Forum: Netzwelt
Seenotrettung im Mittelmeer: Die Unwucht in unserer Wahrnehmung
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Eine aus Seenot gerettet Britin ist eine Sensation, Hunderte in Seenot geratene Flüchtlinge sind Alltag. Wie kommt es zu dieser Schieflage in unseren Köpfen?

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JungUndFrei 22.08.2018, 13:41
1.

Ich denke nicht, dass es sich hier um rassistische Denkmuster handelt. Es stimmt je näher uns jemand steht, desto mehr betrifft uns sein Schicksal emotional. Mit einem Kreuzfahrer aus Europa haben wir mehr geminsam als mit einem Flüchtling aus Afrika in einem Schlauchboot. Das liegt aber nicht an der "Rasse", sondern an den konkreten Lebensumständen und den Handlungsmotiven der Beteiligten. Preisfrage, glaubt der Autor, wenn es eine schwarze Britin gewesen wäre, das Interesse in Europa wäre geringer? Das wäre in der Tat rassistisch, aber ich bezweifle, dass dem so wäre.

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jeze 22.08.2018, 13:46
2. Denkfehler

Eine sehr fragwürdige Sichtweise. Die Frau auf dem Kreuzfahrtschiff ist in der Tat in Seenot “geraten”. Die Rettung hatte zum Ziel für die Frau wieder die Situation herzustellen, in der sie sich vor dem Seenotfall befunden hat.

Die Flüchtlinge in Seentot, über die wir aktuell sprechen begeben sich gezielt in diese Situation, sie geraten nicht hinein. Deswegen ist diese Formulierung auch falsch. Ihr Anspruch ist es nicht, dass man sie wieder in die Situation bringt, in der sie sich vor dem Seenotfall befunden haben, sondern sie wollen hundert von Kilometer an einen anderen Ort gebracht werden und dort versorgt werden. Das ist nicht die Definition von Seenotrettung.

Die Absurdität der Anspruchshaltung wurde an den Fällen deutlich, wo fremde Schiffe in Seenot geratene Menschen aufgenommen und sie zurück nach Afrika bringen wollten. Dies wurde von einigen Menschenrechtsorganisationen verurteilt – dass diese Schiffe ev. weder das Ziel Europa, noch genügend Treibstoff um dahin zu gelangen an Bord hatten wurde überhaupt nicht berücksichtigt.

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Jasko 22.08.2018, 13:47
3.

Hervorragende Kolumne, Herr Lobo. Mal wieder.

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Das dazu 22.08.2018, 13:51
4. Perfekte Meinung

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Besonders die Übermedialisierung macht einem zu schaffen.
Rassismus gibt es schon länger und hier wirken auch Abwehr- und Verdrängungsmechanismen. Aber es wird besser.
Bei der Übermedialisierung bin ich mir noch nicht so sicher. Da muss man auch an sich selbst arbeiten, Offline bleiben, Auszeiten nehmen, hinterfragen. Genau wie beim Rassismus.
Aber dies muss der moderne Mensch erst noch besser erkennen und lernen.

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kpkuenkele 22.08.2018, 13:53
5. Äpfel mit Birnen verglichen

Es gibt doch keine ernsthafte Diskussion in Deutschland darüber, ob Seenotrettung stattfinden sollte. Der Streit entbrennt über der Frage, ob die legale Seenotrettung mit einer illegalen Einreise in die EU verbunden werden kann. Insofern ist der Vergleich der britischen Touristin und der hypothetischen Frau aus dem Tschad ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen und völlig am Thema vorbei. Er erscheint vielmehr als Versuch, die Diskussion um illegale Einwanderung zu einer Diskussion um Seenotrettung umzuwidmen, um damit die Gegner einer ungeregelten Einwanderung als unmoralisch zu verunglimpfen, da sie angeblich Menschen ertrinken lassen wollen. Auch ein Kommentar sollte zumindest den Anspruch erheben, zur Versachlichung der Diskussion beizutragen, was Sascha Lobo hier leider nicht gelungen ist.

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schrotti_CB 22.08.2018, 13:56
6. Guter Artikel

Hier wird uns tatsächlich vor Augen geführt wie wir emotional in der SchiefLage sind. Auch ich habe mich sehr für diese Britin interessiert und mir vorgestellt, das ich im Meer triebe und auf Rettung hoffe.

Und jetzt stelle ich mir vor, wie viele Menschen jetzt tatsächlich ein ähnlichen Schicksal erleiden ohne gerettet oder zumindest Wahrgenommen zu werden.

Es stimmt schon das dies nicht rassistisch ist, sondern durch die unterschiedlichen Lebensumstände aus den unseren Focus rückt. Umso wichtiger ist es, dass dieser Artikel uns diese SchiefLage offenbart.

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luede75 22.08.2018, 13:58
7. Gründe?

Warum wird hier eigentlich der Leser gefragt, anstatt die Medien, welche über diesen Fall berichten? Denke mal hier im Forum hat keiner einen Artikel hierzu geschrieben, oder ein Interview geführt, noch von dem Fall überhaupt gewusst, wenn nicht berichtet worden wäre.

Bitte mal die Kollegen in der Redaktion fragen, danke.

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Bondurant 22.08.2018, 14:04
8. Fahrlässig oder absichtlich falsch?

Es ist einigermaßen schwierig, nicht zynisch zu werden, wenn man sich den Unterschied vor Augen führt: Deutschland diskutiert offenbar ernsthaft darüber, ob Seenotrettung sinnvoll sei - bei schwarzen Flüchtlingen. Die aufwendige Rettung einer Britin dagegen wird medial geradezu gefeiert.

Anders als der Autor das wohl gerne hätte, geht es nicht um die "Hautfarbe" der Geretteten. Sondern um die Frage, ob Menschen sich bewusst in eine Gefahr begeben, in der Hoffnung daraus in die EU, vorzugsweise nach Deutschland, "gerettet" zu werden. Diese Sichtweise geht davon aus, dass sich Menschen bewusst in Lebensgefahr begeben, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Im privaten zwischenmenschlichen Bereich ist das Äquivalent dazu die Selbstmorddrohung.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich will damit nicht sagen, dass das Verhalten der Flüchtenden verwerflich oder gar unverständlich ist. Aber es ist eben etwas anderes.

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Wanax 22.08.2018, 14:13
9. Schieflage bei wem ?

Schieflage in "unseren" (wer genau ist das?) Köpfen?
Handelt es sich nicht viel mehr um eine Schieflage in den Medien bzw. der schreibenden Zunft ?
Daraus eine Schieflage von "uns" zu machen...offenbart dann eher die Schieflage des Autors.
Oder so ist´s halt in den Echokammern und geistigen Wagenburgen und Elfenbeintürmen.

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