexibilität des Arbeitgebers angewiesen. Letzlich habe ich bzgl. der Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit in der Wirtschaft letztlich mehr Unterstützung erfahren, als in der Behörde. Dort ist man nur auf Teilzeit arbeitende, Vorzimmerdamen eingestellt. Dass auch Fachkräfte sich selbst (ohne aupair!) mit um ihre Kinder kümmern wollen, ist ein noch weitgehend unbekanntes Konzept. Und machen wir uns nichts vor: in einer Sicherheitsbehörde hat man immer wieder genauso viel Stress wie außerhalb im IT-Projektgeschäft. Personalknappheit und Politik-Triggerung lässt grüssen. Also komme mir da mal keiner mit Beamten-Mikado. Das ist irgendwo seit den 50er Jahren auf der Strecke geblieben zusammen mit der Dr. Oetker "Eine Frau kennt nur zwei Fragen .."-Werbung.

Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob wir Kinder bekommen hätten, wenn wir vorher gewusst hätten, welche Kämpfe wir im Laufe der Jahre auszustehen hätten. Der Autorin des Artikels wünsche ich weiterhin viel Kraft und vor allem Hartnäckigkeit und zuweilen Brutalität.

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Spiegelleserin57 26.05.2018, 12:44
4. es nicht immer leicht einen Kitaplatz zu finden aber es gibt auch ande

meine Chefin hatte in FFM 3 !! Kitaplätze zur Auswahl. Unser Betrieb hat eine Betriebskita die den Leuten mit Schichtdienst vorbehalten ist. In meinem Wohnort hat die Kita die Öffnungszeiten verlängert damit auch besonders Früh-und Schichtleute ihr Kind dort unterbringen können.
Zusätzlich kenne ich auch einige Frauen die gar nicht arbeiten wollen, auch das gibt es.
Die Situation ist sehr unterschiedlich!

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Stefan40 26.05.2018, 12:46
5. Verstehe ich als soziales Problem, aber...

Lieber Spiegel,

durch die wiederholte Schilderung von einzelnen Problemen wird ja Politik gemacht. Der Gesetzgeber hat ja bereits durch den Rechtsanspruch auf den Kitaplatz gehandelt. Was soll er nioch machen? Das ist nicht perfekt und mir stellt sich die Frage, warum immer nur auf den Staat verwiesen wird und dann eben nicht mehr private Initiativen gegründet werden. Gleichzeitig wird hier aber auch mal wieder beklagt, dass Väter nur wenig bis gar nichts zur Kinderbetreuung beitragen. Als betroffener Vater, der gerade nicht zur Kinderbetreuung beitragen darf, trifft mich dies natürlich immer wieder. Es gibt die nach wie vor herrschende Meinung (Politik, Jugendämter, Frauen (!)), dass es dem Kindeswohl nur entspricht, wenn die Mütter die Macht über die Kinder ausüben und damit Betreuungsmodelle, wie z.B. das Wechselmodell, verhindert werden.

Auch das ist eine Realität in diesem Land - andere europäische Länder lösen dies anders und GLEICHBERECHTIGTER.

Stefan

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sascha1399 26.05.2018, 12:49
6. Nun ja

Was den Plätzemangel angeht: volle Zustimmung!
Aber die im Artikel beschriebene Rolle der Väter möchte ich so nicht stehen lassen!
Zum einen: keiner der Väter, die ich kenne, haben ihre Elternzeit für einen Urlaub genutzt, sondern die (viel zu kurzen) zwei bis sechs Monate intensiv mit ihren Sprösslingen verbracht. Das Problem ist nicht mehr (nur) die Einstellung von uns Vätern zu ihren Kindern, sondern schlicht die finanzielle Situation! Immer noch ist der Mann meist der Hauptverdiener und wenn man in der unteren Mittelschicht arbeitet, dann ist das eher eine Frage des finanziellen (Über)Lebens, wer in Teilzeit geht und mehr Zeit mit seinem Kind verbringen darf.
Zumal zumindest in meiner Firma schräg angeschaut wird, wenn man(n) für sein Kind in Teilzeit gehen will.

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whitewisent 26.05.2018, 13:25
7.

Was sollte es einer Gesellschaft sagen, wenn gleichzeitig sowohl Personal für die Pflege von Kleinkindern als auch der Pflege von Senioren fehlen. Da ist etwas mächtig schief gegangen, und ich bitte um Entschuldigung, gerade viele Eltern der heutigen Kindergeneration haben daran einen großen Anteil.

Wenn man sich über Jahrzehnte feiert, daß 40% eines Schuljahrgangs studiert, muß man auch die Konsequenzen tragen. Vor allem wenn man gleichzeitig eine gesellschaftliche Umorientierung vornahm, in der auch nur noch Arbeit von Studierten wertgeschätzt wird.

Auch ist der Widerspruch doch offensichtlich. Ein großer Anteil der Kitaarbeit besteht nunmal aus körperlich anstrengendem Fütter, Windeln, Trösten, Waschen. Anderseits sind die Anforderungen für die Verwaltung immer mehr gestiegen (Wortschatztagebuch), und auch die permanente Kontrolle durch Eltern, Leitung und Verwaltung zermürben vielen engagierten Erzieherinnen den Beruf.

Man muß schon bei der Kinderplanung mit Einschnitten in die persönliche Berufs- und Lebensentwicklung rechnen. Was heute fast unzumutbar klingt, war über Jahrtausende hinweg der Standard. Da ist die Zeit mit den Kindern eine Gabe, keine Plage.

Übrigens einer der negativen Effekte von kostenlosen Kitaplätzen, Eltern verlängern meist die Betreuungszeiten für die Kinder. Was auch noch die Notsituation für andere Eltern künstlich verstärkt.

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ingentis 26.05.2018, 13:31
8. Männer in den Sandkasten!

meine Frau war das erste Jahr zu Hause. das zweite Jahr hab ich dann übernommen... studiert und gearbeitet am Wochenende. Verantwortung übernehmen sollte kein Aufruf zur finanziellen Absicherung der Familie sein, sondern bedeuten sich die Zeit für seine Kinder zu nehmen! kitaplätze und Co sollten für Familien in notsituationen sein und nicht zwingend ab dem ersten Lebensjahr beansprucht werden.... deshalb Männer! zieht die kravatten aus und ab in den Sandkasten! nur so könnt ihr sicherstellen einen wirklichen Einfluss auf die persönlichkeitsbildung eures Nachwuchses zu haben. schade übrigens, dass Väter auf dem Spielplatz mitleidig beäugt werden und ich immer wieder gefragt wurde wo denn die Mutter des kleinen sei... die Veränderung auf dem Papier kann nur in den Köpfen Realität werden.

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homer2007 26.05.2018, 13:33
9.

Eine gute Kindererziehung ist Vollzeitarbeit. Da muss man nicht nebenbei noch arbeiten gehen. Was ich in den ersten drei Jahren bei meinem Kind versäume, das bekomme ich später nie mehr hin. Insofern ist gerade die Erziehung in den ersten Jahren sehr zeitintensiv. Ob die Betreuung in einer schlecht ausgestatteten Kita mit schlecht qualifiziertem Personal dann das ist, was ich meinem Kind wünschen würde?

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