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Science-Fiction-Autor Bruce Sterling: Drei Tipps, um die Zukunft vorherzusagen
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Tech-Chefs wie Mark Zuckerberg schwärmen stets von der Zukunft. Doch was, wenn alles gar nicht so toll wird? Science-Fiction-Autor Bruce Sterling verrät, wie sich heute gut über das Morgen reflektieren lässt.

Echt jetzt 11.11.2017, 18:47
1. Es gibt Gründe, warum niemand über das 22. Jahrhundert schreibt.

Zitat von
Das 22. Jahrhundert ist bislang kaum behandelt worden, darüber lassen sich frische Dinge sagen."
Das liegt daran, dass sich über den Zeitraum von 100-200 Jahren in der Zukunft sehr schwer plausible (nicht zu verwechseln mit richtigen) Vorhersagen machen lassen.

Was in den nächsten ca. 50 Jahren passiert kann man sich ungefähr aus dem Ist-Zustand ableiten. Man wird oft daneben liegen (fliegende Autos) aber es wird sich für den Leser plausibel anhören. Wenn man mehrere Jahrhunderte in die Zukunft geht, kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen (Warp-Antrieb etc.) und auch das wird sich plausibel anhöhren. Es gibt aber eben diesen ungemütlichen Zeitraum dazwischen, den man nicht mehr so einfach aus der Gegenwart ableiten kann, wo aber auch noch keine wirklich fantastischen Dinge hineinpassen.

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Freedom of Seech 11.11.2017, 19:23
2. 22. Jahrhundert Prognose: so schwierig ist das nicht

Vieles ist doch absehhbar wenn man etwas informiert ist und realistische Annahmen zugrunde legt: 1) ca. 10 Milliarden Menschen (mindestens) un die leben zu 80% in Städten - die Bevölkerungsexplosion ist beendet da die Leute in Städten leben. 2) Energieversorgung karbonfrei und preisgünstig (überwiegend Kernfusion und Kernkraft, EE in den Entwicklungsländern). 3) Straßenverkehr in die Luft verlagert. 4) Plastikmüll ist Vergangenheit. 5) viele Pflanzenarten und Tierarten sind ausgestorben werden aber gentechnisch wiederbelebt. 6) Rohstofförderung ist z.T. auf den Mond und die Asteroiden verlagert. Die Industrialisierung und Kommerzalisierung des Sonnensystems hat Fahrt aufgenommen - - moderne Raumschiffe mit Kernfusion/Kernkraft erlauben Reisezeiten zum Pluto in vier Wochen und zum Mars in drei Tagen (Projet 3 Erden brauchen wir). 7) die nach dem 3. Weltkrieg in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert entstandenen Dikaturen sind wieder beseitigt (den Punkt finde ich am Schwiergsten zu prognostizieren).

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larsmach 11.11.2017, 19:44
3. Die gleichen Menschen. Heute wie morgen...

Leben ist ein dynamischer Prozess. Und die Welt dreht sich.

PanAm ist weg. Die Sowjetunion auch. Und der Preis von Bildtelefonaten?
In der Fortsetzung zu 2001 wurde an so naheliegende Dinge wie Konzernpleiten, politische Veränderungen etc. nicht gedacht.

Immerhin liegt man immer richtig damit, dass Menschen im Kern dieselben sein werden - egal, ob sie sich ihre Einkäufe von fliegenden Drohnen liefern lassen oder selbst anbauen.

Außerdem sind die ganz großen Probleme noch ungelöst. Ende: Offen!
Erdteile werden immer schneller abgehängt (einige der "Entwicklungs"-länder, die sich herzlich wenig "entwickeln"), Energieversorgung, Mobilität in sehr bevölkerungsreichen Staaten, die Arithmetik von Erbschaftssteuern (mathematisch führt kein Ausweg am einen Menschen vorbei, dem bald mehr als dem gesamten Rest aus Milliardären, Millionären usw. gehören wird - das scheint so gewollt zu sein, und die unteren treten immerzu brav... nach unten, auf jene, denen es noch schlechter geht).
Wir bekommen die Grenzen des Wandels auf dem Arbeitsmarkt immer mehr vorgeführt: Voll versicherte Industriearbeitsplätze wurden noch nie in großer Zahl durch adequate Alternativen (Dienstleistung, neue Berufsfelder etc.) ersetzt - siehe "Prekariat"! Und dabei war die Automatisierung der Industrie erst der Anfang: Bald können Jungmediziner KI-Datenbanken nutzen, um auf 2000 Berufsjahre von Medizinprofessoren zurückzugreifen - mit garantierter Erinnerung an alle Krankheiten! Flugzeuge können in den meisten Situationen (und an passend ausgerüsteten Flughäfen) schon heute automatisch landen - und tun dies bei dichtem Nebel auch. Steuerberater, Landwirte, Mediziner, Chefpiloten, Zugführer, viele der heutigen Programmierer (meist nur noch Zuträger; Nutzer von Fertigmodulen und Jongleure in höheren Programmiersprachen ohne starken Bezug zu Prozessoren und deren Funktionsweise), Designer... wie sicher sind all diese (noch) hochbezahlten Berufe? Diese und andere Berufe werden sich früher oder später automatisieren lassen.
Was dann? Eine Handvoll reicher Unternehmer in (automatisch...) "guided communities", eine Schar von Gelegenheitsjobbern, die im Dauerstress leben?

Die Zukunft scheint immer unübersichtlicher zu werden; andererseits mag dies nur am Vorhandensein von Live-Nachrichten liegen. Gerade schreibt mir eine Freundin aus Ghana, dass sie sich in Irland um einen Job in der Medizinbranche beworben hat.
Meinen Opa hätte so eine Nachricht wohl nicht erreicht.

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Poco Loco 11.11.2017, 22:58
4. Entscheidend wird sein....

.....wie sich unsere Intelligenz bzw. unsere Gehirne entwickeln werden. In Californien hat man diesbez. lange geforscht und die Ergebnisse sind erschreckend. Es gibt dort bei Authismus eine Zunahme von 600 %, ebenso bei ADHS, auch nimmt der IQ alle 10 Jahre um 2 Punkte ab. Zurückzuführen auf Jodmangel und vor allem Umweltgifte, wie Weichmacher in Kunststoffen (auch reichlich im Fisch vorhanden), Flammschutzmittel in Polstermöbel und Schaumstoffen (Fassadendämmung), Pestizide in der Landwirtschaft, Chemikalien wie Chlor, Fluor u. Brom. Schwangere, die Embryonen und Kinder sind davon besonders betroffen. Um unsere Zukunft Ist es also nicht so gut bestellt, dafür werden die Chemiekonzerne und ihre Lobbyisten schon sorgen, dass auch in Zukunft die Kassen klingeln. Mal sehen wie verblödet wir in 100-200Jahren sind?

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lalito 12.11.2017, 06:27
5. echt getzt?

Zitat von Freedom of Seech
. . . 7) die nach dem 3. Weltkrieg in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert entstandenen Dikaturen sind wieder beseitigt (den Punkt finde ich am Schwiergsten zu prognostizieren).
Die vorhergehenden Punkte 1-6, nun ja, kommen m. E. bisschen plattitüdenhaft, beinahe beliebig daher.

Dass Sie allerdings im Punkt 7 einen dritten Weltkrieg als führbar ansehen, und dann gleich noch mit einem wie auch immer strukturierten Danach?

Wenn in unserer Atmosphäre, auch Biosphäre genannt, weder Atmen noch Bio in der seit vielen, vielen Jahrtausenden uns gewohnten Form mehr möglich ist, dann verstehen die letzten unter diesen Bedingungen vor sich hin vegitierenden menschlichen Kreaturen erst den Faktor Zeit, den Zeitraum, den es braucht, sich grundlegend schlimmstenfalls abrupt veränderten Lebensbedingungen anzupassen.

Dass im letzten Jahrhundert geltende Vierteljahrhundertprinzip, die Transformation von "Jung" zu "Alt" im benannten 25jährigen Zeitraum, das wird meiner Meinung am Ende dieses Jahrhunderts keinerlei Gültigkeit mehr haben. So nach dem Motto fünf bis acht Mal progressiv wählen und ab dann bewahrend resp. konservierend. Dafür sorgen die Algorithmen der zukünftig Herrschenden im Verbund mit KI.

Allerdings nur unter der Prämisse, dass die Menscheit nicht so dämlich war, sich im eigenen Wohnzimmer zu grillen, denn, ein dritter "Weltkrieg" ist unmöglich konventionell zu halten. Zu viele alte, vor allem immer noch offene Rechnungen fristen an den virulenten Brennpunkten der Welt ihr Dasein in den Schubladen. Drückt dort jemand auch auf das kleinste rote Knöpfchen, ist eine unaufhaltsame Kaskade ausgelöst.

Die erstmalige Zündung atomarer Sprengkörper in einer Kriegshandlung konnten den letzten Weltkrieg beenden. beim zweiten Mal beginnt der dritte. Das wäre dann allerdings unser Ende als Spezies mit mehr oder weniger komfortabel habitabler Lebensumgebung. Wenn der Grill endlich aus ist, all die Sprengsätze verfeuert, wird es dunkel und kalt für einige Jahrtausende - aus menschlicher Perspektive erst mal grundsätzlich Feierabend mit zahlenmäßig exponentiell ansteigenden Fortpflanzungsresultaten.

Regional begrenzter Einsatz von A-Waffen, einer der vielen feuchten Träume heißer Krieger mit Erfolgsdruck an der Heimatfront, ist ein klassisches Oximoron. Dem Ersteinsatz folgt eine Antwort, die kann sich jeder ausmalen.

Es gibt demnach nur hopp oder top - Menschheitsgeschichte läuft . . . oder ist zu Ende.

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Immanuel K. 12.11.2017, 11:02
6. Einen Teil der Zukunft...

...kann man voraussagen, in dem man die Dinge einfach weiterdenkt - hört sich trivial an (ist es eigentlich auch), allerdings scheuen sich viele Menschen davor...
Ein Beispiel, die Produktivität steigt ständig - weitergedacht bedeutet das, am Ende produziert einer alles...
Falls wir also unseren heutigen Arbeits-/Belohnungsbegriff (Arbeit gegen Tauschmittel/Geld) nicht ändern, bekommen wir irgendwann ein Problem - oder wir verkaufen uns gegenseitig Hamburger, oder wir geben uns gegenseitig Jogakurse...

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vitalik 12.11.2017, 13:47
7.

Ich finde, dass die Zukunft langweiliger geworden ist. Es scheint so, dass man sich für die nächsten 100 Jahren darauf eingestellt hat heutigen Konzepte in die Wirklichkeit umzusetzen.
E-Auto, Selbstfahrende Autos, Fliegende Autos, Umweltfreundliche-Energie, Kleinscomputer, Quantencomputer, Marsreisen, Organzüchtung, Kernfusion usw.
All das gibt es bereits, zumindest als funktionierender Prototyp. Viele Sience-Fiction Bücher von Anfang des 20 Jahrhunderts haben Sachen aufgegriffen, die man sich so nicht vorstellen könnte.
Was ist heute das Ding, was man in 200 Jahren sieht, aber aktuell für unmöglich hält?

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scoopx 12.11.2017, 20:46
8. Nietzsche als Prophet

Zitat von vitalik
Ich finde, dass die Zukunft langweiliger geworden ist. Es scheint so, dass man sich für die nächsten 100 Jahren darauf eingestellt hat heutigen Konzepte in die Wirklichkeit umzusetzen. E-Auto, Selbstfahrende Autos, Fliegende Autos, Umweltfreundliche-Energie, Kleinscomputer, Quantencomputer, Marsreisen, Organzüchtung, Kernfusion usw. All das gibt es bereits, zumindest als funktionierender Prototyp. Viele Sience-Fiction Bücher von Anfang des 20 Jahrhunderts haben Sachen aufgegriffen, die man sich so nicht vorstellen könnte. Was ist heute das Ding, was man in 200 Jahren sieht, aber aktuell für unmöglich hält?
Das sehe ich auch so, und Nietzsche war es, der das schon in den 1880er Jahren, als der Fortschrittsglaube immer weiter zunahm, vorausgesehen hat. Er schrieb im "Zarathustra" (Vorrede, Abschnitt 5): "Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. [...] Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist: so hat man kein Ende zu spotten."

Genauso ist es gekommen. Die Erde ist nicht nur klein geworden, es herrscht auch eine nie dagewesene Homogenität: die Architektur, die Autos, die Flugzeuge sind überall gleich, alle Menschen kleiden sich "westlich", es herrscht überall das gleiche Denken, das gleiche Wirtschaftssystem - und die gleiche Überfremdung.

Unser ganzer Planet ist ein Techno-Planet geworden. Wildnis gibt es keine mehr, nur noch Reservate, und jeder Königstiger ist registriert. Nichts ist mehr verborgen, wenn in Sibirien ein Braunbär einen LKW-Fahrer anbettelt wird das sofort ins Netz gestellt.

Und der Mensch macht sich selber und alles klein. Er hält sich für so unbedeutend, daß ihm die Vorstellung nichts ausmacht, eine sich selbst reproduzierende, mit Bewußtsein ausgestattete KI sei ihm "evolutionär überlegen" und werde ihn in absehbarer Zukunft vom Planeten fegen. Selbstverständlich hält er sein eigenes Bewußtsein für eine Rechnergröße und Intelligenz für eine vorteilsuchende Maschine.

"Man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können", schrieb Nietzsche in dem o.g. Text. Das ist, genau wie er vorhergesagt hat, vorbei. Und deshalb ist die Zukunft auch langweilig.

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paspartout 13.11.2017, 15:10
9. Was total Neues hat SFI noch nie vorausgessgt.

Ich habe früher - ab 1969 - viel SFI gelesen.
Mir fällt nichts ein, dass irgendein Autor mal etwas geschrieben hätte, dass völlig neu war.
Z. B. hat keiner das Internet vorhergesehen. Es wurden immer nur Trends in die Zukunft prolongiert:
Überbevölkerung, Umweltkatastrophen, Weltdiktaturen, Besiedlung fremder Planeten und natürlich Krieg mit Alienss.
Nur die menschlichen Sitten und Gebräuche blieben konstant: wie 1969 so auch im Jahre 9069 !

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