Forum: Netzwelt
Mordvideo aus Cleveland: Facebook ist nicht das Problem
DPA

In der Debatte um Gewaltvideos im Zeitalter sozialer Medien läuft einiges falsch. Die Frage, welche Gräuel veröffentlicht werden dürfen und welche nicht, können wir nicht einer Software überlassen.

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flexier 19.04.2017, 15:07
0. Hmmm!?

"Nicht Facebook, sondern wir, die Zivilgesellschaft, müssen abwägen, ob und bei welchen Gräueln der Welt die Nichtveröffentlichung schädlicher ist als die Veröffentlichung."

Und wie genau soll dieser Entscheidungsprozess stattfinden? Und wer setzt die Entscheidung um?

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TLB 19.04.2017, 15:36
1.

Sozial – die Art und Weise betreffend, wie Menschen in einer Gesellschaft zusammenleben. Also sind soziale Medien nichts anderes als Spiegelbilder. Die Frage, welche Gräuel möchte ich mir ansehen, hätte Herr Lobo auch schon im Mittelalter stellen können. Taugt eine Hexenverbrennung als Hintergrundevent zum Met trinken? Passt zu einer Guillotonierung eher Wein oder Bier? Oder erzählen wir uns doch lieber Geschichten von Liebe und Sehnsucht?
Und es gibt eine Vielzahl von Menschen, die die Abwesenheit von Nachrichten und Reizüberflutung als positiv empfinden. Insofern muss also weder eine Software, noch WIR etwas entscheiden, das darf jeder selbst.

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wasistlosnix 19.04.2017, 15:40
2. Freie Informationen

In Zeiten des Internet entscheidet die Person welche den Inhalt hochlädt ob dieser veröffentlicht wird oder nicht. Oldstyle waren es die Medienvertreter die bestimmten was veröffentlicht wird. Heute Veröffentlichung und dann Entscheidung ob gelöscht wird. Früher Entscheidung was veröffentlicht wird.
Letztendlich entscheidet jeder einzelne was er den sehen möchte.

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f-rust 19.04.2017, 15:45
3. endlich

kann ich Hr. Lobo mal richtig zustimmen: die Problematik erfasst und vielschichtig erwogen und uns selbst zur Meinungsbildung vorgelegt (und dies ohne jegliche parteipolitische Färbung gegen "rechts", wie leider sonst so oft). Zur Grundsatzfrage noch ein Aspekt: da FB ca. 1/7 der Menschheit erreicht, sollen es da wirklich us-amerikanisch programmierte Algorythmen sein (bekanntlich sind blanke Busen quasi vom Teufel, bluttriefende Gewalt aber nicht - hab 12 Jahre dort gelebt), oder müsste es hier nicht einen kulturell-globaleren Ansatz geben? Wo? UN? ... ???

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dr.schnabel 19.04.2017, 16:06
4. Herr

Lobo übersieht etwas. Nämlich die in meinen Augen plausible Idee, dass die zu erwartenden 15 minutes of fame weltweit solche Taten überhaupt erst ermöglichen.

Es also eine (wenn auch geringe) Anzahl von Tätern gibt, die ohne Möglichkeit weltweiten "Ruhms" nur ihren Hund verhauen oder noch zwei Flaschen Gin trinken würden. Fame bitches, Narzissten. Die sind ein neues Problem, vielleicht nicht zahlenmäßig gravierend, aber eben eine erkennbar neue Spezies. Und um die geht´s.

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GinaBe 19.04.2017, 16:20
5. Indifferente Freiheit

Die Feage, ob und wie, in welchem Ausmaß, Greuelvideos, Gewalt visualisiert, Einfluss auf unsere Toleranzgrenze gegenüber dieser, wenn sie aktuell vor unserer Nase stattfindet, nimmt, weil das Gehirn und die Sensoren bereits programmiert sind, uns unempfindlich machen ----
Bei mir hat der Effekt nicht eingesetzt, und ich kann auch solche Filme nicht ansehen, ohne daß es mich schüttelt und graust. Daher vermeide ich sie ebenso wie actionfilme, egal was. Sie sind nur laut und dumm und der ganze Krach oder die Begleitmusik dazu geben mir keine kicks und keine wohlige Gänsehaut, mich selbst in relativer Sicherheit zu wissen.
Was nun, also Zensur des Internets oder nicht?
Das letzte gefühl von Freiheit, die nicht determiniert ist, ist die Freiheit im netz, in dem jeder Idiot und jeder Kriminelle und jeder Normalo posten kann, was er will, ob das nun eine humanistische Bereicherung darstellt- oder eben nicht.

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flytogether 19.04.2017, 16:35
6. Es ist ein Unterschied

ob ein Reporter seinen Job macht und Grausamkeiten online stellt oder ob jemand ein Video online stellt, das einen Mord zeigt der zum Zwecke der Selbstdarstellung in eben diesem Video verübt wurde.
Ich verstehe nach wie vor nicht wie Menschen Mitglieder einer Community (hier Facebook) sein wollen, in der Live-Vergewaltigungen geteilt werden.

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frozenf 19.04.2017, 16:40
7. Ich habe kein Facebook und

werde es nie haben. Mich schockiert aber bereits, dass alle Nachrichtensendungen schon allein das Video bis zu einem bestimmten Punkt immer wieder zeigen mussten. Reicht es nicht, dass über diese Gräueltat berichtet wird, ohne dass man Bilder zeigt? In was für einer pervertierten Welt leben wir inzwischen, dass nicht nur geistig kranke Menschen mordend unterwegs sind, sondern auch noch in einfachen Nachrichtensendungen die Sensationsgier befriedigt werden muss und nur noch Einschaltquoten oder Klickraten entscheiden? Mir wird schlecht bei diesen Methoden.

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mborevi 19.04.2017, 16:40
8. Wenn ich mir ...

... die Fernsehprogramme der ARD und des ZDF sowie der privaten so durchsehe, dann machen dort Gewaltfilme wie Tatort und Konsorten so etwa 60-70 % aller Filme aus. Ich kann mir diese brutalen Schinken schon lange nicht mehr ansehen. Kein Wunder, dass die Gewalt in unserer Gesellschaft immer mehr zunimmt. Auch wenn von angeblichen Experten immer wieder behauptet wird, Gewaltfilme würden die Menschen nicht beeinflussen. Die Realität spricht dagegen.

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