Forum: Leben und Lernen
Widerwillen gegen Technik: Wir Offline-Profs
Corbis

E-Learning soll die Unis revolutionieren, doch der Umsturz lässt auf sich warten. Neben einigen Professoren voller Enthusiasmus wehren sich noch immer viele gegen das Online-Lernen. Begründung: Die vergangenen 2000 Jahre waren doch ganz gut.

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sonstwer 03.04.2014, 09:40
1.

Neue Ideen setzen sich nicht dadurch durch, daß ihre Gegner überzeugt würden, sondern dadurch, daß diese aussterben.
- Max Planck

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Großbär 03.04.2014, 09:53
2. Wir sind als Lehrende in der Wissenschaft das, ...

... was in der Industrie der Vertrieb ist. Daß E-Learning ein vollwertiger Ersatz für die persönliche Vorlesung ist, glaube ich erst, wenn die Unternehmen ihren Vertrieb abschaffen und von den Kunden verlangen, die gewünschten Produkte im Internet anzuklicken.
Bei banalen Alltagsartikeln geht das ja. Aber bei komplizierten Maschinen und Anlagen? Der Kontakt von Mensch zu Mensch wird auch in Zukunft entscheidend sein.
Lediglich unsere Politiker sind in E-Learning vernarrt. Da läßt sich ja wieder mal was einsparen.

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explorer88 03.04.2014, 09:56
3. Schulbücher?

Wozu? Auch für Schüler reicht EIN Tablet! Damit kommen sie durch von der 1. bis zur 9. Klasse! Keine verkrümmten Rücken wegen schwerer Schulranzen, keine teuren Bücher, aktueller Stoff.

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ichbinsdiesusi 03.04.2014, 10:03
4.

...und am Ende des Tages sieht es meist so aus: "Herr/Frau XY, können Sie die Texte, die wir lesen sollen, nicht online stellen? Jetzt muss ich extra dafür in die Bibliothek." Tausend Mal gehört....Ein Armutszeugnis....

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simpliciussimplex 03.04.2014, 10:29
5. e-Learning ist...

oder kann sooooo viel mehr sein als Texte online stellen oder Vorlesungen abfilmen. Manche Leute bezeichnen das als e-Information und nicht e-Learning.
Mal über (didaktisch sinnvolle) Gruppenarbeiten in (Schul-/Uni-) Wikis informieren, oder die extrem umfangreichen und didaktisch sehr, sehr wertvollen Möglichkeiten von e-Portfolios wenigstens in Betracht ziehen (Lernen durch Lehren (peer-to-peer), Verschriftlichung als zentrales Thema des Lernens, Gruppenarbeiten dokumentieren, Per-to-Peer Bewertungen, Präsentationsportfolio, (Fremd und Eigen-) Dokumentation des Lernforschritts, fairere und richtigere Bewertung (Benotung) da weniger "tagesformabhängig" (zumindest als Möglichkeit), Sammelmappe aller (!) Lernmedien (z.B. auch selbst erstellter) der Studierenden, ausserdem auch viele Vereinfachungen für die Lehrenden…).
Betrachten Sie mal die Lernmöglichkeiten und Veranschaulichungen von interaktiven mathematischen Modellen, bei denen Studierende eine Vielzahl von Parameter eines Models in Echtzeit verändern können und dabei sehen, welche Auswirkungen dies auf die anderen Parameter und Funktionen hat…
Es gibt so viele Möglichkeiten!!! Einfach nur Texte und Videos von Lehrveranstaltungen zur Verfügung zu stellen ist nur der erste Schritt!!!

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simpliciussimplex 03.04.2014, 10:30
6. e-Learning ist...

oder kann sooooo viel mehr sein als Texte online stellen oder Vorlesungen abfilmen. Manche Leute bezeichnen das als e-Information und nicht e-Learning.
Mal über (didaktisch sinnvolle) Gruppenarbeiten in (Schul-/Uni-) Wikis informieren, oder die extrem umfangreichen und didaktisch sehr, sehr wertvollen Möglichkeiten von e-Portfolios wenigstens in Betracht ziehen (Lernen durch Lehren (peer-to-peer), Verschriftlichung als zentrales Thema des Lernens, Gruppenarbeiten dokumentieren, Per-to-Peer Bewertungen, Präsentationsportfolio, (Fremd und Eigen-) Dokumentation des Lernforschritts, fairere und richtigere Bewertung (Benotung) da weniger "tagesformabhängig" (zumindest als Möglichkeit), Sammelmappe aller (!) Lernmedien (z.B. auch selbst erstellter) der Studierenden, ausserdem auch viele Vereinfachungen für die Lehrenden…).
Betrachten Sie mal die Lernmöglichkeiten und Veranschaulichungen von interaktiven mathematischen Modellen, bei denen Studierende eine Vielzahl von Parameter eines Models in Echtzeit verändern können und dabei sehen, welche Auswirkungen dies auf die anderen Parameter und Funktionen hat…
Es gibt so viele Möglichkeiten!!! Einfach nur Texte und Videos von Lehrveranstaltungen zur Verfügung zu stellen ist nur der erste Schritt!!!

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felixausdemfass 03.04.2014, 10:36
7. Vornberger FTW

Ich selbst studiere in Hannover Wirtschaftsinformatik. Auf Vornberger bin ich eher durch meine Freundin, Neugierde und die Situation das mein JAVA-Kurs grottig war gekommen. Durch Vornbergers Vorlesung konnte ich da viel nachholen und auch in anderen Zweigen der Informatik mich gütig tun. Grafikprogrammierung steht jetzt nämlich nicht gerade an der Tagesordnung im Wirtschaftsinfostudium.
Meiner Meinung nach sind Onlinevorlesungen mindestens genauso gut, wenn nicht besser, wie klassische. Die Möglichkeiten vor- und zurück zu Spulen, zu pausieren und über das gehörte mit Kommilitonen zu diskutieren, ein Kaffee zu trinken oder einfach morgen weiter zu machen sind super und ermöglichen ein sehr viel flexibleres Arbeiten, gerade für Menschen die nebenbei Arbeiten.
Warum Dozenten sich deshalb echauffieren weiß ich nicht. Ihre Arbeitsweise bleibt dieselbe, nur vor mehr Publikum, welches sie jedoch nicht mal sehen müssen. Sie helfen ihren Studenten und Hausaufgaben können auch wie üblich abgegeben werden. Die Kosten für zwei Kameras und ein Mikro übernimmt bestimmt die Uni und die Nachbearbeitung nimmt keine Stunde in Anspruch. Unverständlich wieso Dozenten sich gegen so etwas wehren.
Kleiner Tipp Vornbergers Vorlesung auf 1,5-2facher Geschwindigkeit abspielen. Spart Zeit und erhöht das Verständnis. ;)

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nofclbri 03.04.2014, 10:46
8. nur online geht nicht

als student und tutur/korrektor im fachbereich mathematik (bachelor) kann ich genau sagen, dass die, die in die vorlesungen gehen, aktiver mitmachen. mathe lernt sich nicht vom durchlesen, sondern vom üben, und es gibt wöchentlich derart viele neue fragen, dass man sie nur in einer gruppe bewältigen kann. wieder einmal unterscheidet spon nicht zwischen naturwissenschaften(/mathematik) und fächern wie bwl.
zum thema neue medien in mathematik: lehrer und professoren, die regelmäßig in mathe mit tageslichtprojektor oder powerpoint arbeiten, kann ich beim besten willen nicht ernst nehmen. eine gut strukturierte tafelanschrift hat genau das tempo und di übersicht, die eine vorlesung/stunde braucht, dass der student/schüler mitschreiben und -denken kann. ein skript ersetzt oft nur ersteres.
ps: bildunterschrift: "der eine prof bietet (zukunft?) im sommer einen bwlkurs an... es haben sich sechs wochen vorher x studenten angemeldet ..." von wann sind die infos? oder von wann ist der artikel ursprünglich?

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Newspeak 03.04.2014, 10:52
9. ...

Warum nehmen Abertausende bis Millionen Geschäftsreisende die Umstände auf sich, um zu ihren Kunden zu reisen? Warum fahren Wissenschaftler persönlich auf Konferenzen? Die Vorträge dort sind zu 100% elektronisch verfügbar oder könnten ebensogut per Videoaufzeichnung verbreitet werden. Darum geht es aber gar nicht. Es geht um den persönlichen Kontakt. Der Mensch als soziales Wesen. Man lernt z.B. den Prof. mit seinen Schwächen kennen. Man hat ihn schon mal gesehen, bevor man in die Prüfung geht. Und wichtiger, er kennt einen umgekehrt vielleicht auch schon und findet einen vielleicht sympathisch. Das ist ein Bonus, den kann man sich durch noch so viel Lernen nicht von fern erarbeiten.

Das soll nicht heißen, daß man nicht auch online Wissen vermitteln kann. Das hat auch Vorteile, der Prof. erreicht viel mehr Studenten als in einer normalen Vorlesung, die Studenten sind frei darin, wann und wie oft und wie sie sich eine Vorlesung anschauen. Alles ok. Aber man sollte die anderen Aspekte nicht unterschätzen.

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