Forum: Leben und Lernen
Vier Kinder, keine Ausbildung, viele Ambitionen: "Mein Dilemma als Frau"
Yvonne Seidel

Theresa wollte nach dem Abitur Medizin studieren. Jetzt ist sie 29, ohne Ausbildung, mit vier Kindern und einem Mann, der Vollzeit arbeitet - und spürt die Probleme vieler Frauen in Deutschland.

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andreasclevert 28.08.2017, 10:34
1. Alles geht nicht...

... im Leben muss man sich entscheiden. In dieser kleinen Darstellung, die sicherlich für viele ein hilfreicher Wegweiser für eigene Entscheidungen sein könnten, sehe ich viele Abzweigungen, wo das Paar es mit seinen Kindern hätte anders machen können. Sie haben es nicht. Und dann sind sie nun in der Situation. Alles kann man nicht haben. Und vier Kinder groß zu ziehen, sage ich mit ganz unkonservativer Einstellung, ist natürlich auch eine tolle Leistung. Hoffen wir mal - so von Papa zu Papa - das der Vollzeitingenieur mit seiner (Berufs-)Wahl und der damit nicht kompatiblen beruflichen Weiterbildung seiner Frau auch glücklich ist. Freunde von mir, vor Jahren schon, haben ebenfalls in der Stuttgarter Gegend beide mit den Kindern dann Teilzeit gearbeitet, sie als Altenpflegerin und er: als Ingenieur... Ging auch. Wäre eher meins.

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hexenbesen.65 28.08.2017, 11:26
2.

Zitat von keine-#-ahnung
... ich breche mein Berufsausbildung ab, weil ich die Kinder des Lebensgefährten in fulltime betreuen möchte, dann bekomme ich noch zwei Kinder dazu, die ebenfalls nicht vor Vollendung des dritten Lebensjahres in die Kita können - weil sie dazu ja erst ihren Namen tanzen können müssen. Umziehen wegen einer Ausbildung möchte ich nicht - da bricht mir das soziale Netz weg. Wieso schickt mir der Staat nicht die Ausbildung in mein mit Naturhölzern ausgestattetes Heim oder ernennt mich zur Neurochirurgin honoris causa? Und warum erinnere ich mich ausgerechnet jetzt daran, dass meine Schwester zum Ende Ihres (allerdings um ein Jahr gestreckten) Medizinstudiums als Alleinerziehende von damals zwei Kindern ihre Approbationsurkunde in Empfang nahm? Da gabe es allerdings keinen Waldorf-Kindergarten, deutlich weniger Bio und Spielzeug aus Kunststoff - gerne second hand. Dafür das Leben in einem Studentenwohnheim auf der "Mutti-Etage" ... Irgendwas hat sich geändert im Charakter der Generationen - und ich fürchte fast, das nicht das Zuwenig an Sozialstaat die Ursache ist, sondern das Zuviel
Tja... Es würde klappen, wenn man wollte. Es sind schlichtweg Ausreden, warum es denn nicht klappt (wegfall des sozialen Umfelds....ander Städte haben auch Kinder in Kindergärten oder SChulen). sehr blauäugig diese Dame. Und ihr ist wohl auch nicht bekannt, dass auch auf dem Dorf Unglücke und Verbrechen geben kann...Also ich hab IMMER gewußt, wo meine Kinder waren...und hab sie nicht in der Weltgeschichte rumrennen lassen---auch nicht im Urlaub auf dem Dort oder Bauernhof. Und ein Leben ohne TV---die Kinder werden aufgezogen von den Klassenkammeraden.... (und können sich bei Diskussionen über eine neue Folge von XYZ gar nicht beteiligen, weil das Wissen dazu fehlt- und sind ausgegrenzt) Hm, ob das soooo toll ist, was Mutti sich da in den Kopf gesetzt hat, ein Leben anno 1950 wie in Büllerbü ? Und ich selber hab auch Krankenschwester gelernt....und bei mir in den Kursen waren auch Frauen, die Schwanger waren( bzw Babys hatten) das hat auch geklappt. Da beisst man eben drei jahre die Zähne zusammen. Oder man geht den einfachen Weg und jammert hinterher..Wenn sich was ändern soll, MUSS auch der Mann in die Pflicht genommen werden..schließlich hat die Frau sich auch zurückgenommen, als er studierte...nu ist er dran !

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freigeistiger 28.08.2017, 11:30
3. Selbständigkeit + Eigenverantwortung

Auch Männer leben in ihren "Rollen". Sie hätte es selber anders gestalten können. Schön ist immer, dass Frauen beschreiben wie Männer sind. "Außerdem würde das Chaos ausbrechen" (Man redet nicht über andere. nur über sich selber.. Würden Männer dass über Frauen sagen wäre es machomäßiger Sexismus. Mehr kompetente eigenverantwortliche Selbstständigkeit. Müssen Männer auch. Nicht immer nur auf Gender und angebliche Diskriminierung berufen. Liegt vielleicht nicht immer nur am Geschlecht. Obwohl die Erklärung schöner, und einfacher und akzeptierter, ist.

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g_bec 28.08.2017, 11:51
4. Jeder wie er mag.

Oha. Der Artikel legt nahe, dass die gute Frau voll in die Falle getappt ist: Der Mann suchte jemanden, der sich um die Kinder und den Haushalt kümmert und sie ist darauf reingefallen.
Und die Verzweiflung der Dame inklusive Tränen in der Nacht scheint eher daher zu kommen, dass ihr Leben sie zu einem Hausmütterchen gemacht hat und bei ihr langsam aber sicher die Erkenntnis reift, hochgradig abhängig zu sein (weder Ausbildung noch Qualifikation) und ihre eigenen Fähigkeiten und Talente verschenkt zu haben.
Alleine schon der Ansatz "Rabenmutter oder Hausfrau" ist doch hanebüchen. Zumal "Hausfrau" ja auch negativ besetzt ist. Und Rabenmütter eigentlich ziemlich fürsorglich;-)

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katja78 28.08.2017, 22:39
5. Zugegeben,

vier Kinder sind schon eine Hausnummer. Wobei die Großen ja schon aus dem Gröbsten raus sind.

Ich schließe mich den Vorschreibern an: Die Steine legt sich die junge Frau selbst in den Weg. Die bieden kleineren könnten sicher auch eine Kita besuchen. Dann könnte Mama ihre Ausbildung machen, sogar Vollzeit. Wenn man dann noch drei Jahre beim Aldi statt auf dem Ökohof kauft, reicht es auch finanziell. Dass das harte Jahre sind, ist klar, aber man bekommt eben nichts geschenkt und wer sich bewusst für vier Kinder entscheidet, weiß, dass das Kompromisse erfordert.

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anne1982 29.08.2017, 23:08
6. In welcher Realität lebt ihr?

Hallo zusammen,

mal kurz zurück ins wahre Leben: Ich arbeite 50% und habe zwei kleine Kinder. Das bedeutet: Ich stehe als erste auf, um halb sieben wecke ich die Kleinen, um halb acht müssen beide in der Kita sein - zwei verschiedenen wohlgemerkt und beide nicht in unserem Wohnort, denn die hat nur bis 13.30 Uhr geöffnet und ist ohnehin voll.

Alleinerziehend? Nein, bin ich nicht, hab nur einen Mann der auch sehr viel arbeiten muss. So viel, dass er nachts nicht aufsteht, wenn die Kleinen weinen...

Das ganze Paket gibts übrigens für nur ca. ein Drittel meines Einkommens, also was soll das? Doppelbelastung der Frau? Da hätte ich wohl einfach meine Weichen anders stellen müssen; ja vielleicht einfach keine Kinder kriegen, oder keinen Mann finden oder noch einfacher: Reiche Eltern aussuche. ;-)

GUTEN MORGEN! Die Zeiten wo man drei Jahre daheimbleiben kann und dafür noch Geld bekommt sind schon ein paar Jahre vorbei! (Jedenfalls im arbeitenden Teil der Bevölkerung)

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m_e_m 29.08.2017, 08:26
7. Erschreckend wieviel Häme hier bei den Kommentaren zu lesen ist...

...natürlich ist der Lebensweg selbst gewählt und selbstredend darf dennoch auch auf Probleme bei diesem Lebensbild hingewiesen werden.
Entscheidungen bei Lebensweichen werden oft erst Jahre später sichtbar - da kann auch nicht immer ein "Schuldiger" ausgemacht werden. Da muss nicht auch noch jeder Besserwisser die Keule auspacken und drüberbügeln. Wer weiß - vielleicht tauchen die Probleme der Kommentatoren erst in ein paar Jahren auf.
Gleichwohl ist es ok seine Sichtweise zu zeigen - aber bitte nicht vergessen - mit lauter zwei Kind Familien wird eine Gesellschaft nicht wachsen.
Die Entscheidung für 4 Kinder ohne Ausbildung finde ich persönlich nicht als meinen Weg - es muss aber nicht jeder meine Vorstellung teilen. Dass für alle Seiten eine Perspektive geschaffen wird - dafür lebe ich in demokratischen Verhältnissen und zahle gerne Steuern. Ich hoffe unserer Gesellschaft entwickelt sich nicht weiter in eine Ansammlung von egozentrischen alles nur für mich Personen, die ihren Lebensweg als, weil derzeit funktionierend, einzig richtigen erklären wollen.

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kbbaby 29.08.2017, 08:57
8. Was genau vom Staat würde denn hier helfen?

Mehr Kindergeld oder ein gerechtes "Familiensplitting" - ja bestimmt. Aber all das hilft doch nicht aus der Misere, dass Theresa ihre Ausbildung nicht beendet hat... Wenn sie der Meinung ist, dass eine "frühe" KITA-Betreuung nicht gut für die Kinder ist, dann muss sie sich dem auch fügen und dann muss ihr klar sein, dass sie eben zu Hause ist, bis das jüngste Kind "alt" genug ist für eine Betreuung. Außerdem verstehe ich die Beziehung nicht: Es muss doch möglich sein, dass der Vater Flexibilität an den Tag legt, auch wenn man mal dafür etwas kämpfen muss (schaffen andere auch), so dass er seiner Frau zu mehr Zufriedenheit verhelfen kann. Ich könnte so nicht leben, wenn ich wüsste, dass es meinem Partner mit der Situation so miserabel geht. Und ich bin froh, mit meinem Mann einen an der Seite zu haben, der sich um das Wohl der gesamten Familie, d.h. aller Mitglieder, kümmert.
Ich sehe hauptsächlich die Probleme als hausgemacht an und nicht als vom Staat oder von der Gesellschaft gemacht. Manchmal muss man sich auch befreien von Vorstellungen anderer (der eigenen Familie bspw.), um ein eigenes glückliches Leben zu führen.
Alles Gute für die Familie und ich hoffe inständig, dass Theresa für sich einen Weg aus dieser Situation findet. Zusammen mit ihrem Mann (!) und ihren Kindern. Für ihr eigenes Wohlergehen.

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EinVaterder 29.08.2017, 09:51
9. Wohin nach den Kindern?

Es ist aus meiner Sicht erschreckend, wie naiv noch manche unterwegs sind. Theresa sollte ja in der Lage sein, weiter in die Zukunft zu denken. Und da kommen ja erst die richtigen Probleme. Wenn sie sich jetzt schon manchmal vor Erschöpfung in den Schlaf weint, es wird nicht besser! Spätestens wenn es um eine Rente geht fällt das Kartenhaus zusammen, wenn man nicht schon vorher feststellt, dass man als Paar keine Gemeinsamkeiten mehr hat. Als Mann war mir wichtig, dass meine Frau auch arbeiten geht, einfach damit die Prespektiven erhalten bleibt. Dafür muss ich halt auch zurückstecken mit meinen Karriereambitionen. Und ich kann auch Nachts der Tochter ein Fläschchen geben bzw. mich im Bett dazulegen damit das Kind weiterschläft.
In Bullerbü war auch nicht alles toll.

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