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Soziale Medien: Nicht einmal Facebook versteht Facebook
DPA

Plattformen wie Facebook bestimmen, wie wir die Welt sehen. Leider haben wir noch nicht gelernt, soziale Netzwerke sinnvoll zu nutzen - und selbst die Betreiber können sie kaum kontrollieren. Aber es gibt Hoffnung.

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tobitibot 10.10.2018, 15:25
1. Gegenthese

Meine These ist: Facebook will Facebook nicht verstehen. Beziehungsweise, muss es gar nicht. Denn Facebook verdient Geld. Und als Unternehmen ist Facebook vorrangig nur daran interessiert.
Mit jedem Skandal, den Facebook durchläuft, wird es widerwilliger, was die Aufklärung und die Verbesserung der Algorithmen un der Sicherheit angeht.
Das ist nur logisch, da die Reaktion der Durchschnittsuser, sowie der Politik, verlässlich mau ausfällt.
Ein nennenswerter Aufklärungsdruck von außen ist nicht erkennbar.

Mit der Analyse der negativen Auswirkungen der Algorithmen hat der Autor freilich recht. Nur, wie kann man ein privates Unternehmen an seine gesellschaftlichen Aufgaben erinnern?
Mein Prognose ist: Zuckerberg wird sich erst dann zu den sozialen Verpflichtungen bekennen, wenn die Userzahlen sinken. Und dann sagen, es tueihm aufrichtig leid.

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Humkoboldt 10.10.2018, 15:31
2. Problem erkannt und erfolgreich ignoriert

Wieder mal eine kluge Kolumne, deren Erkenntnis in zwei Dingen besteht. Erstens: Wir müssen Social-Media verstehen lernen. Mehr noch: unseren Gebrauch reflektieren, um nicht in die Fallen zu geraten, die es vielfach gibt (Von Verschwörung bis Rassismus). Zweitens: Es liegt an den Jungen. Was also tun? Social-Media muss in die Schulen, so oder so. Aber da beginnt das Problem. Denn die Manfred-Spitzer-Lobby ist groß. Da soll dann das Smartphone verboten werden, damit es nicht ablenkt. Kurz: Um „sozialmedial aufgeklärt“ zu werden, brauchen junge und alte Menschen Zeit und Raum, sachlich miteinander zu sprechen. Am besten in der Schule.

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spon_4_me 10.10.2018, 15:33
3. Tiefer hängen

Facebook das "machtvollste Unternehmen der Welt"? Social Media als "kulturpessimistische Falle"? Sind Sie da nicht ein bisschen Opfer der eigenen Euphorie geworden, Herr Lobo? Wenn wir mal einen Moment lang das Geschäftsmodell von Facebook und Google analysieren, so sieht es doch ungefähr so aus: Diese Unternehmen bieten ihren Anwendern etwas emotional oder intellektuell Begehrenswertes. Das Gefühl von Zugehörigkeit und Teilhabe im ersten Fall, das zügige Auffinden relevanter Information im zweiten. Im Tausch für diese Annehmlichkeit stellen die Anwender den Unternehmen Informationen über sich selbst, ihre Interessen und ihr Konsumverhalten zur Verfügung. Sie werden dadurch zur digitalen Ware, die diese Unternehmen wiederum an ihre eigentlichen Kunden, die für Werbung bezahlen, verkaufen. Da dieses Geschäftsmodell vor allem bei Facebook darauf beruht, dass die Inhalte interessant und "fresh" bleiben, gibt es sich Algorithmen, die den Anwendern mehr und mehr, wieder und wieder die Amygdala ansprechende Reize liefern. Kurz gesagt: Elemente des klassischen Geschäftsmodells der Medien - wie sie auch der Spiegel nutzt - nämlich dass der Anzeigenkunde einen guten Teil des Mediums bezahlt, werden mit der Arbeitsweise von Drogenhändlern - gibt dem Konsumenten eine immer höhere Dosis seines Stoffs - vereint. Das macht Facebook nicht machtvoll, sondern nur ökonomisch enorm interessant, ungefähr so wie das Sinaloa-Kartell oder die kalabrische Ndrangheta. Es ist auch nicht so schwer, ein Scheitern dieses Geschäftsmodells zu skizzieren: Sei es, dass derartige Unternehmen noch viel stärker verantwortlich gemacht werden für die Inhalte, die sie transportieren, sei es, dass Facebook & Co für die Daten ihrer Anwender bezahlen müssen statt sie umsonst zu bekommen, oder sei es, dass derartige Plattformen einen derart schlechten Leumund erhalten ("Fakebook"), dass der Werbeeffekt in Negative verkehrt wird. Ja, der öffentliche Diskurs leidet unter der Verstammtischung dieser Diskussionen. Aber ich bin geneigt, die Entwicklung eher mit dem Aufkommen des Buchdrucks zu vergleichen: Auf Millionen aufrührerischer Pamphlete werden auch wieder dickere Bücker und nachdenklichere Traktate folgen.

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tjw 10.10.2018, 15:35
4. Neuland

tl;dr: "Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen". Schon damals ein kluger Satz, wurde aber vorschnell verlacht.

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Bondurant 10.10.2018, 15:42
5. Alles ganz furchtbar

aber das

Soziale Medien erschaffen eine neue Wirklichkeit in den Köpfen der Menschen. Und weil Facebook eine kollektiv verstärkende, vernetzte Gefühlsmaschine ist, ist die entstandene Wahrnehmung der Wirklichkeit eine hyperemotionale.

ist nicht nur richtig sondern es ist erstaunlich, dass man das nicht gesehen hat. War der Autor auch einer von denen, die ganz im Gegenteil geglaubt haben, die zunehmende Vernetzung und (scheinbare) Verfügbarkeit aller relevanten Informationen würden dazu führen, dass alle immer schlauer werden? Stattdessen nun das! Emotionalisierung! Hyper!

Das Rezept der Emotionalisierung wirkt übrigens überall. Für den einen Teil der Gesellschaft gibt es nur noch "Schutzsuchende", für den anderen "Invasoren". Beides falsch, aber keine(r) will von seinen Emotionen runter. nicht gut

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wahn-sinn 10.10.2018, 15:50
6. Wie bitte Herr Lobo?

Sorry, das ist natürlich Unsinn, dass FB sich selbst nicht verstünde. Klar, ab einen bestimmten Grad der Komplexität werden Systeme unüberschaubar - doch die Funktionen lassen sich sehr wohl via Dashboard, Algorithmen und Indexierung gut auslesen und somit programmierbar machen...sonst gäbe es FB ja nicht. Weitaus vertrackter sind die vielen geheimen Funktionen von FB wie der "Dark Post" und der Graph...letzteren kann man nur benutzen, wenn man in den Einstellungen von Deutsch auf US-Englisch switcht. Mit diesen Instrumenten übrigens hat Cambridge Analytics wesentlich die US-Wähler in den Swing-States identifiziert, die unsicher waren wem sie wählen sollten. Durch gezieltes Posten, Fake-News und Stimmungsmache konnte Trump die Wahl für sich gewinnen. Jedem sei hier daher dringend die Arte-Doku "Fake America" empfohlen. Die Akteure wissen sehr wohl was sie treiben...sie tun nur erstaunt, wenn es in die Öffentlichkeit gelangt!

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Celegorm 10.10.2018, 15:53
7.

Dass man aufgrund des Netzwerk-Effekts gegen ein etabliertes, grösseres Netzwerk als Neueinsteiger nicht ankommt, ist sicher korrekt. Ob sich daraus eine "ewige" Dominanz ergibt, ist aber eine andere Frage, zumindest lässt die Vergangenheit in dem Bereich eine gewisse Skepsis zu. Es dürfte daher unmöglich sein, Facebook mit einem Facebook-Klon das Wasser abzugraben, trotzdem ist Facebook nicht davor gefeit, einfach so irrelevant zu werden. Einerseits, weil es unter der eigenen Grösse kollabiert, andererseits aufgrund unerwarteter Disruption.

Wenn die jüngere IT-Geschichte was gelehrt hat, dann dass neue Konzepte und Technologien alles auf den Kopf stellen können. Facebook versucht zwar dagegen anzukämpfen, indem alles potentiell Interessante aufgekauft wird, aber gerade der Google-Vergleich zeigt ja, dass das nicht genug ist, um dauerhaft Erfolg zu erzwingen. Die Chancen steigen umso mehr als dass sich Abnützungserscheinungen zeigen, was bei Facebook zumindest im Westen längst der Fall ist. Facebook ist schon lange nicht mehr cool und zunehmend uninteressant. Weshalb zumindest nach meiner Wahrnehmung auch immer weniger in relevanter Weise aktiv sind. Die reinen Mitgliederzahlen mögen darum darüber hinweg täuschen, wie aktiv diese wirklich sind.

Ich würde jedenfalls behaupten, dass das Ganze zunehmend morsch wird - und dann kann sehr schnell der umgekehrte Netzwerkeffekt ins Spiel kommen: je weniger andere dort aktiv sind, umso uninteressanter wird der eigene Aufenthalt. Eine Kettenreaktion, die auch ein Milliardennetzwerk in Windeseile implodieren lassen kann. Muss nicht so kommen, aber man sollte sich von der Grösse von Facebook nicht zur Illusion verleiten lassen, dass dieses für die Ewigkeit ist..

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busold 10.10.2018, 15:58
8.

"Millennials etwa betrachten soziale Medien nicht als Monokultur, sondern nutzen neugierig mehrere verschiedene Plattformen - wodurch die Macht und die Missbrauchbarkeit einzelner Unternehmen fast automatisch geringer wird. Immerhin."

Das Problem hierbei ist aber das Facebook aggressiv potentielle Konkurrenten assimiliert. Nutze Ich Whatsapp, Instagram und Facebook als mehrere verschiedene Plattformen, so gehören doch alle drei wiederum zu Facebook.

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MannAusmNorden 10.10.2018, 16:00
9. Hilfe!

Ich habe Facebook noch nie voll verstanden und fand es auch lange Zeit einfach nur nervig. Diese vielen Verlinkungen und Vorschläge, die einem irgendwie unterbreitet werden... wie steuert man die? Wer steuert die? Werden sie von unseren vorherigen Klicks gesteuert? Wie kommt man aus der Schleife wieder raus?

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