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Datenschutz: Wer macht mir die geileren Vorschriften?
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Neue EU-Datenschutzregeln treten bald in Kraft. Deshalb sortiert Kolumnist Sascha Lobo seine Haltung zu dem Thema neu. Er fühlt sich bevormundet - von Konzernen und von Datenschützern.

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newline 09.05.2018, 17:27
1. Ein Forum,

in dem ich mich hin und wieder herumtreibe, hat heute angekündigt, den Betrieb einzustellen.
Man befürchtet eine Welle von Abmahnungen, das Forum wird privat betrieben und finanziert und weicht als Gruppe nach Facebook aus. Schade.

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lomax3030 09.05.2018, 17:43
2.

Die Idee an sich ist gut, die hinter der DSGVO steht, aber die Umsetzung ein Horror! Nicht nur werden viele (Halb-) private Seiten schließen, auch kleinen Gewerben wird es schwer gemacht eine Webseite oder gar einen Webshop zu führen. Das Resultat: Wer verkauft, der macht das zukünftig nur noch über Amazon oder schaltet seinen Shop ersatzlos ab. 4% von Jahresumsatz ist die Strafe und das ist für einige kleine Betriebe lebensbedrohlich und damit ein zu hohes Risiko.

Ich komme aus der Branche und wir bekommen derzeit viele Kündigungen von Webseiteninhabern. Meist Handwerker und "Alleinunterhalter", also Selbstständige die allein arbeiten. Damit entsteht ein enormer wirtschaftlicher Schaden, den keiner bedacht hat. Andere Länder haben die Strafen abgemildert oder die Umsetzung erleichtert. Hier passiert nichts der gleichen. Und wenn die Abmahnanwälte los legen (von Bots unterstützt) Abmahnungen zu versenden wird der Aufschrei groß werden und noch mehr Kündigungen bei uns landen.

Das ist kein Datenschutz, das ist ein Angriff auf das freie Internet! Die Großen werden an Macht gewinnen, die kleinen den Schaden haben. Auch kleine Agenturen werden schließen und nur die großen mit internem Anwalt überleben. Herzlichen Glückwunsch. Es lebe die Vielfalt.

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jejay 09.05.2018, 17:52
3. Ja und nun?

Ich bin nicht häufig Fan von Ihren Artikeln, dieses mal war es mehr mein Geschmack. Aber ich habe nicht wirklich verstanden, was sie vorschlagen. Was ist denn der dritte Weg? GIbt es einen?

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BUKL 09.05.2018, 17:54
4. Gewinner

Gewinner der DSHVO sind in erster Linie Anwälte und Abmahnvereine. Was in bezug auf Abmahnung so los ist kann man leicht recherchieren. Da werden Einzelpersonen, die handgemachtes über ein Portal anbieten abgemahnt, nur weil die die Bergriffe "versicherter Versand" in den AGB haben. Und das ist nur ein beispiel von vielen. Das Ausland sieht die Verordnung entspannter, nur in Deutschland wird es im Hühnerstall wieder hektisch. Vor lauter Verordnungen könnte ich mich ganz locker 8 Stunden am Tag selbst verwalten. Für Vertrieb bleibt kaum Zeit.

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lalito 09.05.2018, 18:08
5. Super

Aufwand und Verhältnis, kurz gesagt - die Kleinen fängt man und die Großen lernen damit Laufen, auf und davon.

Einfach mal die 200 und paar Gequetschte runterladen, ausdrucken und dann ist eigentlich alles klar wie es läuft. Btw., was machen eigentlich die dollen Ich-AGs, der Ausdruck des facettenreichen Unternehmertums, die Zukunfts-Chance überhaupt, eigentlich noch so . . .?

Zu.

Ende im Gelände, nur die Großen, verkneife mir das "Systemrelevante", sitzen zukünftig noch am Drücker.

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GoaSkin 09.05.2018, 18:11
6. vor allem der Konten-Synchronisationszwang sollte verboten werden

Wer WhatsApp nutzt, willigt ein, dass Facebook das gesamte Adressbuch des Telefons erhält. Aber auch die Anmeldung bei Google auf dem Smartphone sorgt dafür, dass unmittelbar danach Adressbuch und Kalender mit Google synchronisiert wird. Lässt sich dann zwar abschalten, aber zu spät ist zu spät. Desweiteren gibt es haufenweise Apps, die private Daten von den Benutzern wollen - selbst solche, für die das absolut keine Relevanz hat (z.B. die App eines bekannten Wetter-Anbieters). Es sollte den App-Anbietern einfach untersagt werden, die Leute zur Datenübermittlung zu zwingen oder dazu zu überlisten. In diesem Zuge sollte es auch Betreibern von Webseiten nicht mehr gestattet sein, Smartphone-Nutzern mit der Begründung zu verweigern, dass es auch eine App gibt.

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TomRohwer 09.05.2018, 18:12
7.

Zitat von
Die heutige Konsequenz davon ist die Abfrage auf vielen Websites, ob man mit der Cookie-Speicherung einverstanden sei. Darauf folgen meist zwei oder drei von vier verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten: Ja. Nein. Pop-up schließen. Nähere Informationen. Im Alltag wirken die ersten drei Möglichkeiten auf Nutzer exakt gleich: Man klickt drauf, das Pop-up verschwindet, sonst gibt es keine Konsequenzen. Die konträren Wahlmöglichkeiten Ja und Nein erscheinen in ihrer Wirkung identisch, wie bei einem kaputten Lichtschalter. Denkt man tiefer darüber nach, besteht die Gefahr eines Nervenzusammenbruchs.
Dank eines Add-On "Cookie Whitelist" lasse ich Cookies gezielt zu, alle anderen werden geblockt, die Cookie-Abfrage ist zufrieden, und bei mir werden nur die Cookies geschrieben, die ich wirklich akzeptieren mag - also so gut wie gar keine. (Maximal zwecks Log-ins, und da auch nur bis zum Ende der Browser-Sitzung.)

Das erspart mir unter anderem, mit einer unglaublichen Menge an Werbemüll-Pop-Ups bombardiert zu werden, denn offensichtlich ist die Intelligenz der heutigen "Web 4.0"-Strategen so künstlich, daß sie meinen, einen User, der gerade online ein Bügeleisen gekauft hat, die folgenden zwei Jahre lang täglich mit Werbung für Bügeleisen beschießen zu müssen...

Man kann sich als User der ganzen Übergriffigkeit der Internet-Branche sehr gut entziehen, es ist auch gar nicht besonders mühsam. Man muss es nur wollen...

Die "Cookie-Hinweise" nerven da nur, denn die muss ich ständig neu wieder wegklicken.

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marthaimschnee 09.05.2018, 18:19
8. Wait! What???

Ganz ehrlich, bei den Cookies hab ich aufgehört zu lesen. Ich hab noch niemals gesehen, daß eine Seite mich fragt, ob sie Cookies speichern darf. Alle, aber wirklich ausnahmslos alle informieren mich lediglich darüber, daß die Seite Cookies nutzt. Und ich kann darauf lediglich mit "Ok" bestätigen, oder auch nicht, spielt keine Rolle, sie hat ihrer Informationspflicht - und das ist der entscheidende Unterschied zu einer Abfrage - genüge getan, Ende. Daß mein Cookie Manager sowieso 99% aller Webseiten erklärt, daß sie mich mal kreuzweise kann und keinesfalls auch nur einen Krümel ablegen darf, interessiert die Seite dabei nichtmal ansatzweise, denn würde sie das, dann - und nur dann - könnte sie ja nach einer Erlaubnis fragen.

So, und wie soll ich nun eine Einschätzung zum Datenschutz ernst nehmen, wenn der Autor - eigentlich Experte auf dem Gebiet - das bereits dermaßen falsch darstellt?

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lalito 09.05.2018, 18:38
9. Genau

Zitat von newline
in dem ich mich hin und wieder herumtreibe, hat heute angekündigt, den Betrieb einzustellen. Man befürchtet eine Welle von Abmahnungen, das Forum wird privat betrieben und finanziert und weicht als Gruppe nach Facebook aus. Schade.
Nur noch unter der Ägide großer Digitalkonzerne lässt sich, natürlich nach deren Gusto, zukünftig als Lütter noch handeln, kritisieren oder überhaupt posten . . .

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