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Künstliche Intelligenz: Forscher fälschen Kunstwerke mit 3D-Druckern

Fälschen für die Wissenschaft: Forscher aus den USA haben Ölgemälde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und einem 3D-Drucker nachgemacht. In Zukunft soll sich so jeder einen Van Gogh ausdrucken können.

dasfred 06.12.2018, 10:36
1. Interessante Entwicklung

Es gab ja schon vor über hundert Jahren mit dem Öldruck den Versuch, beliebte Gemälde möglichst naturgetreu zu imitieren. So sollten auch Kunden mit kleinem Geldbeutel gute Kunst erwerben können. Mit einem Verfahren, dass auch die Pinselführung und die plastische Wirkung von Bildern nachgestalten kann, müssen nicht horrende Versicherungen abgeschlossen werden und enormer Aufwand betrieben, um den Menschen die Kunst nahezubringen. Eine Ausstellung, die sich dem Werk eines einzelnen Künstlers widmet, braucht dann nicht mehr aus der ganzen Welt zusammengetragen werden. Vielleicht setzt sich dann auch wieder die Erkenntnis durch, dass die Kopie eines guten Bildes besser ist, als das Original eines mittelmäßigen.

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clauslew 06.12.2018, 11:12
2. Echtes Malen mit dem Roboter

Zum Bereich des Malens und Zeichnen durch Roboter gibt es seit Jahren sehr interessante Arbeiten an der Uni Konstanz. Sehr beeindruckend und ästhetisch: auf youtube nach "e-David - a Painting Robot" suchen.

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Newspeak 06.12.2018, 12:10
3. ....

Die künstliche Intelligenz wird irgendwann auch eigene Bilder malen...ich denke eines wurde bereits versteigert...und es wird langweilig sein. Das Besondere an Kunst ist doch gerade der menschliche, individuelle Faktor. Für Kunstdrucke mag die Technik ok sein.

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Malemale 06.12.2018, 13:19
4. Seltsame Formulierung

Das Ziel der Forscher ist es also eine Straftat zu begehen? Bei den gezeigten Beispielen sehen einige CMYK Drucke besser aus. Mein Drucker um die Ecke hat übrigens auch mehr als vier Farben.

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7eggert 06.12.2018, 13:38
5.

Zitat von Malemale
Das Ziel der Forscher ist es also eine Straftat zu begehen? Bei den gezeigten Beispielen sehen einige CMYK Drucke besser aus. Mein Drucker um die Ecke hat übrigens auch mehr als vier Farben.
Eine Straftat wäre, die Fälschung nicht als solche zu kennzeichnen. Im geschilderten Ablauf ist aber die Kopie eindeutig als solche zu erkennen und die Beschreibung also lediglich umgangssprachlich.

Es gibt Mischextruder in RGB.

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dr_gb 06.12.2018, 15:36
6. Nö ! Und spannend.

Kann 'dasfred' nicht zustimmen, "dass die Kopie eines guten Bildes besser ist, als das Original eines mittelmäßigen"
Am und im Original ist ALLES bedeutsam und kann ALLES bedeutsam werden, sogar die QuantenFeld-Zufallseinflüsse auf Material- und Zustände im Schaffensprozess (etwa Pollock's Drippings) oder auch danach (etwa Duchamps großes Glass mit Riss; selbst brit Boy Banksy traf es : der Shredder arbeitete nicht wie x-mal zu erprobt dann bei der Auktion).
Zumindest trifft das zu, dass das Original nie ersetzt werden kann, für unsereins mit einer Passion für die ein oder andere 'Kunst' : kann ich, will ich das Original. Alles andere mag nett sein, aber nett ist die Mutter nichtssagend unbedeutender Normal-Realtitä im Digital-Medien-Zeitalter. Kunst ist nicht nett -- nicht nichtssagend, zumindest die nicht, die mich interessiert, bewegt, begeistert, abschreckt oder anregt.

Seltene Ausnahmen sind Fälschungen : da werden dann im pseudo-re-Schaffensprozess ggfs Aspekte deutlich, die nicht so deutlich werden konnten nur bei primär non-invasiven Analysen/Betrachtungen; zB. van Meegerens Problem Farbschichten so aufzutragen und -trocknen zu lassen, wie es mit alten nicht mehr verfügbaren oder nur hoch toxischen (z.B. Arsen-Grün) Farbmittlen möglich gewesen wäre, oder die eher modernere Frage in dem Kontext nach Vermeers optischen Linsen-Tools.

Aber spannend diese ganzen ai / ml (artficial intelligence / maschinell lernende) Systeme hier in diesem Zusammenhang : ein, wie ich finde einzigartig neuer Blick, jenseits eines Kopier- oder Nachbildungsprozesses wird eröffnet : z.B lassen sich langwierig sublime Mal Prozesse, Schicht für Schicht, kaum differenzierbar zunächst, experimentell effizient vereinfachen/verkürzen/erschwinglich-machen, sozusagen neue/andere Mal-Techniken bzw. -Effekte erproben ?

Die von mir bewunderten in der Restaurierung Tätigen haben da sicher auch ganz spefzische Wünche an diese neue Techniken, denke ich in etwa daran wie lange im ML in Koln epxerimentiert werden musste, ehe man eine von einer auswärtigen Schau beschädigt zurückgesandte Naum Gabo Plastik ohne weiteren großen Schaden wieder neu zusammen kleben könnte; kein Mensch wusste, was Pevsner, Gabo, et al Anfang des letzten Jahrhunderts als 'Kleber' nutzen, was für ein Material die Gabo Plastik überhaupt war -- Haus-gemacht, in einem Backofen villeicht, aber woraus, wie usw. Jeder modern Kleber hätte ggfs mehr Original weg-geätzt und zerstört als geholfen ..

Was, wenn Rothko's Farb-Layer dünner noch oder leicht modifiziert (eben anders als beschrieben/vermutet/daherfabuliert) aufgetragen werden ? Lichtensteins Punkte in seinen Groß-Formaten etwa uniformisiert, seine Formen anders gelättet und gefiltert würden, Frankenthaler's Leinwand oder Uecker's eingehämmerte Nägel und verwendete Materialien künstlich perfektioniert würden ?
Alles mehr im Sinne einer Re-Komposition wie die 4-Jahreszeiten durch Richter oder mehr noch, der Versuch von Harnoncourt aus den Fragmenten der 10ten uns einen rudimentären Geschmack davon zu vermitteln, was nach der überirdischen 9ten uns Ludwig van geschenkt hätte ..

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sb411 06.12.2018, 16:35
7. Gut zu wissen

So werde ich den Kauf des nächsten van Gogh doch noch ein paar Jahre zurückstellen.

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BrunoGlas 06.12.2018, 20:35
8. Im Kunstbereich Kopie von Originalen herzustellen nicht möglich.

Der Traum dieser Wissenschaftler scheint mir eher ein Marketinggag zu sein, um die Unsummen an Geldern einzuwerben, die das Verfahren und alle weitere Varianten noch kosten wird. Nämlich, was erfahrenen Künstlern, Restauratoren und Farbexperten selbstverständlich ist, Laien aber oft nicht wissen, eine Farbe besteht oft aus unterschiedlichen Gemischen opaker und halbopaker und transparenter Pigment- und Bindemittelzusammensetzungen mit jeweils unterschiedlicher optischer Dichte und unterschiedlicher Reflexion und zugleich unterschiedlichem Lichteinstrahl- und -Ausstrahlwinkeln. Insofern ist alles hier geschriebene ein frommer Wunsch, letztlich ein Marketinggag.

Es wird so gut wie unmöglich sein, in einem halbwegs ökonomischen vertretbaren 3-D Druckprozess so viele unterschiedliche Farben in allen aufgezählten Eigenschaftsprofilen nachzumachen und dann ein dem Original ähnliches Bild zu drucken. Die meisten der halbflüssigen Farben, sei es Ölfarben, Tempera oder Acrylfarben, zeigen zudem eine sichtbare Fließrichtung in ihrer Polymermatrix. Wie will man denn diese kopieren?

Anders sähe es aus, etwa modernere Pigmente, etwa halbtransparente Eisenoxidpigmente in immergleicher Konsistenz in einem PU- oder Acrylbindemittel mit Reliefstrukturen zu drucken, aber das sind halbblinde Farben von der Industrie, die im Profikunstbereich nicht eingesetzt werden, an Weihnachten nur bei DM, LIDL, ALDI und Co. verkauft werden. Das hat aber mit den hochwertigen Farben der Historie nichts zu tun.

Einer, der es wissen muss: https://dasauge.de/-werkstatt-für-ökonomie-6-kunst/

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BrunoGlas 07.12.2018, 02:56
9. 3-D Reliefs in der Farbenwelt schon ein alter Hut

Wie schon in Kommentar 8 schon genügend begründet wurde, ist es technisch gar nicht machbar, ältere Künstlerfarbgebungen mit einem 3-D Drucker zu kopieren. Auch schon in den siebziger bis achtziger Jahre gab es für die ganz Versessenen eine Edeldrucktechnik, die Reliefstrukturen einer Malerei nachbilden konnte, das Ergebnis war aber immer so, wie im Kommentar schon beschrieben.

Eine wesentlich modernere Methode, eine optische Räumlichkeit innerhalb einer Farbgebung so zu erzeugen, dass innere Materialien wie Gold und sonstige Raustrukturen bis hin zu Spiegel und Glas zur Reflexion angeregt werden, können Sie hier im Film auf Vimeo sehen. https://vimeo.com/103330344 Passwort Lichtleitender3-DLack und https://dasauge.de/-werkstatt-für-ökonomie-6-kunst/

Hier wird das einfallende Licht über ein Schichtlinsensystem aus zwei Lacken in unterschiedlicher bzw. aufsteigender optischer Dichte in innere Materialstrukturen eingelenkt, sodass es auf makrorauen wie mikrorauen bis hin zu glatten Strukturen zu Brennpunkten gebündelt wird und als gerichtetes Licht wieder ausgelenkt wird. Letztlich ist ein räumlich-dreidimensionales Lacksystem, was Reliefstrukturen ins Innere des Lackes verlagert - ähnlich wie in einer Schneekugel oder in einem eiskalten Gewässer, wo die Wintersonne einstrahlt und innere Materialien kinetisch-beweglich mittels Brennpunkte leuchten lässt.

Der ursprüngliche Erfinder war tatsächlich der Geigenbauer Antonio Stradivari. dessen Geigenlacke ebenfalls nur aus zwei Schichten bestand, wobei der obere rote Lack das Licht über das Gefälle der optischen Dichten bis in die Tiefe der Ligninstrukturen des Holzes einlenkte und den Geigenboden so zum Leuchten brachte.

3D in der Oberflächentechnik ist sicherlich bald in aller Munde, aber nicht so deppert, wie in dem Artikel beschrieben. Es macht sicherlich auch einen Unterschied aus, ob ein Farbsystem nur von Ingenieuren oder reinen Technikern entwickelt wurde (wie im Artikel), oder ob dies von vorneherein in einer Kooperation mit Künstlern und Lehrkräften der Kölner Fachhochschule für Design / Kunst und Spezialisten von Bayer Material Science und Evonic Degussa entwickelt wurde. Die letztere Entwicklung ist einfach ausgereifter, lässt sich aber gegen den vorherrschenden Trend der durch und durch kommerzialisierten 2-D Farbdesigns nach Farbkarten schwieriger vermarkten. .

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