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Künstliche Intelligenz AlphaGo: Aus dem Go-Olymp direkt in den Ruhestand
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Die Software AlphaGo hat wieder einmal klar gegen einen menschlichen Champion im Brettspiel Go gewonnen. Nun soll sie nicht mehr an Turnieren teilnehmen. Doch ihre Macher haben noch Großes vor.

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joki81 29.05.2017, 12:54
1. Umbruch für die Go-Community

Abgesehen von dem bemerkenswerten Beitrag zur allgemeinen KI-Forschung stellt Alphago auch eine Zäsur für Go-Spieler dar. Da jetzt die stärksten Züge nicht mehr von Menschen kommen, werden sich sowohl Amateure als auch Go-Profis nun viel mehr als bisher auf die Maschinen einlassen müssen.

Amateure weltweit haben die Möglichkeit, jederzeit gegen einen starken (Computer-)Gegner anzutreten, und damit das eigene Spiel zu verbessern. Die Spielstärke dürfte sich weltweit angleichen und die aktuelle Vorherrschaft der Ostasiaten bei den stärksten Spielern aufweichen. Für die Profis, deren bisheriges Geschäftsmodell es ist, Amateuren Go-Unterricht gegen Bezahlung zu geben, wird das natürlich ein Problem, denn wie viele Leute werden noch für Privatunterricht bezahlen, wenn es einen Computer-Lehrer gibt, den man nur einmal oder sogar gar nicht bezahlen muss? In der Zukunft gibt es vermutlich weniger Profis als jetzt, weil die Verbände nur die ganz wenigen zulassen werden, die echte Chancen auf Turniersiege haben.

Betrug in Wettbewerben durch Computer-Hilfe wird wohl auch ein Problem werden, da kommen wohl (zumindest bei höher dotierten Turnieren) strengere Sicherheitsvorkehrungen wie beim Schach auf uns zu.

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sikasuu 29.05.2017, 13:01
2. Ist das KI oder doch nur reine Rechenkraft = brute force?

So lange bei einem Spiel wie z.B. GO die Rand&Rahmenbedingungen klar vorgegeben sind, hat der MENSCH wohl keinen Chance.... D.h. bei allen Aufgaben die denen es auf Versuch & Irrtum ankommt, man zur Lösung einer Frage/eines Problems unendlich lange versuchen & erlernen kann ist IT klar vorne.
.
NUR der Alltag ist anders strukturiert. Da wird oft nicht die "beste" Lösung gesucht, sondern eine "machbare in kurzer Zeit"... Siehe Verkehr, usw.
.
Außerdem kommen bei solchen Lösungen auch Analogien in Betracht, die ein Rechner wohl nie ziehen kann und wird.
.
Typisches Beispiel. Sommertag nach starkem Regen, Fahrt durch die "Aacheren Zuckerrüben Wüste" jeder Mensch rechnet mit Treckern & Schlamm Dreck hinter der nächsten unübersichtlichen Kurve, wenn er auf den Äckern im Umfeld die Rüberernter fahren sieht... die Software auch?

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joki81 29.05.2017, 13:27
3.

Zitat von sikasuu
So lange bei einem Spiel wie z.B. GO die Rand&Rahmenbedingungen klar vorgegeben sind, hat der MENSCH wohl keinen Chance.... D.h. bei allen Aufgaben die denen es auf Versuch & Irrtum ankommt, man zur Lösung einer Frage/eines Problems unendlich lange versuchen & erlernen kann ist IT klar vorne. . NUR der Alltag ist anders strukturiert. Da wird oft nicht die "beste" Lösung gesucht, sondern eine "machbare in kurzer Zeit"... Siehe Verkehr, usw.
Mit Brute Force hat Alphago wenig zu tun. Deep Blue vor 20 Jahren war in der Tat Brute Force, aber dieses Konzept funktioniert bei Go nicht. Googles Innovation hier ist, "Wissen", also was in bestimmten Situationen erfolgversprechend ist, mit Hilfe von neutralen Netzwerken zu abstrahieren und damit eine Software zu bauen, die sich selbst das Spielen beibringen kann, indem sie wieder und wieder gegen sich selbst spielt und damit lernt, was gute Züge sind und was nicht. Dieses Konzept hat viele Anwendungen im Alltag, wenn es gut umgesetzt ist, wie z.B. auch genau das selbstfahrende Auto, das bei Komplikationen intelligente Entscheidungen treffen muss.

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curiosus_ 29.05.2017, 13:31
4. Sicher nicht nur reine Rechenkraft, sondern...

Zitat von sikasuu
So lange bei einem Spiel wie z.B. GO die Rand&Rahmenbedingungen klar vorgegeben sind, hat der MENSCH wohl keinen Chance.... D.h. bei allen Aufgaben die denen es auf Versuch & Irrtum ankommt, man zur Lösung einer Frage/eines Problems unendlich lange versuchen & erlernen kann ist IT klar vorne. . NUR der Alltag ist anders strukturiert. Da wird oft nicht die "beste" Lösung gesucht, sondern eine "machbare in kurzer Zeit"... Siehe Verkehr, usw. . Außerdem kommen bei solchen Lösungen auch Analogien in Betracht, die ein Rechner wohl nie ziehen kann und wird. . Typisches Beispiel. Sommertag nach starkem Regen, Fahrt durch die "Aacheren Zuckerrüben Wüste" jeder Mensch rechnet mit Treckern & Schlamm Dreck hinter der nächsten unübersichtlichen Kurve, wenn er auf den Äckern im Umfeld die Rüberernter fahren sieht... die Software auch?
...Rechenkraft in Verbindung mit Selbstlernfähigkeit.

Im Prinzip nichts anderes als das was sich im menschlichen Gehirn abspielt, nur dass dort die (Parallel-) Rechenkraft noch viel höher liegt. Von der Energieeffizienz ganz zu schweigen.

Aber die prinzipielle Arbeitsweise des Gehirns ist wohl verstanden, zumindest was die Interaktion seiner elementaren Bausteine (der Nervenzellen) untereinander betrifft. Die Komplexität kommt dann über die Anzahl derselben und über die Art und Anzahl der Verschaltungen untereinander sowie ihre Wandelbarkeit ins Spiel.

Und das müsste sich mit immer weiter zunehmender Leistungsfähigkeit künstlich nachbilden lassen. Ein mehr oder weniger quantitatives Problem, kein qualitatives.

Wenn man die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns in seinen physikalischen Grundlagen begründet sieht gibt es keinen Grund warum nicht irgend wann mal eine Maschine das gleiche oder noch mehr zustande bringen können soll. Nur eine Frage der Zeit und des Aufwandes.

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pariah_aflame 29.05.2017, 15:03
5. Naja

Zitat von sikasuu
Typisches Beispiel. Sommertag nach starkem Regen, Fahrt durch die "Aacheren Zuckerrüben Wüste" jeder Mensch rechnet mit Treckern & Schlamm Dreck hinter der nächsten unübersichtlichen Kurve, wenn er auf den Äckern im Umfeld die Rüberernter fahren sieht... die Software auch?
Also ich glaube, Go gegen die weltbesten Spieler zu gewinnen ist weit schwieriger als dieses Beispiel...

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oresme 29.05.2017, 15:17
6. Dawn

Die Frage ist, was macht einen Menschen aus? Ich denke die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten, tätigen Leben. Danach sehnen sich die meisten Menschen. KI zu Ende gedacht wird diesen Traum, diese Hoffnung für immer beenden.
Was sagen die Entwickler von Google und Deep Mind zu ihrer Tochter, ihrem Sohn wenn sie ihnen erzählen, dass Sie mal Ärztin, Wissenschaftler oder Ingenieurin werden wollen? Lügen Sie sie an? Oder sagen Sie ihnen, dass spätestens Ihre Enkel dazu keine Chance mehr haben werden?
Es gibt Tage, an denen ich ich froh bin nicht mehr jung zu sein und traurig, dass ich meine Kinder in diese Welt entlassen muss. Eine Welt in der Hoffnung nur noch für Ignoranten existiert.

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sikasuu 29.05.2017, 15:24
7. Brute Force war nicht im Sinn von Deep Blue gemeint sondern

Zitat von joki81
Mit Brute Force hat Alphago wenig zu tun. Deep Blue vor 20 Jahren war in der Tat Brute Force, aber dieses Konzept funktioniert bei Go nicht. Googles Innovation hier ist, "Wissen", also was in bestimmten Situationen erfolgversprechend ist, mit Hilfe von neutralen Netzwerken zu abstrahieren und damit eine Software zu bauen, die sich selbst das Spielen beibringen kann, indem sie wieder und wieder gegen sich selbst spielt und damit lernt, was gute Züge sind und was nicht. Dieses Konzept hat viele Anwendungen im Alltag, wenn es gut umgesetzt ist, wie z.B. auch genau das selbstfahrende Auto, das bei Komplikationen intelligente Entscheidungen treffen muss.
... mehr als "unbegrenztes üben und die Möglichkeiten ausfiltern die erfolgversprechend sind" Reine Rechenkraft! Das kann auch ein C64= genügend Zeit vorausgesetzt.
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Lernen im Sinn von menschlichem lernen bis hin zu freien "Assoziieren", "Analogien herstellen&knüpfen", da fängt mMn. Intelligenz erst an, ... davon sind diese Systeme noch sehr sehr weit entfernt.
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Das auf "autonomes Fahren" umzusetzen, mMn. ziemlich vermessen. In einer virtuellen Umgebung "als Krieg der Kerne" wohl machbar, als Vorstufe vielleicht, doch die Wirklichkeit ist gnadenlos. Wenn man solche Systeme aus der "Kita" raus lässt, müssen sie sich evolutionären Prozessen stellen, dann verlieren die wohl ziemlich schnell :-))
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Dieser Diskurs erinnert mich immer wieder an den "Die Determinierung der Welt" sprich "Im Prinzip ja, machbar, wenn es den Moment gibt, an dem ALLE relevanten Informationen vorliegen!"
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Die liegen im Universum so wenig vor wie im Subsystem "autonomes Auto!" Selbst echte "Realtime IT" kann nur mit den Informationen arbeiten, die sie hat und da steckt die KRUX!
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Menschen können mit Informationsbruchstücken sinnvolle Entscheidungen treffen, weil sie Analogien ziehen können. Nicht immer optimal, aber ausreichend. Wenn IT das können soll, muss sie umgangssprachlich "Lügen können", emotional Entscheiden und das einen "Silikon-Kopf" beizubringen????
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Die Umsetzung solcher Konzepte in den Alltag, sprich mit Sensorik & n=unendlichen Möglichkeiten, den undiskutierbaren physikalischen Gesetzen, als autonome Einheit!..... sehr ambitioniert (um mal höflich zu bleiben)

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erwachsener 29.05.2017, 15:28
8.

Zitat von pariah_aflame
Also ich glaube, Go gegen die weltbesten Spieler zu gewinnen ist weit schwieriger als dieses Beispiel...
Das ist genau der Punkt - für Menschen und AlphaGo-artige Programme sind verschiedene Dinge schwierig. Zweierlei fällt doch auf: Erstens - die kürzlich erzielten Fortschritte der KI, soweit ich sie mitbekommen habe, beziehen sich allesamt auf Probeme, bei denen der Mensch nicht besonders gut ist. Deswegen gibt es nur wenige Großmeister in Schach oder Go: weil Menschen das einfach nicht besonders gut können. Und zweitens - die neuen Erfolge beziehen sich auf Spieltheoretische Probleme mit zwei Kontrahenten - Schach, Go, und auch Texas Hold Em No Limit Hut Auf Poker. An Problemen, bei denen Menschen richtig gut sind - morgens aufstehen, Socken anziehen, Türklinke betätigen, Zähne putzen, frühstück machen, Smalltalk machen ... scheitern die KI bislang kläglich.


Douglas Hofstadter hat mal gesagt, richtig intelligent sei es erst, wenn das Programm, gegen das man Schach spielen wollte darauf antwortet: Och nö, heute nicht, laß uns über Lyrik diskutieren.

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Olaf 29.05.2017, 15:32
9.

Zitat von sikasuu
Typisches Beispiel. Sommertag nach starkem Regen, Fahrt durch die "Aacheren Zuckerrüben Wüste" jeder Mensch rechnet mit Treckern & Schlamm Dreck hinter der nächsten unübersichtlichen Kurve, wenn er auf den Äckern im Umfeld die Rüberernter fahren sieht... die Software auch?
Anders als die Menschen wird die KI den §3 der StVO kennen und sich entsprechend verhalten. Das ist also kein Hexenwerk.

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