Forum: Netzwelt
Rassismus und Integration: Wir schweigen Extremisten an die Macht
DPA

Nicht nur am Fall Özil zeigt sich: Zu viele Menschen in diesem Land haben Angst, in komplexen, aber wichtigen Debatten den Mund aufzumachen. Das Schweigen wird gefüllt von jenen, die immerzu wütend brüllen.

Seite 1 von 34
feistus_raclettus 25.07.2018, 15:42
1. Danke für den Kommentar

Sehr schön auf den Punkt gebracht.
Seit ein paar Wochen habe ich eine dunkelhäutige Freundin, meine Ex war weiß - daher fällt mir ein Unterschied besonders auf:
Es ist absolut krass, wie dermaßen wir beide oft angestarrt werden. Vorurteile äußern sich oft auch non-verbal.

Beitrag melden
aggelbagg 25.07.2018, 16:07
2. schwarz-weiß

Sorry, aber schwarz-weiß malen tun doch all die prinzipientreuen Guten, die nur gut oder schlecht kennen.... Die Menschen schweigen, weil sie beim geringsten Abweichen von der vorgesehenen Meinung als Rassisten niedergeschrien werden, ein Wort, gegen das man nicht diskutieren kann, das kein Diskutieren will. Und das leider dabei ist, durch den inflationären Gebrauch seine wichtige Bedeutung zu verlieren.
Weil man es vielleicht doch unabgebracht findet, wenn sich ein Nationalspieler mit dem diktatorischen Präsidenten vertraulich ablichten lässt. Dann ist man natürlich ein Rassist. Wenn man sich wundert, dass einem vorgeworfen wird, dass man jemanden nicht ganz und gar als Deutschen annimmt, der sich scheinbar selbst sehr als Türke fühlt.
Ich finde es gut, dass Löw schweigt, denn was immer er sagen würde, egal was, die Presse würde es zerfetzen, um nur wieder eine schöne Schlagzeile, einen Skandal zu haben. Ihr habt keinen Platz mehr für Zwischentöne.

Beitrag melden
Orthoklas 25.07.2018, 16:07
3. Eine Nummer kleiner, bitte

Lobo polarisiert wie üblich. Seine Meinung in Ehren - aber sie entspricht der üblichen Spiegel-Richtung, die längst nicht von der Mehrheit geteilt wird. Auch okay. Aber bitte bitte, Herr Lobo: Lassen Sie den moralischen Lehrmeister-Finger unten. Es ist nur Ihre Meinung. Und das ist gut so.

Beitrag melden
titoandres 25.07.2018, 16:09
4.

Wie immer ein kluger Kommentar von Sascha Lobo. Unaufgeregt, objektiv, danach zielend, was richtig ist, ohne irgendeinem einfachen Weltbild anzuhängen. Es wäre viel gewonnen, wenn mehr Menschen einen solchen weiten Blick hätten. Man hört und liest die Tage im Deutschland viel über Özil, was vermuten lässt, dass sich bezüglich des Hasses gegenüber "anderen" nie etwas geändert hat.

Beitrag melden
xse 25.07.2018, 16:11
5. ...

Sehr guter Beitrag. Ich war letzt im Fitnessstudio und habe am Eingang einige Wörter zwischen der Unterhaltung eines Angestellten und eines Gastes aufgeschnappt. Der Gast sagte, er hätte gerne ein deutsches Fitnesstudio, woraufhin der Angestellte sagte „oder ein arisches!“. Ich fragte dann als „nicht Weisser“ provozierend nach, was genau sie denn damit sagen wollten und gab natürlich zu verstehen, wie wenig ich davon hielt. Die Diskussion war für alle hörbar, einzig eine Dame sprang mir zur Seite. Alle anderen hielten sich fein raus. Gleiches im Schwimmverein, in den ich als Student ca 3 - 4 x/ Woche trainieren ging. Auch da wurde ich regelmäßig mit ausländerfeindlichen Parolen von 1 Person beschimpft. Der Unterschied damals, weder Trainer noch die anderen Schwimmer sprangen mir auch nur einmal zur Seite. Das war das enttäuschendste für mich. Das Schweigen der Vernünftigen fühlt sich dann an, wie eine stillschweigende Duldung oder gar als würde der eine Wüstling aussprechen, was die anderen nur zu denken wagen.

Beitrag melden
ach 25.07.2018, 16:13
6.

Bisher hatte ich nicht den Eindruck, daß die, die sich beteiligen, sich der Komplexität bewußt wären.

Beitrag melden
leonmarce 25.07.2018, 16:16
7. Nicht Schweigen ist das Problem . . .

Nicht Schweigen ist das Problem. Sondern das kakophone Konzert der emotionalen Empörungs-Gutmenschen, die alles mit allem vermengen und dadurch jede Orientierung verlieren. Am Ende bleibt nur eine irritierende Orientierungslosigkeit. Aktuell besonders gut zu beobachten an der Causa Özil. Zur Einordnung:

1. Herr Özil ist der in Deutschland geborene Enkel türkischer Einwanderer. Er ist in Deutschland aufgewachsen, zur Schule gegangen, hat Fußball gespielt, einen Beruf draus machen können und diese Chance ergriffen.

2. Als Herr Özil im Fußball so gut war, daß man ihn in der deutschen Nationalmannschaft haben wollte hat er die türkische Staatsangehörigkeit abgelegt und durch eine bewußt abgegebene Erklärung die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Und ist mit der deutschen Nationalmannschaft auch "Weltmeister" geworden. Der DFB und Deutschland haben ihm also alle Chancen geboten, die man sich im Fußball wünschen kann als Spieler. Und - ja - er hat sie ergriffen und was draus gemacht.

3. Herr Özil hat sich dann aber hingestellt vor eine Kamera, sein Trikot auf Türkisch signiert mit der Widmung "Meinem Präsidenten Erdogan - hochachtungsvoll . . . ". Für einen, den man sicher als den gefährlichsten Potentaten seit Hitler bezeichnen kann. Einen, der eine Machtergreifung hingelegt hat, die ganz deutliche zu der Hitlers aufweist. Eine solche Widmung hat nichts zu tun mit einer Resprektsbezeugung gegenüber dem Land seiner Großeltern. Das ist Özils dumme Ausrede.

Und Herr Özil verkennt, wer sein "Präsident" ist: Der Bundespräsident.

4. Mit dieser Widmung distanziert sich Herr Özil jedenfalls von Deutschland, dessen Staatsangehörigkeit er trägt, dem Land, das ihm die Lebenschancen geboten und das ihn reich gemacht hat. Und das auch noch per Twitter in englischer Sprache.

Damit wird erkennbar, daß er Deutschland gegenüber keine Loyalität empfindet.

Mag er doch jetzt so konsequent sein, und nach seinem Rü+ckzug aus der Nationalmannschaft des Landes, für das er keine Löyalität empfindet, auch die deutsche Staatsangehörigkeit ablegen. Sein Präsident Erdogan wird ihm die türkische sicher gern wieder erteilen - wenn er sie nicht längst schon wieder angenommen hat.

5. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist - im Vergleich zu vielen anderen in der Welt - ein echtes Privileg. Wir sollten sie nicht verschleudern an irgendwelche Fußball-Söldner, die sie nur um der Vorteile willen annehmen, die damit verbunden sind. Sondern zu dem Land stehen, das ihnen den Schutz der Staatsangehörigkeit bietet, mit allen weiteren Chancen, die damit verbunden sind.

6. Diese Einordnung sollte der Bundeskanzler und/oder Innenminister (der zugleich für Sport zuständig ist) vornehmen. Klar und öffentlich. Der Justizminister oder auch das Außenministerium sind gar nicht zuständig und sollten sich deswegen auch nicht äußern. Schon gar nicht mit Kommentaren, die an der Sache vorbeigehenden.

Es wird nicht zuviel geschwiegen, sondern zu viel undurchdachtes Zeug geredet.

Beitrag melden
konterspieler 25.07.2018, 16:19
8. Hervorragender Text!

Das ist genau das, was jeden - der die Freiheit verteidigen möchte - in Deutschland auf sämtliche "Zierpalmen" treiben kann: das allzu Viele sich in die Hose machen vor Angst, das es einem schlechter gehen könnte, wenn man schlechte Zustände öffentlich angreift.
Dabei ist es bei uns so: keiner kommt ins Gefängnis, ins KZ oder in die Hölle, nur weil er mal die Wahrheit sagt.
Dass das aber offensichtlich immer noch eine Mehrheit mehr fürchtet und deshalb lieber den Mund hält, als das sie fürchtet ihre Freiheit zu verlieren, das ist die grösste Gefahr, am Ende den Kampf gegen die Neue Rechte und für die Freiheit zu verlieren. Und davor sollte man sich so sehr fürchten, das alle vor Angst ganz laut anfangen zu schreien!

Beitrag melden
Leser161 25.07.2018, 16:21
9. Elitäre Deutschendefinition

"...egal wieviel Geld sie verdienen oder Anerkennung sie bekommen. Nicht-Müllers kommen über den Status der befristeten Duldung nicht hinaus, und der kann entzogen werden"

Ich denke da genau liegt der Punkt. Deutschsein ist doch keine Frage des Geldverdienens. Ich halte es mit der französischen Definition von Zugehörigkeit "Franzose ist wer sich als Franzose fühlt". Der Pass ist nur eine bürokratische Sache, die auch danebenliegen kann.

Und ich kenne auch mehrere Nicht-Müllers denen man ihr Deutschsein nie entziehen könnte, weil sie sich halt als Deutsche fühlen. Es gibt auch sog. Biodeutsche denen ihr Deutschsein peinlich ist und die lieber Weltbürger wären. Diese sind Kraft eigener Entscheidung keine Deutschen.

Daher, ob Özil nun Deutscher ist oder nicht kann er nur selbst entscheiden. Denn wir Anderen können nicht in seinen Kopf schauen. Wir können nur versuchen Rückschlüsse zu ziehen. Die falsch sein können.

Beitrag melden
Seite 1 von 34
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!