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Cover der eigenen Songs: Rockband Def Leppard trickst Plattenfirma aus
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Die britische Rockband Def Leppard verkauft im Internet Cover-Versionen ihrer eigenen Songs. Mit diesem Trick wollen die Musiker am unvorteilhaften Plattenfirmen-Vertrag vorbei und wieder Herr der eigenen Karriere werden. Der Plan scheint aufzugehen.

lordas 09.07.2012, 15:48
1. Ironie?

Zitat von sysop
Die britische Rockband Def Leppard verkauft im Internet Cover-Versionen ihrer eigenen Songs. Mit diesem Trick wollen die Musiker am unvorteilhaften Plattenfirmen-Vertrag vorbei und wieder Herr der eigenen Karriere werden. Der Plan scheint aufzugehen.
Und genau deswegen müssen wir die Rechte von Verlegern, Musiklabel, usw. stärken!
Es kann jawohl nicht angehen, dass sich die Kreativen an der Leistung der Verwerter vorbei bereichern. Die haben schließlich auch immense Kosten.
Erst laden sich pickelige Teenager Filme und Musik umsonst im Internetz runter, anstatt ihr millionenschweres Taschengeld dafür auszugeben und nun das. Jetzt greifen schon die Künstler den armen Verwertern in die Taschen. Natürlich ohne an die armen Sekretärinnen zu denken, denen jetzt das Gehalt gekürzt wird.

Wir brauchen dringend Vorratsdatenspeicherung, denn nur so können wir den Standort Deutschland sichern. Schlimmer als jede Weltwirtschaftskrise ist das.

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bluemetal 09.07.2012, 15:52
2. so gehts...

Ach Def Leppard. Anfang der 80er habei ich euch geliebt. Da habt ihr ehrliche beinharte und gute Musik gemacht und seit dann aber innerhalb kürzester Zeit, warum eigentlich ?, in übelsten Mainstream-Pop-Rock/ geschliddert bis euch verständlicherweise kein Mensch mehr hören wollte und sogar eine Tussi wie Brian Adams wie der Metal God persönlich gegenüber euch wirkte.

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plattenboss 09.07.2012, 16:35
3. Re-Recordings

Der Grund für die Situation ist relativ simpel. Es gibt nach wie vor keine höchstrichterliche Entscheidung ob solche alten Verträge auch den mp3 Verkauf beinhalten. Deswegen eiern die Beteiligten rum.

Zwar darf auf der Basis alter Vinyl-Verträge eine CD hergestellt und verkauft werden, aber ob mp3, streaming, cloud und ähnliche Nutzungsarten erlaubt sind, ist strittig.

Die Fans und Kritiker sind sich bei solchen Re-Recordings übrigens einig: Bitte lieber das Original!

Wer will schon "Smoke on the water" als Neuaufnahme hören?

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ollowain13 09.07.2012, 17:59
4.

Zitat von plattenboss
... Die Fans und Kritiker sind sich bei solchen Re-Recordings übrigens einig: Bitte lieber das Original! ...
Allerdings! Ein ganz böser Ausrutscher in diese Richtung ist das aktuelle Album von Foreigner. Wer die Originale kennt, den schüttelt es bei dem müden Abklatsch, den die jetzige Generation da veranstaltet. Seht es halt ein: Foreigner ohne Lou Gramm geht einfach nicht. Die Band, die jetzt unter dem gleichen Namen firmiert, wirkt eher wie ihre eigene Coverband - und wie eine schlechte noch dazu. Die neuen Songs könnten von jeder x-beliebigen Band stammen, keinerlei Wiedererkennungswert als "Foreigner", und die alten sind derart verhunzt, nein danke!

Auch Journey konnte den winkenden Dollars nicht widerstehen und hat einige ihrer großen Hits nochmal neu aufgenommen. Kein einziger Song kommt an die Originale heran. Das einzige, was Journey besser gemacht hat, ist die Tatsache, dass die ihren Markenkern, nämlich Neal Schons Gitarrenspiel immer noch mit an Bord haben und für den prägenden Sänger Steve Perry zumindest einen brauchbaren Ersatz gefunden haben, auch wenn man bei den alten Songs einfach merkt, dass Perry nicht nur die bessere Stimme hatte sondern auch technisch der bessere Sänger war.

Die beste Journey-CD ist m.E. immer noch die Best of "In the beginning". Die Klasse an Song-Writing aus ihren Anfangsjahren haben sie später nie mehr erreicht, auch wenn der Erfolg sich erst später eingestellt hat. Songs wie "It´s all too much", "Anyway", "Topaz" oder "You´re on your own" sind einfach zeitlose Klassiker. Mit denen geht es mir wie mit schönen italienischen Coupes: Für den Alltag sind sie viel zu schade und auch nur bedingt zu gebrauchen, aber man freut sich immer, wenn man mal eines sieht...

Ich hoffe nur, dass wenigstens diese Frühwerke vor der Wiederverwurstungsmaschinerie sicher sind. Die kennt ja eh kein Mensch mehr heute und Cover funktionieren ja nur, wenn die Leute das Original im Ohr haben. Warum man sich dann trotzdem mit der Kopie zufrieden geben soll, erschließt sich mir allerdings nicht...

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plattenboss 09.07.2012, 18:27
5. Kaufmännisch betrachtet

Ich frage mich ob Def Leppard nicht von einer Abhängigkeit in die Nächste geraten ist. Auch Neuaufnahmen kosten Geld 10 bis 20 Tsd Dollar für einen Song sind da schnell mal investiert, da es sich ja noch um "handgemachte" Musik handelt. Das Fatale: selbst wenn man noch soviel Sorgfalt aufwendet: Der Fan hört sofort den Unterschied. Und er will das Original, weil er bestimmte Erlebnisse damit verknüpft. Wenn man davon ausgeht das die 21.000 Singleverkäufe etwa 20.000 Dollar Umsatz generiert haben, wovon etwa die Hälfte bei der Band landet (den Rest kassieren Aggregator, Retailer und Publishing), dann hat die 10.000 Dollar vor Steuer eingenommen. Ergo wird es noch einige Zeit dauern bis zum breakeven. Universal und anderen Majrs muss man den Vorwurf machen, dass sie i.d.R. die gleichen Beteiligungen anbieten wie beim Vinyl und CD Verkauf, obwohl ihre Kosten erheblich geringer sind. Juristisch gesehen kann es aber auch nicht sein, dass die Plattenfirma, welche die damaligen Produktionskosten getragen hat von der künftig maßgeblichen Verwertungsform ausgeschlossen wird. Hier sollte die WIPO mal grundsätzliches zu sagen. Und wenn dann beide Def Leppard Version im Netz angeboten werden, Original und Re-recording,- welche wird dann wohl mehr verkaufen?

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kommgeh 09.07.2012, 22:03
6. och nö,

nicht schon wieder die Universal. Die leisten sich Dinger, die gehen auf keine Kuhhaut. Hab letztens mit einem weltweit bekannten Künstler gesprochen, er hat den Vertrag mit denen platzen lassen weil die am gesamten Merchandising beteiligt werden wollten, und es gibt Labels die wollen am Umsatz einer Tour beteiligt werden, sagt mal geht´s euch noch gut ? Plattenfirmen haben jahrelang geschlafen und leben teilweise nur noch weil sie die alten Kataloge noch verwerten können. Aber auch das ist irgendwann vorbei und dann darf man gespannt sein wer übrig bleibt von den Schlafmützen. Übrigens, die Rechnung von Plattenboss hier im Forum ( wo kommen den diese Zahlen her ? ) stimmt so wahrscheinlich nicht, die Jungs haben sicherlich heute ihre eigenen Studios, und wenn nicht reicht ein Laptop und ne gute Location gute Micros, Wandler und einen guten Recording Engineer fertig. Die Foo Fighters haben ihre letzten Recordings in der eigenen Garage gemacht, klingt phantastisch. Und wieso sollten Plattenfirmen von zukünftigen Verwertungsformen nicht ausgeschlossen sein ? Die berechnen Investitionen und Einkünfte doch nicht auf 30 Jahre sondern je nach Künstler vielmehr auf 1-5 Jahre. Platenfirmen haben schon immer versucht ihr Risiko zu minimieren indem sie sich weltweite Zweit.- Dritt-Verwertungsrechte, auch zeitlich unbegrenzt, vertraglich haben zusichern lassen.Kann man in Verträgen aber auch einfach durchstreichen bzw. verhandeln.
An alle jungen Künstler.: Verträge sind nicht zum Unterschreiben da und sind kein Gesetz, alles, aber auch alles in Verträgen ist verhandelbar, wenn jemand wirklich an der Verwetung einer bestimmten Gruppe oder eines Künstlers interessiert ist wird er auch Zugeständnisse machen. Ohnehin sind die den Künstlern heute vorgelegten Verträge Standardwerke die x mal die Rechtsabteilung durchlaufen haben und in denen oft unsäglicher Blödsinn steht, einfach durchstreichen und Verhandeln !!

Leider fehlt eine weltweit agierende Vertretung von Künstlern um z.B. auch Firmen wie Apple in die Schranken zu weisen, denn auch die leben von der Verwertung von Musik, machen das schön Online und Vertragsbedingungen werden entweder vom Künstler akzepiert oder man kommt nicht rein. Willkommen in der schönen, neuen digitalen Welt in der Verwerter durchsetzen können was auch immer sie wollen und Parteien die Abschaffung des Urheberrechts fordern. Ich warte derweil dann mal ob ich demnächst dann auch die Brötchen beim Bäcker und das neue Auto umsonst bekomme ... und hör mir dabei Bands an die sich selbst Covern um so aus Knebelverträgen rauszukommen.

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