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Der Holocaust in Games: Ein ganz gewöhnlicher Krieg?
Activision

Müssen Spiele den Holocaust thematisieren? Lässt er sich in Games überhaupt verantwortungsvoll darstellen? Auf diese Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Man muss sie aber stellen - gerade heute.

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jsavdf 08.07.2018, 07:54
1. Wichtiger Artikel, falscher Adressat

Ich kann den Autor beruhigen, das Bild einer sauberen Wehrmacht habe ich nicht und hätte ich auch nie gehabt, liegt aber auch an meiner Einstellung zum Krieg. Ich glaube nicht dass man Krieg „spielen“ kann auch wenn es der Volkstümliche Name dieses Genres nahe legt, sondern nur erleben kann, und ich möchte es nie erleben, weil eben der Krieg grausam ist.
Gut das Hakenkreuze entfernt werden liegt an der Gesetzeslage in Deutschland. Etwas anderes müsste dem Autor aber auch aufgefallen sein, es sind keine deutschen Spielestudios, die diese Spiele entwicklen. Es ist nicht die deutsche Erinnerungskultur die da eine Rolle spielt. Als ich mich in den USA mit Veteranen unterhalten habe, ging es meist um die gefallenen Kameraden, weil nicht jeder Soldat ein KZ befreit hat aber fast alle einen Kameraden verloren hat.
Die letzte Folge Band of Brothers hat sich des Themas gut angenommen, wenn es das ist was der Autor haben möchte.
Eine Bemerkung noch zum Schluss: kann man die Sache mit dem B-I-nnen i entweder durchziehen oder weglassen, der Text wirkt ansonsten unruhig und kann man das i nicht klein schreiben, sonst wirkt das Wort an sich unruhig.

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Putenbuch 08.07.2018, 07:55
2. Geiseln unserer Geschichte?

Wir sollten nicht Gott und die Welt zu Geiseln unserer Geschichte machen. Wir, die Deutschen, haben uns damit auseinanderzusetzen. Andere waren halt nicht so blöd. Hören wir doch bitte damit auf, anderen Nationen ihre Sichtweisen vorzuschreiben.

Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass der Holocaust in einem Computerspiel nichts zu suchen hat. Nicht, um ihn zu verleugnen, sondern weil man i.d.R. spielt, um Spaß zu haben, sich zu entspannen. Spaß und die Bestialität des Holocaust passen beim besten Willen meiner Meinung nach nicht zusammen.

Es gibt genügend andere Möglichkeiten, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen, wenn man das denn will. Lassen Sie doch das Spiel Spiel sein, bitte.

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karlchen669 08.07.2018, 08:22
3. SpielerInnen und EntwicklerInnen?

Spannender Ansatz, der die Problematik der deutschen Gesetzgebung und das oft unreflektierte Vorgehen der Entwickler beleuchtet, Danke dafür! Leider empfinde ich den Artikel in Teilen nur schwer lesbar, wenn unablässig über SpielerInnen und EntwicklerInnen gesprochen wird (und das nicht mal konsequent). Bitte denken Sie daran: Sie sprechen doch gerade vom grammatischen Geschlecht und da ist die männliche Form in diesen Beispielen die richtige. Keine Frau, die zockt oder gar Spiele entwickelt, wird sich davon ausgegrenzt fühlen. Danke!

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und der Wolf 08.07.2018, 08:39
4. müssen solche Spiele überhaupt sein

denn nicht nur der Mythos der sauberen Wehrmacht war ein Mythos, der Mythos von Krieg als etwas Heroisches ist nur ein Mythos.

Hier werden Kriegsverbrechen zum Sport erklärt und daraus ein Geschäftsmodell gemacht - widerlich.

Schade nur, dass der richtige Einwurf des Autors in Gendersprache erfolgte und dadurch gleich eine ideologische Färbung bekommt, die der Kritik selbst den Boden entzieht.

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Atheist_Crusader 08.07.2018, 09:02
5.

Ich sehe da noch eine andere Gefahr, nämlich die Darstellung des Zweiten Weltkrieges als einen Krieg zwischen Gut und Böse. Die Nazis sind als Antagonisten derart etabliert, dass der Kampf gegen sie so ziemlich alles rechtfertigt. Denn jeder der gegen ultimative Böse kämpft, kann ja nur einer von den Guten sein - und darf demzufolge auch alles. Und das halte ich für eine hochgradig gefährliche Einstellung.

In der Realität waren die Nazis eben doch nicht so ein "besonderes Böses". Sie haben nur viele Dinge die zu Zeiten des Imperialismus unter Europäern ganz normal waren - Herrenmenschenattitüde, Verachtung für als nieder empfundene Rassen, Herrschsucht, Landraub, Massenmord - auf neue Höhen (oder eher in neue Abgründe) getrieben. Und natürlich: sie haben es "richtigen" Menschen angetan, also weißen Europäern.
Im Belgisch-Kongo wurden mehr Menschen getötet als Juden während des Holocausts - diesen Fakt findet man aber recht selten erwähnt. Oder was war mit dem Zweiten Burenkrieg? Die Briten wollten burisches Land für sich stehlen - als diese Widerstand leisteten hat man deren Familien in die ersten Konzentrationslager gesteckt in denen mehr als 25.000 Menschen umkamen. Auch sonst hat das Empire recht effektiv gemordet - nur nicht mit Kugeln und Gas, sondern mit Hunger und Krankheiten, weil das so viel sauberer aussieht. Und dann hätten wir noch den philippinisch-amerikanischen Krieg in dem letztere Befehle gegeben und befolgt haben wie "Kill everyone over ten.". Nicht zu vergessen die Internierung von 120.000 Japanern während des Zweiten Weltkrieges für das Verbrechen die falsche Abstammung zu haben. Von den Russen/Sowjets fange ich mal lieber gar nicht an, wir haben hier ja eine Zeichenbegrenzung.
Die meisten von diesen Verbrechen wurden ebenfalls von den Zuständigen bereitwillig ausgeführt, von der Bevölkerung toleriert, ja manchmal sogar beklatscht. Und während die Nazis 1945 zu existieren aufhörten, waren Andere noch ein paar Jahrzehnte gut dabei mit Mord und Terror zu versuchen ihre Kolonialreiche zusammenzuhalten.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn man die richtige Art von Spiel hat, dann sollte man durchaus die Verbrechen der Nazis thematisieren. Aber wer sich allein darauf konzentriert, wer Nazis zu diesem einen, einzigartigen Superbösen deklariert, wer ignoriert, dass sie nur der Klassenprimus waren in einem Jahrgang voller Monster. Der sagt im Grunde: "Du kannst unterdrücken und massakrieren wie Du willst - aber das ist schon in Ordnung solange Du Jemand schlimmeren findest und gegen ihn kämpfst".

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quark2@mailinator.com 08.07.2018, 09:33
6.

Man braucht sich nichts vorzumachen, eine auch nur annähernd realistische Wiedergabe der damaligen Welt ist nicht nur nahezu unmöglich, sie wäre auch so unglaublich grausam, daß es viele Menschen ernsthaft traumatisieren würde, wenn man sie zwänge, sich länger damit zu konfrontieren. Damit meine ich nicht ausschließlich die Lager. Man kann sich der damaligen Realität immer nur scheibchenweise aussetzen und steht dennoch immer wieder fassungslos vor den Tatsachen. Auf vielen Ebenen. Insofern können diese Jahre natürlich auch erst recht nicht vernünftig in Spielen wiedergegeben werden. Allerdings trifft das auch auf andere Spielinhalte zu. Ich kann immer nur hoffen, daß die Spieler sich dieser Tatsache bewußt sind und nicht glauben, sie würden durch das Spiel auch nur ansatzweise begreifen können, wie es war. Wenn man sich ansieht, wie der Streit in der EU im Moment wieder zunimmt, kann man nur Bedenken bekommen, daß wir da wieder durchmüssen.

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Lankoron 08.07.2018, 09:52
7. Um tatsächlich eine

historisch korrekte Befassung mit den Nazi-verbrechen in Spielen zu ermöglichen, müsste erst mal die Rechtslage gründlich geklärt werden. Solange PC-Spiele aufgrund eines nicht übermalten Hakenkreuzes in Deutschland indiziert werden, braucht mna sich doch nicht wundern, wenn jeder Publisher ängstlich darauf bedacht ist, diese Symbolik schnell zu entfernen. Zum zweiten müsste ein Markt für eine solche Befassung dabei sein, und das sollten keine Hintergrundgerüchte in einer Nebenszene sein. Und wer sollte denn solche Spiele entwickeln, die sich wahrscheinlich eher als Lern- denn als Spielprogramme verkaufen würden? Warum befasst man sich hier im Artikel mit 10jährigen und älteren Spielen bei einem schnelllebigen Markt?

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wardawas? 08.07.2018, 10:34
8. volle Zustimmung für #5

Atheist_crusader hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Der letzte Satz seines postings wird täglich aufs neue bewiesen....einfach die Nachrichten einschalten.

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holger.heinreich 08.07.2018, 10:44
9. Alt-Right ist auch nur ein Schimpfwort,

um als linker Fanatiker oder SJW Leute mit anderer Meinung zu diffamieren. Und das endet am Ende, daß ein Asiaamerikaner oder Afroamerikaner als Kämpfer für die euroamerikanische Vorherrschaft diffamiert wird, weil er Objektivität über Ideologie stellt. Welchen Sinn hätten denn KZs in einem Strategie-Spiel? Produktions-Boni oder doch die Indoktrinierung " Du bist deutsch , du bist als NAZI geboren und wirst als NAZI sterben, wenn dir die Linken und co nicht die Absolution erteilen und du Juden liebst, obgleich sie wie ihre Nachkommen, Christen und Muslime, einen Massenmörder als Gott verehren." oder "Du spielst die Deutschen, also bist du verpflichtet dich für die Verbrechen Hitlers schuldig zu fühlen. Tust du es nicht, bist du ein Nazi, Nazi, Nazi, ha, ha, ha .... !". Der deutsche Kult um Schuld, der endlich mal Prügel bezieht, läßt sich nicht verkaufen oder weltweit vermarkten. An die Verbrechen der Nazis muß niemand erinnern und sollte auch niemand so offensiv erinnern. Ebenso sinnlos wäre es diese Sachen zu verheimlichen. Der zweite Weltkrieg ist Vergangenheit und das sind auch die Verbrechen der NAZIS. Das sind die Verbrechen anderer Leute und die Verbrechen anderer Leute dürfen uns egal sein. Wenn der Vorfahr meines Nachbarn Pirat war, brauche ich nicht die Opfer dieses Piraten zu entschädigen oder mich für die Taten dieses Menschen schuldig zu fühlen. Eine Minderheit der deutschen Soldaten waren echte Vollblut-Nazis. Es wäre also unhistorisch es anders darzustellen, aber unhistorisch ist in Spielen die Wahl. Der einfache deutsche Soldat bekommt vor seinem Verscheiden immer zu hören "Die, Nazi ...". Der zweite Weltkrieg war ein gewöhnlicher Krieg. Was man für Böse hielt, hat man eingesperrt oder abgeschlachtet. Nur gab es moderne Methoden. In den Religionskriegen wurden Menschen auch nur abgeschlachtet, weil sie anders glaubten und für die, die der richtigen Wahnvorstellung folgten, böse waren und mit dem Bösen, ob du es nun Jude, Heide, Katholik, Protestant oder Atheist nennst, spielt doch keine Rolle, darf der Gute, ja auch Hitler glaubt im Namen des Guten, das der Gott der Christen, Juden und Muslime repräsentiert, zu handeln, alles machen. Es gibt keine Schuld von Staaten, Völkern oder Nationen. Es gibt die Schuld von Individuen (Hallo, Hitler, Stalin und Mao!), Religionen (Hallo, Christen, Juden und Muslime!" und Ideologien (Hallo, Kommunisten und Faschisten!). Niemand braucht den deutschen Kult um die Schuld anderer.

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