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Podcast zum Digitalpakt: Ein altersarrogantes Schauspiel
OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Regierungsparteien halten sich für vernunftgetrieben, schrieb Sascha Lobo. Doch beim Digitalpakt führten sie "ein beschämendes Machtspiel" auf. Im Podcast fragt er, ob die deutsche Politik jugendfeindlich ist.

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nurEinGast 03.02.2019, 10:55
1.

jugendfeindlich ist vielleicht nicht das richtige Wort. Fortschrittsfeindlich oder- nett ausgedrückt: konservativ-trifft es vielleicht eher.

Denn wenn man sich mal so umschaut auf dem Globus, dann wird Deutschland gerade in sehr vielen Bereichen abgehängt. Entwicklung und Fortschritt beim Fahrzeugbau (Stichwort Klima) findet woanders statt, Magnetschwebebahnen fahren woanders, Internet und Mobiltelefonie sind sogar in Afrika besser ausgebaut als hier.

Deutschland ist meiner Meinung nach seit langem dabei, das Rennen um die Zukunft zu verlieren. Keine Visionen, keine Ambitionen, nur Besitzstandswahrung, Selbstbedienung und Korruption bei den verantwortlichen Entscheidungsträgern. Ich denke, auf lange Sicht wird diese Politik uns allen noch enorme Sorgen bereiten.

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Outdated 03.02.2019, 11:50
2. Die Deutsche Politik ist komplett auf die Vergangenheit ausgerichtet.

Wir leben gerade in einer unglaublich turbolenten Zeit in der die Weichen fürs nächste Jahrhundert gestellt werden und unsere Politik ist, ohne jeden zwang, visionslos.
Wir lassen die EU verkommen, die armen leiden, wir spalten unser eigenes Land und all das in einer Zeit in der wir anscheinend besser da stehen als die meisten.
Anstatt zu führen reagieren wir nur und glauben das mit Rentenreformen alles zu regeln sei.
Meine Generation und meine Kinder dürfens dann ausbaden... schönen dank auch, aber wenn es eine Befriedigung für mich gibt, dann die folgende.
Von "eurem" politischen erbe wird wenig bleiben, dafür sorgt "ihr" ganz alleine.

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alpinium 03.02.2019, 11:58
3. Seit den 1980er Jahren

betreiben CDU/CSU Zukunft-Sabotage und der Bürger, besonders die jungen Wähler bemerken es nicht. In den 80igern wurde der, von der SPD unter Helmut Schmidt, begonnene Breitbandausbau mit Glasfaser zugunsten von Kupfer gestoppt. Die Energiewende behindert bis abgeschafft und hecktisch wegen drohender Wahlniederlagen (die nicht verhindert wurden) wieder halbherzig fortgeführt, aber zum Schaden des Steuerzahlers. Dabei wurde die Technologieführerschaft in den Erneuerbaren verschenkt. Seit 15 Jahren wird der dringende Ausbau der Fest- und Mobilnetze verschlafen. In Sachen alternative Antriebstechnologien für Autos überlässt man auch lieber das Feld anderen. Keine Initiativen der Politik, dass die deutsche Automobilwirtschaft mal den Ar... hochbekommt. Wer als junger Mensch weiterhin den Konservativen den Weg bereitet braucht sich nicht wundern, wenn er keine Zukunft mehr hat, für seine Kinder oder noch später für seine Enkel.

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claus7447 03.02.2019, 12:00
4. Die Frage ist

Ist der Föderalismus in allen Bereichen noch richtig?

Bei der Gründung der Bundesrepublik waren die negativen Auswirkungen, die Verstaatlichung quer durch die Republik im Fokus. Mit dem Föderalismuskonzept stärkte man die Bundesländer. Dies ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Es gibt Bereiche, in denen dieses Konzept sich die Frage stellen muss, ist es noch richtig? Zwei Bereiche sind m. E. aus dem Ruder gelaufen.

Das ist zum einen die Polizei. Zu unterschiedliches technisches Konzept. Es hat lange gedauert bis in Grenzbereich zwischen Bundesländern die Zusammenarbeit klappte. Aber organisationsstrukturen sind zu unterschiedlich. In dem Zusammenhang muss auch die Frage gestellt sein, brauchen die Länder einen eigenen Verfassungsschutz.

Aber zur Bildung: Die bildungspläne der länder sind zu stark gespreitzt. Es kann nicht sein, das ein arbeitsplatzwechsel daran scheitert, dass schulen 50 km auseinander nicht kompatibel sind. Jedes Land hat eigene bewertungsmassstäbe festgelegt. In Baden Württemberg ist es sogar so, dass an Gymnasien in der rheinschiene französisch als erste Sprache haben (Was sogar nachvollziehbar ist) 30 km östlich Englisch.

Noch krasser wird es, wenn wir uns deutsche Schulen im Ausland ansehen. Jedes Bundesland hat dort seine fächerhohheit. Kinder die mit ihren Eltern nach 3-4 Jahren nach Deutschland zurückkommen erleben ein Disaster.

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dasfred 03.02.2019, 12:24
5. Ich fand das Interview am Anfang sehr daneben

Die junge Frau schwadroniert die ganze Zeit darüber, was Jugend alles kann und will und besser macht. Sie hat nie im Leben darüber nachgedacht, dass ihr ganzes Leben auf den Errungenschaften und Erkenntnissen der Alten beruht. Die Menschen, denen sie jetzt Kompetenz abspricht, haben die Basis geschaffen auf der sie ihr heutiges Leben gestaltet. Wie wäre den ihr politische Einstellung, wenn ihre Eltern Nord-Koreaner, brasilianische Indios oder konservativ religiöse Texanische Milliardäre wären. Das Umfeld, in dem die heutige deutsche Jugend ihr Phantasien ausleben will, ist ihr auf dem Tablett gereicht worden. 150 Jahre früher und sie hätte schon als Kind in die Fabrik gehen müssen und hätte in ihrem Alter vielleicht schon das dritte Kind durchzufüttern. Herr Lobo und seine Gesprächspartnerin haben sich hier über Luxusprobleme das Maul zerrissen.

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hohnstein2016 03.02.2019, 13:05
6. Der Generationskonflikt wird kommen

Durch das Internet wird sich dieser Generationskonflikt noch beschleunigen. Vieles ist für die ältere Generation dort zu kompliziert um das zu verstehen wie Onlinemarketing, Social Media Marketing etc. Viele über 60+ verstehen das doch jetzt schon gar nicht mehr... Deshalb ist Deutschland bei Digitalisierung jetzt schon abgehängt, weil die meisten Entscheider zu alt sind. Ich arbeite in der IT Branche die meiste Zeit des Jahres in Asien, u. a. in Shenzhen. Ein Deutscher Provinzbürger der z. B. noch nie außerhalb Europas war, und das sehen würde, nicht nur so eine moderne Metropole, auch wie weit die Digitalisierung dort ist... der würde die Welt nicht mehr verstehen... In der extrem technisierten Zeit heute sind sicher die meisten in der Politik ganz klar zu alt....

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seamanslife 03.02.2019, 13:08
7. das föderale Systenm in Deutschland

Zitat von claus7447
Ist der Föderalismus in allen Bereichen noch richtig? Bei der Gründung der Bundesrepublik waren die negativen Auswirkungen, die Verstaatlichung quer durch die Republik im Fokus. Mit dem Föderalismuskonzept stärkte man die Bundesländer. Dies ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Es gibt Bereiche, in denen dieses Konzept sich die Frage stellen muss, ist es noch richtig? Zwei Bereiche sind m. E. aus dem Ruder gelaufen. Das ist zum einen die Polizei. Zu unterschiedliches technisches Konzept. Es hat lange gedauert bis in Grenzbereich zwischen Bundesländern die Zusammenarbeit klappte. Aber organisationsstrukturen sind zu unterschiedlich. In dem Zusammenhang muss auch die Frage gestellt sein, brauchen die Länder einen eigenen Verfassungsschutz. Aber zur Bildung: Die bildungspläne der länder sind zu stark gespreitzt. Es kann nicht sein, das ein arbeitsplatzwechsel daran scheitert, dass schulen 50 km auseinander nicht kompatibel sind. Jedes Land hat eigene bewertungsmassstäbe festgelegt. In Baden Württemberg ist es sogar so, dass an Gymnasien in der rheinschiene französisch als erste Sprache haben (Was sogar nachvollziehbar ist) 30 km östlich Englisch. Noch krasser wird es, wenn wir uns deutsche Schulen im Ausland ansehen. Jedes Bundesland hat dort seine fächerhohheit. Kinder die mit ihren Eltern nach 3-4 Jahren nach Deutschland zurückkommen erleben ein Disaster.
war die Vorbedingung der Besatzungsmächte zur Staatsbildung eines demokratischen Deutschlands. Die Landesfürsten konnten es sich dadurch so richtig bequem machen und wollen nun keine Macht mehr abgeben.
Ein Staat muß wenigstens die Versorgungshoheit für seine Bürger in den Bereichen Bildung, Energie, Wasser u. Abwasser, Post und Telekom haben.
Ein Staat, der die Versorgungshoheit für seine Bürger an Aktiengesellschaften oder andere private Hände abgibt hat da allerdings verloren. Da macht jeder nur noch was ihm das meiste Geld bringt und da stehen wir jetzt, Kungelei auf Kosten des Steuerzahlers.

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shrufu 03.02.2019, 13:49
8. Diesdas

Ich fand den Teil mit dem freien Bürger interessant. Nimmt man wie Lobo an er vertritt eine Sicht wie Friedman/Jünger kann man leicht ins Feld führen das diese Ideologie, man halte den Staat klein und gebe alles der Einzelperson, mindestens weniger Optionen bzw Handlungswege gesamtgesellschaftlich bietet. Wenn man so will kann man das auch mit Zentralisierung und Dezentralisierung vergleichen. Der Staat stellt dabei über Geld eine gesellschaftlich konzentrierte und kontrollierte, zielbewusste Aktionspalette dar, während die Einzelperson und der Markt eine größere Zerstreuung von Kapital und Zielen, hauptsächlich eigenmotivierte, auf kleiner bis kleinster Skala koordinierte oder interagierende Masse darstellt. Diese konträren Muster kõnnen sich ergänzen da sie schlicht zusammen mehr Optionen haben auf etwas zu reagieren. Der totalitäre Anspruch eines Musters muss mMn schon verdammt gut begründet sein auch wenn ich eher zum Marxschen Gedanken einer hyperkooperation im Rahmen von Überfluss besser nachvollziehen kann als die für mich esoterische Vorstellung brachialer gesetzloser Eigennutz kõnnte eine durchweg starke Gesellschaft in zivilisierten Bahnen hervorbringen.. Naja egal jetzt.. jedenfalls weiß ich nicht ob man so schnell urteilen sollte das Bund und Länder verhandeln. Es ist halt die Frage was Gegenstand der Machtverschiebung ist.. ein anderer Umgang mit Verschuldung bzw. Finanzen der Länder Städte und Kommunen wäre vllt nicht schlecht. Aber kein baldiges Ergebnis mit dem inhaltlich besten Ergebnis wäre unverzeilich. Und der Bund würde mE nun mal mehr Kontinuität in die Sache bringen und das Potenzial eines Umbaus bringen während die Länder über Kultusminister vllt näher "dran" sind!?

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cassi77 03.02.2019, 14:07
9. ...

Zitat von dasfred
Die junge Frau schwadroniert die ganze Zeit darüber, was Jugend alles kann und will und besser macht. Sie hat nie im Leben darüber nachgedacht, dass ihr ganzes Leben auf den Errungenschaften und Erkenntnissen der Alten beruht. Die Menschen, denen sie jetzt Kompetenz abspricht, haben die Basis geschaffen auf der sie ihr heutiges Leben gestaltet. Wie wäre den ihr politische Einstellung, wenn ihre Eltern Nord-Koreaner, brasilianische Indios oder konservativ religiöse Texanische Milliardäre wären. Das Umfeld, in dem die heutige deutsche Jugend ihr Phantasien ausleben will, ist ihr auf dem Tablett gereicht worden. 150 Jahre früher und sie hätte schon als Kind in die Fabrik gehen müssen und hätte in ihrem Alter vielleicht schon das dritte Kind durchzufüttern. Herr Lobo und seine Gesprächspartnerin haben sich hier über Luxusprobleme das Maul zerrissen.
"Das Umfeld, in dem die heutige deutsche Jugend ihr Phantasien ausleben will, ist ihr auf dem Tablett gereicht worden. "

Jo...

Auf dem Tablett, was Kriegs-, Kriegskind- und Nachkriegsgeneration ihnen hinterlassen hat, richtig. Allerdings ein Tablett, das diese deutschen Generationen ausschließlich mit Wohlwollen und Hilfe der (West-)Alliierten und mit Hilfe des Mashallplans ihnen 'servieren' konnten. Sollten Sie nicht vergessen, das hätten diese Generationen ziemlich sicher nicht ohne diese Hilfe in der Form geschafft.

"150 Jahre früher und sie hätte schon als Kind in die Fabrik gehen müssen und hätte in ihrem Alter vielleicht schon das dritte Kind durchzufüttern. "

Sie übrigens vermutlich ebenfalls, nicht nur 'die heutige Jugend'.

@Herr Lobo:

Ich fands Interview sehr passend und die junge Frau durchaus vernünftig in dem, was sie sagte! Und garnicht schlecht so fürs erste Mal! *fg Vieles kam mir leider 'sehr, sehr bekannt' vor...

cassi

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