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Widerstand im Bundesrat gegen Digitalpakt Schule: "Etliche Länder haben höchste Beden
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In einigen Kultusministerien regt sich Protest gegen die Änderung des Grundgesetzes, auf die sich die Parteien im Bundestag geeinigt haben. Sie drohen, den Digitalpakt Schule im Bundesrat scheitern zu lassen.

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grotefend 27.11.2018, 20:00
1. Was soll das?

Wieso ändert man die Regelung nicht einfach dahingehend, dass der Bund Gelder locker machen darf. Und Punkt! Wäre wohl zu einfach und einer deutsches Gesetzesänderung nicht würdig, oder!? Man kann nur staunen....

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oss1304 27.11.2018, 22:42
2. 5 Milliarden!?

5.000.000.000 Euro für W-Lan und Tablets??? Ich bekomme das kalte K***en... Ich arbeite als Beratungslehrer in etlichen Schulen, und das letzte was diese brauchen, sind mehr Tablets und W-Lan! Was an allen Ecken fehlt, sind qualifizierte Lehrer, auch wenn z.B. die hessische Landesregierung mit ihrer 105%igen Lehrerversorgungslüge darüber hinwegtäuschen will.
Die Kosten beispielsweise für Smart-Boards stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen und Lehr- und Lerngewinn, abgesehen davon, dass sie die meiste Zeit kaputt sind oder bestenfalls als großer Fernseher benutzt werden. Tablets und Apps können in max. 5% aller Unterrichtssituationen sinnvoll sein. Die zunehmende Digitalisierung hat meiner Wahrnehmung nach eher dazu geführt, dass Schüler immer unselbständiger bei der Aneignung von Wissen, Problemlösung und Texterschließung werden, alles was über "copy and paste" hinausgeht, ist oft eine Überforderung. Hinzu kommt der Mythos der neuen Generation als "digital native": Bestenfalls können Apps bedient werden - der Umgang mit richtigen Computern zur Textverarbeitung, kreativen Gestaltung von Medien, Programmentwicklung o.ä. ist den meisten Schülern schon viel zu kompliziert und anstrengend, bzw. es gibt gar keine Grundkenntnisse hierzu, hier waren Schüler vor 10- 15 Jahren deutlich fitter.
Ein guter Lehrer, der ein professionelles, vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Schülern aufbauen kann, braucht meiner Erfahrung in den meisten Situationen im allgemeinen Unterricht nicht mehr als eine klassische Tafel und ein Stück Kreide. Anstatt jede Klasse mit Technik vollzustopfen die nicht oder falsch genutzt wird, gilt es hier an ganz anderen Punkten anzusetzen....

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sikasuu 28.11.2018, 23:35
3. Digatalpackt=Anschubfinanzierung für IT-Firmen! Weil es weder...

... einigermaßen geeignete &getestete Einsatzfelder gibt, noch geklärt ist, wie & in welchem Rahmen IT sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden soll/kann.
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Schön, die Schulen bekommen Hardware, Wlan, schnelle Internetanschlüsse... und weiter?
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Wo sind wenigsten wissenschaftlich begleitete Versuche mit diese Techniken zu finden, die über "mal was mit IT einbringen" hinaus gehen.
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Eine ähnlich Nummer für ziemlich viel Geld wurde vor ca 10 Jahren in finnischen Oberstufen, mit wissenschaftlicher Begleitforschung, gestartet.
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In der Zwischenzeit ist die Euphorie ziemlich zusammen gesackt/ fast verflogen:
a.wg. Störanfälligkeit der Schüler-Hardware, die "Wartungsaufwand & -kosten" lagen weit ÜBER dem geschätzten Ansatz.
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b. wg. des nicht messbaren Erfolges. Lernverhalten &-effizienz haben sich nicht signifikant verändert.
c. wg. des Aufwands "Inhalte" usw. zu entwickeln, anzupassen, auf die Server zu bringen. Trotz landesweiter Zusammenarbeit usw.
d. wg Neukaufintervallen. OS-Updates für ältere Geräte wurden nicht mehr geliefert
usw.
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Das Projekt dort ist kurz vor dem "einstampft werden". Hat die Erwartungen nur zum Bruchteil erfüllt.
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Selbst die Schüler sind nicht mehr davon begeistert! "So alte & knapp ausgestattete Hardware?":-)
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Das Projekt hier in DE sieht mMn. nicht viel besser aus. IT in die Schule braucht ein Konzept das breit getestet &von außen evaluiert wird. Nur Texte, Aufgaben & Bücher als PDF zu haben, ... das kann man mit einem Kopierer aktueller, mit weniger Aufwand & billiger!

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Pabluc 28.11.2018, 00:26
4. Am eigentlichen Problem vorbei

Kretschmann spricht von einem "Frontalangriff auf den Bildungsföderalismus" als ob dieser eine Errungenschaft sei, die es zu verteidigen gilt. Ich halt den Föderalismus durchaus für sinnvoll, aber 16 unterschiedliche Systeme in einem Land sind der reinste Irrsinn; erst recht wenn man das "Glück" hat, während der Schulzeit von einem Bundesland in ein anderes umzuziehen. Der Bildungsförderalismus schadet Deutschland und sollte nicht verteidigt, sondern beseitigt werden.

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peter.hartung@hamburg.de 28.11.2018, 06:37
5. Elektroschrottbeschaffung

Gut, eine Bundesfinanzierung von "Whiteboards" in den Schulklassen oder für Administratoren und Administratorinnen für die Schul-IT finde ich in Ordnung. Vieles anderes halte ich aufgrund der kurzen Produktzyklen für die Anschaffung von Elektroschrott ("Wischtabs") aus dem Bundeshaushalt, was mit Digitalisierung nichts zu tun hat.

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Forti 28.11.2018, 07:04
6. Wo ist eigentlich das Problem?

Ich sehe um Bildungsförderalismus einen Klotz am Bein. Was bringt es, wenn z.B. das Abitur nicht einheitlich ist? Ein Angriff darauf ist folglich Begrüssenswert.
Lustig, das zuerst abgelehnt wird, sogar wenn es Geld gibt, das in dem Bereich immer fehlt. Fiele der Föderalismus in dem Bereich, wäre so mancher gut bezahlte Ministerialbeamte überflüssig. Geld, das sich gut in der Schulausstattung verwenden lässt.

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Mähtnix 28.11.2018, 07:05
7.

Die Länder haben so viel Geld wie noch nie und bekommen es (überwiegend) nicht gebacken. Kaum etwas verdeutlicht das Versagen einiger Länder so klar, wie der Zustand der Schulen und der Bildung in Deutschland. Wenn nun der Bund Geld investieren will, um den Mangel zu beseitigen, ist ist nur folgerichtig, darauf zu drängen, dass die Länder endlich auch ihren Verpflichtungen nachkommen. Sonst gäbe es nämlich durch die Bundesgelder keine zusätzlichen Investitionen, sondern die Landesinvestitionen würden nur ersetzt. Dann aber könnte man den Ländern direkt über den Finanzausgleich mehr Geld zuweisen (was die Länder gerne hätten). Aber die Erfahrung zeigt, dass mehr Geld bei den Ländern nur versickert. Dieser föderale Bildugnsquatsch ist zum Kotzen. Und die Länder schreien nur, weil sie um ihre Pfründe fürchten.

Wenn es nicht um die Zukunft des gesamten Landes und die unserer Kinder ginge, sollte man sich zurücklehnen und einigen Ländern beim Scheitern zusehen.

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Leser161 28.11.2018, 08:01
8. Money for nothing

Bevor man Milliarden rausschiesst und andere zwingt Millarden rauszuschiessen, sollte man überlegen was das bringt. Bisher höre ich immer noch nur digital=modern=gut. Selbst wenn das ein gutes Argument wäre und keine einfache Wahrheit. Ist nicht eine ähnliche einfache Wahrheit Schreiben-nach-Gehör=modern=gut grad gescheitert und man hat festgestellt das das jahrzehntealte Fibellernen am Besten geht.

Ich war ja auch mal in der Schule. Auch damals gab es modern. Es gab Sprachlabore, es gab Taschenrechner mit Bildausgabe, es gab Computerräume. Ich habe alles genossen, es war alles ganz nett.

Aber wissen sie was was gebracht hätte? Geld für Kopierer statt die unsäglichen Matrizen (falls noch wer weis was das ist), gerne Computer für die Lehrer das man nicht immer deren Handschrift hätte entziffern müssen.
Sie sehen ich bin nicht per se gegen modern, ich bin gegen sinnloses rausballern von Geld, weil viele Leute viel Geld mit der IT-Austattung der Schulen machen will.
Das ist unser Geld. Das sind unsere Kinder.

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renker2001 28.11.2018, 08:07
9.

Zitat von oss1304
Ein guter Lehrer, der ein professionelles, vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Schülern aufbauen kann, braucht meiner Erfahrung in den meisten Situationen im allgemeinen Unterricht nicht mehr als eine klassische Tafel und ein Stück Kreide. Anstatt jede Klasse mit Technik vollzustopfen die nicht oder falsch genutzt wird, gilt es hier an ganz anderen Punkten anzusetzen....
Das ist unser Problem
Vollkommene digitale Neandertaler, die die Meinung vertreten, das wichtigste wäre Tafel Kreide und der Lehrer, dann XY, dann Z, und erst dann die Digitalisierung

Es scheint bei disem Thema so unendlich viel Nachschulungsbedarf für all diejenigen zu geben, die eine Meinung zu dem Thema abgeben dürfen/wollen/müssen
Fakt ist: Wir brauchen Schulabgänger, für die "Digital" etwas so selbstverständliches ist wie Wasser
Nur dann haben wir auch nur im Ansatz eine Chance, den Vorsprung von nahezu allen Industrieländern in dem Bereich aufzuholen

Digital ist kein "Nice to have", und ist kein Beiwerk oder kein Werkzeug.
Das war es vor 20 Jahren
Und auf dem Stand sind die meisten Älteren einfach stehengeblieben
"Digital" ist der Boden, auf dem der Alltag bestritten werden muss
Und dazu reicht ein Blick in Systeme anderer Länder

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