Forum: Netzwelt
Hintertüren für Ermittler: Liebe Leserin, lieber Leser,
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SchmidtPe 03.12.2018, 17:24
1. Damit kriegt man alle...

...nur keine echten Kriminellen. Die nutzen nämlich das Darknet. Das Darknet wurde von amerikanischen Geheimdiensten ins Leben gerufen, um eine sichere Kommunikation ihrer Spione zu gewährleisten.

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weltgedanke 03.12.2018, 18:29
2.

Die einen haben Angst vor Kriminellen, aber kaum vor ihrem Staat. Die anderen haben Angst vor ihrem Staat, aber kaum vor Kriminellen.
Ich halte es für ausgeschlossen, dass beide Seiten sich auf eine gemeinsame Position zum Thema staatliche Überwachung einigen können, jetzt oder in absehbarer Zeit. Die Diskussion dazu oder zu Argumenten für oder gegen eine Position ist fast müßig. Entweder man gehört halt zu einer der beiden Seiten oder zu keiner.

Dass angesichts dessen die bestehenden Machtstrukturen (bei uns: demokratisch gewählte Politiker, anderswo auch: korrupte/kriminelle Regierungen) die Entscheidung stellvertretend für das in sich zerstrittene Volk fällen, ist so gesehen die logische Konsequenz.

Das ist weniger tragisch, als es zunächst scheint. Denn dabei zerplatzt aus meiner Sicht einfach nur eine Illusion, was grundsätzlich sogar als Befreiung empfunden werden sollte: Das Trugbild bestand darin, dass das Internet Informationsmonopole aushebelt und dadurch illegitime Regierungen von selbst die Grundlagen ihrer Macht verlieren und die Welt so von ganz allein ein besserer Ort wird.

Gut, nun kann das Internet diesen Anspruch nicht erfüllen, es wird vielmehr sogar von illegitimen Regierungen instrumentalisiert. Aber seien wir ehrlich: Auch von deren Gegnern. Und von den Gegnern legitimer Regierungen. Und eben von Kriminellen. Und von Kriminellen, die bei anderer Gesetzeslage unbescholtene Bürger wären. Und, und, und.

Es ist doch wieder ganz schön komplex, und es gibt keine einfachen Antworten. Aber das Internet ist in Wahrheit völlig neutral und kann uns als Menschheit deshalb nicht von der Aufgabe entbinden, uns weiterhin direkt den Regierungen und Geheimdiensten zu stellen, sowohl in würdigender als auch in kritischer Hinsicht. Das Missverständnis war, dass der Eindruck erweckt wurde, mit dem Internet würden wir diesen Schritt quasi automatisch überspringen und von selbst und ohne viel Konflikt in eine bessere und selbstbestimmtere Welt hinübergleiten.

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permissiveactionlink 03.12.2018, 18:53
3. Ist mir ein Rätsel

wie das funktionieren soll. Wenn Alice mit Bob über einen Messenger verschlüsselt kommunizieren wollen, dann kann der App-Anbieter natürlich den staatlichen Behörden stecken, dass Alice mit Bob verschlüsselt kommuniziert u.u., und mit niemand anderem. Aber wie will der staatliche Dienst die Nachrichten entschlüsseln, wenn Alice und Bob ihre jeweiligen öffentlichen Chiffrierschlüssel des asymmetrischen Chiffrierverfahrens bereits ausgetauscht haben ? Ein "Man in the middle attack" ist nur dann durchführbar, wenn Eve Alice und Bob ihren öffentlichen Schlüssel schickt und vorgaukelt, es handele sich um die öffentlichen Schlüssel von Bob und Alice. Nachträglich dürfte das aber kaum zu ändern sein, wenn Alice und Bob ins Visier der Ermittlungen geraten. Es würde mich brennend interessieren, wie sich dieses Authentikationsproblem von den Behörden umgehen lässt !

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ctreber 03.12.2018, 18:59
4. Kriminelle können und werden sicher verschlüsseln...

...und "normale Leute" können nicht mehr sicher verschlüsseln. Irgendjemand um drei Ecken könnte den Nach-Schlüssel haben. Oder sie werden, wenn sie es doch tun, zu Kriminellen. Brave New World... not.

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tkl1 03.12.2018, 19:16
5. wie kommen Ermittler an den privaten Schlüssel?

Mir ist nicht klar, wie das bei asymetrischen Verfahren wie public / private key funktionieren soll, ausgetauscht werden über das Internet lediglich öffentliche Schlüssel, mit denen der Sender eine Nachricht verschlüsseln kann. Zum Entschlüsseln wird der private key benötigt, welcher nur dem Empfänger bekannt ist.
Oder kommt hier der Bundestrojaner zum Einsatz, um den privaten Schlüssel zu ermitteln?

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chewbakka 03.12.2018, 19:22
6.

Krause Ideen zur 'Sicherheit', denen die Geheimdienste da anhängen. Und vor allem: 1) Wird da mal so eben jeder unter Generalverdacht gestellt. Wo bleibt da der Recgtsstaat? 2) Werden damit ja nur, wenn überhaupt, die paar Dummen 'Verbrcher' aufgespürt, die sich unsicherer Kommunikation bedienen. Wer wirklich sicher kommunizieren will, braucht kein Darknet oder dergl. - der versendet seine Emails PGP verschlüsselt über TOR oder nutzt Steganographie ...... Dieser ganze krause Vorstoß ist leider nicht nur wirkungslos bei Kriminellen mit hinreichend Kenntnis, sondern auch brandgefährlich - da wird eine Überwachungsmöglichkeit gefordert, das, in den falschen Händen sehr schnell zu einem Überwachungssystem führt, wie wir es jetzt schon z.B. in China in Perfektion bewundern können. Dagegen sind NSA, GHCQ, GeStaPo, Stasi und wie sie alle heißen nichts als Kinderkram. Machen wir uns nichts vor: Es ist eine gefährliche Illusion, zu glauben, man könne die Welt 100% sicher machen. Das ist Ressourcenverschwendung, führt kurz über lang zur totalen Unfreiheit aller und die gefährlichen weil intelligenten Bösewichter wird man damit immer noch nicht alle erwischen. Da nehme ich für meine Freiheit von Überwachung doch gerne das Risko, welches diese Bösewichte darstelen in Kauf. Nur so zum Vergleich: Es kommen jedes Jahr mehr Menschen im Strassenverkehr alleine in Europa zu Schaden, als weltweit durch Verbrechen und Terrorismus. Dieses deutlich höhere Risiko nehmen wir alle wie selbstverständlich hin, ohne uns Gedanken darüber zu machen. Und ja, es gibt nun Mal während des gesamten Lebens ein permanentes Restrisiko. Ich frage mich nur, woher dieser Zwanghafte Drang kommt, alles 100% 'sicher' machen zu wollen - ohne dabei rechts oder links zu sehen. Klingt für mich schwer entweder nach ausgewachsener Paranoia oder nach böswilliger Absicht, jetzt doch mal endlich den Überwachungsstaat mithilfe moderner Technik zu implementieren.

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Corona17 03.12.2018, 19:35
7. Geheimdienste

Wie mich das ankotzt: Dass denjenigen, die die verfassten freiheitlichen Rechte ihrer Bürger schützen sollen, nämlich den Geheimdiensten, diese Freiheiten, dann doch zu viel sind. Vielleicht sollte man dort weniger Paranoiker einstellen.

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chewbakka 04.12.2018, 10:03
8. @3 und @5:

So stellen sich die 'Genies' der Geheimdienste das auch nicht vor, daß sie an die Schlüssel kommen. Die wollen, daß das VErschlüsselungsverfahren als solches so manipuliert wird, daß es eine Hintertür im Verscglüsselungsalgorithmus als solchem gibt. Das würde dann so etwas, wie einen 'Generalschlüssel' ermöglichen. Die individuellen Schlüssel würden gar nicht gebraucht werden. Und niemend würde mitkriegen, wie oft und wen unsere Überwacher dann ausspähen.
Deshalb ist das ja so eine Gefahr für unsere Freiheit - grenzenloser Zugriff, ohne eine wirksame Kontrollmöglichkeit.

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FerrisBueller 04.12.2018, 17:28
9. Bitte Hirn einschalten

Die kryptografischen Verfahren sind alle offen und für jeden zugänglich und die Implementierungen sind Open Source (das muss auch so sein, weil Vertrauen das Kernelement jeder Verschlüsselung ist).

Damit kann sich heute jeder einigermaßen taugliche Programmierer innerhalb sehr kurzer Zeit einen eigenen Messager schreiben, den kein Geheimdienst dieser Welt knacken kann. Wenn aber Hintertüren zur Pflicht werden, sind solche selbst gestrickten Messager illegal und werden dann auch nur noch von denen eingesetzt, die eh schon Illegales treiben. Der ehrliche Normaluser muss sich dann entscheiden, ob er/sie Illegal handeln oder abgehört werden will.

Wenn ehrliche Menschen vor solche Alternativen gestellt werden, radikalisiert man sie und produziert damit eher neue Terroristen als dass man die Vorhandenen irgendwie erwischen würde.

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